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	<title>TRANSATLANTIC FORUM &#187; Paternalismus</title>
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	<description>Liberty and Democracy in East and West.</description>
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		<title>Nach dem Postkolonialismus</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 20:29:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Todenhöfer mal wieder. Natürlich war der oberste Feindbildbekämpfer Deutschlands auch in Syrien unterwegs. In seinem Bericht für die FAZ, in welchem das Personalpronomen der 1. Person Singular wieder eine tragende Rolle spielt, erklärt er seinen Lesern, warum der Westen – der! Westen – wieder einmal von allem keine Ahnung hat.
Todenhöfer hat mit Assad persönlich gesprochen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Todenhöfer mal wieder. Natürlich war der oberste Feindbildbekämpfer Deutschlands auch in Syrien unterwegs. In seinem <a href="http://fazarchiv.faz.net/document/showSingleDoc/FAZT__FD1201112123331634?KO=&amp;timeFilter=&amp;dosearch=new&amp;crxdefs=&amp;sext=0&amp;NN=&amp;BC=&amp;q=++Innere+Sicherheit&amp;sorting=&amp;CO=&amp;submitSearch=Suchen&amp;maxHits=&amp;CN=&amp;&amp;toggleFilter=&amp;annr=287&amp;highlight=%5CF%3A*%5C.%3Asicherheit++%5C.%3Ainnere++%5CF%3A_%5C.%3Asicherheit++%5C.%3Ainnere++%5C" target="_blank">Bericht</a> für die FAZ, in welchem das Personalpronomen der 1. Person Singular wieder eine tragende Rolle spielt, erklärt er seinen Lesern, warum der Westen – der! Westen – wieder einmal von allem keine Ahnung hat.</p>
<p>Todenhöfer hat mit Assad persönlich gesprochen und offenbar einen positiven Eindruck gewonnen. So weiss er, dass die Mehrheit der Syrer immer noch an ihren Diktator glaubt und lediglich das System ablehnt. Noch ist es also nicht zu spät für Assad. Dass die syrische Regierung von einem Clansystem beherrscht wird und wie auch in anderen arabischen Ländern die Vetternwirtschaft in Syrien systemisch bedingt ist, hat Assad seinem deutschen Gesprächspartner allerdings verschwiegen.</p>
<p>Dafür hat Todenhöfer erfahren, dass auf den Strassen von Damaskus, Homas und Hama &#8220;Guerrillakommandos&#8221; unterwegs sind, die den demokratischen Protestlern die &#8220;Revolution&#8221; (welche Revolution?) gestohlen haben. Weil sich westliche Aussenpolitiker aber weigern, &#8220;durch kluge Verhandlungen&#8221; die Probleme zu entschärfen, muss Assad weiter Gurerrillakämpfer töten, wenn er noch Gelegenheit bekommen soll, der Empfehlung des Problemlösers aus Deutschland Folge zu leisten, &#8220;sich relativ kurzfristig freien Präsidentschaftswahlen&#8221; zu stellen.</p>
<p>Denn in Damaskus &#8220;stehen die Türen für derartige Gespräche sperrangelweit offen&#8221;, ist Todenhöfer überzeugt. Eine Ausnhame gibt es nur für die syrischen Oppositionellen im In- und Ausland: Mit denen müsse Assad &#8220;einen fairen Dialog&#8221; beginnen, sich selbst &#8220;vom jetzigen System trennen&#8221;. So offen sind die Türen in Damaskus dann doch nicht.</p>
<p>Der schönste Satz in Todenhöfers Suada gegen den Westen aber lautet: &#8220;Der Westen sollte nach Jahrhunderten des Kolonialismus und Postkolonialismus endlich zum Freund und Partner der arabischen Welt werden.&#8221; – Nach dem Postkolonialismus, der also offenbar genauso verdammenswert ist wie der Kolonialismus (irgendowher müssen die &#8220;Jahrhunderte&#8221; ja kommen), bricht nun also ein neues Zeitalter an: das des Dialogs und der Sülze.</p>
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		<title>Dienst am Volk</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 20:41:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Frage, wie man Menschen am besten erziehen, bevormunden und gängeln kann, hat schon viele Denker zu intellektuellen Höchstleistungen angespornt. Jetzt fordert der Germanist und Fernsehphilosoph Richard David Precht die Einrichtung eines sozialen Pflichtjahrs für Renter. Denn genau wie Precht haben auch Rentner bekanntlich Zeit en masse und da nicht alle über einen so hohen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Frage, wie man Menschen am besten erziehen, bevormunden und gängeln kann, hat schon viele Denker zu intellektuellen Höchstleistungen angespornt. Jetzt fordert der Germanist und Fernsehphilosoph Richard David Precht die <a href="http://www.derwesten.de/panorama/richard-david-precht-verteidigt-pflichtjahr-fuer-rentner-id6147246.html" target="_blank">Einrichtung eines sozialen Pflichtjahrs für Renter</a>. Denn genau wie Precht haben auch Rentner bekanntlich Zeit <em>en masse</em> und da nicht alle über einen so hohen Marktwert verfügen, dass sie vom <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/bestseller-autor-precht-unglaublich-1.138989" target="_blank">Bücherschreiben</a> leben können, muss man sie anderweitig einsetzen.</p>
<p>Precht (&#8221;<a href="Quelle: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&amp;v=bY6s23aX5rY" target="_blank">Freiheit geht immer mit Unfreiheit einher</a>&#8220;) glaubt, dass diejenigen, &#8220;die sich über den Zwang empören, genau diejenigen [sind], die es freiwillig nie tun würden&#8221; weswegen sie fraglos zur Räson gebracht werden müssen. Damit wird ihnen der einzige Lohn genommen, mit der ehrenamtliche Tätigkeit vergolten wird: Anerkennung als Währung freiwilliger Tätigkeit am Nächsten wird durch Zwang entwertet. Man betrachtet die Dienstleistung fortan als Selbstverständlichkeit und dem zum Dienst Verpflichteten wird mit Herablassung begegnet.</p>
<p>Dass sein Vorschlag Zwangsarbeit bedeutet, weshalb er hoffentlich keine politischen Mehrheiten findet, mag Precht allerdings nicht einsehen. Zwangsarbeit ist nämlich nur, wenn sie in sibirischer Kälte oder in unteriridischen Stollen stattfindet – alles darunter ist fröhlicher Dienst am Volk. Was kann daran falsch sein?</p>
