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	<title>TRANSATLANTIC FORUM &#187; Wissenschaft</title>
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	<description>Liberty and Democracy in East and West.</description>
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		<title>Wenn das keine Schulbuchschelte ist, was ist Schulbuchschelte dann?</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Sep 2011 08:26:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonathan Kriener</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arabische Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Blick auf den Westen]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein Urteil ist gefällt: Auf einer Pressekonferenz des Auswärtigen Amtes stellt das Georg-Eckert-Institut, welches in Sachen Schulbuchforschung internationale Anerkennung genießt, eine Studie vor, die feststellt, dass viele europäische Schulbücher den Islam als vormoderne Religion darstellen, während Europa als modern erscheint (s.a. WAZ v. 16. 9. 2011). Was aber spricht gegen diese Darstellung, so sie denn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Urteil ist gefällt: Auf einer <a href="http://www.gei.de/aktuelles/mitteilungen/mitteilung-details/article/modernes-europa-versus-antiquierter-islam-die-darstellung-von-islam-und-muslimen-in-1.html" target="_blank">Pressekonferenz</a> des Auswärtigen Amtes stellt das Georg-Eckert-Institut, welches in Sachen Schulbuchforschung internationale Anerkennung genießt, eine Studie vor, die feststellt, dass viele europäische Schulbücher den Islam als vormoderne Religion darstellen, während Europa als modern erscheint (<a href="http://www.gei.de/aktuelles/mitteilungen/mitteilung-details/article/modernes-europa-versus-antiquierter-islam-die-darstellung-von-islam-und-muslimen-in-1.html"></a>s.a. WAZ v. 16. 9. 2011). Was aber spricht gegen diese Darstellung, so sie denn tatsächlich für europäische Schulbücher typisch ist? Inhaltliche Gründe eher nicht.</p>
<p>In Europa, so vielfältig die hiesigen Gesellschaften in vieler Hinsicht sind, ist in allen Staaten ein zentrales Kriterium von Modernität erfüllt: dass nämlich die Religion ihrer politischen, legislativen und judikativen Macht enthoben wurde und der Schutz und die Freiheit individueller Lebensgestaltung das höchste Rechtsgut darstellt. Die meisten Kirchen, jedenfalls die protestantischen und die katholische, haben sich entweder stillschweigend damit abgefunden oder dies sogar implizit in ihre Dogmatik aufgenommen haben,  z. B. die katholische Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil. Eskapaden christlicher Abreibungsgegner oder Kreationisten sind hier immer noch ein Randerscheinung, wenn ihr Einfluss auch gefährlich wachsen mag.</p>
<p>Ebenso richtig ist, dass die überwältigende Mehrzahl der islamischen und alle arabischen Staaten, von Pakistan bis Marokko, der Religion bislang eine zentrale Rolle bei Gesetzgebung, Rechtsprechung und Bildung einräumen, mindestens was Personenstandsfragen angeht, in den meisten von ihnen aber weit darüber hinaus. Bei aller Vielfalt islamischer Konfessionen und Rechtsschulen ist mir doch keine bekannt, die diesen Sachverhalt in Frage stellt. So ist es in islamischen Gesellschaften selbstverständlich, dass der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion als ahndungswürdiges Verbrechen gilt, ebenso die Ehe oder romantisch-sexuelle Beziehung einer Muslimin mit einem Nichtmuslim. Wo die Staaten diese selbst nicht, wie im Iran oder in Saudi-Arabien, ahnden, dulden sie doch, dass selbsternannte Sittenwächter aus dem familiären oder sonstigen sozialen Umfeld dies tun.  Weder die prominenten islamischen Reformer, von Jamal ad-Din al-Afghani bis <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/5495/vordenker-oder-rueckwartslenker/" target="_blank">Tariq Ramadan</a>, noch die hiesigen Islamverbände haben an dieser Auffassung je gerüttelt.</p>
<p><a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2010/9273/hamas-saekularismuskrise/" target="_blank">Säkularisierung</a> ist im etablierten muslimischen Diskurs kein Thema. Übrigens auch nicht in den derzeitigen politischen Umwälzungen in Tunesien, Ägypten und Libyen. Wer sie dennoch, und sei es nur implizit, in Betracht zieht, muss mit Verfolgung rechnen, wie der Ägypter Nasr Abu Zayd in den 1990er Jahren. Zwar bekennen sich viele Muslime und islamische Rechtsgelehrte zu Religionsfreiheit. Was sie damit aber meinen, ist selten die individuelle Freiheit sich zu jedem Zeitpunkt für jede beliebige Religion oder für die Nichtzugehörigkeit zu jeglicher Religion zu entscheiden, wie sie in Europa Standard ist. Sondern Muslime meinen mit Religionsfreiheit i. d. R. die Freiheit der religiösen Gemeinschaften, die ihre jeweiligen Konfession oder Rechtsschule als Buchreligionen anerkennt, ihre jeweiligen religiösen Riten und ihr Personenstandsrecht zu praktizieren.</p>
<p>Dieses fundamentale Missverständnis über den Begriff der Religionsfreiheit wird meiner Erfahrung nach in den Foren und Institutionen des Kulturdialogs kaum je benannt, sondern eher gepflegt. Und dass allzu viele Muslime in Europa diese vormoderne Auffassung vom Verhältnis zwischen Religion und Recht teilen und unter- und gegeneinander in Form von Nötigung und Manipulation zu arrangierten Ehen, sog. Ehrenmorden u. ä. auch praktizieren, während die hiesigen Rechtssysteme dem vielfach machtlos gegenüberstehen – klar ist das kein Stoff für einen Schulunterricht, in dem sich Lehrer, muslimische und nicht-muslimische Schüler miteinander wohl fühlen. Dass diese Sachverhalte ein gravierendes Integrationshindernis darstellen, welches andere Migrantengruppen in Europa nicht (mehr) haben, während es bei den Muslimen eher wächst, und an welchem die ethnischen Mehrheiten keinen ursächlichen Anteil haben, wäre ja für Heranwachsende wichtig zu wissen. Für Lehrer ist es aber sicher eine schwere Aufgabe, sich diesen Themen im Unterricht zu stellen. Sie haben mit Ressentiments von muslimischen Eltern, evtl. sogar von führenden Islamverbänden zu rechnen. Durch die Presseerklärung des GEI und des AA werden die Lehrer, die sich dieser Verantwortung dennoch stellen, nun auch noch von „wissenschaftlicher“ Seite ausgebremst.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm"><span style="font-size: small;">Die Pressemitteilung des GEI und des AA hat denn auch keine Fehler im Faktengehalt der Schulbücher zu vermelden, sondern angeblich „suggerieren“ und „vereinfachen“ diese in einer Weise, die nicht geeignet ist „einen islamophoben politischen Populismus zu entkräften.“ Es wird vor allem atmosphärisch argumentiert: Cornelia Pieper vom Auswärtigen Amt bereitet Unbehagen, dass eine solche Darstellung „… einem glaubwürdigen interkulturellen Dialog mit der muslimisch geprägten Welt im Weg.“ steht. Und Susanne Kröhnert-Othman vom GEI ist der Meinung es sollte vermieden werden „…Muslime als Sondergruppe außereuropäischer Zuwanderer zu präsentieren, deren mitgebrachte Traditionen per se eine Integration in europäische Einwanderungsgesellschaften verhindern“, obwohl sie eben unter einem sehr bedeutenden Aspekt tatsächlich genau eine solche Sondergruppe bilden. Diejenigen unter ihnen, die sich den religiösen Zwängen ihrer Gemeinschaften nicht unterordnen, zahlen dafür oft einen hohen Preis. Davon geben die hohen Selbstmordraten unter jungen Musliminnen in Deutschland beredtes Zeugnis. Eine Lehrerin aus NRW kommentiert das Pauschalurteil der GEI-Studie ausschließlich unter emotionalen Aspekten: „Wenn in Schulbüchern Religion diskriminierend behandelt wird, führt das dazu, dass Vorurteile gestärkt werden und dass muslimische Schüler sich nicht respektiert fühlen. Es behindert den Austausch und das sich auf gleicher Augenhöhe Begegnen“ (WAZ).</span></p>
