Der Tag der Kosmonauten

Sunday, April 17, 2011
Von Heinz Eggert

Morgenpost Kolumne, 17. April 2011

Am 12. April morgens klingelte mein Telefon und mir wurde vergnügt zum Tag der Kosmonauten gratuliert. Denn immerhin vor fünfzig Jahren flog der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin an Bord von “Wostok 1″ als erster Mensch ins All und der eröffnete damit die bemannte Raumfahrt. Natürlich grüßte ich vergnügt zurück.

Ich war 1961 vierzehn Jahre alt und erinnere mich sehr genau an diesen Tag. Wir waren alle begeistert, dass Unvorstellbares jetzt Wirklichkeit geworden war. Die Phantasien wurden angeheizt und ein neuer Berufswunsch entstand. Viele wollten jetzt “Kosmonaut” werden. Millionen säumten später die Straßen, um die Kosmonauten zu sehen und zu feiern. Da wäre ich auch gerne dabei gewesen.

Natürlich wurde dieses Ereignis damals nicht nur gebührend gefeiert – wozu es ja auch viel Grund gab – sondern auch propagandistisch ausgeschlachtet. In vielen Versammlungen wurde uns erklärt, dass der friedliche Kommunismus ein weiteres Mal seine ungeheure Überlegenheit über den kriegerischen kapitalistischen Imperialismus bewiesen hätte. Eigentlich hätte man sich das auch sparen können, denn davon waren wir damals ohnehin überzeugt.

Die Zweifel an der Überlegenheit des Kommunismus – nicht an der großen Pioniertat der Raumfahrt – kamen bei mir erst viel später. In dem Zusammenhang denke ich gerne an meinen alten Theologie-Professor Quell, der eigentlich mehr im Alten Testament als in der DDR zuhause war.

Auf einer Propagandaveranstaltung an der Universität Rostock erklärte Sudel-Ede (Karl Eduard von Schnitzler, Chef-Kommentator der DDR) Gagarin sei im All gewesen und habe Gott nicht gesehen. Das sollte kämpferischer Atheismus sein, denn die Kirche war Staatsfeind Nr. 1. Großer Beifall der Genossen! Daraufhin meldete sich unser etwas weltfremder Theologieprofessor und sagte: “Das hätte ich Ihnen schon vorher sagen können, Herr von Schnitzler. Dafür hätten sie nicht so viel Geld ausgeben müssen.”

Das Gelächter war groß und die Strafversetzung nach Halle folgte. Er hat beides nie so richtig begriffen, aber teuer für diese Bemerkung bezahlt. Diese Geschichten erzählte ich am Telefon und bekam dafür vom engagierten Leiter des Deutsch-Russisches Kulturinstituts eine Einladung. Sie hatten den Kosmonauten Sergei Awdejew nach Dresden eingeladen, der 747 Tage im Weltraum auf der russischen Raumstation “Mir” verbrachte. Mit ihr umrundete er die Erde 11.968 Mal und legte dabei eine Strecke von ungefähr 515.000.000 km zurück. Eine ungeheure Lebensleistung, die dieser humorvolle und sympathische Mann erbracht hat.

Die allerdings – und das geht allen Kosmonauten so – ist nicht mehr hinreichend gewürdigt werden. Bei allen durch sie erworbenen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sollten wir nie diese mutigen Männer und Frauen vergessen, die uns das Fenster zum All geöffnet haben. Manchmal ist es gut, dass es Gedenktage gibt.

Oder?

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