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	<title>TRANSATLANTIC FORUM &#187; Moderne/Antimoderne</title>
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	<description>Liberty and Democracy in East and West.</description>
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		<title>Die Zukunft der Arabellion</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Dec 2011 19:19:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass Demokratie, die politische Organisationsform freier Gesellschaften schlechthin, durchaus die Mittel hat, Freiheit grundsätzlich einzuschränken, ist eine Gefahr, die nicht nur der grosse liberale Ideenhistoriker Isaiah Berlin gesehen hat.[1] Die Vordenker westlicher Demokratie haben aus gutem Grund die Rechtsstaatlichkeit vor die Demokratie gesetzt und vor die Rechtssaatlichkeit die Befreiung des Individuums.
Die Rebellionen in einzelnen arabischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass Demokratie, die politische Organisationsform freier Gesellschaften schlechthin, durchaus die Mittel hat, Freiheit grundsätzlich einzuschränken, ist eine Gefahr, die nicht nur der grosse liberale Ideenhistoriker Isaiah Berlin gesehen hat.[<a href="#footnote-1-12226" id="footnote-link-1-12226" title="See the footnote.">1</a>] Die Vordenker westlicher Demokratie haben aus gutem Grund die Rechtsstaatlichkeit vor die Demokratie gesetzt und vor die Rechtssaatlichkeit die Befreiung des Individuums.</p>
<p>Die Rebellionen in einzelnen arabischen Ländern werden also nicht allein dann mehr Freiheit bringen, wenn der jeweilige Diktator gestürzt ist, sondern erst, wenn die Freiheit nicht zugunsten einen höheren Ziels neuen autoritären Strukturen zum Opfer fällt. Wenn also die syrische Feminisitin Rana Kabbani zur Zukunft ihres Landes <a href="http://www.freitag.de/alltag/1151-hinter-die-barrikade" target="_blank">meint</a>:</p>
<blockquote><p>Wenn ich als Feministin gefragt werde, ob ich von einer islamistischen  Partei regiert werden möchte, lautet meine Antwort: Wenn eine solche  Partei ihre Macht an den Wahlurnen erhalten hat, ist das die legitime  Wahl des syrischen Volkes.</p></blockquote>
<p>&#8230; dann ist das wenig geeignet, mit Optimismus auf Syrien zu blicken. Berlin hatte die Opferung individueller Freiheit auf dem Alter der Kollektivismen, die eine höhere Form der Freiheit versprechen, als &#8220;positive&#8221; Freiheit bezeichnet. Dieser setzte er die &#8220;negative Freiheit&#8221; gegenüber, die allein echte Freiheit ist.</p>
<p>Der Unterschied zwischen Verfechtern der negativen und positiven Freiheit erklärte er so: Erstere wollen Autorität als solche eindämmen; letztere sie selber ausüben.[<a href="#footnote-2-12226" id="footnote-link-2-12226" title="See the footnote.">2</a>] In Ägypten kann man sehen, welche <a href="http://www.almasryalyoum.com/en/node/573361" target="_blank">Auswüchse</a> der Sturz einer Diktatur eben auch zeitigen kann.</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-12226">»Democracy may disarm a given oligarchy, a given privileged individual  or set of individuals, but it can still crush individuals as  mercilessly as any previous ruler.« Isaiah Berlin, ›Two Concepts of  Liberty‹, in: Four Essays on Liberty, London/ Oxford/ New York 1969,  163-4.  <a href="#footnote-link-1-12226">⇧</a></li><li id="footnote-2-12226">Ebd., 166.  <a href="#footnote-link-2-12226">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Immer die anderen</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 13:19:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf &#8220;Spiegel Online&#8221; schreibt der griechische Journalist Georgios Delastik über sein &#8220;gedemütigtes Volk&#8221;:
Millionen Griechen sehen mittlerweile die EU als das &#8220;Vierte Deutsche Reich&#8221; an. Das sehen nicht nur Journalisten, Akademiker, Schauspieler oder einfache Bürger in Griechenland so. Sogar der amtierende Finanzminister Evangelos Venizelos gab im Juni zu, dass Griechenland unter &#8220;finanzpolitischer Besatzung&#8221; stehe. [...] Nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf &#8220;Spiegel Online&#8221; <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,796542,00.html" target="_blank">schreibt</a> der griechische Journalist Georgios Delastik über sein &#8220;gedemütigtes Volk&#8221;:</p>
<blockquote><p>Millionen Griechen sehen mittlerweile die EU als das &#8220;Vierte Deutsche Reich&#8221; an. Das sehen nicht nur Journalisten, Akademiker, Schauspieler oder einfache Bürger in Griechenland so. Sogar der amtierende Finanzminister Evangelos Venizelos gab im Juni zu, dass Griechenland unter &#8220;finanzpolitischer Besatzung&#8221; stehe. [...] Nicht selten wird Papandreou von seinen Kritikern &#8220;Tsolakoglou&#8221; genannt &#8211; so hieß der griechische Premier, der im Zweiten Weltkrieg mit der deutschen Besatzung kollaborierte.</p></blockquote>
<p>In Wahrheit ist diese Abhängigkeit eine selbstverschuldete. Sie ist der Preis dafür, dass die in Griechenland vorherrschende Mentalität es überhaupt nicht zulässt, die Ursachen dieser wie auch anderer Miseren auch nur ansatzweise im eigenen Land zu suchen. Der griechische Publizist Andreas Andrianopoulos <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2008/2320/griechischer-tuerkischer-antiamerikanismus/" target="_self">spricht</a> daher von einer &#8220;victim culture&#8221;, aus deren Perspektive alle Probleme des Landes grundsätzlich ausländischen Mächten zugeschrieben werden:</p>
<blockquote><p>Inevitably, a “victim culture” developed portraying the nation as the object of designed subversion. [...] It goes without saying that Greeks consequently cannot possibly be wrong. Whatever failure may have suffered in their post-independence political history cannot possibly be the outcome of bad policies or faulty decisions. They have to be the result of foreign conspiracies or the product of treacherous acts by indigenous misinformed or bought out individuals.</p></blockquote>
<p>Darum wird sich in Griechenland auch nichts wesentliches ändern.  Zumindest solange nicht, wie eine kollektive &#8220;victum culture&#8221; gepflegt wird.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Siehe auch: <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1795/hellas-phobische-nation/" target="_blank">“Die Griechen sind eine phobische Nation” </a></p>
