Das Bild der Kreuzzüge als westliches Konstrukt
Der französische Arabist und Historiker Rémi Brague hat einmal darauf hingewiesen, dass die Bedeutung der Kreuzzüge in der Islamischen Welt meist überbewertet wird. Tatsächlich waren die Kreuzzüge dort völlig in Vergessenheit geraten, bis im 19. Jahrhundert eine ins Arabische übersetzte französische Histoire des croisades (1812-22) von Joseph-François Michaud sie ins kollektive Bewusstsein rückte.
Der Übersetzer, so Brague, musste dabei neue Wörter für Kreuzzug und Kreuzfahrer erfinden, die es bis dahin im Arabischen nicht gab. Ein seit Jahrhunderten bestehendes, auf die Kreuzzüge zurückgehendes muslimisches Trauma ist folglich eine Fiktion: “Ein großer Teil des Bildes, das man im Mittleren Osten von den Kreuzzügen hat, ist (…) eine vom Westen inspirierte Rekonstruktion.” Tatsächlich waren für die Arabische Welt des Mittelalters Byzanz und die Fatimiden weitaus bedeutendere Gegner, die entsprechend weitaus grössere Aufmerksamkeit auf sich zogen.
Der Kirchenhistoriker Jonathan Riley-Smith, der verschiedene Werke zur Geschichte der Kreuzzüge vorgelegt hat, weist jetzt in einem Beitrag darauf hin, wie absurd daher der Bezug islamistischer Rhetorik auf die Kreuzzüge ist. Wie auch Brague, so konstatiert Riley-Smith, dass das Image der Kreuzzüge im Westen selbst entstanden ist. Gegenläufige Darstellungen im 19. Jahrhundert, die zwischen Romantisierung (Michaud) und Demaskierung (Scott) oszillierten, reduzierten sich auf eine einzige Sichtweise - und zwar sowohl im Westen wie auch im Vorderen Orient:
(…) with the decay of imperialism in the twentieth century these contradictory visions fused in the West into a historiographical tradition which still colors popular conceptions and a similar convergence occurred in the Muslim world, although it was expressed in different terms.
Der aufkommende arabische Nationalismus machte sich dieses Ideologem zu eigen und bezog die Kreuzzüge recht bald auf den jungen Staat Israel, der in der politischen Rhetorik zu einer späten Frucht europäischer Kreuzzugsmentalität umgedeutet wurde, bevor die Islamisten auf diese Rhetorik einschwenkten. “It is notable that the West has not tried to counter their historical vision, in spite of the fact that it is obviously a distortion of reality” lautet daher Riley-Smith’ Schlussfolgerung.
In der Tat sieht es ganz so aus, als ob der Westen die Deutungshoheit über die Kreuzzüge offenbar stillschweigend an die Islamisten abgetreten hat.
Griechenlands Linke und die “Wurzeln des zionistischen Fundamentalismus”
Das Ende 2006 gegründete ökolinke griechische Blatt “Riksi” widmet sich in der aktuellen Ausgabe seiner Beilage “Ardin” der “Jüdischen Frage und dem Zionismus”. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt sogleich, wes Geistes Kind die Publikation ist. Neben Edward Said kommen dort auch der verstorbene Antizionist Israel Shahak und der Historiker Shlomo Sand zu Wort. Sand vertritt die Ansicht, dass das Judentum eine Erfindung des 19. Jahrhunderts sei, womit er es bis in den “Le Monde diplomatique” geschafft hat. Und der Globalisierungskritiker Giorgos Karabelias, zugleich Herausgeber von “Ardin”, darf sich über die “neue jüdische Frage” auslassen.

