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	<title>TRANSATLANTIC FORUM &#187; Nurcus</title>
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		<title>Keine neue türkische Moschee&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Aug 2009 19:46:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8230; in Aserbaidschan. Die von der türkischen Religionsbehörde errichtete &#8220;Şəhidlər məscidi&#8221; (Märtyrermoschee) darf nicht eröffnet werden. Ein neuer Hinweis darauf, wie skeptisch die säkularistische Regierung von Aserbaidschan die Politik der AKP betrachtet. Hierzu passt auch, dass heute mehrere junge Männer wegen Propaganda für die Nurcus verhaftet wurden.
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			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; in Aserbaidschan. Die von der türkischen Religionsbehörde errichtete &#8220;Şəhidlər məscidi&#8221; (Märtyrermoschee) <a href="http://lent.az/news.php?id=29119">darf nicht eröffnet werden</a>. Ein neuer Hinweis darauf, wie skeptisch die säkularistische Regierung von Aserbaidschan die Politik der AKP betrachtet. Hierzu passt auch, dass heute mehrere junge Männer wegen Propaganda für die Nurcus <a href="http://lent.az/news.php?id=29139">verhaftet wurden</a>.</p>
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		<title>Warum Kemalisten Fethullah Gülen nicht leiden können</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jan 2009 20:49:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In seinem von mir bereits kommentierten Posting über das Verhältnis der Kemalisten zu den Nurcus und Fethullah Gülen schreibt Serdar:
* Der Kemalismus ist nationalistisch und begrenzt sich auf die eigenen Landesgrenzen. Der Gülen Bewegung ist aber nicht an diese gebunden, sondern agiert global. Das religiöse Kapital kennt keine Grenzen. Während die Gülen Leute sich so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem von mir bereits <a href="/?p=3905">kommentierten</a> Posting über das Verhältnis der Kemalisten zu den Nurcus und Fethullah Gülen schreibt <a href="http://serdargunes.wordpress.com/2008/12/31/150/">Serdar</a>:</p>
<blockquote><p>* Der Kemalismus ist nationalistisch und begrenzt sich auf die eigenen Landesgrenzen. Der Gülen Bewegung ist aber nicht an diese gebunden, sondern agiert global. Das religiöse Kapital kennt keine Grenzen. Während die Gülen Leute sich so globalisieren, bleiben die Kemalisten eher lokal.</p>
<p>* Tja, hinzukommt noch das aufgrund dieser Globalisierung die Gülen-Bewegung Human-Kapital zur Verfügung hat. So haben sie auch Kontakte zu Geschäftsleuten und Politikern. Ein regelrechtes Netzwerkes. Was auch attraktiv für Unternehmer in Anatolien, weil die Gülen Leute für sie Verbindungen nach draußen herstellen. Auf Türkisch würde man sagen <em>Al gülüm Ver gülüm!</em></p></blockquote>
<p>Dieser Punkt scheint mir sehr viel wichtiger zu sein als die gestern besprochene Haltung zur Naturwissenschaft. Die kemalistischen Elite aus Bürokratie, Justiz und Armee, die ja erst seit den 1990er Jahren wieder zusammengewachsen ist, nachdem das Militär in den 1980er Jahren religiöse Gruppierungen, nicht zuletzt Fethullah Gülen unterstützt hatte, erlebt die Globalisierung und die Annäherung an die EU als Kontrollverlust. Schon durch die Stärkung der Privatwirtschaft in den 1980er Jahren wurde die Rolle des Staates geschwächt. Die Privatisierung im Bereich der elektronischen Medien und der höheren Bildung hat die Pluralisierung erheblich begünstigt. Auch die Kontrolle über die Außendarstellung ist Ihnen entglitten. Galten sie vor 15, 20 Jahren im Ausland noch als Vertreter der modernen Türkei, erscheinen sie jetzt als Dinosaurier[<a href="#footnote-1-3949" id="footnote-link-1-3949" title="See the footnote.">1</a>], weil nicht mehr ihr westlicher Lebensstil, sondern ihr Nationalismus und ihre Staatsfixierung ins Auge fallen. Ihr Zorn richtet sich daher gegen gesellschaftliche Kräfte, die parallel dazu einen Aufstieg erlebten, etwa Fethullah Gülen oder aber die erwähnten staatsspektischen Linken und Liberalen, die vor allem für &#8220;Radikal&#8221; und &#8220;Taraf&#8221; schreiben. Beide haben einen hervorrragenden Draht zu Medien und Akademikern und Medien in der westlichen Welt.</p>