<p>Gewiss, die Arbeit des GEI ist nicht ausschließlich eine wissenschaftliche. Seit den Tagen des Gründers Georg Eckert arbeitet es an gegenseitiger Aufklärung und Völkerverständigung im Sinne der Förderung gewaltfreier internationaler Beziehungen. Was aber, wenn bei einem aufrichtig geführten <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1547/dialog-und-ruckgrat/" target="_blank">Dialog</a> mit der Erkenntnis auch das Erschrecken der Gesprächspartner übereinander wächst und fundamentale Unterschiede zutage treten? Muss beim Kulturdialog dann Schluss sein mit dem aufklärenden Teil, damit man weiter „auf Augenhöhe kommunizieren“ kann? Ist es dann nachrangig, ob die Inhalte dieser Kommunikation der Realität entsprechen. Im Zusammenhang mit der Islamischen Welt ging man am Georg-Eckert-Institut vor Jahren soweit, dass in einer vom Institut geförderten, vom AA finanzierten und 2003 erschienenen Studie israelische Geschichtsschulbücher von einer israelischen Historikerin und palästinensische von einem palästinensischen Erziehungswissenschaftler analysiert wurden.</p>
<p>Aufgrund der scheinbar besonders schwierigen Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern wurde auf das zuvor gängige Verfahren der gekreuzten Analyse, wonach ein Israeli die palästinensischen und ein Palästinenser die israelischen Schulbücher hätte analysieren müssen, verzichtet. Das Ergebnis war ein Verriss der israelischen Geschichtsbücher und eine Apologie der palästinensischen, obwohl aus meiner Sicht die meisten <a href="http://www.gei.de/fileadmin/bilder/pdf/Projekte/israel01.pdf" target="_blank">israelischen Schulbücher</a> differenzierter und mit mehr Empathie über den Konflikt der beiden Völker informierten als die palästinensischen. Aber während sich für den Märtyrer- und Dschihadkult in den palästinensischen Schulbüchern Rechtfertigungen und Relativierungen fanden, wurden in der Analyse der israelischen Schulbücher schon bestimmte Abbildungen von zionistischen Pionieren und Milizionären als hyper-nationalistisch problematisiert. Das AA aber hatte sein damaliges Ziel, eine offiziöse Entkräftung der internationalen Kritik an den palästinensischen Schulbüchern, erreicht, die mit europäischen und deutschen Geldern finanziert wurden.</p>
<p>Auf der Website <em>1001-idee.eu</em> des GEI erscheint der Antisemit Yussuf al-Qaradawi, Vorsitzender des Europäischen Rats für Fatwa und Forschung und Betreiber des Internetportals <em>Islamonline.net</em>, als Vertreter des Islams, der &#8220;vor allem in den USA und Israel&#8221; wegen seiner pro-palästinensischen Haltung (vgl. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=HStliOnVl6Q">hier</a>) „umstritten“ ist. Tatsächlich <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Yusuf_al-Qaradawi" target="_blank"> befürwortet</a> dieser u. a. die Todesstrafe für die Abkehr vom Islam und dass Männer ihre Ehefrauen züchtigen. Würden christliche, jüdische oder hinduistische Religionsvertreter mit ähnlich reaktionären Ansichten den Wissenschaftlern des Instituts auch als „umstritten“ gelten?</p>
<p>Steht also das Georg-Eckert-Institut vielleicht hier und da in der Gefahr Wissenschaftlichkeit auf dem Altar der Völkerharmonie und des Religionsfriedens zu opfern? Von Schulbuchautoren und Lehrern erhoffe ich mir jedenfalls, dass sie unerfreuliche Tatsachen, gleich ob über den Islam oder andere Themen, nicht zugunsten einer scheinbaren Harmonie oder dem Wunschdenken nach Gleichheit zwischen Kollektiven in der Schulklasse oder in der Gesellschaft unter den Teppich kehren oder verschleiern. Darin sollten sie sich auch nicht von pauschalen Verlautbarungen wissenschaftlicher oder diplomatischer Autoritäten beirren lassen.</p>
<p><em>Der Autor war als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GEI von 2002 bis 2006 für Projekte mit den arabischen Ländern und Israel zuständig. Seine Dissertation über säkulare und religiöse Staats- und Gesellschaftskonzepte in libanesischen Schulbüchern erscheint dieses Jahr beim Ergon-Verlag.</em></p>
<p>&#8212;</p>
<p>Siehe auch: <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/schulbuchskandal1/" target="_blank">Schulbuchskandal</a></p>
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		<title>Abgeschrieben</title>
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		<pubDate>Sun, 15 May 2011 09:30:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Heinz Eggert</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerliche Werte]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Morgenpost Kolumne, 15. Mai 2011
Als ich 1974 an der Rostocker Universität meine Diplomarbeit verteidigte, wurde mir angeboten, sie zur Doktorarbeit weiterzuentwickeln. Allerdings hätte ich dann auch, selbst als Theologe, eine Arbeit über Marxismus/Leninismus schreiben müssen. Das war damals ein notwendiger Kompromiss für jeden Doktoranden, über die man nun wirklich nicht den Stab brechen kann, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Morgenpost Kolumne, 15. Mai 2011</em></p>
<p>Als ich 1974 an der Rostocker Universität meine Diplomarbeit verteidigte, wurde mir angeboten, sie zur Doktorarbeit weiterzuentwickeln. Allerdings hätte ich dann auch, selbst als Theologe, eine Arbeit über Marxismus/Leninismus schreiben müssen. Das war damals ein notwendiger Kompromiss für jeden Doktoranden, über die man nun wirklich nicht den Stab brechen kann, aber den ich nicht eingehen wollte.</p>
<p>Mein Professor lachte, als ich meine Ablehnung mit dem Satz begründete, ich brauchte den Doktor nicht um wertvoller zu sein, ich sei schon wertvoll. Inzwischen habe ich gelernt, dass für viele der Doktortitel nicht die Krönung einer wissenschaftlichen Arbeit, sondern ein Statussymbol darstellt. Mit seiner Erlangung ist es ein wenig wie bei der Mercedes S Klasse. Wenn es nicht ganz reicht, fährt man auf Pump oder nutzt die wissenschaftlichen Erkenntnisse anderer und schreibt ab. Der Schein kommt vor dem Sein.</p>
<p>Von Guttenberg, Stoibers Tochter, Koch-Mehrin sind die Prominentesten, die in diese Eitelkeitsfalle getappt sind und enttarnt wurden. Aber sie werden ganz bestimmt nicht die einzigen bleiben. Wer beim Abschreiben ertappt wird, wird abgeschrieben. Vielleicht stoppt das die Verwilderung der Sitten. Denn wer genug Geld hat, lässt sie sich schreiben oder kauft sich den Titel im Ausland, andere wieder erliegen der Verführung des Internet, wo man genug Texte und Daten vorfindet, die ganz schnell zu kopieren sind. So bleiben neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf der Strecke. Denn es ist alles nur geklaut.</p>
<p>Aber wer glaubt, das wäre nur bei Doktoranden so, der irrt. Da schreiben Literaten bei Literaten und Journalisten bei Journalisten ab. Nicht immer, aber immer öfter. Das man sogar sehr eindrucksvoll Orte beschreiben kann, an denen man nie war, kann man nicht nur beim Karl May sondern auch bei einem Spiegel Journalisten nachlesen, den für seinen aufgeflogenen Betrug, eine Auszeichnung wieder aberkannt wurde. Menschlich, allzu menschlich-aber nicht zu tolerieren.</p>
<p>Nun hat diese gesamte Diskussion natürlich noch eine andere Facette. Unter besonderem Generalverdacht stehen jetzt alle in der Politik, die einen wissenschaftlichen Abschluss mit einer Doktorarbeit weiterentwickelt haben. Diejenigen, die ihre Ausbildung nie abgeschlossen haben, die keinen vernünftigen Berufs oder Hochschulabschluss vorweisen können, sind auf der sicheren Seite und vielleicht woanders auch gar nicht mehr zu verwenden.</p>
<p>Dass man bei nicht nur bei der Erlangung der Doktorarbeit, sondern auch beim Ziehen notwendiger Konsequenzen schummeln kann, hat die schöne blonde Frontfrau der FDP Koch-Mehrin bewiesen. Sie hat nämlich nur alle Posten niedergelegt, mit denen sie kein Geld verdienen konnte.</p>