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		<title>Nachwuchswissenschaftler erklären den Islam</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2011/12025/nachwuchswissenschaftler-islam/</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Nov 2011 19:08:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Erlanger Nachwuchswissenschaftler mit einem ganz erstaunlichen Selbstbewusstsein erklären den Islam und den Nahen Osten. Toll, wie sie das machen, z.B. so:
&#8220;Wir müssen entspannter mit dem Islam umgehen&#8221;, sagt Christian Wolff. Er  arbeitet  am Lehrstuhl für Politik und Zeitgeschichte des Nahen Ostens   der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und beschäftigt  sich vor allem mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erlanger Nachwuchswissenschaftler mit einem ganz erstaunlichen Selbstbewusstsein <a href="http://goo.gl/aW8EG" target="_blank">erklären</a> den Islam und den Nahen Osten. Toll, wie sie das machen, z.B. so:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wir müssen entspannter mit dem Islam umgehen&#8221;, sagt Christian Wolff. Er  arbeitet  am Lehrstuhl für Politik und Zeitgeschichte des Nahen Ostens   der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und beschäftigt  sich vor allem mit dem politischen Islam. (&#8230;) Demnächst will Wolff einen Beitrag zur Scharia schreiben. &#8220;Viele haben  da so Methoden wie das Handabhacken vor Augen. Dabei wird vergessen,  dass Scharia mehr ausdrückt als mittelalterliche Rechtsvorschriften und  dass harte körperliche Strafen höchstens in Saudi-Arabien und irgendwo  in Afghanistan durchgesetzt werden.&#8221; Vielmehr gehe es um die  zivilisatorisch-kulturelle Grundlage, auf die sich die Gesellschaften im  Nahen Osten beziehen.</p></blockquote>
<p>Andererseits ist nicht alles rosig in Nahost:</p>
<blockquote><p>Wolffs Forschungsschwerpunkt ist Ägypten, Lintl befasst sich hauptsächlich mit Israel. &#8220;Die Bombe tickt&#8221;,  überschreibt Lintl einen Text zu den sozialen Problemen in Israel.</p></blockquote>
<p>Vielleicht solte Israel die Scharia zur &#8220;zivilisatorisch-kulturellen Grundlage&#8221; seiner Gesellschaftsordnung machen. Dann wäre wohl zumindest in Erlangen alles in Butter.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Eine Posse (2)</title>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 11:25:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was treiben eigentlich die ganzen Zeltlagerprotestierer vor der Londoner St. Paul&#8217;s Kathedrale? Vertreiben sie sich die Zeit im Zelt mit dem Verfassen politischer Pamphlete? Gehen sie die Stellenanzeigen durch? Tauschen sie Emails mit ihren Kollegen in New York und Berlin aus?
Weit gefehlt: Wie britische Medien berichten, zeigen Aufnahmen mit der Wärmekamera, dasss …. an die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was treiben eigentlich die ganzen Zeltlagerprotestierer vor der Londoner St. Paul&#8217;s Kathedrale? Vertreiben sie sich die Zeit im Zelt mit dem Verfassen politischer Pamphlete? Gehen sie die Stellenanzeigen durch? Tauschen sie Emails mit ihren Kollegen in New York und Berlin aus?</p>
<p>Weit gefehlt: Wie britische Medien berichten, zeigen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=8ZTiBqJEOMI" target="_blank">Aufnahmen mit der Wärmekamera</a>, dasss …. an die neunzig Prozent der Zelte leer sind! Die meisten der Protestierer ziehen die wohlige Wärme einer Wohnung der Übernachtung auf der Strasse vor. Wie schon die unbemannte Raumfahrt gezeigt hat, braucht Fortschritt keine Besatzung.</p>
<p>Treffender freilich könnte die Metaphorik gar nicht sein: Die antikapitalistische Rhetorik ist genauso leer wie die Zelte ihrer Verfechter.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Helden und Bestien</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2011/12006/helden-und-bestien/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 20:06:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[War doch klar, dass Sigmar Gabriel &#38; Genossen auf den fahrenden Zug aufspringen würden. Zerschlagt die Banken! heisst das Motto, man hat schon immer gewusst, wer am Euro&#8211;Griechenland-Stabilitäts-Desaster die Schuld trägt.
Nur nicht die Politik. Die tritt allein als rettender Held ihrer selbstgeschaffenen Krisen auf, weswegen Interventionen in den Markt nur zu immer neuen Interventionen führen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>War doch klar, dass Sigmar Gabriel &amp; Genossen auf den fahrenden Zug aufspringen würden. <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,792010,00.html" target="_blank">Zerschlagt die Banken!</a> heisst das Motto, man hat schon immer gewusst, wer am Euro&#8211;Griechenland-Stabilitäts-Desaster die Schuld trägt.</p>
<p>Nur nicht die Politik. Die tritt allein als rettender Held ihrer selbstgeschaffenen Krisen auf, weswegen Interventionen in den Markt nur zu immer neuen Interventionen führen. In Wirklichkeit jedoch ist die Misere keine des Marktes, wie<a href="http://www.wiwo.de/blogs/chefsache/2011/10/15/knurrende-bestie/" target="_blank"></a> &#8220;Wirtschaftswoche&#8221;-Chefredakteur Roland Tichy <a href="http://www.wiwo.de/blogs/chefsache/2011/10/15/knurrende-bestie/" target="_blank">schreibt</a>:</p>
<blockquote><p>Der mediterrane Boom der vergangenen zehn Jahre ist auf Pump gebaut,  dieses Schuldengebirge die Ursache der Krise. Mitschuld tragen die  Finanzmärkte, weil sie den “Pumpkapitalismus” (&#8230;) mit Krediten versorgen, und ihre Ratingagenturen, weil sie  wieder zu spät vor diesem Irrsinn gewarnt haben. Die Märkte haben das  Treiben der Politik unterstützt, statt zu bremsen. Die Politik hat die  Finanzmärkte erst zu dieser Bestie herangefüttert.</p></blockquote>
<p>Ein einsamer Rufer in der <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1609/trittin-sichtbare-hand/" target="_blank">Wüste</a>.</p>
<p>&#8212;</p>
<p>Siehe auch: <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/beruf_kapitalismuskritiker" target="_blank">http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/beruf_kapitalismuskritiker</a></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Tod der Säkularisierungsthese?</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2011/11968/saekularisierungsthese/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2011 05:55:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Dass Modernisierung notwendigerweise zu einer Säkularisierung führen  müsse, ist eine Annahme, die in jüngerer Zeit infrage gestellt worden  ist. Zu den vehementesten Kritikern dieser These gehört der Freiburger  Soziologe Hans Joas,  der allerdings nicht sagt, auf welche empirischen Befunde er sich  stützt.