<p>Diesen Punkt unterstreichen ein Artikel im &#8220;Middle East Quarterly&#8221;, der dieser Tag veröffentlicht wurde, und einer der dort vor elf Jahren erschienen war.</p>
<p>Zunächst zum gerade erschienen &#8220;<a href="http://www.meforum.org/article/2045">Fethullah Gülen&#8217;s Grand Ambition</a>&#8221; von Rachel Sharon-Krespin &#8220;director of the Turkish Media Project at the Middle East Media Research Institute (MEMRI)&#8221;. Ihre These lautet:</p>
<blockquote><p>As Turkey&#8217;s ruling Justice and Development Party (Adalet ve Kalkınma Partisi, AKP) begins its seventh year in leadership, Turkey is no longer the secular and democratic country that it was when the party took over. The AKP has conquered the bureaucracy and changed Turkey&#8217;s fundamental identity. Prior to the AKP&#8217;s rise, Ankara oriented itself toward the United States and Europe. Today, despite the rhetoric of European Union accession, Prime Minister Recep Tayyip Erdoğan has turned Turkey away from Europe and toward Russia and Iran and reoriented Turkish policy in the Middle East away from sympathy toward Israel and much more toward friendship with Hamas, Hezbollah, and Syria. Anti-American, anti-Christian, and anti-Semitic sentiments have increased. Behind Turkey&#8217;s transformation has been not only the impressive AKP political machine but also a shadowy Islamist sect led by the mysterious hocaefendi (master lord) Fethullah Gülen; the sect often bills itself as a proponent of tolerance and dialogue but works toward purposes quite the opposite. Today, Gülen and his backers (Fethullahcılar, Fethullahists) not only seek to influence government but also to become the government.</p></blockquote>
<p>Der Text enthält bezeichnende Auslassungen und gravierende Fehler.</p>
<p>1. &#8220;religion classes teaching Sunni Islam are compulsory in public schools despite rulings against the practice by the European Court of Human Rights (ECHR) and the Turkish high court (Danıştay).&#8221;</p>
<p>Den verpflichtenden Religionsunterricht gibt es seit dem Militärputsch von 1980.</p>
<p>2. &#8220;It has thousands of madrasa-like Imam-Hatip schools and about four thousand more official state-run Qur&#8217;an courses&#8221;</p>
<p>Was immer man von diesen Einrichtungen halten mag, es sind keine Medresen wie in Pakistan, sondern Schulen, in denen zusätzlich zum Oberschullehrplan in besonderem Maße Religion unterrichtet wird, und Arabisch, das anderen Schulen nicht gelehrt wird.</p>
<p>3. &#8220;Gülen was a student and follower of Sheikh Sa&#8217;id-i Kurdi (1878-1960), also known as Sa&#8217;id-i Nursi, the founder of the Islamist Nur (light) movement.&#8221;</p>
<p>Gülen kannte Said Nursi gar nicht persönlich, Kürdi ist keine Eigenbezeichnung, sondern dient der fälschlichen Diffamierung von Said Nursi als kurdischen Nationalisten. Auf das komplexe Verhältnis von Gülen zu den Nurcus gehe ich in einer Fortsetzung ein.</p>
<p>4. &#8220;It is from his U.S. base that Gülen has built his fame and his transnational empire.&#8221;</p>
<p>Sein Reich von Schulen und Medien hat Gülen bereits seit Ende der 1980er Jahre von der Türkei aus in der Türkei und Zentralasien aufgebaut.</p>