<p>Zum Beispiel dies: Man kann das ganze nämlich weiterdenken und alle möglichen Gruppen benennen, die zu allen nur erdenklichen Diensten zwangsverpflichtet werden. Warum nicht ein Pflichtjahr für Philosophen in einer Autowerkstatt, wo man lernt, wie man sich die lilienweissen Hände bei handwerklicher Tätigkeit schmutzig macht?</p>
<p>Das grösste Ärgernis aber ist die Nonchalance, mit der ein mit 47 Jahren noch recht junger Intellektueller über ältere Menschen zu verfügen sich anmasst. Junge Menschen kann man zum Schuldienst, später zum Wehrdienst oder zum sozialen Dienst verpflichten, damit sie in den Stand versetzt werden, die Errungenschaften der Gesellschaft weiterzutragen: Schliesslich waren es die vorangegangenen Generationen, die den Wohlstand und die politische Stabilität erst möglich gemacht haben, in denen sie aufwachsen.</p>
<p>Käme ein Hundertjähriger auf diese Idee, hätte sie auch noch eine    andere Qualität als wenn dies aus dem Munde eines Mittvierzigers    geschieht. Dies Menschen zur staatlich verordneten Pflicht zu machen, deren Recht  es ist, die Früchte ihres Arbeitslebens zu geniessen, ist  schlechterdings würdelos, die philanthropische Begründung der Zwangsarbeit gerät zur Farce: &#8220;Es geht darum&#8221;, begründet Precht allen Ernstes seinen Vorstoss, &#8220;die  Schwellenangst vor dem sozialen Engagement zu  nehmen.&#8221;</p>
<p>Eine wahre Unverfrorenheit. Precht sollte sich der Generation der Rentner besser lernend nähern, anstatt belehrend.</p>
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		<title>Multikulturalismus und Meinungsfreiheit</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Jan 2009 17:34:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Urteil des Amsterdamer Gerichtshofs, wonach gegen Geert Wilders wegen Verbreitung von Hass zu ermitteln ist, scheint in den Niederlanden quer durch die politischen Lager auf Ablehnung zu stoßen. Hiervon zeugen die Kommentare im linksliberalen &#8220;Volkskrant&#8221;. David Pinto, ein via Israel eingewanderter marokkanischer Jude und Gründer des &#8220;Intercultureel Instituut Amsterdam&#8221; schreibt:
Wer sich durch Aussagen von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das <a href="/?p=4344">Urteil</a> des Amsterdamer Gerichtshofs, wonach gegen Geert Wilders wegen Verbreitung von Hass zu ermitteln ist, scheint in den Niederlanden quer durch die politischen Lager auf Ablehnung zu stoßen. Hiervon zeugen die Kommentare im linksliberalen &#8220;Volkskrant&#8221;. David Pinto, <a href="http://davidpinto.nl/index.php?option=com_content&#038;view=article&#038;id=45&#038;Itemid=130">ein via Israel eingewanderter marokkanischer Jude</a> und Gründer des &#8220;Intercultureel Instituut Amsterdam&#8221; schreibt:</p>
<blockquote><p>Wer sich durch Aussagen von Wilders beleidigt fühlt, soll nicht zum Richter rennen, sondern die Äußerungen widerlegen.<br />
[...]<br />
Gesetzt er hätte vergleichbares über die Thora, die Juden und das Judentum gesagt, kein Haar von mir hätte sich beleidigt gefühlt, dabei bin ich Jude.</p></blockquote>
<p>Wer die Muslime nicht sich selbst verteidigen lasse der schwäche sie. Nach dem Maßstab, nach dem Wilders beurteilt werde, müssten dann aber auch Koran 3:118, 5:51 und 4:34 beurteilt werden.</p>
<p>Amanda Kluveld (&#8221;Wilders is al schuldig zonder dat dat is bewezen&#8221;) <a href="http://extra.volkskrant.nl/opinie/artikel/show/id/2490/Wilders+is+al+schuldig+zonder+dat+dat+is+bewezen">betont ebenfalls</a>, dass niemand die Muslime daran hindere, an der Debatte über den Islam und die Muslime teilzunehmen.</p>
<p>René Cuperus <a href="http://extra.volkskrant.nl/opinie/artikel/show/id/2491/Blunder+van+het+hof">spart nicht mit harten Worten</a>:</p>
<blockquote><p>Wer jeden Muslim einen Nazi nennt, und den Koran verbieten lassen will, ist nicht ganz dicht (is niet heel goed bij zijn hoofd.)</p></blockquote>
<p>Aber gerade dieses Urteil werde dazu führen, dass die Islamdebatte wieder an Schärfe gewinne.</p>
<p>Zum selben Schluss kommt Nausicaa Marbe. Sie <a href="http://extra.volkskrant.nl/opinie/artikel/show/id/2488/Knettergek">nimmt sich</a> außerdem den marokkanischen Funktionär Farid Azarkan vor, der nach dem Urteil gemeint hatte, jetzt sei das Vertrauen seiner Anhängerschaft in den niederländischen Rechtsstaat wiederhergestellt:</p>
<blockquote><p>Die Frage ist, warum, sollte die Anhängerschaft annehmen, dass der Rechtsstaat sie nicht beschütze? Es schließlich, das Verdienst der Demokratie, dass die Vertreibung des Islams aus den Niederlanden nicht durchführen kann. Oder taugt die Demokratie in den Augen dieser Anhängerschaft nur etwa, wenn sie Leute, die ihnen nicht passen, aus der Politik und der Debatte ausschließt[<a href="#footnote-1-4482" id="footnote-link-1-4482" title="See the footnote.">1</a>]?</p></blockquote>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-4482">???: Of deugt een democratie in de ogen van deze achterban pas als die personen die je niet zinnen wegwerkt, uit de politiek en het debat?  <a href="#footnote-link-1-4482">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Ivory Towers on Sands</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 07:58:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(&#8230;) Middle Eastern studies came under a take-no-prisoners assault, which rejected the idea of objective standards, disguised the vice of politicization as the virtue of commitment, and replaced proficiency with ideology. The text that inspired the movement was entitled Orientalism, and the revolution it unleashed has crippled Middle Eastern studies to this day.
