Der Weitblick des Philosophen

Dass Hannah Arendts bekanntes Diktum von der Banalität des Bösen fraglich sein könnte, zumindest in Hinblick auf den Organisator der Judenvernichtung im Reichssicherheitshauptamt, Adolf Eichmann, hatte vor einiger Zeit die Publizistin Bettina Stangneth nahegelegt, die dem von Eichmann selbstgeschaffenen, marmornen Mythos, nur ein Rädchen im Getriebe des Holocaust gewesen zu sein, zum Bröckeln brachte. Eichmann war eben viel mehr, nämlich “Ideengeber, Praxisfinder, Innovator, und zwar von Anfang an” und damit Urheber von “Terror, Erpressung, Beraubung, Haft, Folter”.

Hannah Arendt sei, so Stangneth weiter, auf eine Show hereingefallen, die Eichmann als Bestandteil seiner Verteidigungsstrategie vor Gericht in Jerusalem inszeniert habe. Freilich habe Arendt, so die Verfasserin der Studie “Eichmann vor Jerusalem”, auch gar nicht die Möglichkeit gehabt, Eichmanns Manipulationen zu durchschauen, da ihr die Dokumente, die sie eines besseren hätten belehren können, gar nicht bekannt waren.

Das alles konnte man schon vor einiger Zeit lesen. Neu ist, dass ich vor kurzem auf ein Buch des Ideenhistorikers Isaiah Berlin gestossen bin, das ich bis dato noch nicht kannte. Das Buch “Conversations with Isaiah Berlin”, die dieser mit Ramin Jahanbegloo geführt hatte, war Anfang der Neunziger Jahre erstmals erschienen und ist ungemein spannend. Und das gilt ganz besonders für Berlins Einschätzung von Hannah Arendt.

Zu meiner eigenen Überraschung hielt Berlin nichts, aber auch gar nichts von der Arendt, nicht einen einzigen vernünftigen Gedanken konnte er ihr abringen. Eine masslos überschätzte Person sei sie gewesen und auch Gershon Sholem habe ihm im persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass kein vernünftiger Mensch etwas von Hannah Arendt halte!

Berlin missfiel an Hannah Harendt unter anderem ebenjene Rede von der Banalität des Bösen, da die Nazis, so Berlin, ganz einfach nicht banal gewesen seien – im Gegenteil. Eichmann selbst habe gesagt, dass die Judenvernichtung im Zentrum seiner Existenz stehe (”It was, he admitted, at the center of his being”).

Das heisst aber auch, dass Berlin vor nunmehr zwanzig Jahren zu einer Einschätzung gekommen ist, die wir erste heute, nach Erschliesssung der sog. “Argentinien-Papiere“, in ihrer ganzen Tragweite verstehen können. Und es heisst ebenfalls, dass Isaiah Berlin ein über alle Massen weitsichtiger Philosoph war, wie es ihn nur selten gibt.


Nachtrag 04.09.2014

Die “New York Times” berichtet ebenfalls über das Buch von B. Stangneth, das jetzt auf Englisch erhältlich ist.

Nachtrag 18.09.2018

Alan Dershowitz plädiert dafür, die Formulierung von der “Banalität des Bösen” in Bezug auf Eichmann und den Holocaust ein für allemal zu streichen.

Handlanger

Dass Handlanger des iranischen Mullahregimes auch in Syrien ihr Unwesen treiben, dafür hatte es schon manche Anzeichen gegeben. Nun wurde bekannt, dass offenbar einige hundert Mitglieder der iranischen Pasdaran ergriffen wurden, die das Regime zur Niederschlagung des Aufstands eingesetzt hat.

Nach Augenzeugenangaben handelt es sich um Mitglieder der berüchtigten Quds-Brigaden, wie an ihrer Kleidung zu erkennen ist. Andere sollen als Scharfschützen auf den Dächern Demonstranten erschossen haben – und zwar allein in Daraa mindestens hundert an der Zahl. Dieselben Quellen wollen wissen, dass sich das Asad-Regime auch der Dienste von Paramilitärs der libanesischen Hisbollah bedient.

Bitte eine militärische Drohkulisse (ohne Gewalt)!

Wenn die Welt wieder einmal im Chaos versinkt, ist man für jeden Vordenker dankbar, der dem Medusenblick des Unwägbaren standzuhalten und mit einer Moral hart wie Beton den Weg zu zeigen weiss.

Darum hat jetzt der Jürgen Todenhöfer, Fachmann für militärische Konflikte, interkulturellen Dialog und menschliche Herzenswärme, aufgedeckt: Die meisten Libyer sind gar keine extremistischen Islamisten, “sondern liebenswerte, aufgeschlossene und großzügige Frauen und Männer.” Weil das im Westen noch keiner wusste, läuft wieder einmal alles aus dem Ruder.

Todenhöfer, der in Libyen “über zweieinhalb Stunden […] flächendeckend mit Raketen und Granaten bombardiert” worden war, bevor er mit letzter Kraft seine Erlebnisse für die FAZ zu Papier bringen konnte, weiss genau, was die internationale Gemeinschaft, die sich überall einmischen muss, zu tun hat: Sich einmischen, und zwar am besten so:

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen muss sich sofort nach Benghasi begeben, um Gespräche mit der Führung des Volksaufstandes zu führen. Er sollte anschließend auch nach Tripolis reisen. Ziel müssen eine strikte Durchsetzung des Waffenstillstands und die Einleitung eines demokratischen Prozesses ähnlich dem in Ägypten und Tunesien sein.

