Ein Arbeitskreis Pro-Westler in der FDP…

August 19, 2008 · Filed Under Antiamerikanismus, Deutschland, Russland · 9 Comments 

… tut angesichts der linksparteikompatiblen außenpolitischen Vorstellungen von Westerwelle dringend not.

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Spengler und der russische Heroismus

February 8, 2007 · Filed Under Blick auf den Westen, Russland · 4 Comments 

Dem “apokalyptischen Hass” vieler Russen auf den euroamerikanischen Westen verleiht Spengler in “Der Untergang des Abendlandes” beredten Ausdruck. Er tut es, aus russischer Sicht, so überzeugend, wie nur einer es vermag, der sich vollkommen ins Russentum einfühlt und ihm so auch gerecht wird. Dass ebendies einem deutschen Gelehrten gelingt, dessen Denkungsart dem systemfremden und begriffsschwachen Denken der Russen eigentlich zuwiderlaufen müsste, macht Spengler zu einem “allmenschlichen” Kulturhelden und damit wiederum zu einer Identifikationsfigur von Dostojewskis Gnaden.

schreibt Felix Philipp Ingold in der FAZ.

Bei Spengler, für den es drei Arten von Völkern, nämlich solche “apollinischen, faustischen und magischen Stils” gab, liest sich das so (Zitate nach der Beck-Ausgabe von 1990, S. 394, 921 Fn.1 und 761): “Die russische, willenlose Seele, deren Ursymbol die unendliche Ebene ist, sucht in der Brüderwelt, der horizontalen, dienend, namenlos, sich verlierend aufzugeben.”

An anderer Steller erklärt er: “Den unermeßlichen Unterschied der faustischen und der russischen Seele verraten einige Wortklänge. Das russische Wort für Himmel ist njébo, eine Verneinung (n). Der Mensch des Abendlandes blickt hinauf, der Russe blickt zum Horizont ins Weite.”

Darin drückt sich ein Heroismus aus, der schon in der Vergangenheit fatal für die russische Gesellschaft war: In den erstmalig 1909 erschienenen Vechi-Pamphleten der konstitutionellen Demokraten sahen die Autoren den Niedergang der russischen Intelligenzia in deren heroischer Weltauffassung, in einer Art von “Psychoideologie” und Volkstümlerei, die das Volk zum Gott verklärte.

Wenn Spengler heute in Russland neu entdeckt wird, dann ist dieser Ungeist wohl noch längst nicht verloschen.

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Strange Bedfellows

August 25, 2006 · Filed Under Hellas, Neoirrationalismus, Russland, Türkei · Comment 

Am Mittwoch brachte die FAZ-Beilage “Geisteswissenschaften”, die leider im Netz nicht verfügbar ist, einen Beitrag über das zunehmende Interesse am “Eurasiertum” in Russland. Diese antiliberale Denkrichtung ist in den 1920ern unter russischen Exilanten im Westen entstanden. Anders als der Pansalwismus ist sie nicht antislamisch und antideustch ausgerichtet und obwohl ihre Exponenten nach der Oktoberrevolution hatten fliehen müssen, betrachteten sie den Bolschewismus als kleineres Übel als die westliche Demokratie. Die Neueurasier haben diese Ideologie um Carl Schmitts Vorstellung vom unüberbrückbaren Gegensatz zwischen See- und Kontinentalmächten erweitert. Daher sollen sich Europäer, Russen und Turkvölker gegen England und die USA verbünden. Viele Eurasier sind Antisemiten, ihr Chefideologe Alexander Dugin jedoch nicht.
In der Türkei werden seine Vorstellung von dem Linksnationalisten Doğu Perinçek, der hier bereits im Zusammenhang mit den Protesten gegen das Gedenken an den Völkermord an den Armeniern erwähnt wurde. Er hat Dugins Ideen als weiteren Zutat dem Ideologiegemisch beigefügt, dass er aus Kemalismus und Maoismus zusammengebraut hat. Ein Aspekt dieser Zusammenarbeit ist, dass Dugin die Griechen entgegen dem russischen Philhellenismus als Gegner betrachtet: Sie sind ja ein Seevolk. Dementspechend unterstützt (tr.) er den türkischen Anspruch auf Nordzypern.

