Schwarze Schafe darf man nicht weiden
Morgenpost Kolumne, 23. Januar 2011
Wenn im ganzen Land die Benzinpreise in ungeahnte Höhen steigen, können wir im Dreiländereck immer noch ganz gelassen sein. Solange wir es nicht verlassen müssen. Denn wir haben die Möglichkeit, an tschechischen oder polnischen Tankstellen zu tanken und dabei pro Liter bis zu 25 Cent zu sparen. Als ich das vor ein paar Jahren schon einmal in einem Interview erwähnte, wurde mir vorgeworfen, unpatriotisch zu sein, falls ich im Ausland tanken würde.
Für unpatriotisch habe ich es noch nie gehalten, weil die Bevölkerung in einem Grenzgebiet – sehr zu Recht – immer die jeweiligen sich bietenden Vorteile des Nachbarlandes für sich in Anspruch nimmt. Das macht einiges der Nachteile wieder gut, die sich in jedem Grenzgebiet wirtschaftlich von alleine ergeben. Aber trotzdem ist in unserer Region etwas Nachdenklichkeit beim Tanken eingezogen. Denn es gibt zwei Dinge, wo der Spaß aufhört: beim Geld und beim Auto.
Weil durch günstiges Tanken im Tschechischen die Automotoren zerstört worden sind und das wiederrum viel Geld kostete. Einige tschechische Tankstellenbesitzer oder Treibstofflieferer konnten nicht schnell genug reich werden und haben Kraftstoff gepanscht. Damit waren die Flammpunkte zu niedrig und der Anteil an Äthanol und Sauerstoff zu hoch. Sehr zum Nachteil der Motoren. Denn die fielen plötzlich aus und wurden dadurch zerstört. Das ist die ausgesprochen negative Nachricht bei dieser Geschichte. Für den Kfz-Besitzer und die Versicherungen. Aber es gibt auch eine positive Nachricht und die hat – man wird es kaum glauben – mit dem schnellen reagieren der tschechischen Behörden zu tun.
Zunächst wurde eine Webseite der Tschechischen Handelsinspektion eingerichtet. Dort war eine Liste der Tankstellen einzusehen, denen die Inspektion im vergangenen Jahr eine Strafe wegen ihrer schlechten Treibstoffqualität auferlegt hat. Die Webseiten waren wegen des großen Ansturms zeitweise blockiert. Denn sie wurde von Deutschen, Österreichern und Tschechen angeklickt. So wurden die schwarzen Schafe der Mineralölwirtschaft öffentlich beim Namen genannt, mit Strafen belegt und von den Autofahrern gemieden. Einige stehen deshalb schon kurz vor der Schließung und merken, dass sich Betrug nicht lohnt.
Der tschechische Industrie- und Handelsminister gab eine harte Linie vor. Bei gemeldeten Verdachtsfällen sind die Kontrolleure der örtlichen Gewerbeaufsichten schnell vor Ort und kontrollieren die Qualität des Kraftstoffs. Bis zu € 300.000 Strafe wurden im Einzelfall schon verhängt. Dass es in jeder Branche schwarze Schafe geben kann, wird man auch gesetzlich nicht verhindern können. Dass sie allerdings auf lange Zeit Erfolg haben, schon!
Oder?
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