Pfründe
Am 3. November wurde der iranische Innenminister wegen seiner kriminellen Vergangenheit nun endlich von seinem parlamentarischen Mandat entlassen. Er wird bestimmt einen anderen und höheren Posten bekommen. Sein Nachfolger Sadegh Mahsooli ist aber wohl nicht besser als er. Er ist einer der reichsten Männer im Kabinett.
Warum? Weil er mit 21 Jahren Statthalter von Urumiyeh war und später millitärischer Kommandant wurde. Ahmadinejad behauptet, Mahsooli habe sein Vermögen zu einer Zeit gemacht, als er keine Positionen in der Regierung innehatte. Dies aber ist zu bezweifeln.
Auf jeden Fall ist der neue Minister jetzt schon wegen seines Reichtums in der Kritik.
Messerstecher
Meine Heimatstadt Zandjan ist für ihre Messerschmiedekunst bekannt. Diese Woche ist Ahmadinejad dorthin gereist. In seiner Rede vor der örtlichen Bevölkerung sagte er: Wir werden mit Zandjans Messern und ihrer Bevölkerung unseren inneren und äußeren Feinden die Hände und Füsse abhacken.
Damit hat er sich und die Einwohner der Stadt als Messerstecher bezeichnet. Im Iran gilt dieser Begriff als das größte Schimpfwort überhaupt.
Erst unterschreiben, dann töten
Kleines Himmelfahrtskommando gefällig? Eine iranische Märtyrereinheit sucht noch Freiwillige (s.u.)! Praktisch: Eine Mailinglist informiert über die neuesten Aktionen gegen die “Besatzer Jerusalems” und den Apostaten Salman Rushdie. Wenn da keine Pogromstimmung aufkommt!
Wenn der Feind die Länder der Muslime und ihre Grenzen attackiert, ist es allen Muslimen Pflicht, sie mit allen Mitteln, die möglich sind, zu verteidigen – moralisch und materiell. Einer Erlaubnis des Gesetzgebers bedarf es hierfür nicht. Selbstmordattentate sind der Höhepunkt nationaler Grösse und der Gipfel des Heldenmuts. Das, was einen Mann, einen Jüngling, einen Sohn oder eine Tochter bereit sein lässt, sein Leben zum Wohle seiner Nation und seiner Religion zu opfern, ist der Gipfel des Stolzes, des Mutes und der Heldenhaftigkeit. Dies ist es, wovor der Feind sich fürchtet.
Zugleich ist es auch der Gipfel einer Tragödie, in der die iranische Nation sich befindet, die doch einstmals geistige Grössen eines Ferdousi, Saadi, Khayyam, Biruni oder Hafez hervorgebracht hat.
(Dank an Nasrin)
Wenn man weiss, dass man gehasst wird
… dann sollen wenigstens andere daraus lernen. Erstaunliche Einsichten offenbart Sayyed Mahmoud Doayi, hochrangiger iranischer Kleriker auf einer jüngst abgehaltenen Konferenz zum Thema “Basidj und Medien”. Den Basidj (Schlägertruppe des Regimes) gegenüber drückte er seine Besorgnis aus, dass ihnen dasselbe widerfahren könnte, wie den Geistlichen nach der Revolution: dass sie nämlich beim Volk in Ungnade fallen!
Am Anfang der Revolution, so Doayi, habe die Geistlichen ein hohes Ethos ausgezeichnet, weil das Volk auf Khomeinis Heiligkeit geblickt habe. Danach seien einige Geistliche allerdings vom Weg abgekommen und haben die Heiligkeit ihres Vorbildes nicht länger bewahren können. Sie missbrauchten sie sogar und deshalb “sind wir in der Achtung des Volkes und der Gesellschaft gefallen”.
Nun ist der Ratschlag an die Basidj, sich ordentlich aufzuführen, ungefähr so sinnvoll wie die schulterklopfende Ermahnung eines Pyromanen, ja vorsichtig mit den Streichhölzern zu sein. Was aber das eigentlich bemerkenswerte an den Äusserungen Doayis ist: Die Mullahs wissen, dass sie von der eigenen Bevölkerung gehasst werden!
Nur allzuviele westliche Intellektuelle haben das immer noch nicht bemerkt.
Fliegende Fäuste und ein geschwächter Präsident
Bevor am kommenden Dienstag der iranische Innenminister Kardan sich vor einem Untersuchungsauschuss verantworten muss (was wahrscheinlich mit seiner Entlassung enden wird) gibt es jetzt schon jede Menge Zoff unter den Abgeordneten.
So kam vorige Woche ein Vertreter der Regierung mit einem Scheck in Höhe von € 7000 ins Parlament, um “oppositionelle” Parlamentarier zu kaufen. Mit dem Geld wollte er erreichen, dass die Abgeordneten ihren Antrag auf Entlassung des Innenministers zurückziehen. Dieser Bestechungsversuch führte zu Schlägereien im Parlament, die Radio Teheran zum Teil live sendete.
Unterdessen wurde bekannt, dass Ahmadinejad einige Schwächeanfälle erlitt. Gerüchte wollen wissen, dass er an Blutkrebs leidet. Viele Beobachter dagegen meinen, es handele sich um eine Taktik des Regimes, um mit Kardan auch Ahmadinejad glaubwürdig entlassen zu können. Dahinter, so heisst es, stehe die Absicht, einer pragmatischeren Aussenpolitik den Weg zu bereiten, sollte in Amerika der neue Präsident Obama heissen.
Zeichen des Niedergangs
Vorige Woche äußerten sich einige iranische Mullahs, dass der Iran sich freuen müsse, weil Gott die USA und den Westen mit der jetzigen wirtschaftlichen Krise bestraft habe, was ein Zeichen für den Niedergang der westlichen Existenz sei.
Am Freitag (24. Okt.) sagte Rafsandjani während des Freitagsgebets, dass die wirtschaftliche Krise dem Iran noch mehr schaden werde, insbesondere wegen des fallenden Ölpreises. Wenn das Erdöl einen Dollar falle, bedeute das einen Millionenschaden für die iranische Wirtschaft.
Jetzt bemüht sich das iranische Regime, die Ölproduktion der OPEC-Länder zu drosseln, damit die Preise wieder hochgehen.
Antiwestlich mit westlichem Gütesiegel
Nachdem bekannt wurde, dass der jetzige iranische Innenminister Kordan anders als behauptet keinen akademischen Werdegang vorzuweisen hat, was er schliesslich bestätigen musste, sagten seine Anhänger, dass er nicht der einzige Fall dieser Art sei. So seien ihnen mindestens zwanzig Parlamentarier bekannt, die auch einen gefälschten Titel gekauft haben.
Die Frage aber ist, wozu man in diesem System überhaupt einen Titel braucht, wenn Ideologie die zentrale Rolle spielt. Ebenso muss man fragen, warum Regimevertreter so grossen Wert auf westliche akademische Titel legen, wenn ihre eigene Weltsicht eine antiwestliche ist.
Kordan soll am heutigen Sonntag wegen einer Vergewaltigung im Jahre 1978 und ebendieser Titelfälschung, dank der er mehrere Jahre Gehälter bekommen hat, von einem Ausschuss befragt werden.





