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Freiheit hat es schwer

August 19, 2006 · Filed Under Religion & Moderne, Russland, Südasien, Welt des Islam · Comment 

Wie schwer Freiheit es manchmal hat, zeigen zwei Berichte aus der heutigen FAZ. So wird aus Indonesien vermeldet, dass sich dort eine stille islamische Revolution vollziehe:

Drei Viertel aller Indonesier unterstützen inzwischen einen “islamischen Staat”. In der gleichen Umfrage spricht sich allerdings eine ähnlich große Mehrheit gegen vieles aus, was ein solches Gemeinwesen kennzeichnet, insbesondere gegen das Hudut-Strafrecht. (…) Frustriert von den mangelnden wirtschaftlichen Erfolgen des demokratischen Experiments, verwirrt von den erratischen Suchbewegungen der Moderne, wendeten sich die Leute der vagen Hoffnung zu, ein Gottesstaat ginge möglicherweise einher mit mehr sozialer Gerechtigkeit, mehr Ruhe, mehr Moral und weniger Korruption.

(…) Das “Antipornographiegesetz” erregt die Öffentlichkeit seit Monaten. In den ersten Entwürfen wurde penibel festgelegt, wie sich eine Frau zu kleiden habe. Das Entblößen der Schultern etwa sollte strafrechtlich verfolgt werden. Inzwischen sind Ausnahmeklauseln im Gespräch, aber im Ergebnis schränkt das Gesetz die persönliche Freiheit drastisch ein. Noch stärker gilt dies für eine andere Novelle: das Verbot körperlicher Liebe vor der Ehe. Darauf sollen sogar langjährige Haftstrafen stehen. Der Streit darüber wird so erbittert geführt, daß das hinduistische Bali schon mit Abspaltung gedroht hat.

Und über Russland und den Putsch gegen Gorbatschow vor 15 Jahren, der letzten Endes zum Fall des Kommunismus führte, ist zu lesen:

Tatsächlich wird der Untergang der Sowjetunion - ihre Auflösung wurde Ende 1991 von den Präsidenten Rußlands, der Ukraine und Weißrußlands besiegelt - von der Mehrheit der Russen als das tragischste Ereignis des vergangenen Jahrhunderts gesehen. Auf das Ende des totalitären Staates folgten die schmerzhaften Wirtschaftsreformen, die Raub-Privatisierung, der Beschuß des “Weißen Hauses” 1993, der für Rußland so schmachvolle erste Tschetschenien-Krieg, schließlich die Finanzkrise 1998. Die Russen erlebten innerhalb weniger Jahre eine Welle sozialer und politischer Erdbeben, in denen der Putsch entweder als Anfang vom Ende oder eben wirklich nur als Episode erscheint.

Die “schmerzhaften Wirtschaftsreformen” und die “Raub-Privatisierung” sind in Wahrheit dem Autoritarismus geschuldet, der die Sowjetzeit überlebt hat. Trotzdem hat auch hier die Bevölkerung insgesamt vom Wandel profitiert. Ähnliches gilt für Indonesien. Der Kulturpessimismus, der ignoriert, wie die Menschen noch ein oder zwei Generation zuvor gelebt haben, ist das Problem - und der beste Nährboden für totalitäre Utopien.

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Zwischen Halbmond und Hakenkreuz

July 20, 2006 · Filed Under Deutschland, Extremismus, Medien, Russland, Welt des Islam · 1 Comment 

Diese Sendung über die Islampolitik des Dritten Reichs, Naziseilschaften in den 1950ern und die Aktivitäten der Muslimbruderschaft im Umfeld des Islamischen Zentrums München* war ein Pflichttermin. Es stimmt allerdings nicht ganz, dass über das Thema zum erstenmal berichtet wurde. Bereits vor etwa einem Jahr publizierte Ian Johnson einen Abriss der Vorgänge im “Wall Street Journal”. Etwas enttäuschend war zudem, dass man wenig über Nurredin Nakibhodscha Namangani erfuhr, dessen Untergebene, die weit radikaler waren, als die durchschnittlichen muslimischen Überläufer aus der Sowjetunion, in der SS und nicht in der Wehrmacht kämpften.

*http://www.islamisches-zentrum-muenchen.de/

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Das System Putin (2)

January 24, 2006 · Filed Under Russland, Zentralasien · 1 Comment 

En aufschlussreiches Interview mit dem georgischen Aussenminister Gela Beschuaschwili zum aktuellen russisch-georgischen Energiekonflikt wirft ein ungünstiges Licht auf Moskau. Auch wenn wir die Darstellung der russischen Gegenseite nicht kennen, so werfen Beschuaschwilis Äusserungen einige interessante Fragen zum System Putin auf:

“(…) manches macht uns stutzig. So wurden durch die Anschläge im russischen Nordkaukasus sowohl die Gas- als auch die Stromversorgung unterbrochen, und zwar an Stellen, die 350 Kilometer voneinander entfernt liegen. Und die Gasleitung wurde genau da getroffen, wo nur Georgen und Armenien davon betroffen sind, nicht aber die lokalen Gaskunden in Rußland. Was uns aber vor allem irritiert: Wir haben 24 Stunden lang von niemandem aus Rußland eine schlüssige Erklärung dafür bekommen, was passiert ist, obwohl wir uns sehr darum bemüht haben.”

