PEW: Europäer antisemitischer, antiislamischer

Was nun, Avi Primor? Hatte der ehemalige israelische Botschafter in Berlin kürzlich noch ein Sinken des Antisemitismus in Deutschland konstatiert, so kommt eine aktuelle Studie zu einem anderen Ergebnis. Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Antiamerikanismus sind in Europa auf dem Vormarsch, lautet das Ergebnis der Umfrage von PEW Research.

Während der Antisemitismus in Deutschland allerdings nur geringfügig zugelegt hat, erreicht er in Spanien Rekordzuwächse. Wieso gerade Spanien? Das möchte dieser Autor auch gerne wissen: Hatten vor drei Jahren noch 21% der Spanier zugegeben, Ressentiments gegenüber Juden zu hegen, so sind es mittlerweile satte 46%! In allen 24 untersuchten Ländern haben die USA den geringsten Bevölkerungsanteil derer, die Juden in einem negativen Licht sehen, nämlich gerade einmal 7%.

Noch schlechter weg kommen allerdings Muslime. Auch hier belegt Spanien mit einem Bevölkerungsanteil von 52%, die Ressentiments gegen Muslime hegen, den Spitzenplatz. Insgesamt hat sich der europäische Mittelwert zwischen 2005 und 2008 von 21% auf 30% verlagert. Diese Korrelation findet sich auch in anderen europäischen Ländern:

For example, in a 2006 Pew survey, among Germans who consider immigration from North Africa and the Middle East a bad thing, 27% had a negative view of Jews. In contrast, when it comes to people who rate immigration from these regions as a good thing, only 14% hold a negative view of Jews.

Dies gilt auch in Bezug auf eine Skepsis gegenüber der Globalisierung:

Similarly, 48% of French respondents who say trade is bad express a negative opinion of Muslims, compared with 35% of trade supporters. (…) Europeans who believe growing trade and business ties are having a negative impact on their families are more likely to hold negative opinions of both Jews and Muslims. Likewise, people who think foreign ownership of companies in their country is a bad thing are also more likely to give Jews and Muslims negative ratings.

Aber natürlich gibt es auch Antisemitismus unter Muslimen. Und auch dieses Phänomen scheint zu wachsen. Eine ähnliche PEW-Studie von vor zwei Jahren hatte festgestellt, dass 60% der spanischen Muslime eine negative Meinung von Juden haben, 47% der Muslime in Grossbritannien und 44% in Deutschland. Nur in Frankreich fiel die Zahl bemerkenswert niedrig aus. Dass die Zunahme des Antisemitismus in Europa auf den muslimischen Bevölkerungsanteil zurückzuführen sein könnte, schliessen die Autoren der Studie aber aus.

Interessant ist, dass Deutschland als einziges Land eine relative Mehrheit der Unterstützer Israels aufzuweisen hat, während seine Nachbarn mehrheitlich Sympathie für die palästinensische Sache bekunden! Hier gibt es allerdings einige Widersprüche gegenüber anderen Studien. Ein Trostpflaster für’s blaue europäische Auge gibt es aber auch:

This rise in negative attitudes toward Jews has for the most part been modest, and anti-Jewish sentiments in Europe remain much less common than anti-Muslim views. Most of the Europeans surveyed by Pew continue to hold favorable opinions of Jews and, compared with other regions of the world, Europeans remain relatively tolerant.

So sagen im Libanon, in Jordanien und in Ägypten 95% oder mehr der Befragten, dass sie von Juden eine negative Meinung haben.

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Islam-Image

Während in islamischen Ländern die Sympathie für Selbstmordattentate fällt, nimmt in Europa die Antipathie gegenüber dem Islam dennoch zu. Das ist das blamable Ergebnis einer Studie von “Pew Global Attitudes”:

Opinions about Muslims in almost all of these countries are considerably more negative than are views of Jews. Fully half of Spanish (52%) and German respondents (50%) rate Muslims unfavorably. Opinions about Muslims are somewhat less negative in Poland (46%) and considerably less negative in France (38%). About one-in-four in Britain and the United States (23% each) also voice unfavorable views of Muslims. Overall, there is a clear relationship between anti-Jewish and anti-Muslim attitudes: publics that view Jews unfavorably also tend to see Muslims in a negative light.

Gleichzeitig befindet sich in Europa auch der Antisemitismus im Aufwind – im Gegensatz zur These des ansonsten so geschätzten Avi Primor.

Behält Ralph Peters also recht

 

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Wie andere Nationen mit Pornografie…

August 19, 2008 · Filed Under Antiamerikanismus, Frankreich · Comment 

… halten es sie Franzosen mit?

McDonalds.

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Eine Ohrfeige für die Totalitären

June 11, 2007 · Filed Under Frankreich · Comment 

Klickt man bei TF1 die Karte mit den Wahlergebnissen zur Nationalversammlung durch, stößt man auf zwei erfreuliche Aspekte, die in ben Berichten über den Wahlsieg von Sarkozys UMP untergingen.