Den Höhepunkt bildet der Gemeinschaftsartikel der Redaktion über “Die Wurzeln des zionistischen Fundamentalismus“. Ihm voran steht ein Zitat aus Marxens Schrift “Über die Judenfrage”, die die Autoren für nach wie vor aktuell halten, da sich ihrer Ansicht nach die jüdische Frage auch heute noch im Zentrum der Probleme der zeitgenössischen Welt befinde: “Tatsächlich, vom Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland bis zur Expansionspolitik in Palästina und den Drohungen eines nuklearen Holocaust im Iran – die “jüdische Frage” bleibt ungebrochen, wenn nicht sogar zunehmend, aktuell.” Denn so wie Marx seinerseits den Begriff gebraucht habe, um damit die Kritik am Kapitalismus zu thematisieren, so bezeichne er heute “eine Frage, die einen nie dagewesenen Krieg der Kulturen verursacht hat, insbesondere zwischen dem Islam und den ‘Religionen der Bibel’, d.h. dem Judentum und dem westlichen Christentum.”
Die Juden haben also einen Krieg zwischen dem Westen und dem Islam zu verantworten, findet die “Ardin”-Redaktion. Die naheliegende Schlussfolgerung, das Judentum unschädlich zu machen, könne man natürlich heute nicht mehr ziehen, jedenfalls nicht nach dem Vorbild 1939 ff., “um sich von den Fesseln seiner Ideologie zu befreien.” In diese Falle, so die Redaktion, sei nämlich schon der gute Hitler getappt, der, anstatt die “Kommerzgesellschaft” auszurotten, einen beispiellosen Terror entfacht hat, der wohl irgendwie kontraproduktiv war. Und deshalb kann man heute, leiderleider, die “jüdische Frage” nicht mehr diskutieren, ohne gleich des Antisemitismus oder Rassismus geziehen zu werden.
Da das Verlangen griechischer Ökopaxe, die “jüdische Frage” lösen zu wollen, unstillbar ist, wird das argumentative Sturmgeschütz des Alibijuden aufgefahren: Wird nicht Norman Finkelstein, der Verfasser der “Holocaust-Industrie”, der es gewagt hat, die Wahrheit auszusprechen, von der gesamten amerikanischen Hochschullandschaft “verfolgt”? Und während in Frankreich der jüdische Soziologe Edgar Morin als Antisemit vor Gericht gebracht werde, bleibe nur noch der tapfere Noam Chomsky übrig, dem noch nicht das Recht genommen sei, in den USA seine Meinung offen auszusprechen. Antizionisten sind die wahren Opfer.
Und natürlich die Palästinenser. Eigentlich, so die “Ardin”-Redaktion, sei es nur in Israel selbst möglich, den Zionismus und dessen “rassistische Struktur” anzuprangern. Vor allem aus Israel nämlich seien die “mutigen Stimmen” eines Israel Shahak oder Israel Shamir zu vernehmen. Oder der Neuen Historiker wie Ilan Pappés oder des Antizionisten Michael Warshawski und anderer, ganz zu schweigen vom Mut eines Mordechai Vanunu, der nach 18 Jahren aus dem Gefängnis freigelassen wurde.
Andere Völker zu unterdrücken und auszubeuten, das gehe nämlich nicht lange gut, mault die Redaktion. So habe sich die israelische Gesellschaft in eine undemokratische Gemeinschaft gewandelt und die alten sozialistischen Ideale seien gegenüber den “jüdische Fundamentalisten” aufgegeben worden. Derweil werde die Aussenpolitik von der rassistischen israelischen Rechten beherrscht. Damit vollziehe sich in Israel derselbe Wandel wie im gesamten Westen (zu dem Griechenland bekanntlich nicht gehört). Und natürlich: Israel ist heute der wichtigste Verbündete für die christliche Rechte in den USA. Da habe nach Meinung der Redaktion damit zu tun, dass das Judentum im 19. Jahrhundert innerlich die zionistische Idee in sich aufgenommen habe, wodurch es von einer älteren humanistischen Tradition abgeschnitten worden sei.