schreibt der emeritierte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>(&#8230;) Middle Eastern studies came under a take-no-prisoners assault, which rejected the idea of objective standards, disguised the vice of politicization as the virtue of commitment, and replaced proficiency with ideology. The text that inspired the movement was entitled Orientalism, and the revolution it unleashed has crippled Middle Eastern studies to this day.</p></blockquote>
<p>schreibt der emeritierte Nahostfachmann Martin Kramer in seiner Studie &#8220;Ivory Towers on Sands: The Failure of Middle Eastern Studies in America&#8221;, verfasst kurz nach den Anschlägen vom 11. September. Die amerikanische Entwicklung akademischer Beschäftigung mit dem Nahen Osten und dem Islam ist mit der in Deutschland durchaus vergleichbar. Mit Edward Saids &#8220;Orientalism&#8221; gewinnen Anti-Empirismus und Philologieskepsis an  Boden und die Attitüde ersetzt allzuhäufig das Erkenntnisinteresse.</p>
<p>Nirgends ist diese Entwicklung so gut beschrieben worden wie in Kramers &#8220;Ivory Towers&#8221;, das es jetzt <a href="http://sandbox.blog-city.com/ivory_towers_on_sand_download.htm" target="_blank">zum freien Download</a> gibt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Noch mehr Geld für Afrika! (6)</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2008/2384/noch-mehr-geld-fur-afrika-6/</link>
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		<pubDate>Sun, 12 Oct 2008 16:57:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<category><![CDATA[Entwicklungshilfe]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn afrikanische Regierungen ein Recht auf Auswanderung nach Europa verlangen, dann, so der ehemalige Botschafter Volker Seitz, ist was faul. Und zwar vor allem mit der Entwicklungshilfe:
Die afrikanischen Regierungen interessieren sich einfach nicht für die Armen in ihrem Land &#8211; und schieben die Verantwortung auf uns ab. Eine große Anzahl von Armen ist ihnen doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn afrikanische Regierungen ein Recht auf Auswanderung nach Europa verlangen, dann, so der ehemalige Botschafter Volker Seitz, ist was faul. Und zwar vor allem mit der Entwicklungshilfe:</p>
<blockquote><p><span class="dunkelgrau-12-16">Die afrikanischen Regierungen interessieren sich einfach nicht für die Armen in ihrem Land &#8211; und schieben die Verantwortung auf uns ab. Eine große Anzahl von Armen ist ihnen doch geradezu die Garantie dafür, dass wir weiter Geld schicken. </span></p></blockquote>
<p>Seitz weist im FAS-Interview darauf hin, dass laut <span class="dunkelgrau-12-16"> Transparency International jährlich rund 150 Mio. Dollar durch Korruption verlorengehen. Dazu kommt eine Kapitalflucht von geschätzten drei bis 13 Mrd. Dollar jährlich. Solange aber Entwicklungshilfeorganisationen Schlange stehen, um Gutes tun zu dürfen, fehlt vielerorts das Bewusstsein dafür, dass Wandel not tut. Das gilt nicht nur für Regierungen, sondern auch für die Helfer:<br />
</span></p>
<blockquote><p><span class="dunkelgrau-12-16">Manchmal streiten die Geber geradezu darum, helfen zu dürfen. Allein in Deutschland leben nach meiner Schätzung rund hunderttausend Menschen von der Entwicklungshilfe. Die haben kein Interesse daran, dass Projekte auch einmal abgeschlossen werden.(…) </span><span class="dunkelgrau-12-16">Leider ist es wahr: Mit unserer Entwicklungshilfe zementieren wir die Unmündigkeit der Armen.</span></p></blockquote>
<p>Für Leser dieses Blogs ist das freilich nichts neues. Neu ist aber der &#8220;<a href="http://www.bonner-aufruf.eu/?seite=aufruf" target="_blank">Bonner Aufruf</a>&#8220;, der in jedem Falle Beachtung verdient, wie auch das <a href="http://www.faz.net/p/Rub0648F7DDFE114B62A2F60E01C0937822/Dx2~Ed68bb609da02b9fe607df89842bb6351~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">ganze Interview</a>.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Von Israel besessen</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2008 10:34:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aus dem Tollhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Antizionismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Palästinensergebiete]]></category>
		<category><![CDATA[Paternalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Ja, es gibt demokratische Wahlen, es gibt &#8216;Basis&#8217;-Rechte für alle. Aber der zionistische Staat Israel definiert sich als &#8216;jüdisch&#8217;, das provoziert viele Fragen, die sich die Broders nicht stellen und ihren Lesern vorenthalten wollen:
- Was ist mit den über 20% Nichtjuden?
fragt eine besorgte Raumplanerin aus Dortmund, die das Nahostproblem als Hobby für sich entdeckt hat. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p><span style="font-size: 100%;">Ja, es gibt demokratische Wahlen, es gibt &#8216;Basis&#8217;-Rechte für alle. Aber der zionistische Staat Israel definiert sich als &#8216;jüdisch&#8217;, das provoziert viele Fragen, die sich die Broders nicht stellen und ihren Lesern vorenthalten wollen:<br />
- Was ist mit den über 20% Nichtjuden?</span></p></blockquote>
<p>fragt eine besorgte <a href="http://zionismus-israel-raumplanung.blogspot.com/2008/09/henryk-m-broder-hofnarr-und-ttig-am.html" target="_blank">Raumplanerin aus Dortmund</a>, die das Nahostproblem als Hobby für sich entdeckt hat. Nun, was soll mit den Nichtjuden in Israel sein? Die haben in aller Regel die israelische Staatsangehörigkeit, zumindest die Araber unter ihnen.</p>
<p>Was unsere Raumplanerin aber so skandalös findet, ist die Tatsache, dass Israel sich als jüdischer Staat versteht, sind doch die Israelis eine Religionsnation. Daran ist nichts weiter bemerkenswert ausser der Tatsache, dass eine gewisse Spezies von Intellektuellen diese Eigenschaft immer nur an Israel bemängelt.</p>
<p>Denn wer sich einmal in in der Welt umschaut, wird mühelos feststellen, dass es da <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/516/yom-atz-3/" target="_blank">noch ein paar andere Religionsnationen</a> gibt: So definiert sich Griechenland als Nation über griechische Abkunft und Zugehörigkeit zur griechisch-orthodoxen Kirche gleichermassen. Man könnte fragen: Und was ist mit der muslimischen/türkischen Minderheit? Aber diese Frage stellt niemand.</p>
<p>Ebenso versteht sich die Türkei als Religionsnation: Turkophonie und sunnitischer Islam sind die Elemente, aus denen die türkische Nation geschmiedet ist. Man könnte fragen: Und was ist mit der griechischen/christlichen Minderheit, was mit den Juden und Armeniern, die in der Türkei leben? Aber diese Frage stellt niemand.</p>
<p>Auch Japan versteht sich als Religionsnation, ebenso Russland, Serbien und viele andere. Man mag darüber befinden, wie man will, kritisiert aber wird merkwürdigerweise immer nur Israel dafür. Und das, obwohl man leichter Jude und Israeli werden kann als Japaner.</p>
<p>Was nun die Vertreibungen anbetrifft – man kann es nicht oft genug wiederholen: Alle heute existierenden Staaten, die auf dem Boden des ehemaligen Osmanischen Reiches entstanden sind, haben zu Beginn ihrer Staatswerdung und zum Teil noch danach eine Politik der Homogenisierung betrieben. Entweder durch Vertreibung, oder durch staatliche Marginalisierung, Diskriminierung oder Assimilierung.</p>