<p>Aber für ein bisschen Schummeln haben wir ja immer Verständnis. Oder?</p>
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		<title>Volksgemeinschaft</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Mar 2011 13:20:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Germano Stavridis</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Über das Konzept der &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; und seine Bedeutung für das Verständnis des NS-Staates gibt es seit Jahren eine Kontroverse. Der NS-Forscher Ian Kershaw hat sich seine Gedanken dazu gemacht[1]:
Richtet man den Fokus auf Exklusion und Inklusion, wird auf vielfältige Weise deutlich, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Verfolgung der Minoritäten hinnahm. In den frühen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über das Konzept der &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; und seine Bedeutung für das Verständnis des NS-Staates gibt es seit Jahren eine Kontroverse. Der NS-Forscher Ian Kershaw hat sich seine Gedanken dazu gemacht[<a href="#footnote-1-10936" id="footnote-link-1-10936" title="See the footnote.">1</a>]:</p>
<blockquote><p>Richtet man den Fokus auf Exklusion und Inklusion, wird auf vielfältige Weise deutlich, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Verfolgung der Minoritäten hinnahm. In den frühen achtziger Jahren hat darauf schon Detlev Peukert hingewiesen. Robert Gellately thematisierte wenig später die Bereitschaft vieler „Volksgenossen“, durch Denunziation bei der Verfolgung von Juden mitzuwirken. Eric Johnson legte dann in einer überzeugenden Untersuchung dar, wie stark die Organe des Regimes bei der Terrorisierung der Juden auf lokaler Ebene unterstützt worden sind. Jüngst hat Michael Wildt die schrecklichen Konsequenzen der vor Ort eskalierenden Grausamkeit gegen Juden aufgezeigt; sie waren der bürgerlichen Rechte beraubt, und jeder, der öffentlich Sympathie für sie bekundete, war „Freiwild“. Die Gewalttätigkeit kam aus der Mitte der Gesellschaft, so Wildt.</p></blockquote>
<p>Ob jedoch die Propagandeparole von der &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; zu einem Instrument das Analyse taugt, weiss auch Kershaw nicht zu sagen, solange der Grad der Zustimmung zu diesem Konzept unter der Bevölkerung unklar ist:</p>
<blockquote><p>Das Konzept der „Volksgemeinschaft“ beruht auf der Annahme, dass das NS-Regime weithin Popularität genoss, eine „Zustimmungsdiktatur“ war. Davon ausgehend ging Robert Gellately sogar soweit zu sagen, die Deutschen seien „bis zum bitteren Ende 1945“ hinter Hitler gestanden, der Konsens habe auch in der Breite bis zum Schluss gehalten. Aber wie stellen wir in einer terroristischen Diktatur Konsens fest? (&#8230;)</p></blockquote>
<p>Man könnte natürlich auch fragen, wie die Zustimmung zu diesem Konzept in der Zeit nach Kriegsende war. Wenn Hannah Arendt <a href="http://www.hannaharendt.de/download/fest_interview.pdf" target="_blank">feststellt</a>, dass es unter der deutschen Bevölkerung ein Widerstreben gegen die Bestrafung von NS-Verbrechern gegeben hat, läge doch die Deutung nahe, dass die Volksgemeinschaft in den Köpfen noch weiterlebte, als die NS-Diktatur schon längst zu Ende war und ergo mindestens ebensoviel oder sogar noch mehr Zuspruch gefunden hatte, als Deutschland nationalsozialistisch war. Kershaw weiter:</p>
<blockquote><p>Gewiss ist nicht zu übersehen, dass wichtige Elemente nationalsozialistischer Politik weithin Zustimmung fanden; das gilt vor allem für die Tilgung des Versailler Vertrags in den dreißiger Jahren, als Hitler von einem „Triumph ohne Blutvergießen“ zum anderen schritt. Ebenso klar ist, dass es in großen Teilen der deutschen Bevölkerung, von der organisierten Linken abgesehen, Emotionen und Haltungen gab, die der Nationalsozialismus ausnutzen konnte (&#8230;). Dennoch bleibt das Problem, dass bei der Anwendung des „Volksgemeinschafts“-Konzepts kein Versuch gemacht wird, die Bereiche, in denen die Nationalsozialisten die augenfällige Zustimmung breiter Schichten gewinnen konnten, von jenen zu scheiden, in denen sie ebenso augenfällig große Schwierigkeiten hatten, weit verbreiteten Dissens zu überwinden.</p>
<p>(&#8230;) Welche Konflikte im Dritten Reich auch existierten, ob in sozial-politischen Fragen oder im „Kirchenkampf“, sie stellten kein Hindernis auf dem Weg des Regimes zu Weltkrieg und Genozid dar. Aber Willfährigkeit ist nicht Konsens, und Anpassung bedeutet nicht notwendigerweise Zustimmung. Eine Vielzahl von Kräften kann passive Akzeptanz erzwingen. Das „Volksgemeinschafts“-Konzept meint jedoch nicht Anpassung, sondern freiwillige Bindung.</p></blockquote>
<p>Allerdings liesse sich einwenden, dass auch als möglicherweise leere Parole das Konzept der Volksgemeinschaft durchaus real gewesen sein mag. Dazu noch einmal Hannah Arendt: &#8220;The totalitarian systems tend to demonstrate that action can be based on any hypothesis and that, in the course of consistently guided action, the particular hypothesis will become true, will become actual, factual reality.&#8221;[<a href="#footnote-2-10936" id="footnote-link-2-10936" title="See the footnote.">2</a>] Warum sollte das nicht auch für die &#8220;Volksgemeinschaft&#8221; gelten?</p>
<p>Kershaws insgesamt lesenswerten Text gibt es zum Download <a href="http://www.oldenbourg-link.com/doi/pdfplus/10.1524/vfzg.2011.0001" target="_blank">hier</a>.</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-10936">Ian Kershaw: <em>„Volksgemeinschaft“. Potenzial und Grenzen eines neuen Forschungskonzepts</em>, Oldenbourg 2011 DOI 10.1524/vfzg.2011.0001.  <a href="#footnote-link-1-10936">⇧</a></li><li id="footnote-2-10936">Hannah Arendt: <em>Between Past and Future. Six Exercises in Political Thought</em>, New York 1961, 87.  <a href="#footnote-link-2-10936">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Soll zu Guttenberg zurücktreten? (2)</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 18:53:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zu meinem Beitrag über die Causa zu Guttenberg: Ich sehe gerade, dass die Zahl nicht korrekt als Zitat ausgewiesener  Quellen die von mir angenommenen dreissig bei weitem übertrifft. Allein  die abnorm hohe Zahl plagiierter Stellen macht meine Überlegung  hinfällig, hier könnte einfache Schlamperei am Werk gewesen sein.
Das gilt auch  für die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu meinem <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2011/10990/causa-guttenberg/" target="_blank">Beitrag</a> über die Causa zu Guttenberg: Ich sehe gerade, dass die Zahl nicht korrekt als Zitat ausgewiesener  Quellen die von mir angenommenen dreissig bei weitem übertrifft. Allein  die abnorm hohe Zahl plagiierter Stellen macht meine Überlegung  hinfällig, hier könnte einfache Schlamperei am Werk gewesen sein.</p>
<p>Das gilt auch  für die Schlussfolgerung: Die FAZ weist jetzt <a href="http://www.faz.net/s/Rub1ED0C280BBA14ACAB16800E2F760DF3E/Doc%7EE642290B3666B4EBE9B88B15856544462%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html" target="_blank">darauf hin</a>,  dass – laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2001 – ein  Soldat, der ein Plagiat erstellt, sich &#8220;als Vorgesetzter  disqualifiziert.&#8221; Um Schaden von der Demokratie abzuwenden, sollte Guttenberg zurücktreten.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Soll zu Guttenberg zurücktreten?</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Feb 2011 11:06:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[Ob zu Guttenberg von seinem Amt als Verteidigungsminister zurücktreten soll, lässt sich relativ leicht beantworten.