Eine bestechende Analyse, müsste man sagen, wenn dies auf Griechenland gemünzt worden wäre. Dort nämlich ist die Entwicklung tatsächlich exakt so verlaufen[1] – auch wenn sich in Griechenland heute vieles zum besseren gewandelt hat. Der völkische Käse von “Ardin” dagegen scheint ein echtes Relikt aus dem 19. Jahrhundert zu sein.
Bildnachweis: Ardin.gr
- ”… the instititutionaliszation of civil liberties, which characterize western parliamentarism,’ did not occur in this country.” (Mouzelis, Politics in the Semi-Periphery, London 1986, p. 6) ⇧
Eine irakische Stimme zum 11. September
Aziz el-Hadj schreibt auf der irakischen Website “Sot al-Iraq”, welche Lehren die Welt aus dem 11. September ziehen muss. Der Artikel unter dem Titel “Der 11. September und der islamische Fundamentalismus” erschien bereits 2005:
Ich glaube nicht, dass es seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des sowjetischen Lagers ein bedeutenderes Ereignis gab als die Zerstörungen vom 11. September 2001. (…)
Dieses bedrohliche und nachwirkende Ereignis enthüllte die grosse Gefahr, die die Menschheit - und nicht nur die USA allein - bedroht, nämlich die Gefahr des islamischen Terrorismus, dessen blutbehaftete Krake Verbrechen an allen möglichen Orten verübte: Von Mekka bis New York und Washington, über Bali, Afrika, Indonesien, Tunesien und Casablance, danach in Madrid, London, Scharm al-Scheich, und die Liste liesse sich fortsetzen. (…)
Was die westliche Linke gerne vergisst, und weshalb die Islamisten in allen Schattierungen sich auf ihre Vergesslichkeit verlassen, ist, dass Armut relativ und in allen afrikanischen Staaten stark vorhanden ist, während es in der arabischen Welt sehr reiche Staaten gibt. Warum bringen dann die armen afrikanischen Staaten keinen Terror hervor, vor allem keinen international operierenden? Stimmt es denn, dass Armut, mangelnde Bildung und Analphabetismus das Entstehen terroristischer Akte überhaupt erklären können? Richtig ist, dass diese Defekte ein gewisses Milieu schaffen, die die Führer der islamistischen Netzwerke auszunutzen wissen, um die Armen und Hoffnungslosen anzuwerben, wo wir doch wissen, dass die Führer des islamischen Terrorismus und die aktiven Kader in ihrer Mehrheit von hoher Bildung sind und es unter ihnen viele Ärzte und Ingenieure gibt, so wie die meisten von ihnen ihr Auskommen haben, und ein Bin Laden sogar Milliardär ist und im Luxus lebt!
(…) Der islamische Terrorismus ist daher vor allem anderen das Produkt einer extremistischen religiösen Ideologie, die (…) sich transformiert in ein gewalttätiges, blutiges Projekt des Aktionismus, um die Welt islamisch werden zu lassen. All die politischen islamischen Denkschulen, trotz ihrer Verschiedenheit in taktischer Vorgehensweise, sind konform in ihrer Anschauung, nach der die Welt in eine des Unglaubens und eine des Islam zu teilen sei. (…)
Die Differenzen der Strömungen des politischen Islam und ihrer Parteien sind rein taktisch. (…) Die Islamisten bedienen sich der Teilnahme an Wahlen und rufen zur Täuschung Parolen von Freiheit und Volkssouveränität, um ihre Ziele in einem islamischen Staatssystem auf einmal oder allmählich zu verwirklichen. Das ist genau das, was sich heute im Irak seitens der schiitischen Parteien und Organisationen abspielt. Die Fundamentalisten wiederum, die mit den agierenden Baathisten koalieren, um das gestürzte System zurückzubringen, bedienen sich allein der Gewalt, des Tötens und des Sprengens, um den Kurs Richtung Demokratie zu zerstören und Rechnungen mit den USA zu begleichen, von denen Syrien und der Iran profitieren, die zugleich beteiligt sind. Solange ihre Ziele dieselben sind, werden die Unterschiede ihrer Denkschulen nur zeitweilig und marginal sein, wie wir es im Bündnis Muqtada al-Sadrs mit den Zarqawis, Baathisten und Terroristen gesehen haben. (…) Wie auch bekannt ist, dass Zarqawi und andere Führungselemente der Qaida aus dem Iran eingesickert sind und dass ebendort im Iran Dutzende Qaida-Leute sind, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass der sunnitische Fundamentalismus die Schia für häretisch erklärt.