<p>Im Grunde brauchen wir uns gar nicht auf Südosteuropa und den Nahen Osten zu beschränken, wir finden das Phänomen Vertreibung auch anderswo. Immerhin hat nun aber gerade Israel im Verhältnis sehr viel weniger Menschen vertrieben, <a href="http://www.logosjournal.com/morris.htm" target="_blank">als dies anderswo der Fall war</a>. Zugleich war Arabisch von Anfang an zweite Nationalsprache und alle Araber auf israelischem Staatsgebiet wurden israelische Staatsbürger. Die Situation selbst der Palästinenser in der Westbank heute dürfte besser sein als die <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2008/2368/erinnerungen-an-jalazoon/" target="_blank">vieler Menschen in anderen Regionen des Nahen Ostens</a>. Und während Israel eine Regierung wählte, die sich einen Ausgleich mit den Palästinensern auf die Fahnen geschrieben hat, kam in Gaza die radikale Hamas an die Macht.</p>
<p>Man vergleiche dies mit der Situation der Kurden in Syrien, denen massenhaft die Staatsangehörigkeit und alle Bürgerrechte entzogen wurden, weil sie keine Araber werden wollten oder der griechischen Politik in den 50er Jahren, die mehr als 50.000 griechischen Türken ihre Staatsbürgerschaft entzog – nie waren diese Praktiken ein grosses Thema für die Linken. Immer nur Israel.</p>
<p>Was also ist diese Art von Israelkritik, wenn nicht ein Antisemitismus im neuen Gewand? Allein die Obsession, mit der diese Art von Kritik betrieben wird, spricht für sich.</p>
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		<title>Mission impossible</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Aug 2008 20:16:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik des Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Arabische Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Islamismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nahostkonflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine besondere Mission hat der Volker Perthes vom Berliner SWP. Der Westen solle endlich den Mut finden, einen Dialog mit den Islamisten zu führen, fordert er. Mit gemässigten Islamisten, natürlich. Und man scheint ihn erhört zu haben:
Westliche Politik hat allmählich begriffen, dass es bei der Analyse von extremistischen Gruppen, die sich islamisch definieren, zu differenzieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine besondere Mission hat der Volker Perthes vom Berliner SWP. Der Westen solle endlich den Mut finden, einen Dialog mit den Islamisten zu führen, fordert er. Mit gemässigten Islamisten, natürlich. Und man scheint ihn <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/generationen_des_zorns_1.812549.html" target="_blank">erhört zu haben</a>:</p>
<blockquote><p>Westliche Politik hat allmählich begriffen, dass es bei der Analyse von extremistischen Gruppen, die sich islamisch definieren, zu differenzieren gilt. Politisch relevant ist die Unterscheidung zwischen Bewegungen, die eine lokale politische Agenda und deshalb eine lokale Basis mit verhandelbaren Zielen haben, und jenen, die einen Raum und Zeit transzendierenden globalen Kampf zu führen glauben. Diese Unterscheidung war im «Global War on Terror» der Bush-Administration verloren gegangen, ist aber von amerikanischen Regierungsstellen wiederentdeckt worden.</p></blockquote>
<p>Möglicherweise aber ist das auch Zufall, denn woher soll die amerikanische Regierung den Perthes kennen. Jedenfalls, Ende Mai war das alles schon einmal im &#8220;Merkur&#8221; <a href="http://www.merkur.de/2008_21_Resistent_gegen_D.28216.0.html?&amp;no_cache=1" target="_blank">lesen</a>:</p>
<blockquote><p>Nationale islamische Bewegungen wie die Muslimbrüder in Ägypten, die Hamas in Palästina, die Parteien der irakischen Schiiten-Allianz oder die bahrainische Wifaq bieten mit ihrer oft sehr deutlichen Einforderung des Respekts menschlicher Würde, von Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten und oft auch Demokratie zumindest Anknüpfungspunkte zu liberaldemokratischen Vorstellungen. Deshalb ist es auch für viele arabische liberale oder linke Demokraten nicht so schwer vorstellbar, mit Islamisten gemeinsam für politische Reformen einzutreten.</p></blockquote>
<p>Und vor drei Jahren, also 2005, <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2005/191/mit-islamisten-verhandeln/" target="_blank">schrieb</a> derselbe Perthes im Magazin &#8220;Zenith&#8221;:</p>
<blockquote><p>Gerade wenn die internationale Staatengemeinschaft den Kampf gegen den globalen Terrorismus erfolgreich führen will, muss sie zwischen Dschihadisten vom Schlage al-Qaidas und anderen Islamisten trennen. Wer dies nicht tut, riskiert dem falschen Argument Vorschub zu geben, dass es sich bei diesem Kampf letztlich doch um einen westlichen Kreuzzug gegen »den Islam« handele.</p></blockquote>
<p>Ein Jahr davor, also 2004, in der &#8220;Inamo&#8221;:</p>
<blockquote><p>Denn entweder führt man das Gespräch mit den liberalen Eliten muslimisch geprägter Staaten, die ohnehin so denken, wie ihre europäischen Partner (…) Oder man sucht das Gespräch mit jenen in der arabisch-nahöstlichen Welt, mit denen wir grössere Probleme haben und läuft Gefahr, der unheimlichen Komplizenschaft mit diesen Gruppen beschuldigt zu werden.</p></blockquote>
<p>Äquidistanz als politische Herausforderung des 21. Jahrhunderts! Im selben Jahr 2004 befand sich Perthes auch im Zentrum des <a href="http://www.welt.de/print-welt/article293192/Affirmative_Kritik.html" target="_blank">Debakels</a> mit der Friedrich-Ebert-Stiftung, die in Beirut zum Dialog geladen, aber irgendwie vergessen hatte, neben den Apologeten auch die Kritiker des Islamismus zu berücksichtigen.</p>
<p>Denn Islamisten selber halten eben nicht viel von Pluralismus und <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1547/dialog-und-ruckgrat/" target="_self">Dialog</a>. Und so geht die Mission des Volker Perthes weiter.</p>
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		<title>Todenhöfer und wie er den Irak sieht</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Jul 2008 19:18:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antiamerikanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Irak]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik des Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Neoirrationalismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Linke]]></category>
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		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Zeit vor dem Irakkrieg hatte ich mich als Übersetzer für arabische Texte verdingt, die Aufträge bekam ich von einem befreundeten Iraker, der seit Jahren im Übersetzungsgeschäft tätig war. Als Anfang 2003 der Krieg immer näher kam, hatten wir uns natürlich auch darüber unterhalten. Wie die Stimmen anderer irakischer Exilanten, die ich bis dahin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Zeit vor dem Irakkrieg hatte ich mich als Übersetzer für arabische Texte verdingt, die Aufträge bekam ich von einem befreundeten Iraker, der seit Jahren im Übersetzungsgeschäft tätig war. Als Anfang 2003 der Krieg immer näher kam, hatten wir uns natürlich auch darüber unterhalten. Wie die Stimmen anderer irakischer Exilanten, die ich bis dahin gehört hatte, so befürwortete auch er vehement ein Eingreifen der USA in seinem Heimatland, sah er darin doch die einzige Möglichkeit, die verhasste Diktatur Saddam Husseins loszuwerden.</p>