Zunächst einmal muss man sich darüber klarwerden, dass man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-11970" title="rosette" src="http://www.transatlantic-forum.org/blog/wp-content/uploads/2011/10/rosette-300x222.jpg" alt="rosette" width="300" height="222" /></p>
<p>Dass Modernisierung notwendigerweise zu einer Säkularisierung führen  müsse, ist eine Annahme, die in jüngerer Zeit infrage gestellt worden  ist. Zu den vehementesten Kritikern dieser These gehört der Freiburger  Soziologe <a href="http://oe1.orf.at/programm/285134" target="_blank">Hans Joas</a>,  der allerdings nicht sagt, auf welche empirischen Befunde er sich  stützt.</p>
<p>Zunächst einmal muss man sich darüber klarwerden, dass man unter  Säkularismus/ Säkularisierung/ Saäkularität verschiedene Dinge verstehen  kann. Der Philosoph Charles Taylor hat folgende Typologie erstellt:  Säkularität 1 = der Rückgang der Religion im öffentlichen Leben;  Säkularität 2 = der Niedergang des Glaubens und der religiösen Praxis;  Säkularität 3 = die Veränderungen der Bedingungen des Glaubens, i.e.  Urbanisierung, Industrialisierung, Migration etc. Für Taylor liegt es  auf der Hand, dass sich die ersten beiden Formen mit der dritten  überschneiden, vor allem gilt das für Sakularität 2. Man tut also gut  daran, sich zuerst einmal darüber zu verständigen, von welcher  Säkularität man spricht, wenn man sich zur Säkularisierungsthese  äussert.</p>
<p>Hinzu kommt, dass der Säkularisierungsprozess in Europa  möglicherweise einen Sonderweg gegangen ist. So ist die Vermutung  aufgestellt worden, dass Ergebnisse wie z.B. die Pluralisierung der  Glaubensformen und andere Erscheinungen möglicherweise nur die Rückkehr  zu einem sehr viel älteren Nebeneinander von Monotheismen sein könnten. Das würde bedeuten, dass sich der Säkularisierungsprozess  seit der Zeit der Reformation eben nicht einfach in die Zukunft  extrapolieren lasse. Aber noch  einmal: Ist die Säkularisierungsthese deshalb wirklich <a href="http://web.apb-tutzing.de/apb/cms/index.php?id=1229" target="_blank">tot</a>?</p>
<p><a href="http://www.michaelkreutz.net/2011/10/04/882/" target="_blank">Weiter &#8230;</a></p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Wenn das keine Schulbuchschelte ist, was ist Schulbuchschelte dann?</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2011/11940/schulbuchschelte/</link>
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		<pubDate>Mon, 19 Sep 2011 08:26:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonathan Kriener</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arabische Welt]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Urteil ist gefällt: Auf einer Pressekonferenz des Auswärtigen Amtes stellt das Georg-Eckert-Institut, welches in Sachen Schulbuchforschung internationale Anerkennung genießt, eine Studie vor, die feststellt, dass viele europäische Schulbücher den Islam als vormoderne Religion darstellen, während Europa als modern erscheint (s.a. WAZ v. 16. 9. 2011). Was aber spricht gegen diese Darstellung, so sie denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Urteil ist gefällt: Auf einer <a href="http://www.gei.de/aktuelles/mitteilungen/mitteilung-details/article/modernes-europa-versus-antiquierter-islam-die-darstellung-von-islam-und-muslimen-in-1.html" target="_blank">Pressekonferenz</a> des Auswärtigen Amtes stellt das Georg-Eckert-Institut, welches in Sachen Schulbuchforschung internationale Anerkennung genießt, eine Studie vor, die feststellt, dass viele europäische Schulbücher den Islam als vormoderne Religion darstellen, während Europa als modern erscheint (<a href="http://www.gei.de/aktuelles/mitteilungen/mitteilung-details/article/modernes-europa-versus-antiquierter-islam-die-darstellung-von-islam-und-muslimen-in-1.html"></a>s.a. WAZ v. 16. 9. 2011). Was aber spricht gegen diese Darstellung, so sie denn tatsächlich für europäische Schulbücher typisch ist? Inhaltliche Gründe eher nicht.</p>
<p>In Europa, so vielfältig die hiesigen Gesellschaften in vieler Hinsicht sind, ist in allen Staaten ein zentrales Kriterium von Modernität erfüllt: dass nämlich die Religion ihrer politischen, legislativen und judikativen Macht enthoben wurde und der Schutz und die Freiheit individueller Lebensgestaltung das höchste Rechtsgut darstellt. Die meisten Kirchen, jedenfalls die protestantischen und die katholische, haben sich entweder stillschweigend damit abgefunden oder dies sogar implizit in ihre Dogmatik aufgenommen haben,  z. B. die katholische Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil. Eskapaden christlicher Abreibungsgegner oder Kreationisten sind hier immer noch ein Randerscheinung, wenn ihr Einfluss auch gefährlich wachsen mag.</p>
<p>Ebenso richtig ist, dass die überwältigende Mehrzahl der islamischen und alle arabischen Staaten, von Pakistan bis Marokko, der Religion bislang eine zentrale Rolle bei Gesetzgebung, Rechtsprechung und Bildung einräumen, mindestens was Personenstandsfragen angeht, in den meisten von ihnen aber weit darüber hinaus. Bei aller Vielfalt islamischer Konfessionen und Rechtsschulen ist mir doch keine bekannt, die diesen Sachverhalt in Frage stellt. So ist es in islamischen Gesellschaften selbstverständlich, dass der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion als ahndungswürdiges Verbrechen gilt, ebenso die Ehe oder romantisch-sexuelle Beziehung einer Muslimin mit einem Nichtmuslim. Wo die Staaten diese selbst nicht, wie im Iran oder in Saudi-Arabien, ahnden, dulden sie doch, dass selbsternannte Sittenwächter aus dem familiären oder sonstigen sozialen Umfeld dies tun.  Weder die prominenten islamischen Reformer, von Jamal ad-Din al-Afghani bis <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/5495/vordenker-oder-rueckwartslenker/" target="_blank">Tariq Ramadan</a>, noch die hiesigen Islamverbände haben an dieser Auffassung je gerüttelt.</p>
