Ivory Towers on Sands
(…) Middle Eastern studies came under a take-no-prisoners assault, which rejected the idea of objective standards, disguised the vice of politicization as the virtue of commitment, and replaced proficiency with ideology. The text that inspired the movement was entitled Orientalism, and the revolution it unleashed has crippled Middle Eastern studies to this day.
schreibt der emeritierte Nahostfachmann Martin Kramer in seiner Studie “Ivory Towers on Sands: The Failure of Middle Eastern Studies in America”, verfasst kurz nach den Anschlägen vom 11. September. Die amerikanische Entwicklung akademischer Beschäftigung mit dem Nahen Osten und dem Islam ist mit der in Deutschland durchaus vergleichbar. Mit Edward Saids “Orientalism” gewinnen Anti-Empirismus und Philologieskepsis an Boden und die Attitüde ersetzt allzuhäufig das Erkenntnisinteresse.
Nirgends ist diese Entwicklung so gut beschrieben worden wie in Kramers “Ivory Towers”, das es jetzt zum freien Download gibt.
Die Güte des Handabhackers
Wenn ein an sich geschätzter Religionswissenschaftler versucht, ”das Andere” zu verstehen, kommt leicht so etwas dabei heraus:
Handabhacken, Auspeitschungen, Steinigungen usw. erscheinen uns heute nicht mehr als vertretbare Strafen. Viele islamische Theologen aber sehen darin – im Gegensatz zum „humanen“ Strafvollzug – wahre Abschreckungsstrafen, die keineswegs willkürlich, sondern nach klar kalkulierbaren Regeln verhängt werden.
(…) Was gefordert ist, heißt auf eine einfache Formel gebracht: (…) Gerechtigkeit im Sinne einer absoluten Gleichbehandlung.
Nur so ist zu verstehen, dass Khomeini sagt: „Die, die die Strafen verhängen, dürfen die Anweisungen des Gesetzes nicht übertreten, d. h., sie dürfen nicht einen einzigen Peitschenhieb mehr verteilen als vom Gesetz vorgeschrieben, und sie dürfen die Schuldigen nicht beleidigen. Nachdem Ali zwei Dieben die Hand abgehackt hatte, behandelte er sie mit Güte und empfing sie mit solcher Liebenswürdigkeit, dass die Angeklagten ihn zu verehren begannen (…) Das ist Alis Gerechtigkeit.“
Gerechtigkeit ist hier (…) vielleicht am ehesten mit dem Verhalten von Eltern vergleichbar, die ihr Kind wegen Fehlverhaltens gehörig züchtigen, ohne dass sie selbst – und oft auch das Kind – den Eindruck haben, ein solches Verhalten mindere ihre Liebe gegenüber dem Kind.
Dieser Paternalismus hat seine Freunde vor allem im Westen. Der Text ist schon etwas älter, nämlich von 2001 (Download hier), sein Verfasser heisst Peter Antes. Immerhin, am religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Hannover hält man ihn immer noch für aktuell. Wer jetzt glaubt, die genannten Passagen seien aus dem Zusammenhang gerissen, irrt. Eine Kritik an diesem Gerechtigkeitsverständnis sucht man vergeblich.
Denn der Autor hält es für richtig, dass die meisten der “Fehlentwicklungen” nicht hausgemacht, sondern “von außen in die islamische Welt hineingekommen” seien. Ausgehend von dieser Prämisse kann es nur noch um die Frage gehen, “wie man mit dieser Erkenntnis umgeht und welche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen sind und wie die islamischen Lösungen dafür aussehen.” Und so geht auch hier der Dialog eine Allianz mit der Apologetik ein.
Die völlig zutreffende Äusserung, dass die Muslime kein “einheitlicher Block” seien, hätte dem Autor freilich Anlass sein können, einmal muslimische Gegenstimmen zur dieser Form von Gerechtigkeit zu Wort kommen zu lassen, aber diese Gelegenheit blieb ungenutzt. Stattdessen wird ausgiebig Khomeini zitiert:
“Die Gerechtigkeit des Islam ist einfach und leicht. Sie löst alle Probleme des Straf- und Zivilrechts auf die angenehmste, einfachste und schnellste Art, die denkbar ist. Es genügt, dass sich ein islamischer Richter, begleitet von zwei oder drei Gehilfen, mit Federhalter und Tintenfass in eine Stadt begibt, um über jeden beliebigen Fall sein Urteil zu sprechen und es sofort vollstrecken zu lassen. Halten Sie dagegen, was das gegenwärtig die westliche Gesellschaft an Zeit und Geld kostet mit all diesen Prozeduren, die ein Urteil im Namen von Grundsätzen, die dem Islam fremd sind, umgeben.“
Dass diese Gerechtigkeit zu massenhaften Hinrichtungen geführt hat, geht in einer Fussnote unter. Solche gutgemeinten Texte leisten einer “Islamophobie” wohl weitaus mehr Vorschub als alle sachliche Kritik an den Zuständen in der Islamischen Welt.