<p>5. &#8220;In 2008, members of the Netherland&#8217;s Christian Democrat, Labor, and Conservative parties agreed to cut several million euros in government funding for organizations affiliated with &#8220;the Turkish imam Fethullah Gülen&#8221; and to thoroughly investigate the activities of the Gülen group after Erik Jan Zürcher, director of the Amsterdam-based International Institute for Social History, and five former Gülen followers who had worked in Gülen&#8217;s ışıkevi told Dutch television that the Gülen community was moving step-by-step to topple the secular order.&#8221; Dazu n19: &#8220;Erik-Jan Zürcher, &#8220;Kamermeerderheid Eist Onderzoek Naar Turkse Beweging,&#8221; <a href="http://www.novatv.nl/index.cfm?ln=nl&amp;fuseaction=videoaudio.details&amp;reportage_id=6173&amp;selectArchiveDay=6">NOVA documentary</a>, July 4, 2008&#8243;</p>
<p>Das ist völlig daneben. Die Dame hätte jemanden fragen könne, der Niederländisch beherrscht. Die Überschrift heißt: &#8220;Die Mehrheit des Parlaments verlangt eine Untersuchung einer türkischen Bewegung.&#8221; In der Tat wurde eine Anfrage an den Geheimdienst veranlasst, die aber im September zu dem Urteil führte, dass die Bewegung weder staatsgefährdend noch sektiererisch sei (<a href="http://www.zamanhollanda.nl/nieuwsdetail.asp?id=404">1</a>, <a href="http://www.trouw.nl/nieuws/religie-filosofie/article1874523.ece/Geen_aanwijzing_radicalisering_Fethullah_Gulen.html">2</a>). Ob diese Beobachtung zutrifft, darüber kann man streiten, meine Position gibt es zum Abschluss. Aber wenn man seine eigene Auffassung durch eine offizielle Position untermauern will, dann muss man die auch richtig wiedergeben. Ich vermute, sie hat sich einfach auf <a href="http://www.yenihaber.be/go.php?go=30c0b56&amp;do=details&amp;return=last_news&amp;pg=93">türkische Presseberchte</a> gestützt, welche den Auftrag zu einer Untersuchung mit einem abschließenden Urteil gleichsetzen. Die Zusammensetzung der drei Abgeordneten , die den Stein ins Rollen gebracht haben, ist pikant. Ein Rechtsliberaler, eine Rechtspopulistin und Sadet Karabulut, eine Linksradikale (SP) kurdischer Herkunft. Letztere hat nun ihrerseits <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/moszkowicz_ist_nicht_moskowitz/">eine Anzeige am Hals</a>, weil sie an der &#8220;Hamas, Hamas, Joden an het gas&#8221;-Demo teilgenommen hat.</p>
<p>6. &#8220;It is not clear whether the Fethullahist cemaat (community) supports the AKP or is the ruling force behind AKP.&#8221;</p>
<p>Dass sie die AKP mittlerweile unterstützt, ist kein Geheimnis, dass sie die &#8220;driving force&#8221; hinter dieser Partei sei, ist allerdings falsch. Bei den Wahlen 2002, bei der Gülens alte Verbündete schmählich untergingen, hat er sie nicht unterstützt, allerdings auch nicht davon abgeraten, sie zu wählen. Jetzt an der Macht ist sie für ihn natürlich interessant. Hierzu ein <a href="http://www.milliyet.com.tr/2007/07/10/siyaset/asiy.html">Artikel</a> aus &#8220;Milliyet&#8221;.</p>
<p>7. Für die Behauptung &#8220;Fethullah Gülen is an imam who considers himself a prophet.&#8221; verweist sie auf das Buch von Merdan Yanardağ: <em>Fethullah Gülen Hareketinin Perde Arkası, Turkiye Nasıl Kusatıldı?</em>[<a href="#footnote-2-3949" id="footnote-link-2-3949" title="See the footnote.">2</a>] (Istanbul: Siyah Beyaz Yayın, 2006) Der mir nicht bekannte Autor, <a href="http://www.tikla24.de/katalog.nsrch.1.html?suche=1&amp;suchbegriff=Merdan+Yanardag&amp;x=0&amp;y=0">veröffentlicht</a> offensichtlich ansonsten primär antiamerikanische und antieuropäische Verschwörungstheorien und verklärende Darstellungen des <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1859/ches-tuerkische-verehrer/">Linkskemalismus der 1960er</a> Jahre. Damit ist er selbst ein seltsamer Kronzeuge für dem &#8220;Middle East Quarterly&#8221;. Der Kronzeuge des Kronzeugen ist Nurettin Veren, der sich selbst als die ehemalige rechte Hand von Gülen bezeichnet, in der Hierarchie der Gemeinschaft jedoch wohl nicht ganz so weit oben stand, wie er behauptet. So sagt er, er habe die Zeitung &#8220;Zaman&#8221; mitgegründet, diese <a href="http://tr.fgulen.com/content/view/9285/11/">weist jedoch darauf</a> hin, dass sich mit einem Blick ins Handelsregister sehen lässt, dass dies nicht der Fall ist. Er stieg 2004 bei Gülen aus, um seine Enthüllungen haben sich aber auch Gülen-kritische Medien nicht eben gerissen. Er hat sich zugelich unter die Fittiche des hier schon <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/tag/dogu-perincek/">mehrfach behandelten</a> linksnationalistischen Politsektierers Doğu Perinçek begeben, eines Mao- Und Stalinverehrers.</p>