(…) Die fanatische Lehre des religiösen Fundamentalismus prodziert die Obession der Gewalt im Namen des »Dschihad um des Islam willen« und bringt das Phänomen des Terrorismus hervor. Während der irische Terrorismus sich mit dem islamischen insoweit deckt, als er Zivilisten als allererstes zu Opfern macht und beiden das religiöse Element zu eigen ist, so zeigen sich die Unterschiede darin, dass ersterer die Briten zum Zwecke der »Befreiung Irlands« ins Visier nimmt, während der islamische Terrorismus international ist: Seine Netzwerke baut er in verschiedenen Ländern auf und er richtet sich gegen die Kultur und den menschlichen Fortschritt, gegen Wissenschaft, aufklärerisches Denken und die Glaubens- und Meinungsfreiheit.
Aus dem 11. September lassen sich daher für uns im Irak die folgenden Lehren ziehen:
1. Die Gefahren der Rigidität, des Fanatismus, sowie des religiösen und weltanschaulichen Extremismus zu begreifen.
2. Zu begreifen, dass sämtliche Schulen des politischen Islam, dieselben politischen Projekte zum Umsturz und Errichtung eines Machtmonopols bedeuten, und dass sie im Einklang mit den jeweiligen Begebenheiten die Freiheiten, die sich ihnen bieten, ausnutzen - angefangen von Wahlen bis zum Gebrauch von blutiger Gewalt.
3. Die fanatische, dogmatische Religionslehre ist die zentrale Quelle für den Extremismus, der wiederum den Terrorismus hervorbringt.
4. Die terroristischen Netzwerke betreiben eine Gehirnwäsche und füllen die Gedanken mit dem Wahnsinn vom Traum eines »Dschihad zur Erlangung des Paradieses«, während sie damit blinden Hass entfachen, der sich gegen religiöse Freiheit und andere Religionsgemeinschaften richtet, sowie gegen die Errungenschaften der modernen Kultur.
5. Es ist unmöglich, ohne gesunde Aufklärung die Konfrontation mit dem Terrorismus zum Erfolg zu bringen, und ohne den Rechtsstaat gegen die Terroristen, Extremisten und Fundamentalisten anzubringen. Denn das Recht ist der Garant der Freiheit und es gibt keine Freiheit ohne die Herrschaft des Rechts. Anderenfalls wird jegliche Freiheit nur solange von den Menschen genossen werden, bis die mit den Baathisten kooperierenden verbrecherischen Netzwerke sich ihrer bemächtigen und ihre Städte besetzt werden, so wie gestern in Falludscha, in Tel Afar und in Haditha geschehen, und ebenso die Freiheit der Bewohner von Basra, die unter der Vorherrschaft von bewaffneten Milizen und islamischen Organisatione stehen (…) Die Herrschaft des Rechts, der Gerechtigkeit und der Entschlossenheit schützt die Freiheit wahrhaftig, denn Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit sind aneinandergebunden.
