Dialoge
Morgenpost Kolumne 26. Juni 2011
Freunde aus Griechenland sind da. Klar, dass uns der Gesprächsstoff nicht ausgeht. Die schlechten Nachrichten überschlagen sich. Nichts Gutes für das Land, für die Menschen und für den Euro. Unsere Freunde erzählen, aber vieles verwundert sie auch nicht.
Dazu kennen sie ihr Land zu gut. Gefälschte Zahlen beim Euro-Eintritt, Korruption, jeder vierte Grieche arbeitet (oder auch nicht) gut abgesichert im öffentlichen Dienst, ohne dass die Verwaltung effizient arbeitet. Keine Übersicht bei den Finanzen, keine bei den Grundstücken. Grundbucheintragungen sind die Ausnahme. Kein Wunder, dass es keine Steuereinahmen gibt.
Sie loben unser effizientes deutsches Verwaltungssystem. Da muss ich natürlich dagegenhalten und von überbordender Bürokratie und einer unnötigen Regelungsflut erzählen. Diskussionsstoff ohne Ende.
Aber sie wollen ja auch etwas von der Landschaft sehen. Also fahren wir durch die sommerliche Oberlausitz nach Dresden und besuchen natürlich auch die Frauenkirche. Als wir die Kirche verlassen wollen, geht gerade ein fürchterlicher Platzregen nieder. Im Ausgangsbereich stauen sich die Besucher.
Aus dem alten Trenchcoat eines hageren älteren Herrn lugt neugierig ein kleiner Hund. Das sieht stirnrunzelnd der dicke glatzköpfige Wachmann in der Frauenkirche. Es entwickelt sich ein für uns staunenswerter Dialog.
Der Wachmann: „Das nächste Mal bringen sie den Hund hier aber nicht wieder rein.“
Der ältere Herr : (leicht empört mit sehr hoher Stimme) „Warum?“
Der Wachmann: (nachdrücklich) „Weil das verboten ist!“
Der ältere Herr: „Das kann ja in einer Kirche gar nicht sein. Mein Alfons ist genauso ein Geschöpf Gottes wie sie!“
Alfons bellt.
Der Wachmann: „Sie wollen wohl ihren kleinen Hund nicht mit mir vergleichen!“
Der ältere Herr: „Gott liebt all seine Geschöpfe!“
Der Wachmann: „Das kann sein. Trotzdem ist das verboten!“
Der Hund bellt.
Der ältere Herr: (in noch höherer Stimmlage) „Warum? Verbote müssen auch richtig begründet werden.“
Der Wachmann: (genervt) „Das könnte ja sonst jeder machen.“ (Er überlegt eine Weile) „Dann bringt einer eine Schafherde mit und dann kommt vielleicht auch noch ein Schwarzer mit einem Krokodil.“
Der ältere Herr: (ironisch mit fast überschlagender hoher Stimme) „Na, das ist ja eine überzeugende Begründung.“
Der Wachmann: (triumphierend ) „Sage ich doch. Das nächste Mal bringen sie nicht wieder einen Hund mit rein.“
Der Hund und wir sind ganz still.
Nachdem wir weit entfernt von der Frauenkirche sind, sagt unser Freund: „Auf dem Niveau laufen momentan auch einige Diskussionen bei uns in Griechenland.“
Da sind wir uns schnell wieder einig. Bei uns in Deutschland nämlich auch.
Oder?
Bild: F.H.Me. / pixelio.de
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