<p>Sharon-Krespin gibt also weithin ungefiltert kemalistische und linksnationalistische Polemiken gegen Gülen, wieder. Vor elf Jahren pries Bülent Aras ihn in der selben Zeitschrift als &#8220;<a href="http://www.meforum.org/article/404">Turkish Islam&#8217;s Moderate Face</a>&#8220;:</p>
<blockquote><p>Gülen&#8217;s movement seems to have no aspiration to evolve to a political party or seek political power. To the contrary, he continues a long Sufi tradition of seeking rather to address the spiritual needs of his people, to educate the masses, and to provide some stability in a time of turmoil. Like many previous Sufi figures (including the towering thirteenth-century figure, Jalal ad-Din Rumi), he is wrongly suspected of seeking political power. Any change from this apolitical stance could very much harm the reputation of his community.</p>
<p>Ultimately, the future of the Gülen group will be determined by its ability to evolve into an open-minded, flexible, and democratic community, and to improve relations with the military leadership and secular elites. Gülen has made himself a most likely candidate for religious leader of the new Turkey. Its internal evolution and its relations with the state should have a major impact on the state-society dynamics of Turkey in the coming decades.</p>
<p>What about the significance of Gülen&#8217;s movement beyond Turkey? Its best potential is in the Turkic countries in the Caucasus and Central Asia, where his emphasis on Turkish Islam will probably weaken the appeal of the message coming out of Iran. In the larger Muslim world, it does pose a potential challenge to Islamism, for its ideas may find receptive audiences among those with access to the outside world—those in any case most prone to Islamism. This said, his ideas have a much better chance than his organization, for authoritarian states and a general intolerance for new interpretations of Islam will impede it.</p></blockquote>
<p>Der Artikel stand mit am Anfang der Propagandaoffensive, durch die Gülen die Kemalisten um ihre Vorrangstellung bei der Darstellung der Türkei nach außen brachte. Sie haben offenkundig zur Gegenoffensive geblasen.</p>
<p>Wie ich dazu stehe? Forsetzung folgt, aber schon einmal so viel: Gülen muss kritisch beobachtet werden, Hysterie ist aber ebenfalls nicht angebracht, auch weil keineswegs nur die Kemalisten Gülen nicht leiden können.</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-3949">Die kemalistische Anglistikprofessorin Mina Urgan nannte ihre Autobiographie nicht zufällig <em><a href="http://www.tikla24.de/bir-dinozorun-anilari-mina-urgan.id.1402118889.html">Bir Dinozorun Anıları</a></em>, &#8220;Erinnerungen eines Dinosauriers&#8221;  <a href="#footnote-link-1-3949">⇧</a></li><li id="footnote-2-3949">Der Hintergrund der Gülen-Bewegung: Wie die Türkei umzingelt wurde.  <a href="#footnote-link-2-3949">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Ancilla Theologiae</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/3905/ancilla-theologiae/</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Jan 2009 16:59:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Serdar referiert in seinem Blog Ausführungen des türkischen Kolumnisten Emre Aköz über die Nurcus[1]:

Für Kemalisten ist die Gesellschaft eine formbare Masse, fast unmündig, die erzogen werden muss. Aufgeklärt werden muss. Dabei muss ich sagen, das der Kemalismus ein Verständnis der “Aufklärung” hat, wie sie im 19. Jh. vertreten wurde. Also positivistisch. Said Nursi, der Namensgeber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Serdar <a href="http://serdargunes.wordpress.com/2008/12/31/150/">referiert</a> in seinem Blog <a href="http://arsiv.sabah.com.tr/2008/12/31//haber,DC0C5402B03A4E95886CDF2510BA2B3E.html">Ausführungen</a> des türkischen Kolumnisten Emre Aköz über die Nurcus[<a href="#footnote-1-3905" id="footnote-link-1-3905" title="See the footnote.">1</a>]:</p>