<p>Als die amerikanischen Truppen Bagdad bombardierten, war er völlig euphorisch und konnte es kaum fassen, dass Saddams Tage gezählt sein sollten. Ich fragte ihn natürlich, ob das allein seine Ansicht war und was seine Landsleute in Bochum (wo sich diese Geschichte zugetragen hat) dächten. Er antwortete mir, dass er alle Iraker, die er in Bochum kenne, zum Krieg befragt habe und von einem Dutzend Personen nur eine einzige dagegen gewesen sei. Befragt, was er und seine Lebensgefährtin über die die PACE-Flaggen-schwenkenden Peaceniks meinten, antworteten mir beide, dass das doch junge Leute seien, die keine Vorstellung davon haben, wie es unter einer totalitären Diktatur wie der im Irak zugehe.</p>
<p>Als die Amerikaner in Bagdad einmarschierten und Menschen auf der ganzen Welt <a href="http://www.welovetheiraqiinformationminister.com/" target="_blank">sich über den irakischen Informationsminister amüsierten</a>, da feierten mein Freund und seine Landsleute ausgelassen den Sieg. Ich rief ihn über Handy an und gratulierte ihm. Kurze Zeit nachdem der Krieg vorbei war, fuhr mein irakischer Freund mit seiner Lebensgefährtin nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder in seine Heimat. Beide hatten das ganze Land bereist und berichteten mir nach ihrer Rückkehr, dass überall, wo sie hingekommen seien, die Menschen eine tiefe Erleichterung darüber verspürt haben, dass der Alptraum einer 40jährigen Terrorherrschaft nun endlich vorbei sei!</p>
<p>Unterdessen waren im deutschen Fernsehen lauter Fachleute zu sehen, die ausser der Tatsache, allesamt keine Iraker zu sein, vor allem das Weltbild teilten, genauestens über die Befindlichkeiten der Iraker bescheid zu wissen und dem deutschen Fernsehpublikum eifrig klarzumachen bemüht waren, dass das Leiden der irakischen Bevölkerung erst mit dem Einmarsch der Amerikaner in Bagdad begonnen habe. Ich hatte also meinen irakischen Freund gedrängt, sich mit verschiedenen Fernsehsendern in Verbindung zu setzen und ihnen vorzuschlagen, einmal einen Iraker zu Wort kommen zu lassen, zumal mein Freund ein promovierter Orientalist war, der über Saddams Minderheitenpolitik gearbeitet hatte.</p>
<p>Tatsächlich kam ein Fernsehteam von n-tv in seine Wohnung, um ihn zu interviewen. Die Journalisten hatten mit dem, was sie zu hören bekamen, wohl nicht gerechnet. Jedenfalls wurde das Interview um vier Uhr nachmittags ausgestrahlt. Abends, zur Hauptsendezeit, waren dann wieder die altbekannten Pappnasen und Schwarzmaler auf dem Äther.</p>
<p>Jürgen Todenhöfer, ein deutscher Medienmanager, war ganze zwei Wochen im Irak. Das macht aus ihm natürlich gleich einen Experten, zumal er den Vorteil hat, selber kein Iraker zu sein. Diese zwei Wochen hätte er in Bagdad, Basra, Sulaimaniya oder sonstwo verbringen können, aber nein, er hat sich für Ramadi entschieden, ausgerechnet Ramadi, das im sogenannten &#8220;<a href="http://images.zeit.de/text/2003/50/Essay_Wali" target="_blank">Dreieck des Terrors</a>&#8221; liegt, über das Najem Wali, ein anderer Exiliraker, schon vor fünf Jahren die Deutschen vergeblich aufzuklären versucht hat:</p>
<blockquote><p>Neuerdings wird der anwachsende Terror im Irak in manchen Medien als Ausdruck eines zunehmenden „irakischen Widerstands“ bezeichnet. Dies ist ein unerträglicher Euphemismus, der die Wirklichkeit grob verfälscht. Betrachtet man die terroristischen Aktivitäten genauer, stellt man rasch fest, dass sich alle diese Operationen auf den Westen des Landes konzentrieren. In dieser Region haben sich jene Sippen formiert, die über die Jahre der Diktatur hinweg von dem System Saddam Husseins profitierten.</p></blockquote>
<p>Todenhöfer also kommt nach zwei Wochen aus der Hochburg der Saddam-Anhänger nach Deutschland zurück – und was er uns mitbringt, sind tiefe Einblicke ins Land wie <a href="http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/336/185750/print.html" target="_blank">dieser</a>:</p>
<blockquote><p>Das Erziehungssystem in Anbar zerfällt. Zahlreiche Schulen in Ramadi wurden zerstört, keine einzige wurde neu erbaut. Trotz Schulpflicht geht nur noch die Hälfte der Kinder zur Schule. Studenten brechen aus Geldnot und mangels Perspektiven ihr Studium ab und gehen zur Polizei. Die Lebensmittelversorgung in Anbar verschlechtert sich weiter. Nahrungsmittelrationen werden nur noch unregelmäßig verteilt. Sie sind kleiner und qualitativ noch miserabler als früher.</p></blockquote>
<p>Und wo war Todenhöfer, als Saddam Hussein Krieg <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2005/141/die-entbaathifizierung-des-irak/" target="_blank">gegen seine eigene Bevölkerung</a> führte? <em>Vertreibung, Vernichtung, systematische Zerstörung der Dörfer, Vergiftung und Verminung des Bodens, systematische Folter, Amputation der Gliedmaßen, Vergewaltigung von Frauen, auf den Vorwurf der Prostitution steht Köpfung.</em></p>
<p>Wo, Todenhöfer, warst Du?</p>
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		<title>Die Afrikraten</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Feb 2008 14:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik des Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Paternalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Paternalism was supposed to be finished. The belief that grown men and women are childlike creatures who can thrive in the world only if they submit to the guardianship of benevolent mandarins underlay more than a century’s worth of welfare-state social policy (&#8230;) [Jeffrey] Sachs is not the only sahib who invites us to view [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Paternalism was supposed to be finished. The belief that grown men and women are childlike creatures who can thrive in the world only if they submit to the guardianship of benevolent mandarins underlay more than a century’s worth of welfare-state social policy (&#8230;) [Jeffrey] Sachs is not the only <em>sahib</em> who invites us to view Africa through the prism of childhood. In 2004, Prince Harry of England visited Lesotho, a small, landlocked country in southern Africa, to befriend children with AIDS; in front of cameras, the prince gave a four-year-old boy a pair of Wellington boots and cradled a six-month-old girl in his arms. When Madonna traveled to Malawi in 2006, dripping dollars and sentiment, her publicist spoke candidly of her paternalist (or maternalist) aspirations: “She’s kind of adopting an entire country of children.”</p>
<p>Rotimi Sankore, a journalist who has written widely on Africa, points out that the Africrats’ favorite poster child is “a skeletal looking two- or three-year-old brown-skinned girl in a dirty torn dress, too weak to chase off dozens of flies settling on her wasted and diseased body, her big round eyes pleading for help.” Sankore calls such images “development pornography.” The “subliminal message, unintended or not,” he argues, “is that people in the developing world require indefinite and increasing amounts of help and that without aid charities and donor support, these poor incapable people in Africa or Asia will soon be extinct through disease and starvation.”</p></blockquote>
<p>Michael Know Beran zeigt im <em>City Journal</em> <a href="http://www.city-journal.org/2008/18_1_paternalism.html" target="_blank">das ganze Elend westlicher Gutmenschen</a> im Umgang mit Afrika auf. Warum dieser Paternalismus nicht ausstirbt? Ganz einfach:</p>
<blockquote><p><span class="cap">P</span>aternalism persists as a psychology precisely because it satisfies the cravings of vanity in a way that real reform doesn’t. (Where people have learned to save themselves, they do not need saviors.)</p></blockquote>