Amerika hat mit dem 11. September einen sehr hohen Preis bezahlt als Folge des Nichtergreifens notwendiger Präventivmassnahmen zur Bekämpfung des Terrors. Und es waren Menschenrechtsorganisationen ebendort, die jeglicher Ausweitung der Kompetenzen von Polizei und Regierung und der Einleitung von Abschreckungsmassnahmen Widerstand geleistet haben. Obwohl der Kongress ein Sonderkomitee berief, um die terroristischen Angriffe auf die amerikanischen Botschaften in Afrika 1998 zu untersuchen, gelang es der Opposition, die Kompetenzen der Regierung zu beschneiden. Und so bezahlte auch Grossbritannien einen hohen Preis in Form der Attentate von London dadurch, dass es den religiösen Extremismus und seine Propagandisten ignorierte .(…) Dasselbe geschah in Frankreich, wo die Festnahmen noch andauern und Elementen terroristischer Netzwerke der Prozess gemacht wird (…)
Der 11. September hat bewiesen, dass der islamische Terrorismus eine Gefahr für alle ist und dass seine Bekämpfung international erfolgen muss. Der Irak wurde zum vordersten Schauplatz des Terrorismus in all seinen Spielarten. Und dennoch fordern die Vereinten Nationen den Irak auf, die Todesstrafe abzuschaffen, die bislang nur an drei Verbrechern vollstreckt worden ist, anstatt ordentlichen Druck auf Unterstützerstaaten des Terrors, wie Iran und Syrien, auszuüben, um den Import von Terrorismus (…) in den Irak zu stoppen. Vielmehr ist es die Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, alles zu unternehmen, was möglich ist, um die Sicherheit der Iraker aufrechtzuerhalten, angefangen bei den arabischen Ländern und sämtlichen Regionalmächten. Denn die Sicherheit des Irak wird der ganzen Welt nützen.
Die Ereignisse des 11. September müssen uns immer wieder an die Dringlichkeit erinnern, den politischen Islam von der Macht fernzuhalten und an die Notwendigkeit, eine starke Phalanx der Demokratie und des Liberalismus zu bilden. (…)
Dieser Text erschien bereits vor drei Jahren zum ersten Mal auf diesem Blog. Er hat seitdem nichts an Aktualität eingebüsst.
Mit dem Schleier gegen den Zionismus
Die unverschleierte Frau ist die Infanteristin Amerikas und Israels, meint Hojatoleslam Alamolhoda aus Mashad. Denn der Schleier dient der muslimischen Frau als Verhüterli gegen die Einflüsterungen des Westens. Da Amerika nicht behaupten könne, dass der Prophet und der Koran schlecht seien, bleibe ihm nichts anderes übrig, als die Menschen ihrer Religion zu entfremden, indem es sie zur Lüsternheit verführe.
Das offene Haar und das nackte Bein sind der erste Schritt, die Religion zu vergessen. Ja, selbst ein fanzösischer Minister steckt mit den Feinden des Islams unter einer Decke, soll er doch gesagt haben, dass es gar nicht nötig sei, eine Bombe über dem Iran abzuwerfen, wo es doch reiche, die Hemden und Röcke der Frauen kürzer zu machen!
Die unverschleierte Frau ist die Macht, mit der Amerika und Israel den Iran erobern, um die Islamische Revolution zu zerschlagen. Fragt sich nur: Was würden deutsche Kulturwissenschaftler dazu sagen?