<blockquote><p>
Für Kemalisten ist die Gesellschaft eine formbare Masse, fast unmündig, die erzogen werden muss. Aufgeklärt werden muss. Dabei muss ich sagen, das der Kemalismus ein Verständnis der “Aufklärung” hat, wie sie im 19. Jh. vertreten wurde. Also positivistisch. Said Nursi, der Namensgeber der Nurcus bezieht sich auch positiv auf die Naturwissenschaften, allerdings sieht er in ihr keine Konkurrenz zur Religion, sondern eine mögliche Erkenntnisquelle die die Religion, also Gott in seiner Schöpfung bestätigt. Für die Kemalisten wird aber Religion zur Nebensache! Nun für Kemalisten ist das eine ziemlich dreiste Sache.</p></blockquote>
<p>Den Sachverhalt, dass das Wissenschaftsverständnis der Kemalisten aus dem 19. Jahrhundert stammt, habe ich hier jüngst <a href="/?p=2667">ausführlich dargelegt</a> und kritisiert. Vor diesem Hintergrund muss allerdings deutlich benannt werden, dass jenes der Nurcus noch antiquierter ist. Wie Serdar schreibt, hat die Wissenschaft die Aufgabe, den Schöpfer zu bestätigen, die Einzelwissenschaften sind daher in der Terminologie des europäischen Mittelalters Mägde der Religion (<em>ancillae theologiae</em>). Daraus resultiert implizit die Vorgabe, nur solche wissenschaftlichen Erkenntnisse zu akzeptieren, die mit den eigenen Prämissen in Einklang stehen. Auf die damit in Zusammenhang stehende Vorreiterrolle der Nurcus bei der Formulierung des islamischen Kreationismus habe ich <a href="/?p=2653">bereits verwiesen</a>.</p>
<p>Als Problem kommt hinzu, dass Said Nursi zwar ehrlich annahm, dass seine Koranauslegung mit der modernen Wissenschaft in Einklang stehe, dass seine Kenntnisse aber nicht auf dem neusten Stand waren. Die wird an einem Text von ca. 1930 deutlich, wo er versucht zu erläutern, dass die Himmelsreise Muhammads (<em>mi‛rāǧ</em>) möglich sei. Er <a href="http://www.risaleara.com/oku.asp?id=515&#038;a=saliseler">fordert seine Leser auf</a>, sich eine Uhr vorzustellen, die nicht drei, sondern zehn Zeiger habe, die sich im Verhältnis zum vorhergehenden sechzigmal schneller drehen. Der zehnte Zeiger würde dann eine immense Geschwindigkeit  erreichen, ähnlich wie Muhammad, als er das Fabelwesen Burāq bestieg, das ihn in die höchsten Himmelssphären beförderte. Zu dieser Problematik hatte aber bereits 1905 ein Mitarbeiter des Eidgenössischen Patentamts <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Relativit%C3%A4tstheorie#Lichtgeschwindigkeit_als_Grenze">grundlegende Überlegungen</a> publiziert, aus denen sich ergibt, dass sich die Massen nicht unendlich beschleunigen lassen. Dass Said Nursi hiervon nichts wusste, kann ihm kaum zum Vorwurf gemacht werden. Auch in Europa drang die Relativitätstheorie erst nach dem Ersten Weltkrieg ins allgemeine Bewusstsein. Seine Kenntnisse moderner Naturwissenschaften hatte Said Nursi jedoch bereits um 1900 erworben. Von 1925 bis 1951 befand er sich entweder in der Verbannung an entlegenen Orten oder in Haft, wo er keine Möglichkeit hatte sich auf dem Laufenden zu halten[<a href="#footnote-2-3905" id="footnote-link-2-3905" title="See the footnote.">2</a>]. Bezeichnend, ist allerdings, dass seine Jünger die daraus resultierende Problematik nicht reflektieren. Im Gegenteil, seine Deutungen werden selbst zu autoritativen Aussagen.</p>
<p>Etwas zuvor in derselben Passage <a href="http://www.risaleara.com/oku.asp?id=513&#038;a=feza">behauptet</a> Said Nursi, das Weltall[<a href="#footnote-3-3905" id="footnote-link-3-3905" title="See the footnote.">3</a>] sei mit Äther angefüllt, auch dies eine obsolete Auffassung. Seine Jünger <a href="http://www.koprudergisi.com/index.asp?Bolum=EskiSayilar&#038;Goster=Yazi&#038;YaziNo=278">interpretieren</a> nichtsdestotrotz neuere astrophysikalische Theorien wie die &#8220;dunkle Materie&#8221; in seine Ausführungen hinein.</p>