<p>Passend dazu heisst es im <a href="http://www.africanexecutive.com/modules/magazine/articles.php?article=2935&amp;magazine=165" target="_blank">Gastkommentar</a> eines südafrikanischen Studenten beim <em>African Executive</em>:</p>
<blockquote><p><span class="articleBody">Development is not something that professionals dream up and deliver to poor people. It must not define poor people as objects of charity. People are assets and must be helped to become active participants in moving out of poverty. The poor must be engaged in the quest to solve their problems.</span></p></blockquote>
<p>&#8212;<br />
Siehe auch:</p>
<ul>
<li><a title="Permanent Link: White man’s burden reloaded" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1966/easterly-afrika/">White man’s burden reloaded</a>, 2. Dezember 2007,</li>
<li><a title="Permanent Link: Popstars mit Helfersyndrom" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1644/popstars-mit-helfersyndrom/">Popstars mit Helfersyndrom</a>, 14. Juli 2007,</li>
<li><a title="Permanent Link: Afrika hat keine ausländische Hilfe nötig" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1572/clamoring-for-babysitting/">Afrika hat keine ausländische Hilfe nötig</a>, 9. Juni 2007,</li>
<li><a title="Permanent Link: “Der hält uns wohl für blöde”" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1570/soyinka-entwicklungshilfe/">“Der hält uns wohl für blöde”</a>, 5. Juni 2007,</li>
<li><a title="Permanent Link: Globalisierung, Neokolonialismus und das Übel Afrikas" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1557/g8-afrika-globalisierung/">Globalisierung, Neokolonialismus und das Übel Afrikas</a>, 29. Mai 2007,</li>
<li><a title="Permanent Link: James Shikwati: “Man muss die ausländische Entwicklungshilfe einstellen”" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1498/shikwati-entwicklungshilfe/">James Shikwati: “Man muss die ausländische Entwicklungshilfe einstellen”</a>, 14. April 2007,</li>
<li><a title="Permanent Link: “Free markets are the only way for people to preserve their dignity”" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1318/arunga-afrika-vietnam/">“Free markets are the only way for people to preserve their dignity”</a></li>
<li> <a title="Permanent Link: Korruption und Antikorruption" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/1161/korruption-und-antikorruption/">Korruption und Antikorruption</a>, 7. November 2006,</li>
<li><a title="Permanent Link: Wenn Geld arm macht" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/1076/entwicklungshilfe-ohne-ende/">Wenn Geld arm macht</a>, 9. Oktober 2006.</li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Antisemitismus der linken Intelligenzija</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1990/humanitarian-racist/</link>
		<comments>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1990/humanitarian-racist/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 16 Dec 2007 19:31:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik des Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Manfred Gerstenfeld, Vorsitzender des Jerusalem Center for Public Affairs (JCPA), erläutert im Interview mit der “Jerusalem Post” die Hauptströmungen des Antisemitismus an westlichen Universitäten. Eine davon ist die der “humanitarian racists”, die er wie folgt definiert:
Everybody knows and accepts that Nazism and fascism have a very clear concept of superior people and inferior people, whereby [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manfred Gerstenfeld, Vorsitzender des Jerusalem Center for Public Affairs (JCPA), erläutert im <a href="http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1196847323863&amp;pagename=JPost%2FJPArticle%2FPrinter" target="_blank">Interview</a> mit der “Jerusalem Post” die Hauptströmungen des Antisemitismus an westlichen Universitäten. Eine davon ist die der “humanitarian racists”, die er wie folgt definiert:</p>
<blockquote><p>Everybody knows and accepts that Nazism and fascism have a very clear concept of superior people and inferior people, whereby the former should dominate the latter. This concept is partly behind colonialism, as well &#8211; where the white people were superior and the non-whites inferior. Almost everybody agrees that these are despicable opinions.</p>
<p>But you find the mirror-image of that on the Left. The humanitarian racist&#8217;s version is that only white people can be held responsible for their actions, while non-whites can only be victims. According to humanitarian racists, for example, the driving out of the Christians by the Muslims from the Palestinian territories is something happening among &#8220;colored&#8221; people, who are by definition not responsible anyhow, so they cannot be blamed. Therefore, Israel has to be blamed.</p>
<p>Now, if you say to an extreme leftist or a promoter of human rights who hold these views that they are racists, they are completely offended, because they have never thought it through. Yet they are no less racist than white supremacists.</p></blockquote>
<p>Ganz in diesem Sinne hatte auch Efraim Karsh vor einigen Jahren die Neigung in den Nahostwissenschaften <a href="http://www.meforum.org/article/207" target="_blank">kritisiert</a>, nicht-westliche Urheber terroristischer Akte von jeglicher Verantwortung für ihr eigenes Tun freizusprechen:</p>
<blockquote><p>This conventional view &#8211; absolving Middle Easterners and blaming the West &#8211; is academically unsound and morally reprehensible. It is academically unsound because the facts tell an altogether different story of modern Middle Eastern history, one that has consistently been suppressed because of its incongruity with the politically correct dogmas of the Arabist establishment. And it is morally reprehensible because denying the responsibility of individuals and societies for their actions is patronizing and in the worst tradition of the &#8220;white man&#8217;s burden&#8221; approach, which has dismissed regional players as half-witted creatures, too dim to be accountable for their own fate.</p></blockquote>
<p>Volle Zustimmung.</p>
<p>&#8212;<br />
Siehe auch:<br />
• <a title="Permanent Link: “Der hält uns wohl für blöde”" rel="bookmark" href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1570/soyinka-entwicklungshilfe/">“Der hält uns wohl für blöde”</a>, 5. Juni 2007.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Postkolonialismus als Ideologie</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1974/postkolonialismus-als-ideologie/</link>
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		<pubDate>Wed, 05 Dec 2007 13:32:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik des Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Kolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Postkolonialismus]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Westen]]></category>

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		<description><![CDATA[Irgendwie sind immer die anderen schuld, an der Armut, an der Inflation, an der Kriminalität. Nur Robert Mugabe nicht, der weise Diktator von Zimbabwe, der alles richtig macht und trotz klugen und umsichtigen Handelns stets am nie enden wollenden Kolonialismus scheitert,  der ihm immer wieder aufs Neue seine Pläne durchkreuzt.