1. Selbst in seinen Hochburgen im Elsass und entlang der Mittlemeerküste kam der Front National in keinem Wahlkreis auf über 10 %.

2. Eine herbe Schlappe mussten auch die Kommunisten hinnehmen, denen aber zugute kam, dass sich ihre verbliebene Anhängerschaft sehr stark auf bestimmte Regionen konzentriert. Nur in zwei Wahlkreisen (Val de Marne 10e, Puy de Dôme 5e) geht der Kandidat des PCF als erster in die Stichwahl, hinzukommt ein Kandidat der unabhängigen kommunistischen Partei im Überseedépartement La Réunion. In Seine-Saint Denis und le Nord gehen je zwei Dissidenten als erste in die Stichwahl, ein weiterer hat einen erfolgversprechenden zweiten Platz in Cher (2e) errungen. Dabei wahr uns eine Vorfeldorganisation des PCF in der Berichterstattung über Heiligendamm als neues Weltgewissen angepriesen worden.

— Nachtrag —

Der Niedergang der Kommunisten könnte vielleicht mit dazu beitragen, dass eine mehrfach von Zettel geäußerte Hoffnung sich erfüllt. Wie “Le Monde” berichtet, bemüht sich Ségolène Royal um eine Wahlbündnis mit den Anhängern von François Bayrou, also um Unterstützung aus der Mitte statt vom linken Rand. Dies würde das französische Parteiensystem fundamental verändern. Allerdings schießen andere Parteigrößen, ihr Gatte eingeschlossen, quer:

Sur ce plan, on note des divergences entre l’ex-candidate et François Hollande qui, hier soir, n’avait pas de mots assez durs pour François Bayrou. Il n’envisageait absolument pas que, dans le fief béarnais du centriste, la candidate socialiste se retire de la course.

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Grauenhaft ist Scholl-Latour…

March 29, 2007 · Filed Under Antiamerikanismus, Deutschland, Frankreich, Neoirrationalismus · 3 Comments 

… in der Tat, deutschnational ist er jedoch nicht. Vielmehr agiert er als (besonders größenwahnsinniger) Gaullist, der ein atomar bewaffnetes Europa unter französischer Führung als Gegenmacht zu den USA propagiert. Mit dem deutschen Nationalpazifismus hat er nie etwas am Hut gehabt.

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Die Muslime in Frankreich und die Evolution (II)

February 8, 2007 · Filed Under Frankreich, Moderne/Antimoderne · Comment 

Vorgestern habe ich darauf hingewiesen, dass der “Atlas der Schöpfung” Chefsache für französische Bildungspolitiker ist. Wenig beachtet wird hingegen, dass sich unter französischen Muslimen eine eigenständige antidarwinistische Literatur herausgebildet hat, die auf “eigenem Mist gewachsen” ist. Die Autoren Anes Ahmad Lala und Mohammed Keskas lehnen - abgesehen vom Ursprung des Menschen - nicht die Evolution an sich ab, sondern nur die Vorstellung, dass die natürliche Selektion ihr entscheidender Faktor sei. Sie halten dagegen den Neolamarckismus, also die Auffassung, Anpassungsleistungen würden auf das Genom zurückwirken für mit dem Islam vereinbar. Gehe die Veränderung der Lebewesen in dieser Form vonstatten, könne sie auf das Wirken Gottes zurückgeführt werden. Sie berufen sich dabei, was den naturwissenschaftlichen Aspekt betrifft, auf den Biologen Pierre-Paul Grassé. Er ist das bekannteste Beispiel dafür, dass Frankreich die Hochburg nichtdarwinistischer Evolutionstheorien ist. Jean Staune, ein weiterer Vertreter dieser Denkrichtung, gibt in dieser PowerPoint-Präsentation einen Überblick über dieses Phänomen. Vorgestellt wurde sie an der Pontificia Università Gregoriana. Honi soit qui mal y pense.

— Update (9.2.2007) —

Dazu passt das hier.

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Mit dem “Atlas der Schöpfung”…

February 6, 2007 · Filed Under Frankreich, Lebenswelten, Moderne/Antimoderne, Türkei · 1 Comment 

… wurden Schulen und Universitäten in Frankreich ungefragt beschenkt, meldet der Figaro. Das neue aufendige Machwerk aus dem Hause Adnan Oktar solle keineswegs in die Hände von Schülern geraten mahnt das Bildungsministerium, das eine Kommission zur Analyse dieses Werks eingesetzt hatte. Versandt wurden die Exemplare anscheinend aus Deutschland. Man fragt sich, ob dann hierzulande dasgleiche vor sich ging, ohne dass es jemand interessierte.


Siehe auch:

Mit der Schule ins Schöpfungsmuseum 23.3.2006,
Moderate Muslime (2) 6.3.2006.

— Update 7.5.2007 —

Ähnliches wird aus Spanien berichtet.

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