Khomeinis Erben
“Israel hat alle notwenigen Anzeichen für einen Zusammenbruch”, denn der Kampf der Hisbollah im “33-Tage-Krieg” (2006) habe mit der “Entwurzelung und Erschöpfung des zionistischen Regimes geendet”[1]. Dies und noch viel mehr war auf einer Konferenz zum 19. Todestag Khomeinis zu hören, dessen Ungeist wiederzubeleben sich das herrschende Regime nach Kräften bemüht. Der iranische Aussenmininister Mottaki befand: “60 Jahre lang hat das Regime es nicht vermocht, sich eine Legitimation zu verschaffen.”[2]
Zustimmend zitiert er Khomeini, “der das zionistische Regime als Feind der Menschheit betrachtete” und weist darauf hin, dass Khomeini seine Opposition gegenüber Israel und “seine Parteinahme für die Rechte des palästinensischen Volkes” nicht auf eine bestimmte Zeit begrenzt sah. Schon Khomeini habe die Gefahr des Zionismus als eine “Gefahr für alle Völker und alle arabischen und islamischen Länder erkannt.” Denn “während der 30 Jahre seit dem Sieg der Islamischen Revolution haben es Libanesen und Palästinenser geschafft, durch die Übernahme der Ansichten Imam Khomeineis bezüglich der Freiheit Palästinanas und der Gegnerschaft gegenüber dem zionistischen Regime, viele der eigenen besetzten Gebiete zu befreien.[3]
Ein libanesischer (aber völlig unbekannter) Intellektueller namens Walid Mohammad Ali, freut sich: “Signale des Zusammenbruchs[4], des Verschwindens[5], des Einsturzes[6] und des Ruins[7] sind klar zutage getreten.” Ein senegalesischer Intellektueller erinnert daran, worin Khomeinis Erbe liegt: “Wir sind auf der Suche nach einer muslimischen Identität, weshalb Palästina kein arabisches Anliegen ist, sondern das aller Muslime.”[8]
Ganz recht: Die Ideologisierung des Palästinakonflikts dient der Begründung einer panislamischen Identität.
Ein weiterer Referent pflichtet dem bei: Jeder, der die Frage nach dem zionistischen Regime allein für eine politische Frage der angrenzenden Länder hält, irrt.”[9] Auch die üblichen antiimperialistischen Töne dürfen dabei nicht fehlen. Ein libanesischer Referent verkündet: “Der Zionismus ist das Antlitz Amerikas und des Westens.”[10] Und wieder: “Imam Khomeini war nicht nur den Iranern und der Schia verbunden, sondern allen Muslimen und der ganzen Menschheit.”[11] Wobei der Westen folglich nicht Teil der Menschheit sein kann.
Wie dem auch sei, man nehme freundlichst zur Kenntnis: Letzten Endes ist Zionismus auch nur eine Chiffre für DEN Westen, gegen den der Hass sich insgesamt richtet. Israel steht lediglich an vorerster Front in den Vernichtungsphantasien der Khomeinisten.
Was gibt es sonst noch von der Konferenz zu berichten? Nur das übliche: Palästinensische Selbstmordattentate sind kein Terrorismus und – natürlich – sind die westlichen Medien zionistisch unterwandert. Interessant vielleicht noch dies: Auf der Konferenz war auch ein spanischer Redner namens Yusuf Fernández zugegen, der als Gründer der “ersten islamischen Webseite in spanischer Sprache” vorgestellt wird, über den man einiges im Internet finden kann. Er glaubt, dass die Medien in den islamischen Ländern dem Zugriff des Kapitalismus (und damit der Juden) entzogen seien.
Zum Abschied kommen noch einmal der Aussenminister und sein Referent zu Wort: “Die Freiheit des Iran vom Joch der Unterdrückung, Ausbeutung und ausländischer Hegemonie, die Freiheit des erhabenen Jerusalem aus den Krallen der Zionisten und das Verschwinden der Machthaber von der internationalen Bühne” seien die drei Schritte, die Khomeini als das Programm zur Rettung der Menschheit verkündet habe.[12]
Lauter Frustrierte, gewiss. Aber manchmal laufen sie Amok.