Noch mehr Geld für Afrika! (6)
Wenn afrikanische Regierungen ein Recht auf Auswanderung nach Europa verlangen, dann, so der ehemalige Botschafter Volker Seitz, ist was faul. Und zwar vor allem mit der Entwicklungshilfe:
Die afrikanischen Regierungen interessieren sich einfach nicht für die Armen in ihrem Land - und schieben die Verantwortung auf uns ab. Eine große Anzahl von Armen ist ihnen doch geradezu die Garantie dafür, dass wir weiter Geld schicken.
Seitz weist im FAS-Interview darauf hin, dass laut Transparency International jährlich rund 150 Mio. Dollar durch Korruption verlorengehen. Dazu kommt eine Kapitalflucht von geschätzten drei bis 13 Mrd. Dollar jährlich. Solange aber Entwicklungshilfeorganisationen Schlange stehen, um Gutes tun zu dürfen, fehlt vielerorts das Bewusstsein dafür, dass Wandel not tut. Das gilt nicht nur für Regierungen, sondern auch für die Helfer:
Manchmal streiten die Geber geradezu darum, helfen zu dürfen. Allein in Deutschland leben nach meiner Schätzung rund hunderttausend Menschen von der Entwicklungshilfe. Die haben kein Interesse daran, dass Projekte auch einmal abgeschlossen werden.(…) Leider ist es wahr: Mit unserer Entwicklungshilfe zementieren wir die Unmündigkeit der Armen.
Für Leser dieses Blogs ist das freilich nichts neues. Neu ist aber der “Bonner Aufruf“, der in jedem Falle Beachtung verdient, wie auch das ganze Interview.
Erinnerungen an Jalazoon
Als ich das erste Mal in Israel war, vor nunmehr 17 Jahren, da war ich auch in der Westbank, habe verschiedene palästinensische Dörfer besucht, interessante Leute kennengelernt, ich war in Bir Zeit und Ramallah und auch in einem Flüchtlingslager: Jalazoon. So ziemlich alle Palästinenser, die ich damals kennengelernt habe, waren mir ausgesprochen sympathisch und keiner äusserte irgendetwas, was extremistisch oder antisemitisch hätte genannt werden können.
Dessen ungeachtet mache ich meine politischen Urteile nicht abhängig von persönlichen Sympathien. Sicher, aus europäischer Perspektive lebten die Leute, bei denen ich damals untergekommen war, in sehr bescheidenen Verhältnissen. Es lässt sich aber nicht übersehen, dass es unter der palästinensischen Bevölkerung eine weitverbreitete Mentalität des pemanenten Sich-Von-Aller-Welt-Betrogen-Fühlens gibt. Und diese ist Ursache für Selbstviktimisierung, eine politische Haltung des “Alles oder gar nichts” und letztendlich auch für den Terrorismus eines Teils von ihnen.
Denn den Palästinensern in der Westbank geht es gut, sobald man die Perspektive ändert: Verglichen mit dem Lebensstandard ländlicher Gebiete in Syrien oder Ägypten ist der durchschnittliche Palästinenser in Nablus oder Hebron weitaus besser dran. Das Flüchtlingslager Jalazoon besteht selbstverständlich nicht aus Zelten, sondern aus Häusern aus Stein, mit einem Generator vor dem Haus und fliessend Wasser. Und einem Dach. Anderswo ist das keine Selbstverständlichkeit.
Als ich das erste Mal in Syrien war, in einem Dorf weit ausserhalb von Aleppo, wurde der Unterschied sofort klar: Das Haus unseres Gastgebers war nur zum Teil überdacht und auch die anderen Häuser waren an Komfort einem Flüchtlingslager in der Westbank zumindest in nichts voraus. Aber es gab noch einen weiteren Unterschied: In Syrien konnte unser Gastgeber uns nicht ohne weiteres durch sein Dorf führen, da der allgegenwärtige Geheimdienst, so wurde uns erzählt, sehr darauf bedacht sei, dass sich niemand ein Zubrot als unregistrierter Fremdenführer verdiene. Das nämlich sei strafbar.