<p><a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2010/9273/hamas-saekularismuskrise/" target="_blank">Säkularisierung</a> ist im etablierten muslimischen Diskurs kein Thema. Übrigens auch nicht in den derzeitigen politischen Umwälzungen in Tunesien, Ägypten und Libyen. Wer sie dennoch, und sei es nur implizit, in Betracht zieht, muss mit Verfolgung rechnen, wie der Ägypter Nasr Abu Zayd in den 1990er Jahren. Zwar bekennen sich viele Muslime und islamische Rechtsgelehrte zu Religionsfreiheit. Was sie damit aber meinen, ist selten die individuelle Freiheit sich zu jedem Zeitpunkt für jede beliebige Religion oder für die Nichtzugehörigkeit zu jeglicher Religion zu entscheiden, wie sie in Europa Standard ist. Sondern Muslime meinen mit Religionsfreiheit i. d. R. die Freiheit der religiösen Gemeinschaften, die ihre jeweiligen Konfession oder Rechtsschule als Buchreligionen anerkennt, ihre jeweiligen religiösen Riten und ihr Personenstandsrecht zu praktizieren.</p>
<p>Dieses fundamentale Missverständnis über den Begriff der Religionsfreiheit wird meiner Erfahrung nach in den Foren und Institutionen des Kulturdialogs kaum je benannt, sondern eher gepflegt. Und dass allzu viele Muslime in Europa diese vormoderne Auffassung vom Verhältnis zwischen Religion und Recht teilen und unter- und gegeneinander in Form von Nötigung und Manipulation zu arrangierten Ehen, sog. Ehrenmorden u. ä. auch praktizieren, während die hiesigen Rechtssysteme dem vielfach machtlos gegenüberstehen – klar ist das kein Stoff für einen Schulunterricht, in dem sich Lehrer, muslimische und nicht-muslimische Schüler miteinander wohl fühlen. Dass diese Sachverhalte ein gravierendes Integrationshindernis darstellen, welches andere Migrantengruppen in Europa nicht (mehr) haben, während es bei den Muslimen eher wächst, und an welchem die ethnischen Mehrheiten keinen ursächlichen Anteil haben, wäre ja für Heranwachsende wichtig zu wissen. Für Lehrer ist es aber sicher eine schwere Aufgabe, sich diesen Themen im Unterricht zu stellen. Sie haben mit Ressentiments von muslimischen Eltern, evtl. sogar von führenden Islamverbänden zu rechnen. Durch die Presseerklärung des GEI und des AA werden die Lehrer, die sich dieser Verantwortung dennoch stellen, nun auch noch von „wissenschaftlicher“ Seite ausgebremst.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm"><span style="font-size: small;">Die Pressemitteilung des GEI und des AA hat denn auch keine Fehler im Faktengehalt der Schulbücher zu vermelden, sondern angeblich „suggerieren“ und „vereinfachen“ diese in einer Weise, die nicht geeignet ist „einen islamophoben politischen Populismus zu entkräften.“ Es wird vor allem atmosphärisch argumentiert: Cornelia Pieper vom Auswärtigen Amt bereitet Unbehagen, dass eine solche Darstellung „… einem glaubwürdigen interkulturellen Dialog mit der muslimisch geprägten Welt im Weg.“ steht. Und Susanne Kröhnert-Othman vom GEI ist der Meinung es sollte vermieden werden „…Muslime als Sondergruppe außereuropäischer Zuwanderer zu präsentieren, deren mitgebrachte Traditionen per se eine Integration in europäische Einwanderungsgesellschaften verhindern“, obwohl sie eben unter einem sehr bedeutenden Aspekt tatsächlich genau eine solche Sondergruppe bilden. Diejenigen unter ihnen, die sich den religiösen Zwängen ihrer Gemeinschaften nicht unterordnen, zahlen dafür oft einen hohen Preis. Davon geben die hohen Selbstmordraten unter jungen Musliminnen in Deutschland beredtes Zeugnis. Eine Lehrerin aus NRW kommentiert das Pauschalurteil der GEI-Studie ausschließlich unter emotionalen Aspekten: „Wenn in Schulbüchern Religion diskriminierend behandelt wird, führt das dazu, dass Vorurteile gestärkt werden und dass muslimische Schüler sich nicht respektiert fühlen. Es behindert den Austausch und das sich auf gleicher Augenhöhe Begegnen“ (WAZ).</span></p>
<p>Gewiss, die Arbeit des GEI ist nicht ausschließlich eine wissenschaftliche. Seit den Tagen des Gründers Georg Eckert arbeitet es an gegenseitiger Aufklärung und Völkerverständigung im Sinne der Förderung gewaltfreier internationaler Beziehungen. Was aber, wenn bei einem aufrichtig geführten <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1547/dialog-und-ruckgrat/" target="_blank">Dialog</a> mit der Erkenntnis auch das Erschrecken der Gesprächspartner übereinander wächst und fundamentale Unterschiede zutage treten? Muss beim Kulturdialog dann Schluss sein mit dem aufklärenden Teil, damit man weiter „auf Augenhöhe kommunizieren“ kann? Ist es dann nachrangig, ob die Inhalte dieser Kommunikation der Realität entsprechen. Im Zusammenhang mit der Islamischen Welt ging man am Georg-Eckert-Institut vor Jahren soweit, dass in einer vom Institut geförderten, vom AA finanzierten und 2003 erschienenen Studie israelische Geschichtsschulbücher von einer israelischen Historikerin und palästinensische von einem palästinensischen Erziehungswissenschaftler analysiert wurden.</p>
<p>Aufgrund der scheinbar besonders schwierigen Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern wurde auf das zuvor gängige Verfahren der gekreuzten Analyse, wonach ein Israeli die palästinensischen und ein Palästinenser die israelischen Schulbücher hätte analysieren müssen, verzichtet. Das Ergebnis war ein Verriss der israelischen Geschichtsbücher und eine Apologie der palästinensischen, obwohl aus meiner Sicht die meisten <a href="http://www.gei.de/fileadmin/bilder/pdf/Projekte/israel01.pdf" target="_blank">israelischen Schulbücher</a> differenzierter und mit mehr Empathie über den Konflikt der beiden Völker informierten als die palästinensischen. Aber während sich für den Märtyrer- und Dschihadkult in den palästinensischen Schulbüchern Rechtfertigungen und Relativierungen fanden, wurden in der Analyse der israelischen Schulbücher schon bestimmte Abbildungen von zionistischen Pionieren und Milizionären als hyper-nationalistisch problematisiert. Das AA aber hatte sein damaliges Ziel, eine offiziöse Entkräftung der internationalen Kritik an den palästinensischen Schulbüchern, erreicht, die mit europäischen und deutschen Geldern finanziert wurden.</p>
