Respekt

Sunday, February 19, 2012
Von Heinz Eggert

Morgenpost Kolumne, 19. Februar 2012

Selbst in den Oybiner Bergen habe ich mich darüber gefreut, wie friedlich der 13. Februar in Dresden verlaufen ist. Dabei konnte ich die vielen ideologisierenden Diskussionen, zwischen denen angemessene Trauer und schon erfolgte Versöhnung zerrieben wurde, nicht mehr hören.

Erfrischend dagegen war mein Gespräch mit Oliver Kloß. Zu Unrecht unbekannt, denn zusammen mit Annett Ebischbach und Torsten Schenk hat er 1981 den „Aufruf zum 13. Februar 1982“ verfasst.

Damals waren sie zwischen 17 und 20 Jahre alt. Sie luden in dem Aufruf zu einer kleinen Gedenkfeier an die Ruine der Frauenkirche ein, wo in Ruhe und mit Singen Blumen und brennende Kerzen beim Läuten der Glocken um 22 Uhr niedergelegt werden sollten. Sie wollten zum Nachdenken über den Frieden anregen.

Anregen in einer Zeit, in der in Polen eine Arbeiterregierung auf Arbeiter schießen ließ und in der die zunehmende Militarisierung der DDR-Öffentlichkeit und die Zementierung des offiziellen Feindbildes nicht mehr mit der „wesensmäßigen Friedfertigkeit des Sozialismus“ übereinstimmten. So mancher Schüler, dem in dieser Zeit sein auf dem Anorak genähtes Abzeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ in der Schule herausgeschnitten wurde, kann darüber Geschichten erzählen.

Was sie wollten war also klar: Um des Friedens willen die Staatsideologie selbst in Frage stellen. Aber wie verbreitet man einen solchen Aufruf, wenn es Facebook noch nicht gab und in der DDR für alles eine staatliche Druckgenehmigung notwendig war?

Hilfe kam von Elke Schanz, Lehrling in der Dresdner Zeitungsdruckerei, die das Flugblatt illegal in den Pausen druckte. Dann fanden sich genug Sympathisanten, die es mit der Schreibmaschine weiter vervielfältigten und bis nach Berlin hin verteilten. Natürlich brachten sich alle damit in Gefahr.

Das war klar, als die Staatssicherheit erst einmal den kleinen aber harten Kern verhaftete. Die vorgeworfene Rädelsführerschaft konnte mit acht Jahren Haft bestraft werden. Nur – und das machte auch die Genossen nachdenklich – der Aufruf war schon zu bekannt geworden und die „feindliche“ Westpresse wusste auch davon. Wie geht man vor der Weltöffentlichkeit mit Jugendlichen um, die über den Frieden sprechen wollen? Besonders wenn man selbst mit bis zu 20.000 Teilnehmern rechnete.

Also sprach Modrow mit dem Bischof und die Kirche öffnete schützend für alle die Kreuzkirche für den 13. Februar 1982 zum „Friedensforum“. Polizeilich gut kontrolliert kamen fast 6000 Jugendliche zur größten Veranstaltung der staatskritischen Friedensbewegung in der DDR. Das war der Anfang!

Allerdings hätte die Fantasie aller damals nicht ausgereicht, sich vorzustellen, das dreissig Jahre später der Jenaer Pfarrer König im Talar und mit Totenkopfmütze die Teilnehmer der Trauerkundgebung zum 13. Februar provokativ verhöhnt und die Kirchenleitungen dazu schweigen. Da waren wir im Nachdenken über Frieden und Versöhnung – Dank des Einsatzes dieser jungen Menschen – 1982 schon weiter.

Oder?

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