Und so schlich unser Gastgeber, sich vorab in alle Richtungen umsehend, dreissig Meter voran, verschanzte sich an einer Häuserecke, bedeutete uns ihm nachzufolgen, worauf er sich an die nächste Ecke heranprischte, uns ein Zeichen gab – und immer so weiter. Ein normaler Spaziergang durch das Dorf war mit unserem Gastgeber unmöglich. In der Westbank dagegen kein Problem.
Auch in Kairo hatte ich selten den Eindruck, dass es den Leuten bessergeht als in der Westbank. Sieht man einmal von wohlhabenden Vierteln wie Zamalek, Maadi oder Mohandesin ab. Besonders befremdlich erscheint in westlichen Augen, dass es in Ägypten Menschen gibt, die auf Friedhöfen hausen, ohne Strom und ohne Wasser. Da möchte man lieber das westliche Ufer des Jordan sein zuhause nennen.
Selbst das historische Judenviertel von Istanbul, in dem ich vor acht Jahren zugegen war, machte einen unerwartet elenden Eindruck und wies augenscheinlich schlechtere hygienische Verhältnisse als die in einem durchschnittlichen palästinensischen Dorf unter israelischer Besatzung auf.
Trotzdem haben Berichte, die von einem Massenelend in den von Israel besetzten (und ehedem besetzten) Gebieten sprechen, ungebrochen Konjunktur. Auch wenn die Lage der Palästinenser (drücken wir es mal vornehm aus:) in vielem verbessert werden könnte – ein Ghetto, ein grosses Freiluftgefängnis, in dem die Menschen dahinsiechen, ist es wahrhaftig nicht, ja im Vergleich zu anderen Regionen in der Arabischen Welt muss man es sogar wohlhabend nennen. Und nun auch noch das:
Palestinian Economy in Judea and Samaria Strengthens in First Half of 2008
The Palestinian economy in Judea and Samaria has shown signs of strengthening since the beginning of the year, according to a recent analysis by the Civil Administration. (…) There have been large increases in the passage of commercial goods as a direct result of the increase in employment licenses and trade permits issued to Palestinian merchants and business owners by the Civil Administration since the beginning of 2008.
There has also been a significant rise in the number of Palestinians using public transportation in the region, as well as a large expansion of the tourism industries in central cities such as Bethlehem and Jericho. Fresh agricultural crops exported to Israel have grown by 25% (despite significant damage caused by the frost that hit the region during the last winter). The “Al Kuds” Palestinian capital markets index has risen, as opposed to the trend on global stock markets, and the successful Bethlehem Investor Conference in May is predicted to lead to an increase in foreign investment.
All these indicators reflect on the significant improvement in the Palestinian economy in Judea and Samaria in the first half of 2008. (…)
Zugegeben, diese Meldung stammt aus dem IDF Spokesperson’s Office (8. September 2008). Allerdings: “The analysis was based on data gathered by the Civil Administration as well as publicly available figures.”
Die Armee weist darauf hin, dass an die hundert Kontrollstationen (in Ziffern: 100) in den letzten Monaten abgebaut wurden. Ebenso wurden mehrere Grenzübergänge, die geschlossen waren, wiedereröffnet. Die Zahl der Inhaber von VIP-Transitausweisen ist ebenso gestiegen, wie die ausländische Investition in der Westbank.
Und nun fragen wir: Wer aus den Reihen der Friedensbewegung will davon wissen?
Die intellektuelle Nakba der Israel-Kritiker
Ob das, was unter dem Etikett Israel-Kritik firmiert, antisemitisch ist, sei einmal dahingestellt. Auffällig ist aber, wie wenig sich die Generalkritiker Israels von Fakten beirren lassen oder auch nur bereit sind, in irgendeiner Weise auf sie einzugehen.