<p>Auf der Website <em>1001-idee.eu</em> des GEI erscheint der Antisemit Yussuf al-Qaradawi, Vorsitzender des Europäischen Rats für Fatwa und Forschung und Betreiber des Internetportals <em>Islamonline.net</em>, als Vertreter des Islams, der &#8220;vor allem in den USA und Israel&#8221; wegen seiner pro-palästinensischen Haltung (vgl. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=HStliOnVl6Q">hier</a>) „umstritten“ ist. Tatsächlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_al-Qaradawi" target="_blank"> befürwortet</a> dieser u. a. die Todesstrafe für die Abkehr vom Islam und dass Männer ihre Ehefrauen züchtigen. Würden christliche, jüdische oder hinduistische Religionsvertreter mit ähnlich reaktionären Ansichten den Wissenschaftlern des Instituts auch als „umstritten“ gelten?</p>
<p>Steht also das Georg-Eckert-Institut vielleicht hier und da in der Gefahr Wissenschaftlichkeit auf dem Altar der Völkerharmonie und des Religionsfriedens zu opfern? Von Schulbuchautoren und Lehrern erhoffe ich mir jedenfalls, dass sie unerfreuliche Tatsachen, gleich ob über den Islam oder andere Themen, nicht zugunsten einer scheinbaren Harmonie oder dem Wunschdenken nach Gleichheit zwischen Kollektiven in der Schulklasse oder in der Gesellschaft unter den Teppich kehren oder verschleiern. Darin sollten sie sich auch nicht von pauschalen Verlautbarungen wissenschaftlicher oder diplomatischer Autoritäten beirren lassen.</p>
<p><em>Der Autor war als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GEI von 2002 bis 2006 für Projekte mit den arabischen Ländern und Israel zuständig. Seine Dissertation über säkulare und religiöse Staats- und Gesellschaftskonzepte in libanesischen Schulbüchern erscheint dieses Jahr beim Ergon-Verlag.</em></p>
<p>&#8212;</p>
<p>Siehe auch: <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/schulbuchskandal1/" target="_blank">Schulbuchskandal</a></p>
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		<title>Islamistisch-rechtspopulistische Gemeinsamkeit</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 17:30:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[Am Donnerstag (15.9.) wird in Dänemark der neue Folketing gewählt. In Kopenhagen begleitet den Wahlkampf eine Kampagne zur Einschüchterung muslimischer Politiker und Wähler. So wurden der linkssozialistischen Politikerin Özlem &#199;eki&#231; die Hälfte ihrer Wahlplakate gestohlen. Jene der sozialdemokratischen Kandidatin Yıldız Akdoğan wurden mit Aufklebern zugekleistert, auf denen zu lesen ist: &#8220;Gott steht zu Gesetze zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am Donnerstag (15.9.) wird in Dänemark der neue Folketing gewählt. In Kopenhagen begleitet den Wahlkampf eine Kampagne zur Einschüchterung muslimischer Politiker und Wähler. So wurden der linkssozialistischen Politikerin Özlem &Ccedil;eki&ccedil; die Hälfte ihrer Wahlplakate <a href="http://jp.dk/indland/indland_politik/article2542293.ece">gestohlen</a>. Jene der sozialdemokratischen Kandidatin Yıldız Akdoğan wurden mit Aufklebern <a href="http://politiken.dk/politik/ECE1373423/haervaerk-mod-valgplakater-demokrati-er-hykleri/">zugekleistert</a>, auf denen zu lesen ist: &#8220;Gott steht zu Gesetze zu erlassen &#8211; Demokratie ist Heuchelei &#8211; zur Hölle mit Heuchelei&#8221;, der linkssozialisische Kandidat Kamal Qureshi wurde gar <a href="http://politiken.dk/politik/ECE1376193/sf-ordfoerer-overfaldet-under-ramadan-fest/">physisch bedrängt</a>, als er anlässlich des Festes zum Ende des Ramadans Glückwunschkarten verteilte.</p>
<p>Muslimische Politiker machen die international agierende islamistische Organisation Hizb at-Tahrir (Befreiungspartei) für diese Kampagne verantwortlich. Sie bestreitet jedoch hinter diesen Aktionen zu stehen. &#8220;Unsere Organisation ist dafür bekannt, Argumente statt Gewalt zu gebrauchen&#8221; <a href="http://politiken.dk/politik/ECE1388834/hizb-ut-tahrir-vi-har-ikke-taenkt-os-at-staa-og-true-til-ikke-at-stemme/">sagte</a> Chadi Freigeh, der Medienbeauftragte für Skandinavien, der Zeitung &#8220;Politiken&#8221;. Tatsächlich verkündet die Hizb at-Tahrir jedoch, dass wer sich an der Wahl beteilige, sich zu westlichen Werten bekenne. Daneben werben jedoch auch Salafisten aktiv für einen Wahlboykott. Gegenüber dem Boulevardblatt &#8220;Ekstra Bladet&#8221; <a href="http://ekstrabladet.dk/nyheder/politik/danskpolitik/article1614391.ece">offenbarte</a> sich einer von ihnen als Fan von Pia Kjærsgaard, der Führerin der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei: &#8220;Sie sagt Demokratie und Islam passen nicht zusammen, Sie hat recht, die Dänische Volkspartei hat recht, genauso ist es.&#8221;<br />
________________________<br />
Nachtrag 15.09.2011</p>
<p>Vor einem Wahllokal in Kopenhagen versuchten heute tatsächlich einige junge Muslime, Wähler von der Stimmabgabe <a href="http://politiken.dk/politik/ECE1394031/unge-muslimer-skraemmer-folk-fra-at-stemme/">abzuhalten</a>.<br />
________________________<br />
Nachtrag 13.09.2011</p>
<p>Einen recht fehlerhaften <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/nur-idioten-fuerchten-den-islam-nicht/4602100.html">Artikel</a> zu Pia Kjærsgaard gibt es heute im &#8220;Tagesspiegel&#8221;. Die Frage, ob sie attraktiv ist, ist wohl Geschmackssache, doch ist sie 1972 nicht der Dänischen Volkspartei beigetreten, sondern der Fortschrittspartei. Diese Partei war in der Tat eine Partei von Steuerrebellen. Kjærsgaard führte  1995 die Riege derer an, die sich von der Fortschrittspartei absetzten, um die Dänische Volkspartei zu gründen. Die Dänische Volkspartei richtete sich dann im Gegensatz zur Fortschrittspartei sozialstaatlich aus, und profilierte sich als Verteidiger von Renterninteressen.</p>
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		<title>Schöner emanzipieren mit Khomeini</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Jun 2011 08:48:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus dem Tollhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Extremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
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		<description><![CDATA[Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass auf der Rednerliste einer Tagung der iranischen Botschaft in Berlin anlässlich des 22. Todestages von Khomeini auch der Name Udo Steinbach zu finden war. Diese Wahl war gut getroffen.