<p>Fortsetzung  folgt.</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-3905">Zusammen mit seinem Kollegen Nevzat Atal hat er vor genaus vier Jahren eine interessante <a href="http://www.sabah.com.tr/ozel/said542/dosya_542.html">Serie</a> von Artikeln über und Interviews mit Nurcus in &#8220;Sabah&#8221; publiziert, die leider doch (noch?) nicht als Buch erschienen ist.  <a href="#footnote-link-1-3905">⇧</a></li><li id="footnote-2-3905">Bereits in den 1940er Jahren verwiesen andere türkische islamische Autoren auf Einstein, um zu zeigen, dass die Materie, anders als die Materialisten behaupten, nicht urewig und beständig ist.  <a href="#footnote-link-2-3905">⇧</a></li><li id="footnote-3-3905">Übrigens verwendet er interessanterweise den Begriff <em>feza-i ulvi</em>, &#8220;der hohe Weltraum&#8221;, in  Erklärungen in modernem Türkisch heißt es dagegen <em>geniş uzay</em>, also &#8220;weiter Weltraum&#8221;. Bei Said Nursi klingt also noch das Sphärenkonzept der präkopernikanischen Kosmologie an, das eine Voraussetzung für die Vorstellung vom <em>mi‛rāǧ</em> ist.  <a href="#footnote-link-3-3905">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Propagating Islamic Creationism on the Internet</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2008/2653/islamischer-kreationismus-internet/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Dec 2008 18:16:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eine Online-Version meines gleichnamigen Artikels findet man auf der Website des Projekts &#8220;Digital Islam&#8221; von Vít Šisler (Univerzita Karlova v Praze).
Es geht um die in diesem Blog schon mehrfach (1, 2, 3, 4) behandelten Aktivitäten von Adnan Oktar (Harun Yahya) und Mustafa Akyol sowie deren historische Hintergründe.
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Update 7.12.2008
Nathan Schneider bezweifelt, dass für Adnan Oktar das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Online-Version meines <a href="http://www.digitalislam.eu/article.do?articleId=1980">gleichnamigen Artikels</a> findet man auf der Website des Projekts &#8220;Digital Islam&#8221; von Vít Šisler (Univerzita Karlova v Praze).</p>
<p>Es geht um die in diesem Blog schon mehrfach (<a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/325/moderate-muslime/">1</a>, <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/332/moderate-muslime-2/">2</a>, <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/565/fromme-einigkeit/">3</a>, <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1372/atlas-der-schopfung/">4</a>) behandelten Aktivitäten von Adnan Oktar (Harun Yahya) und Mustafa Akyol sowie deren historische Hintergründe.</p>
<p>___________________</p>
<p>Update 7.12.2008</p>
<p>Nathan Schneider bezweifelt, dass für Adnan Oktar das Internet so wichtig ist, wie ich behaupte. Wir diskutieren das beim ihm im <a href="http://www.therowboat.com/2008/12/propagating-islamic-creationism-on-the-internet/">Ruderboot</a>.<br />
_____________________<br />
Update 13.7.2008</p>
<p>Jetzt auch als PDF-Datei mit der offiziellen Paginierung <a href="http://mujlt.law.muni.cz/view.php?cisloclanku=2009030010">downloadbar</a>.</p>
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		<title>Freiheitsopfer</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Mar 2007 19:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik u. Ästhetik]]></category>
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		<description><![CDATA[Auf das Frauenbild konservativer türkischer Autoren zur Mitte des letzten Jahrhunderts hat Michael kürzlich verwiesen, als er im Zusammenhang mit der &#8220;Schleierfrage&#8221;, ausführte, dass die weibliche Sexualität gemeinhin als Bedrohung dargestellt werde.