- به استيصال و درماندگي رژيم صهيونيستي انجاميده است ⇧
- سال است که اين رژيم جعلي نتوانسته است براي خود مشروعيت ايجاد کند ⇧
- طي 30 سال پس از پيروزي انقلاب اسلامي لبناني ها و فلسطيني ها با پيروي از ديدگاه هاي امام خميني در مورد آزادي فلسطين و مقابله با رژيم صهيونيستي توانستند بسياري از سرزمين هاي اشغالي خود را آزاد کنند ⇧
- شكست ⇧
- اضمحلال ⇧
- فروپاشى ⇧
- نابودى ⇧
- ما به دنبال هويت اسلامي هستيم، بنابراين فلسطين مساله عربي نيست، بلکه مساله تمامي مسلمانان است ⇧
- کساني که مساله رژيم صهيونيستي را تنها مساله سياسي با کشورهاي هم مرز با آن مي دانند، اشتباه مي کنند ⇧
- صهيو نيسم، چهره آمريکا و غرب است ⇧
- امام خميني تنها متعلق به ايرانيان و مذهب تشيع نيست بلکه از آن تمامي مسلمانان و بلکه بشريت است ⇧
- آزادي ملت ايران از يوغ استبداد و استعمار و سلطه بيگانه، آزادي قدس شريف از چنگال صهيونيست ها و نابودي سطله گران در صحنه بين المللي را سه گام برنامه ريزي شده از سوي امام خميني براي نجات بشريت بيان کرد ⇧
Kosmopoliten in Saudi-Arabien
Fortschrittliches aus Saudi-Arabien (und zugleich eine Lektion über die Vorteile der Globalisierung):
Eine saudische Geschäftsfrau gewinnt einen Preis für ihr Unternehmertum (und gerät in Schwierigkeiten mit der saudischen Staatsmacht). Selbstbewusst erklärt sie, warum die Staatsmacht – wenn schon nicht aus moralischen Gründen – dann doch wenigstens aus wirtschaftlichen Gründen die Befreiung der Frau wünschen sollte;
Saudische Jugendliche begeistern sich, angespornt durch westliche Fernsehsendungen, für die religiöse Mode der Kabbalah (die als letzter Schrei amerikanischer Celebrities alledings nicht viel mit dem Judentum zu tun hat), was von konservativen Kräften gleich wieder als “kulturelle Invasion” gegeisselt wird;
Und manche sind sogar bereit, für die Meinungsfreiheit auch in Saudi-Arabien öffentlich aktiv zu werden. Zwar zieht das im Königreich immer noch drastische Massnahmen nach sich, aber das könnte sich eines Tages ändern.
(Westliche Intellektuelle träumen derweil weiter von “multiple modernities” und suchen den Dialog mit religiösen Bart- und Würdenträgern… )
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Siehe auch:
- Ja zur Freiheit des Wortes – auch in Saudi-Arabien, 31. März 2008,
- Nichts zu lachen, 12. März 2008,
- Frau und Familie in der Arabischen Welt, 18. Juni 2007,
- Arabische Frauenpower, 20. Dezember 2006,
- Kultureller Fortschritt, 23. März 2006,
- Starke Frauen für die Welt, 13. Oktober 2005,
- Saudische Frauenbewegung, 13. Juli 2005.
Arab Opinion Poll 2008
“Popular Leaders: Hezbollah’s leader, Hassan Nasrallah, increased his popularity as the most admired leader in the Arab world (26%). There was also an increase in the popularity of President Bashar Assad of Syria. Also striking, however, was the emerging popularity of modernizing Sunni Arab leaders, particularly Sheikh Mohammed Bin Rashid al Maktoum of Dubai, when respondents identify the leaders they admire most.
Attitudes toward the US: 83% of the public has an unfavorable view of the US and 70% express no confidence in the US. Still, Arabs continue to rank the US among the top countries with freedom and democracy for their own people. 32% believe that, from the point of view of advancing peace in the Middle East, American policy will remain the same, no matter who wins the US elections. 18% believe that believe that Barack Obama has the best chance of advancing peace, 13% believe Hillary Clinton the best chance, while 4% identify John McCain as having the best chance, while 4% identify John McCain as having the best chance for advancing peace.”
so einige Ergebnisse des aktuellen “Arab Opinion Poll 2008.” Die exorbitante Bedrohungswahrnehmung und die Neigung zu diktatorischen Führergestalten dürften wohl die wichtigsten Gründe sein, warum es so etwas wie einen Nahostkonflikt gibt.

Bildnachweis: Brookings



