Zuerst einmal muss man feststellen, dass sich einige in der Bewertung der Causa Guttenberg doch recht weit aus dem Fenster gelehnt haben. ‘Kann ein Doktorand soviele Textpassagen übernommen haben, ohne es es zu merken?’ wird da rhetorisch gerne gefragt, um dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ob zu Guttenberg von seinem Amt als Verteidigungsminister zurücktreten soll, lässt sich relativ leicht beantworten.</p>
<p>Zuerst einmal muss man feststellen, dass sich einige in der Bewertung der Causa Guttenberg doch recht weit aus dem Fenster gelehnt haben. ‘Kann ein Doktorand soviele Textpassagen übernommen haben, ohne es es zu merken?’ wird da rhetorisch gerne gefragt, um dann gleich die Antwort zu liefern: ‘Nein, natürlich nicht. Also ist er ein Betrüger.’</p>
<p>Doch ob Guttenberg ein Betrüger ist, lässt sich auf diese Weise nicht feststellen. Neben der Möglichkeit, sich der Texte anderer mit dem Vorsatz zu bedienen, diese als eigene auszugeben, besteht eben auch noch die andere Möglichkeit, dass Guttenberg vorhatte, die entsprechenden Passagen als Zitate zu kennzeichnen, dies jedoch später aus irgendeinem Grund versäumte. Das Ergebnis wäre dasselbe, aber die Ursache eine andere. Diese hiesse dann Versäumnis, nicht böse Absicht.</p>
<p>Ich halte das nicht nur für ein mögliches, sondern sogar für ein wahrscheinliches Szenario: Wer in der Lage ist, 1.200 Fussnoten korrekt zu setzen, dem traut man auch zu, 1.230 Fussnoten zu setzen. Plagiate werden üblicherweise in der Absicht angefertigt, das eigene Unvermögen zu wissenschaftlicher Leistung zu verschleiern. Im Falle Guttenbergs bliebe jedoch noch genügend eigene Leistung, zöge man die nicht korrekt als Zitate ausgewiesenen Passagen von der Doktorarbeit ab.</p>
<p>Für die Bewertung der Arbeit aus universitärer Sicht ist das zwar nicht relevant, insofern als die Promotionsordnung keinen Unterschied zwischen Vorsatz und Versäumnis macht, weswegen die rückwirkende Beurteilung der Promotionsprüfung als &#8220;Nicht bestanden&#8221; gerechtfertigt ist. Relevant jedoch ist die Art des Zustandekommens von nicht als Zitate gekennzeichneten Textpassagen für die Frage, ob Guttenberg für ein Minsteramt noch tragbar ist. Handelt es sich nämlich um Vorsatz, dann kann er eine solche Stellung sicherlich nicht mehr glaubhaft vertreten; handelt es sich dagegen um ein Versäumnis, so beschädigt dies nicht unbedingt seine Autorität im Amt.</p>
<p>Da sich ein Vorsatz, übernommene Textpassagen bewusst nicht als Zitate kennzeichnen zu wollen, ebensowenig nachweisen lässt wie die Indienstnahme eines Ghostwriters, lässt sich festhalten: Die Rücknahme des Doktortitels war gerechtfertigt, die Forderung nach einem Rücktritt vom Amt ist es deswegen noch lange nicht.</p>
<p>+++Nachtrag 28.02.2011+++</p>
<p>Siehe <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2011/11005/causa-guttenberg-2/" target="_self">hier</a>.</p>
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		<title>Die Legitimität der Islamkritik</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Feb 2011 10:30:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik des Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Religion & Moderne]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Islamkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Debatte um Integration und die Rolle des Islam wird in Deutschland seit nunmehr mindestens zwanzig Jahren geführt. Schon früh wurden Stimmen laut, die den Mangel an Wohlstand und Entwicklung der meisten islamischen Länder direkt mit der Religion verknüpften. Den Anfang machte meines Wissens das Buch Die unerbittlichen Erlöser: Vom Kampf des Islam gegen die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Debatte um Integration und die Rolle des Islam wird in Deutschland seit nunmehr mindestens zwanzig Jahren geführt. Schon früh wurden Stimmen laut, die den Mangel an Wohlstand und Entwicklung der meisten islamischen Länder direkt mit der Religion verknüpften. Den Anfang machte meines Wissens das Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3498005677?ie=UTF8&amp;tag=levantiorgstu-21&amp;linkCode=xm2&amp;camp=1638&amp;creativeASIN=3498005677" target="_blank">Die unerbittlichen Erlöser: Vom Kampf des Islam gegen die moderne Welt</a> von Jean Claude Barreau, das in deutscher Übersetzung 1992 erschien. Der Band erregte damals erhebliches Aufsehen, ist aber heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Antwort kam im Jahr darauf mit dem Sammelband <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3894581182?ie=UTF8&amp;tag=levantiorgstu-21&amp;linkCode=xm2&amp;camp=1638&amp;creativeASIN=3894581182" target="_blank">Feindbild Islam</a>, das im (mittlerweile neu aufgelegt) linken konkret-Verlag erschien und das im Titel genannte Feindbild in einen historischen Zusammenhang mit den Kreuzzügen stellte. Seitdem liefern sich Anhänger und Gegner einer historisch-soziologischen Islamkritik einen erbitterten publizistischen Schlagabtausch, der mit Patrick Bahners’ Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3406616453?ie=UTF8&amp;tag=levantiorgstu-21&amp;link_code=as3&amp;camp=2514&amp;creative=9386&amp;creativeASIN=3406616453" target="_blank">Die Panikmacher</a> noch längst nicht beendet sein wird. Denn die Frage, wo berechtigte Islamkritik aufhört und wo sie in Ressentiment umschlägt, ist heute so unbeantwortet wie die Frage nach intelligentem Leben ausserhalb der Erde.</p>
<p>Der Tonfall jedenfalls hat an Schärfe jedenfalls nichts verloren, häufig und gerne wird die Gefahr eines Ausgrenzungsdiskurses beschworen, der gefährlicher und verhängnisvoller sein soll als alles, was die Islamkritik über den Gegenstand ihrer Untersuchung vermeintlich zu wissen glaubt. <strong>Feindbild Islamkritik</strong> heisst ein jüngst vom Osnabrücker Soziologen Hartmut Krauss herausgebener Sammelband, der vor allem ein Plädoyer für eine empirisch abgesicherte und frei von pauschaler Verdächtigung gegen die Anhänger des Islam gerichtete Islamkritik sein will.</p>
<p>Zu recht verwahrt sich der Herausgeber gegen eine Kulturalisierung des Rassismusbegriffs (&#8221;antimuslimischer Rassismus&#8221;). Die Islamdebatte sieht er seit der Errichtung von politisch korrekten Tabuzonen in einer Sackgasse: &#8220;Lautstarke Netzwerke aus den Reihen der Migrationsindustrie&#8221; und des &#8220;Dialogkartells&#8221;, schreibt Krauss, treten als &#8220;Pauschalverleumder&#8221; der Kritiker des Islam auf. Nun ist in Deutschland eine Kritik am Islam keinesfalls tabuisiert, wie hier suggeriert wird, was die zahlreichen islamkritischen Stimmen belegen, die in der öffentlichen Debatte immer zahlreicher werden.  Richtig ist allerdings, dass eine Debatte nur schwer in Gang kommt, weil Islamkritik allzu häufig unter den Verdacht einer kaschierten Fremdenfeindlichkeit gestellt wird.</p>
<p>Der These, dass es im Herrschaftsgebiet des Islam &#8220;keine durchsetzungsfähige Aufklärungsbewegung gegeben [hat], welche die absolute Geltungsmacht des orthodoxen Islam entscheidend einzuhegen und wirkungsvoll einzudämmen vermochte&#8221;, stimmt der Rezensent zu, andererseits scheint fraglich, ob man, wie Krauss, dem Islam deshalb gleich den religiösen Charakter absprechen kann, indem er ihn als &#8220;religiös artikulierte &#8230; vormoderne Ordnungsideologie&#8221; bezeichnet. Und der unkritisch zitierten Äusserung eines Vertreters der ägyptischen Muslimbrüder, dass der Islam den Muslim beeinflusse, &#8220;ob er sich bewegt oder ruht&#8221;, kann man leicht entgegenhalten, dass dies eben die Meinung eines Fundamentalisten sei, die mit dem Islam nichts zu tun habe. So leicht darf es sich eine Islamkritik, die ernstgenommen will, nicht machen.</p>
<p>Insgesamt bewegen sich die einzelnen Beiträge, die zu einem erheblichen Teil keine Originalartikel sind, zwischen nüchterner Analyse (&#8221;multifaktorieller Problemkontext&#8221;, S. 221) und deftiger Polemik (&#8221;Das Haupthaar der islamisch verwalteten Frau wird zum Schamhaar&#8221;, S. 300). Ob die Kritische Theorie, die immer wieder durchscheint, dem Verständnis von Islam und Moderne dienlich ist, bleibt fraglich. Ansonsten berufen sich die Autoren gerne auf die Aufklärung, als ob deren Vertreter über jegliche Kritik erhaben wären. So ist Voltaire (wie auf S. 107 zitiert) ein schlechter Gewährsmann für eine moderne Religionskritik, insofern als er das Judentum, das für Voltaire keinerlei Betrag zur europäischen Zivilisation geleistet hat, nicht nur verachtete, sondern auch keinen Unterschied zwischen diesem und dem einzelnen Juden machte. Eine Islamkritik, die sich daran orientierte, wäre das, was sie eigentlich nicht sein will, nämlich ein wissenschaftlich verbrämter Chauvinismus.</p>