Denn 2005 ist etwas eingetreten, was viele schon nicht mehr für möglich gehalten haben: Israel hat sich aus dem Gazastreifen zurückgezogen, und zwar nicht nur seine Truppen, sondern auch sämtliche seiner jüdischen Bewohner. Damit hätten die Palästinenser die Möglichkeit gehabt zu zeigen, dass sie ein prosperierendes Staatswesen, dass friedlich an Israels Seite existiert, aufzubauen in der Lage sind. Und Israel hätte keinen Grund mehr gehabt, sich nicht zumindest soweit aus dem Westjordanland zurückzuziehen, dass auch dort ein palästinensischer Staat hätte entstehen können.
Mit diesem Vorhaben kam Olmert an die Macht. Während Israel also eine Regierung wählt, die gewillt ist, das Erbe Sharons fortzuführen, entsteht im Gazastreifen ein Hamastan, weil offensichtlich nicht wenige Palästinenser jedes Zugeständnis Israels als Schwäche interpretieren. Wäre hier nicht ein wenig Kritik an der palästinensischen Seite angebracht?
Die Israel-Kritiker jedoch ignorieren das, oder aber sie wissen über Gaza nicht mehr zu sagen, als dass es ein israelisches Freiluftgefängnis sei. So schreibt Alfred Grosser in seiner Replik auf Henryk Broder in der FAZ, dass der Antisemitismusvorwurf gegen ihn und seinesgleichen verhindern solle, dass über die israelische Besatzungspolitik gesprochen werde. Dass diese Besatzungspolitik aber schon längst der Vergangenheit angehören könnte, hält Grosser aber noch nicht einmal einer Erörterung für würdig.
Auch andere Israel-Kritiker reden heute immer noch so wie vor drei oder zehn oder zwanzig Jahren. Zwar zeigt sich in Umfragen eine Mehrheit der Israelis regelmässig überzeugt, dass zum Frieden kein Weg an einem palästinensischen Staat vorbeiführt. Und auch strebt Regierungschef Olmert nicht nur aus moralischen Gründen, sondern auch aus eigennützigen ein entsprechendes Abkommen an: So kann die Bevölkerung des Westjordanlandes im Falle eines zu errichtenden Palästinenserstaates dazu beitragen, die jüdische Bevölkerungsmehrheit im Kernland zu verstärken.
Aber dies hat wenig Zukunft, wenn ein Rückzug von der Gegenseite als Schwäche interpretiert und das einstmals besetzte Gebiet als Operationsbasis für Angriffe auf Israel zweckentfremdet wird. Wenn dies die Antwort auf israelisches Entgegenkommen ist, dann geht die Besatzung eben weiter.
Die Israel-Kritiker kann das freilich nicht erschüttern. Kein Wort verlieren sie darüber, dass Israel durchaus ein Interesse an einer Beendigung der Besatzung hat und Gaza lediglich der erste Schritt hätte sein können. Im Gegenteil, sie reden, als ob die Besatzung zunehme und von Tag zu Tag schlimmer werde. Und nur sie, die Israel-Kritiker wagen es, ihre Stimme zu erheben und gegen das Unrecht der Besatzung aufzutreten. Wofür sie von einer angeblichen Israel-Lobby mundtot gemacht werden sollen.
Nein, antisemitisch ist das nicht. Aber reichlich selbstgefällig und ignorant.
Islamische Welt und Globalisierung (2)
“Die muslimische Welt verweigert sich der Globalisierung” urteilte der Politikwissenschaftler Peter Pawelka noch vor zwei Jahren. Wenn dieser Satz jemals seine Richtigkeit hatte, so gilt er jedenfalls heute nicht mehr. Denn zumindest die Einstellung der Bevölkerung in der Islamischen Welt weist auf das Gegenteil hin, so WorldPublicOpinion.org:
Contrary to the common assumption that Muslims view globalization as a threat to their society, a new poll of Muslim countries finds that globalization is generally viewed positively. The poll was conducted by WorldPublicOpinion.org in six nations with predominantly Muslim populations in different regions of the world including Egypt, Turkey, Azerbaijan, Iran, Indonesia, and the Palestinian Territories, plus the Muslim population of Nigeria.
Für Globalisierungs”kritiker” wie Naomi Klein ist das natürlich ein Ärgernis. Frau Klein, die sich gerne als Anwältin nichtwestlicher Nationen ausgibt, muss wieder einmal mit ansehen, wie die von ihr vorgeblich Vertretenen wenig Stimmung an den Tag legen, sich vor den Chancen und Risiken der Weltwirtschaft behüten zu lassen. Zuvor schon hatte die Chavez-Bewunderin Schiffbruch erlitten, als 72% der Venezolaner in einer Umfrage kundtaten, dass sie das Leben in einer freien Marktwirtschaft bevorzugen.