Wer hat die Versorgungsleitungen in die Luft gesprengt?

“Ich kann nicht sagen, wer es war. Aber es ist dort passiert, wo die Sicherheitsmaßnahmen, wie die Russen sagen, besonders hoch sind. Und uns ist keine bewaffnete Gruppierung in Rußland bekannt, die daran interessiert sein könnte, daß die Gasversorgung nach Georgien unterbrochen wird.”

Über den Streit um die russischen Gaspreise:

“Es geht nicht um den Preis an sich, sondern darum, wie er festgesetzt wurde. (…) zugleich läßt Rußland das billigere zentralasiatische Gas nicht nach Georgien fließen. Wir hätten Gas aus Kasachstan für 68 Dollar je 1000 Kubikmeter bekommen können. Aber Gasprom hat das Gas nicht zu uns durchgelassen. Rußland nutzt also seine geopolitische Lage als Transitland für Energie aus.”

Über die “Gemeinschaft der demokratischen Wahl”, in der sich ehemalige Sowjetrepubliken im Zeichen der Demokratie zusammengeschlossen haben, vermutet der Minister, dass Russland in ihre eine Bedrohung für seine gelenkte Demokratie sieht. Das wäre immerhin ein Motiv für dieses harsche Vorgehen.

“Wir betrachten das als Erpressung Moskaus”. Interview in der FAZ von heute.

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Das System Putin

January 24, 2006 · Filed Under Russland · Comment 

Russland unter Putin: Zwei Artikel beschäftigen sich mit der Frage, was das Land treibt und wohin es steuert.

Dmitry Shlapentokh kann im “New Europe Review” dem Versuch nicht widerstehen, staatliche Geschichtsbilder heute mit denen unter Stalin zu vergleichen:

Similar to Stalin’s propaganda machine, Putin’s television pays a lot of attention to past events that demonstrate the patriotic spirit of the Russian populace. During the 625th anniversary of the Battle of Kulikovo in 1380, when Russian forces for the first time defeated the Mongol army, a TV commentator extolled not only the great patriotism of the Russian people but also the role of the Orthodox Church. He suggested that without the Church’s blessing there would be no victory and declared that the battle cemented Russians into one nation.

The same focus on patriotic unity and Orthodox nationalism is visible in the treatment of more recent events. (…) Historical narratives of the Soviet era and of Putin’s times also presume a radically different historical dynamics. In the Soviet period history is a steady progress. The present is better than the past, and the future would be better than the present. (…) In Putin’s version the role of ideology in the revolutionary upheaval is clearly de-emphasized, while the focus is on money, corruption and personal ambition.

(…) It may be argued that in Putin’s Russia popular historical narratives reflects the underlying concerns of the regime: stability, self-preservation and status quo. Hence the concentration on religiosity and social unity, and casting corruption and decadence in the role of the dominant historical evil.

Dr. Nikolai Zlobin, Direktor des Russia and Eurasia Project am World Security Institute (www.worldsecurityinstitute.org), sieht ausserdem ein wachsendes Ressentiment gegenüber dem Westen:

(…) a possible challenge can be the rising anti-American and anti-Western sentiment among the Russian population. We don’t know the direction which Russia will take after 2008, but there are a large number of nationalist movements gaining momentum, who want to see a strong Russia that can challenge the United States.

Seine Schlussfolgerung zur Rolle Russlands im Streit um das iranische Atomprogramm ist wenig ermutigend:

So I think Russia will always oppose proliferation as a political slogan, but in reality I am not sure if it is interested in stopping nuclear proliferation, because it is the cheapest and easiest way of slowing America. They believe that what is bad for America is good for them. They are not in favor of a uni-polar world with the United States as the sole leader. They currently accept it as an evil necessity, but that it is temporary and that the United States will crash. They believe that a multi-polar world is a much safer one.

• Dmitry Shlapentokh: Between Decadence and Virtue: Popular Interpretations of History in Putin’s Russia.
• Dr. Nikolai Zlobin: Is Russia a Danger to the West?

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