So weit, so uninteressant. Dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Irgendwie sind immer die anderen schuld, an der Armut, an der Inflation, an der Kriminalität. Nur Robert Mugabe nicht, der weise Diktator von Zimbabwe, der alles richtig macht und trotz klugen und umsichtigen Handelns stets am nie enden wollenden Kolonialismus scheitert,  der ihm immer wieder aufs Neue seine Pläne durchkreuzt.</p>
<p>So weit, so uninteressant. Dass Diktator Mugabe dafür aber noch Applaus bekommt, ist das eigentlich bemerkenswerte und erklärt sich so:</p>
<blockquote><p>Across Africa, a desire to move beyond the colonial legacy often runs up against the usefulness of colonial history as a unifying force. It is a rare shared experience on a gigantic continent with thousands of languages and unique ethnic groups, where governments range from kingdoms to multiparty democracies to Islamic states. If nothing else, they can all trace their very borders to the decisions of European colonialists.</p></blockquote>
<p>Der Paternalismus des einen entspricht eben der Verantwortungslosigkeit des anderen. Ein äusserst <a href="http://www.iht.com/articles/ap/2007/12/04/africa/AF-GEN-Africa-Colonial-Wounds.php" target="_blank">lesenswerter Artikel in der &#8220;Herald Tribune&#8221;</a> zum bevorstehenden EU-Afrika-Gipfeltreffen zeigt, wie sehr die ehemaligen Kolonialmächte in Afrika zum Teil verhasst sind, während man zugleich ihre Unterstützung in wirtschaftlichen Dingen nur zu gerne entgegennimmt.</p>
<p>&#8212;<br />
Siehe auch:</p>
<ul>
<li><a href="http://blog.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1813/opferpose/" rel="bookmark" title="Permanent Link: Opferpose">Opferpose</a>, 23. September 2007.</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Kultur und Fortschritt</title>
		<link>http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1737/kultur-und-fortschritt/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Aug 2007 19:46:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Geschichte hat in Jahrhunderten weltweiter Migration gleichsam ein Experiment durchgeführt, um den Beweis dafür zu liefern, daß Menschen gleicher Kultur in ganz unterschiedlichen Ländern ähnlich erfolgreich waren und daß Menschen unterschiedlicher Kulturen in demselben Land, unter denselben äußeren Bedingungen und bei gleichen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gleich reagieren und reüssieren. Was sie mitbrachten, waren nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Die Geschichte hat in Jahrhunderten weltweiter Migration gleichsam ein Experiment durchgeführt, um den Beweis dafür zu liefern, daß Menschen gleicher Kultur in ganz unterschiedlichen Ländern ähnlich erfolgreich waren und daß Menschen unterschiedlicher Kulturen in demselben Land, unter denselben äußeren Bedingungen und bei gleichen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht gleich reagieren und reüssieren. Was sie mitbrachten, waren nicht das Klima und die geographische Beschaffenheit ihrer Herkunftsländer noch deren Politik und Wirtschaftssystem, sondern ihre Kultur.</p></blockquote>
<p>behauptet Siegfried Kohlhammer in einem bemerkenswerten <a href="http://www.eurozine.com/articles/2006-11-02-kohlhammer-de.html">Beitrag</a> (<a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/kulturelle_grundlagen_wirtschaftlichen_erfolgs/">hier</a> gefunden). Die These, daß Kultur ein wichtiger Faktor bei der Integration von Einwanderern ist, bei ihrem wirtschaftlichen Erfolg oder Mißerfolg und bei der wirtschaftlichen wie politischen Entwicklung der Nationen, scheint ein plausibler und empirisch ausreichend belegter Gedanke zu sein. Kohlhammer legt plausibel dar, dass Diskriminierung als Erklärung für gescheiterte Integration in den meisten Fällen aussscheidet, denn diesen stehen bei vergleichbaren Ausgangsbedingungen ebensoviele oder sogar mehr Fälle gelungener Integration gegenüber. Da Rasse ein ideologisches und kein wissenschaftliches Konstrukt ist, so schlussfolgert Kohlhammer, muss es die kulturelle Herkunft sein, die den massgeblichen Faktor für gesellschaftlichen Erfolg oder Misserfolg von Einwanderern darstellt.</p>
<p>Ich kann verstehen, wenn man sich gegen diese These sträubt, denn die meisten Menschen denken bei Kultur doch wohl eher an sehr konkrete Dinge wie Musik, Kunst und Küche. Ersetzt man aber den Begriff Kultur durch &#8220;Werte&#8221;, dann wird deutlich, was Kohlhammer meint und man kommt kaum umhin, ihm zuzustimmen. Beispiele gibt es zur Genüge. Der Integrationsprozess der dritten Generation türkischstämmiger Deutscher z.B. verläuft alles andere als konvergent. Für viele ihrer Angehörigen gilt:</p>
<blockquote><p>Abgeschnitten von den Quellen der eigenen Kultur, sprechen sie Türkisch oft ebenso schlecht wie Deutsch. Ganze Häuserblocks in der Umgebung der Nürtingenschule [in Berlin-Kreuzberg – MK] kennen ausschliesslich die Provinzdialekte von Samsun oder Denizli, und selbst diese klingen bei ihnen, als hacke einer Holz mit dem Spaten. Aus &#8220;kalörifer&#8221; (Heizung) wird &#8220;kalifer&#8221;, an die Stelle von &#8220;iş ve işçi bulma kurumu&#8221; (Arbeitsamt) tritt die lexikalische Neuschöpfung Arbizamt. Schwierigere Dinge, etwa Liebesgeständnisse, versuchen türkische Teenager lieber gleich mit dem bisschen Deutsch, das sie aufgeschnappt haben.</p></blockquote>