Tatsächlich ist Globalisierung nichts anderes als Partizipation, und zwar an internationalen Märkten. Die wiederum bringt keineswegs nur den reichen Ländern Vorteile (Beispiele hier, hier, hier, hier und hier), liegt es doch im Wesen des Handels, dass beide Seiten von ihm profitieren. Freilich verträgt sich Partizipation nicht mit einem in der Robin-Hood-Pose vorgetragenen intellektuellen Paternalismus. Dieser nämlich, in der Tat, ist ein Luxus, den nur die Wohlhabenden sich leisten können. Noch einmal WorldPublicOpinion: “Asked whether international trade is good or bad for their country’s economy, majorities in five of six nations polled say that it is good.”
Immerhin befürwortet in allen befragten Ländern eine Mehrheit einen Minimalstandard an Sozial- und Umweltnormen. Dafür zu werben, dürfte für die Linke ein weitaus konstruktiveres Betätigungsfeld sein als Globalisierung und Marktwirtschaft als solche zu dämonisieren.
Mission impossible
Eine besondere Mission hat der Volker Perthes vom Berliner SWP. Der Westen solle endlich den Mut finden, einen Dialog mit den Islamisten zu führen, fordert er. Mit gemässigten Islamisten, natürlich. Und man scheint ihn erhört zu haben:
Westliche Politik hat allmählich begriffen, dass es bei der Analyse von extremistischen Gruppen, die sich islamisch definieren, zu differenzieren gilt. Politisch relevant ist die Unterscheidung zwischen Bewegungen, die eine lokale politische Agenda und deshalb eine lokale Basis mit verhandelbaren Zielen haben, und jenen, die einen Raum und Zeit transzendierenden globalen Kampf zu führen glauben. Diese Unterscheidung war im «Global War on Terror» der Bush-Administration verloren gegangen, ist aber von amerikanischen Regierungsstellen wiederentdeckt worden.
Möglicherweise aber ist das auch Zufall, denn woher soll die amerikanische Regierung den Perthes kennen. Jedenfalls, Ende Mai war das alles schon einmal im “Merkur” lesen:
Nationale islamische Bewegungen wie die Muslimbrüder in Ägypten, die Hamas in Palästina, die Parteien der irakischen Schiiten-Allianz oder die bahrainische Wifaq bieten mit ihrer oft sehr deutlichen Einforderung des Respekts menschlicher Würde, von Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und oft auch Demokratie zumindest Anknüpfungspunkte zu liberaldemokratischen Vorstellungen. Deshalb ist es auch für viele arabische liberale oder linke Demokraten nicht so schwer vorstellbar, mit Islamisten gemeinsam für politische Reformen einzutreten.
Und vor drei Jahren, also 2005, schrieb derselbe Perthes im Magazin “Zenith”:
Gerade wenn die internationale Staatengemeinschaft den Kampf gegen den globalen Terrorismus erfolgreich führen will, muss sie zwischen Dschihadisten vom Schlage al-Qaidas und anderen Islamisten trennen. Wer dies nicht tut, riskiert dem falschen Argument Vorschub zu geben, dass es sich bei diesem Kampf letztlich doch um einen westlichen Kreuzzug gegen »den Islam« handele.
Ein Jahr davor, also 2004, in der “Inamo”:
Denn entweder führt man das Gespräch mit den liberalen Eliten muslimisch geprägter Staaten, die ohnehin so denken, wie ihre europäischen Partner (…) Oder man sucht das Gespräch mit jenen in der arabisch-nahöstlichen Welt, mit denen wir grössere Probleme haben und läuft Gefahr, der unheimlichen Komplizenschaft mit diesen Gruppen beschuldigt zu werden.
Äquidistanz als politische Herausforderung des 21. Jahrhunderts! Im selben Jahr 2004 befand sich Perthes auch im Zentrum des Debakels mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, die in Beirut zum Dialog geladen, aber irgendwie vergessen hatte, neben den Apologeten auch die Kritiker des Islamismus zu berücksichtigen.
Denn Islamisten selber halten eben nicht viel von Pluralismus und Dialog. Und so geht die Mission des Volker Perthes weiter.




