Interessanterweise hat sich in dieser Hinsicht bei einigen islamischen Autoren in der Türkei eine Wende vollzogen. Die verwestlichte Frau erscheint nicht mehr als bedrohliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf das Frauenbild konservativer türkischer Autoren zur Mitte des letzten Jahrhunderts hat Michael <a href="http://blog.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1177/moral-und-kontrolle/">kürzlich verwiesen</a>, als er im Zusammenhang mit der &#8220;Schleierfrage&#8221;, ausführte, dass die weibliche Sexualität gemeinhin als Bedrohung dargestellt werde.</p>
<p>Interessanterweise hat sich in dieser Hinsicht bei einigen islamischen Autoren in der Türkei eine Wende vollzogen. Die verwestlichte Frau erscheint nicht mehr als bedrohliche Dämonin, sondern als mitleidbedürftiges Opfer.</p>
<p>Bezeichnend hierfür ist der Roman &#8220;Sibel&#8221;[<a href="#footnote-1-1446" id="footnote-link-1-1446" title="See the footnote.">1</a>] des zur Nurcu Bewegung gehörenden Autors <a href="http://www.hekimogluismail.com/">Hekimoğlu İsmail</a>, der der Nurcu Bewegung nahe steht. Der  Name der Titelheldin ist kein Zufall. Sibel, abgeleitet von Cybèle, der französischen Schreibung der anatolischen Fruchtbarkeitsgöttin ist ein typisch kemalistischer, areligiöser Name.<br />
Die Protagonistin in reiferem Alter ist Übersetzerin im Außenministerium gehört also der kemalistischen Bürokratie an. Sie scheint die Werte des Systems verinnerlicht zu haben. Während sie jedoch die Phrasen von Fortschritt und Verwestlichung wiederholt, wird sie von innerer Leere zerfressen, die sie auf den offiziellen Cocktaikparties im Alkohol ersäuft. Kummer bereitet ihr auch ihr eigener Sohn, der sich von ihren Vorstellungen abgewandt hat und sich &#8211; wie sie zunächst meint &#8211; in finsteren Zirkeln zu Versammlungen rückwärtsgewandter Dunkelmänner einfindet. Doch es ist ihr Sohn Tufan[<a href="#footnote-2-1446" id="footnote-link-2-1446" title="See the footnote.">2</a>], der ihr zur Rettung verhilft. Er befreit sie aus der Gefangenschaft von Sucht und Sinnlosigkeit heraus, indem er sie zur Religion zurückführt. So kann sie schließlich mit innerem Frieden dem Tod entgegensehen, als sie an Krebs erkrankt.</p>
<p>Die gleiche Tendenz zeigt sich in &#8220;Ben özgür müyüm?&#8221; (Bin ich frei?) der Autorin Gülay Atasoy[<a href="#footnote-3-1446" id="footnote-link-3-1446" title="See the footnote.">3</a>], kein Roman, sondern eine Sammlung von Reportagen, mit denen demonstriert werden soll, dass Frauen auch um ihr diesseitiges Glück betrogen werden, wenn sie den freiheitsversprechungen des Feminismus folgen. Familiäre Gewalt kennzeichnet ihr zufolge verwestlichte Familien, in denen Alkohol konsumiert wird. Eine Tochter aus reichem Hause endet als Bushostess, weil ihre die Eltern alles erlaubt haben und sie deswegen in schlechte Gesellschaft geriet. Junge Türkinnen in Deutschland geraten an Heroin, werden in intakten, konservativen Familien zuhause aber wieder auf den rechten Wege geführt. Zwei Freundinnen haben mit der Illusion, als Schauspielerinnen reüssieren zu können, ihre furchtbaren Jahre verplempert und müssen nun ständig mit Tränen in den Augen glückliche FAmilien durch die Straßen spazieren sehen. Die Heuchelei der Feministinnen entlarven soll der Bericht von einer im Milieu tätigen jungen Frau, die einen Mann erschoss, der sie bedrängte. Die „freien Frauen“ hätten ein Geschrei erhoben, als sie deswegen zu 18 Jahren verurteilt wurde, aber haben sie nicht immer gefordert, dass Männer und Frauen gleich seien?<br />