<p>Doch gibt es genug, das einem zu denken geben sollte. Hartmut Krauss und Karin Vogelpohl weisen ihrem Beitrag über &#8220;Spätkapitalistische Gesellschaft und orthodoxer Islam&#8221; darauf hin, dass zuvor schon verschiedene Studien Belege für einen Zusammenhang zwischen wachsender religiöser Bindung und der Gewaltbereitschaft junger Muslime als auch ihre Ablehnung von Homosexualtiät gefunden haben. Wohlgemerkt: Wir sprechen hier über Tendenzen innerhalb einer Gruppe, es werden keine Aussagen über den Einzelfall getroffen. Eine andere Studie resümiert: &#8220;Besonders Kinder, deren Familien aus der Türkei kommen, sind zu einem hohen Anteil an den niedrigsten Schulstufen vertreten.&#8221; Ist das nun dem Islam geschuldet oder dem kulturellen Gepäck (südost-)anatolischer Einwanderer? Wie auch immer man sich hier positionieren mag, so ist der Zusammenhang von islamischer Religionszugehörigkeit und einer partitiell anzutreffenden Integrationsverweigerung eine These, die es zumindest verdient, diskutiert zu werden.</p>
<p>Wem das zu heikel erscheint, der sei daran erinnert, dass nicht minder provokante Thesen auch über das Christentum aufgestellt wurden, ohne dass die deutsche Öffentlichkeit darauf anders als mit grosser Gelassenheit reagiert. Als ein Beispiel lässt sich hier der verstorbene Philosoph Helmuth Plessner nennen, demzufolge der innerweltlich-rationale Staat – in Ländern wie Grossbritannien und Frankreich ein Produkt der Aufklärung – Deutschland &#8220;innerlich fremd geblieben&#8221; sei, weil, so Plessner, das Luthertum eine Aufklärungskultur in Deutschland verhindert habe. Unabhängig von der Richtigkeit dieser behauptung, zöge heute eine ähnliche Aussage über den Islam reflexartige Ablehnung und Empörung auf sich. Oder gehen wir noch weiter in der Vergangenheit zurück und erinnern uns an Heinrich Heine, für den die Idee des Christentums &#8220;in der Vernichtung der Sinnlichkeit&#8221; bestand und der den Katholizismus spöttisch als &#8220;Konkordat zwischen Gott und dem Teufel, d.h. zwischen dem Geist und der Materie&#8221; charakterisierte. Für manchen Gläubigen mag das starker Tobak sein. Während jedoch von Islamophobie allerorten die Rede ist, haben es Begriffe wie Lutherophobie oder Christophobie nicht zu Schlagwörtern des politischen Diskurses gebracht.</p>
<p>Apropos: Wie steht es eigentlich um die so häufig beklagte Islamophobie in Deutschland? Dieser Frage widmet sich der Aufsatz von Felix Struening, der anhand von Daten aus dem Forschungsprojekt zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF) ein Bild zu zeichnen versucht, wie die Deutschen wirklich zum Islam stehen. Dass den Islam abzulehnen nicht automatisch bedeutet, Muslime als Menschen abzulehnen, zeigt sich u.a. an den niedrigen Zustimmungen zu persönlichen Überfremdungsgefühlen durch Muslime – was in der öffentlichen Debatte allzu häufig untergeht. Und obwohl Umfragen zufolge eine deutliche Mehrheit der Deutschen der Meinung ist, dass der Islam &#8220;nicht in unsere Welt passt&#8221;, so findet doch rund die Hälfte der Bevölkerung, so Struening, dass der Islam eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht hat. Es deutet vielmehr einiges darauf hin, dass die Befragten vor allem die politisch-ideologische Dimension des Islam ablehnen. Eine Studie zufolge stimmten denn auch nicht mehr 15% der Befragten der Aussage zu, dass Muslimen jede Form der Religionsausübung in Deutschland untersagt werden sollte. Auch wenn 15% genau 15% zuviel sind: Die Religionsfreiheit ist in Deutschland jedenfalls nicht in Gefahr.</p>
<p>Die Autoren des Bandes machen deutlich, dass eine grundsätzliche Kritik am Islam wissenschaftlich vertretbar und nicht gleichzusetzen ist mit Ressentiment. Dass eine Islamkritik nicht immer nur auf den Koran rekurrieren darf, sondern Islam auch als soziales System begreifen muss, zeigt dieser Sammelband verschiedentlich. Den wohl besten Beitrag dazu liefert Huda Zein (&#8221;Blockierte Individualität durch kollektive Identität&#8221;), die die Interpretation von Koran und Prophetentradition als Ausdruck einer Praxis sieht, &#8220;die aufgrund der Gesellschaftsstruktur immer wieder aufs Neue sich als &#8220;Basisideologie&#8221; formuliert, nämlich als „repressive Gleichheit einer Volks- und Religionsgemeinschaft.&#8221; Kollektivgemeinschaften, die auf religiöser und nationaler Grundlage beruhen und individueller Entfaltung keinen Raum zugestehen, schaffen sich regelmässig ihre eigenen Monstren in Form von Despoten. Sehr gut analysiert hat die Verfasserin auch die Bedeutung ahistorischer Auffassungen über die eigene Nation, die auch die Vereinnahmung vorarabischer Geschichte umfasst – ein Phänomen, das der Rezensent nur zu gut aus eigener Anschauung kennt: So werden gesellschaftliche Widersprüche hinter der &#8220;Maske einer affirmativen Versöhnung&#8221; aus der Öffentlichkeit verbannt und dort, wo dies nicht gelingt, als Verrat an der Gruppenidentität gebrandmarkt. Man kann gewiss darüber diskutieren, ob der Islam hier womöglich für sinistre Zwecke instrumentalisiert wird, doch wird diese Debatte allzuhäufig abgewürgt, nach dem Motto: Alles nur westliches Vorurteil.</p>
<p>Dass gerade der akademische Anteil an dieser nicht geführten Debatte auch nicht immer dem Massstab der Wissenschaftlichkeit genügt, zeigt der überaus gelungene Beitrag von Thomas Maul und Philippe Witzmann über &#8220;Feminismus aus Tausendundeiner Nacht&#8221;. Sie argumentieren, dass im Zusammenhang mit dem Islam die Fixierung der Gender Studies auf &#8220;westliche Diskurse&#8221; regelmässig auf eine &#8220;Immunisierung des islamischen Terrors gegen jeglich Kritik&#8221; hinausläuft, der Missstände in der Islamischen Welt entweder als Spätfolgen des Kolonialismus begreift oder einem Missverständnis auf Seiten des europäischen Betrachters. Dass diese Art von Wissenschaft nicht falsifizierbar ist, liegt auf der Hand. Maul/Witzmann weisen denn auch darauf hin, dass es von Braun nach eigener Auskunft um &#8220;psychisches Wissen&#8221; geht, Esoterik also, die sich als Wissenschaft verkleidet. Ihr Anspruch ist letztlich, wie die Autoren zu recht schreiben, ein &#8220;außerwissenschaftlicher, anachronistischer, politisch reaktionärer&#8221;.</p>
<p>Über die Notwendigkeit von Islamkritik mag jeder denken wie er will. Dass Islamkritik jedoch von antimuslimischer Diffamierung zu unterscheiden und grundsätzlich legitim ist, sollte dagegen unbestritten sein. Die Apologeten des Islam täten gut daran, den Ball der Islamkritik aufzunehmen, als sich in einer Festung des Paternalismus zu verschanzen. Der von Hartmut Krauss herausgegebene Band leistet dazu einen wertvollen Beitrag.</p>
<p>Hartmut Krauss (Hrsg.), <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3000320857?ie=UTF8&amp;tag=levantiorgstu-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3000320857">Feindbild Islamkritik: Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden</a><img style="border:none !important; margin:0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=levantiorgstu-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3000320857" border="0" alt="" width="1" height="1" />, HINTERGRUND-Verlag, Osnabrück 2010, 360 Seiten, 15 Euro.</p>
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		<title>Kantische Überlegungen in Teheran</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 00:45:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen & Mächte]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte]]></category>
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		<description><![CDATA[Teheran bereitet sich auf eine hübsche kleine Groteske vor: Die Ausrichtung des diesjährigen Welttags der Philosophie. Das freilich passt wie die Faust aufs Auge.
