Pfingsten

Sunday, May 23, 2010
Von Heinz Eggert

Morgenpost Kolumne, 23. Mai 2010

Pfingsten

Wenn man eine Umfrage in Deutschland starten würde: Würden Sie zu einer Feier gehen, ohne zu wissen was dort gefeiert wird? würde ein Teil der Befragten das entrüstet zurückweisen. Sie wollen schon wissen, was gefeiert wird. Feiern ohne Grund ist für sie nicht denkbar. Vielleicht würde man sie deshalb auch in Argumentationschwierigkeiten bringen, wenn wir weiter nachfragen, warum sie dann eigentlich Pfingsten feiern?

Da gilt der Verweis auf einen arbeitsfreien Tag bei schönem Wetter wenig. Denn den könnten wir völlig unabhängig vom Pfingsten des Öfteren gut gebrauchen. Über 50% der Deutschen kennen nach einer aktuellen Umfrage, die Bedeutung des Pfingstfestes nicht.

Einige sind dabei schon gut raus, wenn sie etwas von Geburtstag der Kirche murmeln. Bingo, würde man schon sagen, bei der Erklärung: Pfingsten ist das „Fest des Heiligen Geistes“ und nach Weihnachten und Ostern das dritte Hauptfest des christlichen Kirchenjahres.

Und völlig verblüfft wären wir, wenn wir von jemanden hören würden: Pfingsten geht auf das griechische Wort „pentekoste“ (der fünfzigste) zurück, weil das Pfingstfest seit etwa Ende des vierten Jahrhunderts fünfzig Tage nach Ostern gefeiert wird. In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes wird Pfingsten auch als Geburtstag der Kirche verstanden. Aber von wem hört man das und wer weiß das schon.

Viele werden wir mit einer solchen Frage schon gar nicht mehr nachdenklich oder verlegen machen. Denn sie würden auf unsere Spaßgesellschaft mit dem Argument verweisen: Man muss auch grundlos feiern können, wenn’s sonst nicht geht! Denn Feiern geht immer und Party ist immer angesagt. Grundlos, unverbindlich und folgenlos. Da wird die Überzeugungslehre schnell zur Überzeugungsleere.

Manchmal ist es ja schon gut, wenn Menschen in unserer geschwätzigen Welt nachdenklicher oder verlegen werden. Und wenn unsere Antworten nicht nur durch die eigene egoistische Blickrichtung bestimmt werden. Die Pfingstgeschichte der Bibel ist nicht einfach zu entschlüsseln. Das ist nicht schlimm, denn es ist wie im wirklichen Leben. Von Belang ist für jeden von uns immer nur das, was wir selbst verstehen, erahnen oder uns sehnsüchtig wünschen.

In der Pfingstgeschichte wird erzählt, dass sich auf einmal – gottgewollt- alle Menschen, trotz unterschiedlicher Sprachen, unterschiedlicher Kulturen und unterschiedlicher Herkunft verstanden. In einem Geist, der nicht an die Irrtümer und Schwierigkeiten sprachlicher Verständigung gebunden ist. Menschen sehen sich an, hören einander zu und wissen, dass sie keine Angst voreinander haben müssen, weil ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und Erwartungen deckungsgleich sind.

Vielleicht lohnt es sich doch, sich mit dieser Pfingstgeschichte zu beschäftigen, um besser zu wissen, was unsere Gesellschaft zusammenhalten kann. Dann haben wir auch gemeinsam etwas zu feiern. Oder?

Abbildung © Gerd Wittka / PIXELIO

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