<p>Das schrieb die FAZ vor nunmehr neun Jahren.[<a href="#footnote-1-1737" id="footnote-link-1-1737" title="See the footnote.">1</a>] Dass dieser Zustand, der keineswegs nur Einwanderer mit muslimischem Hintergrund betrifft, keineswegs der ablehnenden Haltung seitens der autochthonen Mehrheitsgesellschaft geschuldet ist, zeigt die Tatsache, dass in Berlin Lehrer zu berichten wissen, dass Einwanderer aus Russland und Asien die schnellsten Lernerfolge erzielen, während solche aus afrikanischen und arabischen ländern deutlich mehr Schwierigkeiten haben. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Grossbritannien. Besondere Schwierigkeiten haben aber auch italienische Kinder in Deutschland: Nur 14%, so heisst es aus der italienischen Botschaft, besuchten ein Gymnasium, fast 50% gehen auf die Hauptschule, die meisten verlassen sie ohne Abschluss.[<a href="#footnote-2-1737" id="footnote-link-2-1737" title="See the footnote.">2</a>]</p>
<p>Die Erklärung dafür, warum manche Gruppen sich besser, andere sich schlechter integrieren, kann also unmöglich allein das Umfeld sein. Will man nicht an den Zufall glauben, dann muss man die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass die Werte der eigenen Herkunftsgesellschaft gewisse Verhaltensweisen von Individuen begünstigen, während sie andere hemmen. Deswegen habe ich auch nie verstehen können, wie der von mir an sich so geschätzte Ökonom Joseph Schumpeter hat glauben können, dass der &#8220;Geist des rationalistischen Individualismus&#8221; ein Erzeugnis des aufsteigenden Kapitalismus sein soll – und nicht etwa umgekehrt. Wie jedoch kommt es dann, fragt Kohlhammer, &#8220;dass der Kulturalismus – so wird diese These von ihren Gegnern genannt – einerseits so lange vernachlässigt wurde und andererseits so polemisch kritisiert wird?&#8221;</p>
<p>Die Frage ist berechtigt, aber die implizit geäusserte Annahme, dass die Gegnerschaft sich selber keiner kulturalistischen Erklärungsmuster bedient, stimmt nicht. Dafür lassen sich mehrere Beispiele anführen, u.a. der nicht nur von Linksintellektuellen so geschätzte Theodor W. Adorno, der sich gegen eine Gleichmacherei der Menschen wandte und stattdessen die &#8220;Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenzen&#8221; bevorzugte: &#8220;Attestiert man dem Neger, er sei genau wie der Weiße, während er es doch nicht ist, so tut man ihm insgeheim schon wieder Unrecht an&#8221; heisst es in den Minima Moralia. Adorno war zwar kein Rassist, glaubte aber, dass Schwarze kulturell bedingt für den &#8220;Industriekapitalismus&#8221; nicht geschaffen sein, weswegen er auch auch den amerikanischen &#8220;melting pot&#8221; ablehnte, in dem er nichts als ein Instrument sah, Menschen unterschiedlicher Kultur für die bessere Verfügbarkeit durch den Kapitalismus zu nivellieren: &#8220;Der Gedanke, in ihn hineinzugeraten, beschwört den Martertod, nicht die Demokratie.&#8221;  Hierin drückt sich ein typischer Wesenszug von Linksintellektuellen aus: Der Paternalismus.</p>
<p>Kulturalistische Deutungsansätze sozialer Erscheinungen sind also unter Vertretern doch recht unterschiedlicher Weltanschuungen anzutreffen, wobei sie unter linken Intellektuellen vor allem dazu herangezogen werden, die vermeintliche Unmenschlichkeit des Kapitalismus zu demonstrieren. Dass solche Erklärungsansätze jedoch nicht in einen starren Determinismus münden müssen, liegt auf der Hand. Kulturell vermittelte Werte begünstigen oder hemmen Verhaltensweisen – nicht mehr und nicht weniger. Denn ebenso wie Menschen nicht in einem Vakuum sozialisiert werden (was schon ein Widespruch in sich wäre), so können Menschen auch über ihre eigenen Lebensumstände hinauswachsen, wofür es zahllose Beispiele gibt (die vielen <a href="http://www.das-parlament.de/2004/18/Thema/014.html">positiven Fälle türkischstämmiger Deutscher</a>, die in der Wirtschaft Karriere gemacht haben, finden natürlich nicht so leicht den Einzug in die Medien), von denen mir eines besonders bemerkenswert erscheint, nämlich die Ergebnisse einer <a href="http://idw-online.de/pages/de/news205233">Studie</a> am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, die das Phänomen der sogenannten &#8220;türkischen Powergirls&#8221; zu ergründen versuchte:</p>
<blockquote><p>Die &#8220;türkischen Powergirls&#8221;, wie sie sich selbst nennen, widerlegen alle Stereotypen über junge Türkinnen in Deutschland. Sie sind Kinder ehemaliger &#8220;Gastarbeiter&#8221;, teilweise haben die Mütter keinen Schulabschluss, sie sind in einem typischen Migrantenwohngebiet in Mannheim aufgewachsen und haben trotz sehr schwieriger Lebensumstände höhere Schul- und Hochschulabschlüsse erreicht. Ihr Leitbild ist es, &#8220;frei zu leben&#8221;, sie geben sich frech, flippig und modern. Sie wehren sich gegen stereotype Ausgrenzungen, die sie von deutscher und türkischer Seite erfahren. Sie verstehen sich weder als &#8220;Deutsch&#8221; noch &#8220;Türkisch&#8221;, sondern haben ein neues eigenständiges Selbstbild und einen eigenen Kommunikationsstil entwickelt. Die Studie beschreibt diesen Stil, den derb-drastischen Umgangston, den schnellen Wechsel zwischen Deutsch und Türkisch und rhetorisch äußerst effektive deutsch-türkische Mischungen.</p></blockquote>
<p>Integration mag also in manchen oder sogar vielen Fällen gescheitert sein. Aber sie ist niemals dauerhaft und unabänderlich gescheitert.</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-1737">Deutschland kommt im Alltag nicht mehr vor. Von Konrad Schuller, FAZ vom 10.3.1998, S. 3. Nicht online. Das Zitat wurde von mir geringfügig orthographisch überarbeitet.  <a href="#footnote-link-1-1737">⇧</a></li><li id="footnote-2-1737"><em>Mütter als Integrationshelfer. Bundesregierung will Eltern ausländischer Kinder einbeziehen.</em> FAZ vom 27. April 2007, S. 5. Leider nicht online.  <a href="#footnote-link-2-1737">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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