Der Philosoph Otfried Höffe, der gerne einige &#8220;kantische Überlegungen zum Verhältnis von Philosophie und Offenbarung&#8221; zum besten gegeben hätte, hat es sich nach reiflicher Überlegung anders überlegt. Für seine Absage hat er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Teheran bereitet sich auf eine hübsche kleine Groteske vor: Die Ausrichtung des diesjährigen Welttags der Philosophie. Das freilich passt wie die Faust aufs Auge.</p>
<p>Der Philosoph Otfried Höffe, der gerne einige &#8220;kantische Überlegungen zum Verhältnis von Philosophie und Offenbarung&#8221; zum besten gegeben hätte, hat es sich nach reiflicher Überlegung anders überlegt. Für seine Absage hat er <a href="http://www.faz.net/p/Rub013457531D514A289550C982F21BCDBF/Dx1~E940E1D87EE287C72F67E3C1733907B7D~ATpl~Ecommon~Scontent.html" target="_blank">gute Gründe</a>:</p>
<blockquote><p>Ihr Kern besteht in der enttäuschenden Nachricht, nicht Gholamreza Aavani, sondern Haddad Adel sei der Leiter (&#8221;chief&#8221;) der Veranstaltung geworden, direkt von Präsident Ahmadineschad ernannt. (&#8230;) Adel ist aber nicht bloß akademischer Philosoph, sondern in die Machenschaften der politischen Führung so intim verstrickt, dass man die seit Ahmadineschads Präsidentschaft veränderte Lage nicht in den Hintergrund schieben darf. Noch vor wenigen Wochen hat Adel Dissidenten eine Wiederholung von &#8220;<a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/8479/hochdosierter-luegencocktail/" target="_blank">Kahrisah</a>&#8221; angedroht, also Einsperrungen Dutzender Personen in einen Container, systematisches Vergewaltigen von Jugendlichen und erwachsenen Männern und das Verbrennen der Leichen von Folter-Opfern.</p></blockquote>
<p>Dass der &#8220;Weltphilosophietag als Propagandaveranstaltung des Staatspräsidenten missbraucht&#8221; werde, hätte dem Philosophen ohnehin klar sein müssen. Dass er abgesagt hat, zeugt dennoch von philosophischer Klugheit. Dem kantischen Projekt einer &#8220;fortschreitenden Vertiefung des Freiheitsgedankens&#8221; (Cassirer) ist so sicherlich am besten gedient.</p>
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		<title>Die Mauer in Deutschland und der Zaun der Israelis</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 11:46:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefanie Galla</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dass im Nahostkonflikt Vergleiche dazu herangezogen werden, die Position der Palästinenser zu untermauern, ist nichts Neues. &#8220;Apartheid, Ghetto, Nazis&#8221; – alles mittlerweile geläufige Ausdrücke in der Diskussion und zur verbalen Waffe mutierte Begriffe gegen Israel. Dass hierbei nicht vergleichbare Sachverhalte allein durch die verwendeten Begrifflichkeiten als vergleichbar erscheinen, führte zu einer Abnutzung, die selbst die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dass im Nahostkonflikt Vergleiche dazu herangezogen werden, die Position der Palästinenser zu untermauern, ist nichts Neues. &#8220;Apartheid, Ghetto, Nazis&#8221; – alles mittlerweile geläufige Ausdrücke in der Diskussion und zur verbalen Waffe mutierte Begriffe gegen Israel. Dass hierbei nicht vergleichbare Sachverhalte allein durch die verwendeten Begrifflichkeiten als vergleichbar erscheinen, führte zu einer <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2009/5409/islamisierungshysterie/" target="_blank">Abnutzung</a>, die selbst die Wissenschaft erreichte. So stellte Wolfgang Benz vom Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) fest, dass der Antisemitismus und die &#8220;Islamophobie&#8221; (schon allein die Verwendung dieses Begriffs ist wissenschaftlich höchst umstritten) strukturelle Gemeinsamkeiten aufweisen.</p>
<p>So weit, so gut. Ein Fahrrad und ein Auto haben auch beide Reifen um sich fortzubewegen. Interessieren würde mich daher nun auch, wo das ZfA die Unterschiede festmacht. Für mich als Fachfremde liegen die recht deutlich auf der Hand. Der Antisemitismus in Deutschland bis &#8216;45 z.B. wurde auch und insbesondere vom Staat praktiziert – was schließlich zu den staatlich organisierten Verbrechen an den Juden führte -, während Muslime heute durch den Staat geschützt sind vor Diskriminierung und Schlimmerem – soweit ein solcher Schutz tragen kann. Die strukturellen <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/1127/islamofaschismus-islamophobie-antisemitismus/" target="_blank">Unterschiede</a> werden dann wohl dem <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2010/9447/wird-der-bock-zum-gaertner/">Nachfolger</a> von Herrn Benz überlassen.</p>
<p>Obiges ist alles nichts Neues. Jetzt wurde aber ein weiterer Vergleich gegen Israel offiziell <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2010/9447/wird-der-bock-zum-gaertner/">eingeführt</a>: die Mauer in Deutschland und der Zaun der Israelis.</p>
<blockquote><p>Our choice of Berlin as the place of this conference sends out many messages to the world, one among which is that all Apartheid walls, like the one being built in the West Bank by Israel, are destined to fall someday just like the Berlin wall fell. The will of free people is stronger than barbed wire.</p>
</blockquote>
<p>Ja, so kann man es umdeuten. Die Mauer wurde von dem DDR-Regime errichtet, um seine Bürger einzusperren, während Israel einen Zaun errichtete, um sich gegen <em>suicide bombing</em> von außen zu schützen. Aber ich bin zuversichtlich, auch dieser Vergleich wird es zur Zulässigkeit in den Debatten schaffen.</p>
<p>Gespannt kann man erwarten, zu welchen weiteren irreleitenden Ergebnissen dieses <em>who is who</em> der Propagandamaschinerie der europäischen Auslandspalästinenser kommen wird auf ihrer &#8220;<a href="http://www.alawda.eu/berlin2010/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=11&amp;Itemid=1&amp;lang=en">8. Konferenz der Palästinenser in Europa</a>&#8220;  in Berlin am kommenden Wochenende. Die <a href="http://www.alawda.eu/berlin2010/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=9&amp;Itemid=3&amp;lang=en">Rednerliste</a> ist sehr vielversprechend. Hochrangige <a href="http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=174701">Hamas-Funktionäre </a>wurden eingeladen, um die Veranstaltung einem breiten Publikum schmackhaft zu machen.</p>
<blockquote><p><em>Aziz Dweik is also known as Abu Hashem. He became speaker of the Palestinian Legislative Council in January 2006 and entered an Israeli prison in June of that year because of his membership in a terroristorganization. He was released in June 2009.</em></p>
</blockquote>
<p>Auch wenn die deutsche Regierung da nicht so ganz <a href="http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=174701">mitspielen</a> mag und Dweik deshalb das Visum verweigert hat, so darf man immerhin noch mit der Teilnahme von <a href="http://www.jpost.com/International/Article.aspx?id=174701">Sheikh Raed Saleh</a> rechnen.</p>
<blockquote><p><em>Saleh is the leader of the Islamic Movement, which is based in Israel, and is known to have strong operational, financial and logistical ties with Hamas.</em></p>
</blockquote>
<p>Und selbst wenn diesem auch noch die Türen zu Deutschland verschlossen bleiben sollten, die Gästeliste weist hinreichend spannende Namen auf, um ein Garant dafür zu sein, dass die entsprechende Klientel weiter begeistert ist und man darf hoffnungsfroh sein, weitere kreative Vergleiche durch die europäischen Palästinenser präsentiert zu bekommen &#8211; während das ZfA bisher anscheinend noch nicht dazu kam, sich mit den strukturellen Unterschieden zwischen Antisemitismus und „Islamophobie“ zu beschäftigen.</p>
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		<title>Wird der Bock zum Gärtner?</title>
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		<pubDate>Mon, 03 May 2010 19:03:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefanie Galla</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aus dem Tollhaus]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Naher Osten]]></category>
		<category><![CDATA[Antisemitismusforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Hamas]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Leben schreibt die besten Possen. Die Abteilung  Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Akademien in Deutschland stellte im September 2008 ihren neuen Generalsekretär Dr. Klaus Holz vor und freute sich darüber, eine Person gefunden zu haben, welche die richtigen Voraussetzungen für diese Position mitbringt. Denn diese Position setze
nicht nur theologische, sondern auch sozialwissenschaftlich fundierte Kenntnisse voraus. Mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Leben schreibt die besten <a href="http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/stumm_wie_holz/">Possen</a>. Die Abteilung  Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Akademien in Deutschland stellte im September 2008 ihren neuen Generalsekretär Dr. Klaus Holz vor und <a href="http://ead.dike.de/download/PM_23.09.08_Holz_neuer_Generalsekretaer.pdf">freute</a> sich darüber, eine Person gefunden zu haben, welche die richtigen Voraussetzungen für diese Position mitbringt. Denn diese Position setze</p>
<blockquote><p>nicht nur theologische, sondern auch sozialwissenschaftlich fundierte Kenntnisse voraus. Mit seiner erfolgreichen Arbeit in den letzten acht Jahren für das Evangelische Studienwerk e.V. Villigst, das protestantische Begabtenförderungswerk für Studierende und Promovierende, habe Dr. Holz diese Bandbreite bewiesen.</p></blockquote>