Die Schuld gibt Atasoy aber weniger dem kemalismus als der Libertinage der 1960er Jahre, was wieder einmal zeigt wie sehr sich bestimmte Kreise bei uns, mit den Produkten ihrer Zuwendungsobjekte beschäftigen. </p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-1446">İstanbul: <a href="http://www.timas.com.tr">Tima&#x015f; Yay&#x0131;nlar&#x0131;</a>, 2004  <a href="#footnote-link-1-1446">⇧</a></li><li id="footnote-2-1446">&#8221;Sintflut&#8221;  <a href="#footnote-link-2-1446">⇧</a></li><li id="footnote-3-1446">İstanbul: <a href="http://www.nesilyayinlari.com/">Nesil Yay&#x0131;nlar&#x0131;</a>, 2004  <a href="#footnote-link-3-1446">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Ahmet Akgündüz und die islamische Universität Rotterdam</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Jul 2006 12:25:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Benelux]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung & Wissenschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Der von mir wegen seiner Forderung, die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umzuwandeln, erwähnte Professor Ahmet Akgündüz ist der Rektor der Islamischen Universität in Rotterdam (tr.), einer Einrichtung, die der türkischen Nurcu-Bewegung (I, II) nahesteht. Sie wendet sich vorwiegend an Türken (demenstprechend bescheiden sind die englischen, niederländischen und arabischen Webseiten). Sie vergibt die allgemein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der von mir wegen seiner Forderung, <a href="http://blog.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/692/hagia-sophia/">die Hagia Sophia wieder in eine Moschee umzuwandeln</a>, erwähnte Professor Ahmet Akgündüz ist der Rektor der <a href="http://www.islamicuniversity.nl/tr/index.asp">Islamischen Universität in Rotterdam</a> (tr.), einer Einrichtung, die der türkischen Nurcu-Bewegung (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nurculuk">I</a>, <a href="http://wwwuser.gwdg.de/~mriexin/NurLinks.html">II</a>) nahesteht. Sie wendet sich vorwiegend an Türken (demenstprechend bescheiden sind die englischen, niederländischen und arabischen Webseiten). Sie vergibt die allgemein anerkannten akademischen Abschlüsse in den Fächern &#8220;islamische Studien&#8221;, &#8220;Arabisch&#8221; und &#8220;Islamische Kunst&#8221;.</p>
<p>Die Nurcus sind keine Islamisten, die die Gesellschaft durch Mission zur Rechtgläubigkeit zurückzuführen. Politisch sind sie mit den türkischen Mitterechtsparteien verbündet. Ich selbst besuchte im Dezember 2004, kurz nachdem die EU Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zugestimmt hatte, eine <em>sohbet</em> der Nurcu Stiftung <a href="http://www.suffavakfi.org.tr/">Suffa Vakf&#x0131;</a> in Istanbul. Bei diesen freitäglichen Veranstaltungen werden die Schriften von Said Nursi, dem Begründer dieser Bewegung rezitiert und aus dem veralteten Osmanischen ins heutige Türkisch übersetzt. Akgündüz war an jenem Abend der &#8220;Stargast&#8221; und er verkündete, dass mit dieser Entscheidung der EU ein Weg eingeschlagen wurde, den Said Nursi vor Jahrzehnten vorausgesehen habe. Die Nurcus befürworten den Beitritt der Türkei zur EU in der Hoffung, dass dann juristische Beschränkungen für religiöse Aktivitäten aufgehoben werden. Sie übersehen dabei jedoch vielfach, dass die Annäherung an Europa auch von den türkischen Muslimen die Abkehr von Absolutheitsansprüchen verlangt.</p>
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