Denn Steinbach ist ein Meister der Äquidistanz (&#8221;der Holocaust wird scheußlicherweise sowohl von Seiten Ahmadinejads wie auch von Seiten Israels instrumentalisiert”) und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass auf der Rednerliste einer Tagung der iranischen Botschaft in Berlin anlässlich des 22. Todestages von Khomeini auch der Name Udo Steinbach zu finden war. Diese Wahl war gut getroffen.</p>
<p>Denn Steinbach ist ein <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8628/nahostkonflikt-in-ostwestfalen/" target="_blank">Meister der Äquidistanz</a> (&#8221;der Holocaust wird scheußlicherweise sowohl von Seiten Ahmadinejads wie auch von Seiten Israels instrumentalisiert”) und der <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/4362/hart-aber-fair/" target="_blank">Faktenschwäche</a> und vor allem dadurch bekannt, dass seine Nahostanalysen bemerkenswert <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1426/steinbach-kienzle-dilettanten/" target="_blank">kompatibel</a> mit einer Weltsicht sind, wie man sie in Teheran pflegt. Unabdingbar ist dabei die <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/227/orient-orakel/" target="_blank">Verwechslung</a> von Ursache und Wirkung.</p>
<p>Wurde die Rede in Berlin tatsächlich gehalten? Wir wissen es nicht, aber IRNA <a href="http://anonymouse.org/cgi-bin/anon-www_de.cgi/http://www.irna.ir/ENNewsShow.aspx?NID=30417155&amp;SRCH=1" target="_blank">weiss was</a>:</p>
<blockquote><p>Professor Udo Steinbach of Marburg University pointed out that Iran&#8217;s  1979 Islamic revolution and the current Arab revolt were sparked by deep  frustrations coming from within the people.</p>
<p>He said the same frustrations, facing Iranians in 1979 and Arabs  today, stemmed from economic problems and the dictatorial nature of the  Shah regime as well as many despotic Arab states. [...]</p>
<p>The former director of the Hamburg-based German Orient Institute  said the Iranian revolution and the Arab rebellion were the third phase  of what he labeled an &#8216;emancipation&#8217; struggle after the end of World War  I and the early 1950s.</p></blockquote>
<p>Ich traue den staatlichen iranischen Medien zwar nicht, aber das liegt ohne Zweifel ganz auf der Linie des angekündigten Sprechers.</p>
<p>&#8212; Nachtrag, 5.6.11 &#8212;</p>
<p>Eine <a href="http://anonymouse.org/cgi-bin/anon-www_de.cgi/http://www.irna.ir/NewsShow.aspx?NID=30417020" target="_blank">ausführlichere Meldung</a> von IRNA berichtet, dass Steinbach zufolge es den arabischen Ländern an einer charismatischen Führerpersönlichkeit wie Khomeini mangele. Die islamische Revolution habe in Iran eine tiefe Veränderung und Pluralisierung (!) der Gesellschaft bewirkt. Ausserdem soll Steinbach die Revolution von 1979 in eine Reihe mit der türkischen Gründung der Republik 1918 gestellt haben. Die westliche Unterstützung des Irak diene nur der Eindämmung der islamischen Revolution. (Dank an Stefanie G.)</p>
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		<title>Vorwärts in die Nachhaltigkeit</title>
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		<pubDate>Sat, 21 May 2011 08:51:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus dem Tollhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
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		<description><![CDATA[Warum stellt kaum jemand die Verbindung her zwischen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, dem nuklearen Desaster in Japan, den Überschwemmungen in Pakistan und den überglücklich verkündeten Wachstumsprognosen der Wirtschaftsforscher? (&#8230;)
Gesellschaften, ja ganze politische Systeme, explodieren nicht in einem großen Knall, sondern ihre Funktionen erodieren unter wachsendem Ressourcenstress immer schneller, so dass sie am Ende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Warum stellt kaum jemand die Verbindung her zwischen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, dem nuklearen Desaster in Japan, den Überschwemmungen in Pakistan und den überglücklich verkündeten Wachstumsprognosen der Wirtschaftsforscher? (&#8230;)</p>
<p>Gesellschaften, ja ganze politische Systeme, explodieren nicht in einem großen Knall, sondern ihre Funktionen erodieren unter wachsendem Ressourcenstress immer schneller, so dass sie am Ende einfach ganz unspektakulär implodieren.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.freitag.de/politik/1120-das-gute-leben-vorbei" target="_blank">meint</a> der Nachhaltigkeitsphilosoph Welzer, der in der &#8220;globalisierten Wachstumswirtschaft&#8221; die Zerstörerin des &#8220;guten Lebens&#8221; erblickt. Demnach müsste unser Planet so verwüstet sein, wie noch nie zuvor in seiner Geschichte.</p>
<p>Alles schon dagewesen: &#8220;Man will in der Bereicherung des äußeren Lebens ein Hindernis für die Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit erblicken, und man will die Gesellschaftsordnung stürzen, um den Weg für ein Neues freizulegen, von dem man nur unklare und unzureichende Vorstellungen hat. Man spürt ein UNbehagen, das man durch Zertrümmerung der materiellen Kultur beheben will. Man verkennt dabei, daß dieses Sehnen nach Höherem und Besserem nur auftreten konnte, weil der Wohlstand die Muße gewährt, die es dem Geist gestattet, sich ihm hinzugeben.&#8221;</p>
<p>Das schrieb der Ökonom Ludwig von Mises bereits vor mehr als sechzig Jahren.[<a href="#footnote-1-11507" id="footnote-link-1-11507" title="See the footnote.">1</a>]</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-11507">Nationalökonomie, Genf 1940, 742.  <a href="#footnote-link-1-11507">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Vom Olymp zum Führerkult?</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 16:51:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blick auf den Westen]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Grossbritannien]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die heutige Ausgabe der FAZ wiederentdeckt den österreichischen Philosophen Otto Neurath, der 1940 nach England geflohen war, wo er eine Theorie entwickelte, die die Ursachen des Nationalsozialismus erklären sollte. Ähnlich Helmuth Plessner[1]) (und später Hans Mayer[2]) sah er die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus tief in die deutsche Kultur und Geschichte hineinragen. Den entsprechenden Traditionskomplex bezeichnete [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span>Die heutige <a href="http://www.faz.net/p/Rub4E5454BAC697473C8DF1922532BDBB12/Dx1~EA93922F1257F381CE4DAAC55397417AB~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">Ausgabe der FAZ</a> wiederentdeckt den österreichischen Philosophen Otto Neurath, der 1940 nach England geflohen war, wo er eine Theorie entwickelte, die die Ursachen des Nationalsozialismus erklären sollte. Ähnlich Helmuth Plessner[<a href="#footnote-1-11214" id="footnote-link-1-11214" title="See the footnote.">1</a>])<span> (und später Hans Mayer[<a href="#footnote-2-11214" id="footnote-link-2-11214" title="See the footnote.">2</a>]<span>) sah er die geistigen Wurzeln des Nationalsozialismus tief in die deutsche Kultur und Geschichte hineinragen. Den entsprechenden Traditionskomplex bezeichnete er als  &#8220;deutsches Klima&#8221;:</span></p>