<p>Da freut man sich doch mit der Akademie über den guten Fang für die Besetzung der Position ihres Generalsekretärs.</p>
<p>Seitdem <a href="http://ead.dike.de/download/PM_23.09.08_Holz_neuer_Generalsekretaer.pdf">akquiriert</a> Holz große Projekte und vertritt die Akademien auf Bundesebene. In der Zusammenarbeit der 15 Akademien entwickelt er das interne Fortbildungsprogramm, berät die Akademien bei deren Qualitätsmanagement und begleitet konzeptionell ihre Arbeit. Und neben all dem leitet Herr Holz die Verwaltung der Geschäftsstelle.</p>
<p>In Berlin wiederum <a href="http://zfa.kgw.tu-berlin.de/index.htm">sucht</a> das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) einen neuen Leiter, weil die Amtszeit des amtierenden Leiters Prof. Wolfgang Benz im Herbst endet.</p>
<blockquote><p>Das 1982 gegründete Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin arbeitet als einziges Institut seiner Art interdisziplinär in Forschung und Lehre über Vorurteile und ihre Folgen wie Antisemitismus, Antiziganismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus. Angrenzende Schwerpunkte der Arbeit sind deutsch-jüdische Geschichte, Holocaust und Rechtsextremismus.</p></blockquote>
<p>Im Rahmen des Berufungsverfahrens kamen bisher sieben Kandidaten in die engere Wahl – einer davon der Generalsekretär Klaus Holz der Evangelischen Akademien in Deutschland.</p>
<p>Sie fragen sich nun, wie das bei dem Anforderungsprofil des ZfA möglich ist? Ich auch.</p>
<p>Damit aber nicht genug. Unter Verantwortung von Klaus Holz, denn dieser begleitet in seiner Position die einzelnen Akademien, <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2470663_0_9223_-der-nahostkonflikt-schwappt-nach-bad-boll.html">plant</a> die Evangelische Akademie in Bad Boll eine Tagung, zu der man Basem Naim, Gesundheitsminister aus Gaza und hochrangiger Hamas-Funktionär, einlud. Auf die der Einladung folgenden Proteste wurde lapidar durch den Tagungsleiter <a href="http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/2470663_0_9223_-der-nahostkonflikt-schwappt-nach-bad-boll.html">geantwortet</a>:</p>
<blockquote><p>In der Hamas gelte er (Naim) als Vertreter des gemäßigten Flügels, der zwar nicht die Legitimität, aber wenigstens die Faktizität des Staates Israel anerkenne.</p></blockquote>
<p>Da fragt man sich doch, ob beim ZfA der Bock zum Gärtner gemacht werde soll.</p>
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		<title>Fundamentale Gemeinsamkeiten</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 11:30:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anlässlich der Behauptung des fundamentalistischen Predigers Pat Robertson, das Erdbeben von Haiti, sei Folge eines vor zweihundert jahren geschlossenen Paktes des Landes mit dem Teufel, hat Salman Hameed einen seiner Artikel über das Erdbeben in Nordpakistan im Jahr 2006 neu gepostet:
At the beginning of the new millennium, it is thus astonishing to hear some Muslim [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anlässlich der <a href="http://sciencereligionnews.blogspot.com/2010/01/pat-robertson-on-haitis-earthquake.html">Behauptung</a> des fundamentalistischen Predigers Pat Robertson, das Erdbeben von Haiti, sei Folge eines vor zweihundert jahren geschlossenen Paktes des Landes mit dem Teufel, hat Salman Hameed einen seiner Artikel über das Erdbeben in Nordpakistan im Jahr 2006 <a href="http://sciencereligionnews.blogspot.com/2010/01/nature-and-natural-disasters-on.html">neu gepostet</a>:</p>
<blockquote><p>At the beginning of the new millennium, it is thus astonishing to hear some Muslim scholars invoke supernatural explanations for the Pakistan earthquake. While it was refreshing to see some open debate about treating earthquakes as purely natural phenomena, the dominant discourse continued to be about some sort of Divine warning or retribution. A few have gone as far as to blame the victims of the earthquake. It is as if the magma, which has been driving plates naturally and indifferently for billions of years, has suddenly become sensitive to the intentions of human inhabitants.</p>
<p>On the other side of the intellectual spectrum, even the idea of a scientific explanation appears threatening. For example, <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/tag/muzaffar-iqbal/">Dr. Muzaffar Iqbal</a> has this to say in the winter 2005 volume of the journal Islam and Science: “… if earthquakes can be explained away in terms of the movement of plate tectonics, and all that happens on earth in terms of randomly occurring processes, then life on this ravaged planet itself becomes terminus ad quem, without any hope of a future life”.</p>
<p>Instead of seeing the potential for saving lives, Dr. Iqbal would rather shoot the messenger. Science, in fact, is the process that removes randomness from human perception. We no longer attribute lightening to Divine wrath. Rather, we put rods on top of tall buildings and direct the flow of electrons into the ground. </p></blockquote>
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		<title>Sozialdarwinismus, gibt es den überhaupt?</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jan 2010 08:29:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martin Riexinger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung & Wissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Darwin]]></category>
		<category><![CDATA[Evolutionstheorie]]></category>
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		<description><![CDATA[Eric Michael Johnson meint nein (I, II, III):
What all of this suggests, quite obviously, is that &#8220;social Darwinism&#8221; had very little Darwinism in it. What is more likely to have occurred is that, because Darwin was the most famous naturalist of the nineteenth century, any ideas that were associated with evolution (whether based on his [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eric Michael Johnson meint nein (<a href="http://scienceblogs.com/primatediaries/2010/01/deconstructing_social_darwinis.php">I</a>, <a href="http://scienceblogs.com/primatediaries/2010/01/deconstructing_social_darwinis_1.php">II</a>, <a href="http://scienceblogs.com/primatediaries/2010/01/deconstructing_social_darwinis_2.php">III</a>):</p>
<blockquote><p>What all of this suggests, quite obviously, is that &#8220;social Darwinism&#8221; had very little Darwinism in it. What is more likely to have occurred is that, because Darwin was the most famous naturalist of the nineteenth century, any ideas that were associated with evolution (whether based on his theory or not) were lumped togeth&#8230;er and labeled &#8220;Darwinian.&#8221; However, as the second and third categorical objections will emphasize, the entire label itself may have very little explanatory power.</p></blockquote>
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		<title>Kritik der Orientalismuskritik</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Nov 2009 19:40:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Kreutz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arabische Welt]]></category>
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		<description><![CDATA[In der &#8220;Welt&#8221; geht der Historiker Walter Laqueur dem Erfolgsgeheimnis von Edward Saids Orientalism nach, das jetzt in einer neuen Übersetzung auf Deutsch erscheint. Rätselhaft bleibt, wie Laqueur darauf kommt, dass Edward Saids Buch erst jetzt auf Deutsch erhältlich sei. Tatsächlich erschien die erste deutsche Übersetzung bereits 1981, zwei Jahre nach dem amerikanischen Original. Davon einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der &#8220;Welt&#8221; geht der Historiker Walter Laqueur dem Erfolgsgeheimnis von Edward Saids <em>Orientalism</em> nach, das jetzt in einer neuen Übersetzung auf Deutsch <a href="http://www.welt.de/die-welt/kultur/literatur/article5282653/Die-Attacken-auf-den-Westen.htm" target="_blank">erscheint</a>. Rätselhaft bleibt, wie Laqueur darauf kommt, dass Edward Saids Buch erst jetzt auf Deutsch erhältlich sei. Tatsächlich erschien die erste deutsche <a href="http://www.worldcat.org/oclc/165083869&amp;referer=brief_results" target="_blank">Übersetzung</a> bereits 1981, zwei Jahre nach dem amerikanischen Original. Davon einmal abgesehen zeigt Laqueur zutreffend, warum es gerade die ideologische Ausrichtung von Saids Buch ist, die es so populär gemacht hat. Laqueur hat zweifelsohne recht, wenn er darauf hinweist, dass man mit der von Said angewandten Scherenschnitttechnik ebensogut eine Geschichte westlicher <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2006/321/orientalism-deconstructed/" target="_blank">Islamophilie</a> hätte schreiben können.</p>
<p>Saids Denken ist nicht nur von immenser Einseitigkeit, sondern weist eine Reihe innerer Widersprüche auf. Irfan Khawaja (2008) hat die gröbsten Verirrungen Saids beschrieben.[<a href="#footnote-1-8354" id="footnote-link-1-8354" title="See the footnote.">1</a>] So kritisiert Said Generalisierungen über den Islam, schreckt selbst jedoch nicht vor generalisierenden Äusserungen über Christentum, Klassizismus, Europa, Imperialismus, Philologie, Romantik, Zionismus usw. zurück. Es gebe weder einen richtigen noch einen falschen Islam, erklärt Said, jedoch lobt er muslimische Intellektuelle wie Eqbal Ahmad oder Ali Shariati dafür, den Islam richtig verstanden zu haben. Die Protagonisten des Orientalismus dagegen sind unfähig, den Islam anders als falsch zu verstehen.</p>
<p>Zum Wesen des Orientalismus, so Said, gehöre auch, dass er den Islam zu abstrakt begreife, ihn damit enthistorisiere. Auf derselben Buchseite behauptet er jedoch, die falsche Wahrnehmung des Islam beruhe auf der empirizistischen Einstellung des Orientalismus, die Dinge also zu konkret zu betrachten. Der Blick von aussen auf den Islam ist also per se falsch, der Islam wird damit erst durch Said mystifiziert und einer rationalen Betrachtung entzogen.</p>
<p>Der Islam, belehrt Said seine Leser weiter, erkläre nichts, aber zugleich erklärt Said mit dem Utilitarismus den britischen Imperialismus in Indien, mit dem Zionismus das Massaker von Hebron 1994, mit der christlichen Orthodoxie des Johannes von Damaskus den libanesischen Bürgerkrieg der 1970er Jahre und mit dem mittelalterlichen Christentum den Orientalismus und mit diesem wiederum den modernen Imperialismus. Khawaja bringt es auf den Punkt: “To be consistently inconsistent about consistency is a feat in itself.”</p>
<p>Im Schatten von Orientalism steht Saids Spätwerk <em>Culture and Imperialism</em>, in dem er z.B. die Thesen von Martin Bernal (&#8221;Black Athena&#8221;) unhinterfragt für bare Münze nimmt: “… as Bernal has described it, a coherent classical philology developed during the nineteenth century that purged Attic Greece of its Semitic-African roots.”[<a href="#footnote-2-8354" id="footnote-link-2-8354" title="See the footnote.">2</a>] Man muss dazu wissen, dass die Behauptungen Bernals, denen zufolge die Kultur Griechenlands einen ägyptischen Ursprung habe, seinerzeit von der Fachwelt einhellig <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/antike/archive/2009/03/21/cleopatra-meets-csi_2C00_-oder_3A00_-hat-liz-taylor-zu-unrecht-eine-hellhaeutige-koenigin-gespielt_3F00_.aspx">zurückgewiesen</a> wurden. Auch die sog. “Grosse Arabische Revolte”, eine vermeintliche populäre Widerstandsbewegung gegen die westliche Kolonialherrschaft, die George Antonius in seinem bekannten Werk über das &#8220;Arabische Erwachen&#8221; geschildert hat, passt Said nur zu gut ins eigene Konzept, als dass er sie kritisch zu erörtern bereit wäre. Tatsächlich ist ihre Existenz umstritten. Der Londoner Historiker Efraim Karsh hält sie gar lediglich für eine Erfindung Antonius’.[<a href="#footnote-3-8354" id="footnote-link-3-8354" title="See the footnote.">3</a>] Differenzierungen gibt es bei Said eben kaum.</p>
<p>In <em>Culture and Imperialism</em> finden sich weitere Ungereimtheiten. Said hält den Nettoeffekt des Kulturaustausches zwischen zwei Partnern, die sich ihrer Ungleichheitheit bewusst sind, für grundsätzlich negativ: “In modern times (…) thinking about cultural exchange involves thinking about domination and forcible appropriation: someone loses, someone gains.”[<a href="#footnote-4-8354" id="footnote-link-4-8354" title="See the footnote.">4</a>] Keine dreissig Seiten später jedoch behauptet Said[<a href="#footnote-5-8354" id="footnote-link-5-8354" title="See the footnote.">5</a>]:</p>
<blockquote><p>“A confused and limiting notion of priority allows that only the original proponents of an idea can understand and use it. But the history of all cultures is the history of cultural borrowings. Cultures are not impermeable; just as Western science borrowed from Arabs, they had borrowed from India and Greece. Culture is never just a matter of ownership, of borrowing and lending with absolute debtors and creditors, but rather of appropriations, common experiences, and interdependencies of all kinds of different cultures.”</p></blockquote>
<p>Said äussert diese Ansicht im Rahmen einer Erörterung des Dritte-Welt-Nationalismus, wobei er dem britischen Historiker <a href="http://sandbox.blog-city.com/elie_kedourie.htm" target="_blank">Elie Kedouri</a> den Vorwurf macht, diesen für grundsätzlich verdammenswert zu halten. Said nämlich glaubt, dass westliche Wissenschaftler nationale Bewegungen im Rest der Welt für nicht authentisch genug halten, um sie akzeptieren zu können. Ebenso hält er es für einen gängigen Irrtum zu glauben, dass es allein westliche Ideen von Freiheit seien, die den Kampf gegen die Kolonialherrschaft motiviert haben und dabei übersehen werde, dass die Reserven in den einheimischen kolonisierten Kulturen immer dem Imperialismus Widerstand geleistet haben.[<a href="#footnote-6-8354" id="footnote-link-6-8354" title="See the footnote.">6</a>]</p>
<p>Ich weiss nicht, wer diese These von der Ausschliesslichkeit westlicher Vorstellungen in diesem Zusammenhang vertreten soll, aber Said räumt selbst ein, dass emanzipatorische Ideen westlicher Herkunft durchaus eine Rolle für orientalische Intellektuelle spielten. Zwanzig Seiten später schreibt er nämlich, dass Raja Ramuhan Roy, “an early nineteenth-century nationalist influenced by Mary Wollstonecraft, mobilized the early campaign for Indian women’s rights, a common pattern in the colonized world, where the first intellectual stirrings against injustice included attention to the abused rights of all oppressed classes”.[<a href="#footnote-7-8354" id="footnote-link-7-8354" title="See the footnote.">7</a>] Das widerspricht seiner These zwar nicht, macht sie aber auch nicht plausibler.</p>
<p>Andererseits scheint er zu glauben, dass ein Kulturaustausch von Europa in den Vorderen Orient für diesen nur Nachteile bringe, während in umgekehrter Richtung Europa von ihm profitieren könne. Said versteigt sich sogar zu der Forderung, eine neue literarische Beschreibung der einheimischen Kultur zu schaffen, “not pristine and pre-historical (…) but deriving from the deprivations of the present.”[<a href="#footnote-8-8354" id="footnote-link-8-8354" title="See the footnote.">8</a>] Das wirft natürlich grundsätzliche Fragen auf, wie die, ob man auch die durch die arabisch-islamische Eroberung vermittelte Kultur aus der Geschichtsschreibung herausfiltern solle und überhaupt, wie weit man in der Geschichte zurückgehen muss, um auf unverfälschte, authentische Kultur zu stossen. Said beantwortet diese Fragen nicht.</p>
<p>In diesem Stil geht es weiter. Said übt zuerst eine Generalkritik an den Orientalisten – um dann später wieder einzuräumen: “This is not to denigrate the accomplishments of many Western scholars, historians, artists, philosophers, musicians, and missionaries, whose corporate and individual efforts in making known the world beyond Europe are a stunning achievement.”[<a href="#footnote-9-8354" id="footnote-link-9-8354" title="See the footnote.">9</a>] Akademiker wie Bernard Lewis, Daniel Pipes u.a. kritisiert er nicht etwa dafür, dass ihre Thesen im Widerspruch zu den Fakten stünden, sondern dass sie eine Linie vertreten, die “opposed to native Arab or Islamic nationalism” sei und die fachliche und journalistische Diskussion beherrsche.[<a href="#footnote-10-8354" id="footnote-link-10-8354" title="See the footnote.">10</a>] Said fordert implizit also nicht anderes als die Unterordnung wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses unter einen romantisierenden Nationalismus.</p>
<p>Treibende Kraft hinter dieser Ideologie ist auch hier wieder einmal der Antikapitalismus. Dieser, so glaubt Said, habe eine Landschaft geschaffen, die für das Kapitalinteresse profitabel sei und zugleich durch externe Herrschaft regierbar werde.[<a href="#footnote-11-8354" id="footnote-link-11-8354" title="See the footnote.">11</a>]. Mit Partha Chatterjee, der behauptet, dass die postkolonialen Länder einem weltweiten Prozess unterworfen seien, der aus einem globalen Kapitalismus bestehe, “commanded at the top by the handful of leading industrial countries”[<a href="#footnote-12-8354" id="footnote-link-12-8354" title="See the footnote.">12</a>], geht er offenbar konform. Saids Programm ist das der <a href="http://www.transatlantic-forum.org/index.php/archives/2007/1986/said-mearsheimer-walt/" target="_blank">Entwissenschaftlichung</a> einer ganzen akademischen Disziplin.</p>
<br /><ol class="footnotes"><li id="footnote-1-8354">Khawaja, Irfan: Essentialism, Consistency and Islam: A Critique of Edward Said’s <em>Orientalism</em>, in: Philip Carl Salzman and Donna Robinson Divine (eds.): Postcolonial Theory and the Arab-Israel Conflict. London and New York: Routledge, 2008, S. 12-36.  <a href="#footnote-link-1-8354">⇧</a></li><li id="footnote-2-8354">Edward Said, <em>Culture and Imperialism</em>, New York: Vintage 1994, 132.  <a href="#footnote-link-2-8354">⇧</a></li><li id="footnote-3-8354">Vgl Efraim Karsh/ Inari Karsh,<em> Empires of the Sand. The Struggle for Mastery in the Middle East, 1789-1923</em>, Cam., Mass./ London: Harvard University Press, 2001, 185 ff.  <a href="#footnote-link-3-8354">⇧</a></li><li id="footnote-4-8354">Ebd., 235.  <a href="#footnote-link-4-8354">⇧</a></li><li id="footnote-5-8354">Ebd. 261.  <a href="#footnote-link-5-8354">⇧</a></li><li id="footnote-6-8354">Ebd. 241-2.  <a href="#footnote-link-6-8354">⇧</a></li><li id="footnote-7-8354">Ebd. 263-4.  <a href="#footnote-link-7-8354">⇧</a></li><li id="footnote-8-8354">Ebd. 272.  <a href="#footnote-link-8-8354">⇧</a></li><li id="footnote-9-8354">Ebd. 235.  <a href="#footnote-link-9-8354">⇧</a></li><li id="footnote-10-8354">Ebd. 315.  <a href="#footnote-link-10-8354">⇧</a></li><li id="footnote-11-8354">Ebd. 272  <a href="#footnote-link-11-8354">⇧</a></li><li id="footnote-12-8354">Ebd. 320.  <a href="#footnote-link-12-8354">⇧</a></li></ol>]]></content:encoded>
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