<blockquote><p><span>[...] </span><span>Die Nationalsozialisten, so argumentierte  er, missbrauchten nicht die kulturelle deutsche Tradition, sie konnten  im Gegenteil auf ihr aufbauen. Daher waren auch nicht nur die bekannten  Antisemiten und rassistischen Mystiker wie Julius Langbehn, Paul de  Lagarde oder Hans Grimm, sondern gleichsam auch die Spitze des  Bildungskanons betroffen, vor allem Johann Wolfgang von Goethe und  Immanuel Kant.</span></p>
<p><span>&#8220;Das Genie und der kategorische  Imperativ&#8221;, war der Titel eines fiktiven Gesprächs dreier Personen, das  er für das Emigrantenperiodikum &#8220;Die Zeitung &#8211; Londoner deutsches  Wochenblatt&#8221; verfasst hatte. Mit diesen beiden Schlüsselbegriffen war  seiner Ansicht nach das deutsche Dilemma umrissen. Während ein von und  mit Goethe gepflegter Geniekult den Ausnahmemenschen mit Sonderrechten  ausstattete und eine unantastbare Elite generierte, für die auch Gewalt  und Verbrechen sanktionslos blieben, förderte Kants Sittenlehre die  unbedingte Erfüllung einer Pflicht, die stets über den persönlichen  Gefühlen und dem individuellen Gewissen stand. &#8220;Der Olympier befiehlt  die Greuel, und der gemeine Sterbliche führt sie aus &#8211; wie befohlen, er  weiss, was Pflicht bedeutet&#8221;, lässt er in diesem fiktiven Gespräch sein  Alter Ego Karl sagen.</span></p></blockquote>
<p>Eine steile These, aber nicht ganz unplausibel. Den moralischen Maximalismus finden wir wohl noch ausgeprägter bei Hegel, von dem Adorno einmal sagte, dieser werde &#8220;davon getrieben, dass Erkenntnis, wenn es das irgend gibt, der eigenen Idee nach die ganze sei.&#8221;[<a href="#footnote-3-11214" id="footnote-link-3-11214" title="See the footnote.">3</a>]</p>
<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Doch genausogut liessen sich die von Goethe und Kant vertretenen Haltungen als Symptom einer vorherrschenden Tradition deuten, die weitaus älter sein könnte. So hatte Roland Freisler einmal gegenüber Helmuth Graf Moltke klargemacht: &#8220;(&#8230;) Eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur dies eine: wir verlangen den ganzen Menschen.&#8221;[<a href="#footnote-4-11214" id="footnote-link-4-11214" title="See the footnote.">4</a>]</p>
<p>Überhaupt die Religion! Thomas Kaufmann schreibt in seiner &#8220;Geschichte der Reformation&#8221;: „Ulrich von Hutten schuf mit der Gestalt des edlen Cheruskerfürsten  Arminius eine Identifikationsfigur, die das nicht zuletzt aus  Minderwertigkeitsgefühlen gegenüber Italien und Frankreich gespeiste  Nationalgefühl der Deutschen ansprach.“ Spätere reformatorische Autoren  wie Andreas Althamer, Philipp Melanchthon und Sebastian Münster  führten  die Pathetisierung der deutschen Nation mit ihrer Orientierung an den  &#8216;alten Teutschen&#8217; der <em>Germania</em><span style="font-style: normal;"> weiter. Die Erfindung einer  deutschen Nationalkirche setzt dann mit Luther ein.[<a href="#footnote-5-11214" id="footnote-link-5-11214" title="See the footnote.">5</a>]<br />
</span></p>
<p>Der FAZ-Artikel weist darauf hin, dass Neurath im englischen Exil mit seinem unelitären <em>common sense</em> das Gegenteil des &#8220;deutschen Klimas&#8221; gefunden zu haben glaubte. Ich weiss nicht, wie sehr Neurath mit den Gedanken Anthony Ashley Coopers, dem Dritten Earl of Shaftesbury, vertraut war, aber eine Äusserung von ihm hätte ihm bestimmt gefallen. Cooper schreibt in seinem &#8220;Characteristics of Men, Manners, Opinions, Times&#8221; (London 1714, III, 143n) über den Begriff der Nation:</p>
<blockquote><p>Absolute Power annuls the publick; and where there is no publick, or constitution, there is in reality no mother-country or Nation.[<a href="#footnote-6-11214" id="footnote-link-6-11214" title="See the footnote.">6</a>]</p></blockquote>
<p>Absolute Macht und Nation schliessen einander aus – das ist englischer <em>common sense</em> pur!</p>
<p>(Anm.: Dieser Text wurde am 26.03. gegen 20:45 überarbeitet)</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-11214"></span>Helmuth Plessner: <em>Die Verspätete Nation: Über die politische Verführbarkeit Bürgerlichen Geistes</em>, Stuttgart 1959. Plessner vertritt die These, dass sich auf &#8220;lutherischem Boden&#8221; eine &#8220;Aufklärungskultur jedenfalls nicht [hat] entwickeln können. Ihr Produkt, der innerweltlich-rationale Staat demokratisch-parlamentarischer Form, ist Deutschland innerlich fremd geblieben&#8221; (S. 52.  <a href="#footnote-link-1-11214">⇧</a></li><li id="footnote-2-11214"></span>Hans Mayer: <em>Georg Büchner und seine Zeit</em>, Verlag, Frankfurt a.M. 1972. Mayer bezieht sich vor allem auf die Ereignisse um das Wartburgfest 1817. In <em>Deutsche Geschichte und deutsche Aufklärung</em> (1999) findet sich ein Resümee seiner Forschungsergebnisse: &#8220;Beides kam zusammen, das lutherische Christentum und der Sieg über die Franzosen. Wie wurde die Freiheitsbewegung auf der Wartburg gefeiert? Durch eine Bücherverbrennung&#8221; (ebd., 23). &#8220;Alles, was damals aus dem Kreise um Maßmann [den eigentlichen Urheber des Wartburgfestes – MK] und die Studenten, die ja auch die schwarze Uniform der SS schon getragen haben, stammte, alle Dokumente, wurden von der Waffen-SS wörtlich abgeschrieben&#8221; (24).   <a href="#footnote-link-2-11214">⇧</a></li><li id="footnote-3-11214">Theodor. W. Adorno: <em>Drei Studien zu Hegel</em>, Frankfurt a.M. 1963, 17.  <a href="#footnote-link-3-11214">⇧</a></li><li id="footnote-4-11214">Helmuth James von Moltke: <em>Briefe an Freya 1939-1945</em>, München 1988, S. 608, zit. nach Hans Maier: &#8220;Kritik der politischen Theologie&#8221; in: (ders.): <em>Politische Religionen. Gesammelte Schriften</em>, Band II, München 2007, 15-73, hier S. 118.  <a href="#footnote-link-4-11214">⇧</a></li><li id="footnote-5-11214">Thomas Kaufmann: <em>Geschichte der Reformation</em>, Frankfurt a.M. 2010, 111.  <a href="#footnote-link-5-11214">⇧</a></li><li id="footnote-6-11214">Adrian Hastings: <em>The Construction of Nationhood: Ethnicity, Religion and Nationalism</em>, Cambridge 1997, hier S. 210 Fn. 4.  <a href="#footnote-link-6-11214">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Volksgemeinschaft</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Mar 2011 13:20:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Germano Stavridis</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über das Konzept der &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; und seine Bedeutung für das Verständnis des NS-Staates gibt es seit Jahren eine Kontroverse. Der NS-Forscher Ian Kershaw hat sich seine Gedanken dazu gemacht[1]:
Richtet man den Fokus auf Exklusion und Inklusion, wird auf vielfältige Weise deutlich, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Verfolgung der Minoritäten hinnahm. In den frühen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über das Konzept der &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; und seine Bedeutung für das Verständnis des NS-Staates gibt es seit Jahren eine Kontroverse. Der NS-Forscher Ian Kershaw hat sich seine Gedanken dazu gemacht[<a href="#footnote-1-10936" id="footnote-link-1-10936" title="See the footnote.">1</a>]:</p>
<blockquote><p>Richtet man den Fokus auf Exklusion und Inklusion, wird auf vielfältige Weise deutlich, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Verfolgung der Minoritäten hinnahm. In den frühen achtziger Jahren hat darauf schon Detlev Peukert hingewiesen. Robert Gellately thematisierte wenig später die Bereitschaft vieler „Volksgenossen“, durch Denunziation bei der Verfolgung von Juden mitzuwirken. Eric Johnson legte dann in einer überzeugenden Untersuchung dar, wie stark die Organe des Regimes bei der Terrorisierung der Juden auf lokaler Ebene unterstützt worden sind. Jüngst hat Michael Wildt die schrecklichen Konsequenzen der vor Ort eskalierenden Grausamkeit gegen Juden aufgezeigt; sie waren der bürgerlichen Rechte beraubt, und jeder, der öffentlich Sympathie für sie bekundete, war „Freiwild“. Die Gewalttätigkeit kam aus der Mitte der Gesellschaft, so Wildt.</p></blockquote>
<p>Ob jedoch die Propagandeparole von der &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; zu einem Instrument das Analyse taugt, weiss auch Kershaw nicht zu sagen, solange der Grad der Zustimmung zu diesem Konzept unter der Bevölkerung unklar ist:</p>
<blockquote><p>Das Konzept der „Volksgemeinschaft“ beruht auf der Annahme, dass das NS-Regime weithin Popularität genoss, eine „Zustimmungsdiktatur“ war. Davon ausgehend ging Robert Gellately sogar soweit zu sagen, die Deutschen seien „bis zum bitteren Ende 1945“ hinter Hitler gestanden, der Konsens habe auch in der Breite bis zum Schluss gehalten. Aber wie stellen wir in einer terroristischen Diktatur Konsens fest? (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Man könnte natürlich auch fragen, wie die Zustimmung zu diesem Konzept in der Zeit nach Kriegsende war. Wenn Hannah Arendt <a href="http://www.hannaharendt.de/download/fest_interview.pdf" target="_blank">feststellt</a>, dass es unter der deutschen Bevölkerung ein Widerstreben gegen die Bestrafung von NS-Verbrechern gegeben hat, läge doch die Deutung nahe, dass die Volksgemeinschaft in den Köpfen noch weiterlebte, als die NS-Diktatur schon längst zu Ende war und ergo mindestens ebensoviel oder sogar noch mehr Zuspruch gefunden hatte, als Deutschland nationalsozialistisch war. Kershaw weiter:</p>
<blockquote><p>Gewiss ist nicht zu übersehen, dass wichtige Elemente nationalsozialistischer Politik weithin Zustimmung fanden; das gilt vor allem für die Tilgung des Versailler Vertrags in den dreißiger Jahren, als Hitler von einem „Triumph ohne Blutvergießen“ zum anderen schritt. Ebenso klar ist, dass es in großen Teilen der deutschen Bevölkerung, von der organisierten Linken abgesehen, Emotionen und Haltungen gab, die der Nationalsozialismus ausnutzen konnte (&#8230;). Dennoch bleibt das Problem, dass bei der Anwendung des „Volksgemeinschafts“-Konzepts kein Versuch gemacht wird, die Bereiche, in denen die Nationalsozialisten die augenfällige Zustimmung breiter Schichten gewinnen konnten, von jenen zu scheiden, in denen sie ebenso augenfällig große Schwierigkeiten hatten, weit verbreiteten Dissens zu überwinden.</p>
<p>(&#8230;) Welche Konflikte im Dritten Reich auch existierten, ob in sozial-politischen Fragen oder im „Kirchenkampf“, sie stellten kein Hindernis auf dem Weg des Regimes zu Weltkrieg und Genozid dar. Aber Willfährigkeit ist nicht Konsens, und Anpassung bedeutet nicht notwendigerweise Zustimmung. Eine Vielzahl von Kräften kann passive Akzeptanz erzwingen. Das „Volksgemeinschafts“-Konzept meint jedoch nicht Anpassung, sondern freiwillige Bindung.</p></blockquote>
<p>Allerdings liesse sich einwenden, dass auch als möglicherweise leere Parole das Konzept der Volksgemeinschaft durchaus real gewesen sein mag. Dazu noch einmal Hannah Arendt: &#8220;The totalitarian systems tend to demonstrate that action can be based on any hypothesis and that, in the course of consistently guided action, the particular hypothesis will become true, will become actual, factual reality.&#8221;[<a href="#footnote-2-10936" id="footnote-link-2-10936" title="See the footnote.">2</a>] Warum sollte das nicht auch für die &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; gelten?</p>
<p>Kershaws insgesamt lesenswerten Text gibt es zum Download <a href="http://www.oldenbourg-link.com/doi/pdfplus/10.1524/vfzg.2011.0001" target="_blank">hier</a>.</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-10936">Ian Kershaw: <em>„Volksgemeinschaft“. Potenzial und Grenzen eines neuen Forschungskonzepts</em>, Oldenbourg 2011 DOI 10.1524/vfzg.2011.0001.  <a href="#footnote-link-1-10936">⇧</a></li><li id="footnote-2-10936">Hannah Arendt: <em>Between Past and Future. Six Exercises in Political Thought</em>, New York 1961, 87.  <a href="#footnote-link-2-10936">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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