Ein Szenario, so knackig wie ein Radieschen. Auch an den Fall, dass Gaddafi keine Lust haben könnte mitzuspielen, hat Jürgen gedacht:

Zum Schutz der Zivilbevölkerung sollte die UN unverzüglich Blauhelme als Friedenstruppen nach Benghasi und Tobruk schicken. Wenn die UN nicht genügend Freiwillige findet, könnten sich all jene als menschliche Schutzschilder melden, die sich schon für mutig halten, nur weil sie die Bombardierung Libyens gefordert haben. Parallel dazu sollte eine effektive militärische Drohkulisse aufgebaut werden. Im Auftrag der UN könnten Kriegsschiffe in die Häfen von Benghasi und Tobruk einlaufen. Sie sollten operativ unter arabisch-muslimischer Führung stehen.

“Militärische Drohkulisse” ist dabei ganz wörtlich zu nehmen: Mehr als eine Pappkulisse darf es nicht sein, die Todenhöfer da von “arabisch-muslimischen” Strohmännern herankarren lassen will, sonst ist wieder ein öliges Buch wider die menschliche Grausamkeit fällig. Soweit muss es aber gar nicht erst kommen: Alles wird gut, solange die Akteure nur nach Jürgens Pfeife tanzen.

Bleibt zu hoffen, dass alle auch mitlesen. Sonst wird es wieder nichts mit dem Weltfrieden.

Die “Taz” entdeckt die schwarze Pädagogik

Neues aus der Serie “Unerträglicher als Sarrazin sind nur seine Gegner“. Am Wochenende las man in der “Taz”:

Zu dieser “kulturell bedingten” Mentalität gehöre, dass muslimische Jungen am liebsten unter sich blieben, Frauen jeden Respekt verweigerten und ihre Lehrer gern als “Hurensöhne” titulierten.

Als Beweis zitiert Sarrazin den arabischstämmigen Berlin-Neuköllner Sozialarbeiter Fadi Saad: “Mit Kuschelpädagogik kommt man bei diesen abgebrühten Jungs nicht weiter”, sagt Saad, selbst ehemaliges Gang-Mitglied. Gleichzeitig berichtet dieser noch, dass es in Schulen im Libanon üblich sei, saubere Fingernägel vorzuzeigen – und völlig undenkbar, den Lehrer als “Hurensohn” zu begrüßen.

Offenbar gibt es doch keine Mentalität, die aus der Herkunftskultur importiert wird – sonst wäre das Verhalten der muslimischen Jugendlichen in Berlin und im Libanon ja nicht so unterschiedlich.

Einmal abgesehen davon, dass die Darstellung Sarrazins nicht eben widerlegt wird, ist bemerkenswert, dass die Generation Kinderladen autoritäre Erziehungsmethoden wie zu Kaisers Zeiten bewundert, wenn es darum geht, die Existenz probematischer Sozialisationsmuster zu verdrängen.

Erotisis, apantisis

Griechische Fragen stellt Hannes Stein auf der “Achse des Guten”. Ein paar Gedanken von mir im folgenden.

War es richtig oder falsch, dass das demokratische Großbritannien sich 1940 mit Ioannis Metaxas gegen Mussolini und Hitler verbündete?

Metaxas und der griechische König Georg hatten zwar schon 1936 verkündet, dass sie im Falle eines Konfliktes auf britischer Seite stünden, doch weder blieb dem britischen Foreign Office Metaxas’ Avancen den Deutschen gegenüber verborgen, noch billigte man seine faschistischen Anwandlungen. Auf britischer Seite jedoch sah man keine Alternative zur Diktatur, nahm dies aber hin, solange Metaxas nur Premierminister von des Königs Gnaden war und man sich der Loyalität des griechischen Königs sicher zu sein können glaubte.

Georg II. schien anfangs offen für eine britische Kritik an der repressiven Politik Metaxas’, stellte sich dann jedoch entschlossen auf dessen Seite: Da Griechenland kein westliches Land und die Griechen Orientalen seien[1], würde jeder gemässigte Kurs nur als Schwäche verstanden. Gegenüber dem Präsidenten des British Council, Lord Lloyd, machte der König deutlich, dass er Metaxas für den einzigen halte, dem er die Führung des Landes zutraue.

Grossbritannien war bereit, Griechenland vor einem italienischen Vordringen zu unterstützen, vermied es jedoch, eine Garantieerklärung abzugeben, was von italienischer Seite als Provokation hätte verstanden werden können. Im Foreign Office fürchtete man offenbar die Gefahr eines Landkriegs. Das faschistische Italien sollte besiegt, Griechenland aber nicht um jeden Preis gehalten werden. Sowohl gegenüber Griechenland als auch gegenüber Rumänien liess sich Grossbritannien daher nicht zu mehr als einer vagen Absichtserklärung hinreissen, im Falle eines Angriffs Unterstützung zu leisten.

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Truman-Statue, Athen

Das britische Verhalten lässt sich durchaus rechtfertigen, zumal es, wenngleich zaghafte, Versuche gab, die Faschisierung der griechischen Gesellschaft[2] aufzuhalten. Allein, es war nicht der richtige Zeitpunkt für einen Kurswechsel: Fortgesetzte Provokationen von italienischer Seite, darunter die Torpedierung des griechischen Kreuzers “Elli”, führten dazu, dass die griechische Bevölkerung sich mit Metaxas solidarisierte.

Mussolini versuchte zwar, Griechenland zu beschwichtigen. Nur zwei Monate nach der Attacke auf die “Elli” liess er jedoch durch seinen Botschafter Grazzi dem griechischen Premier Metaxas ein Ultimatum aushändigen, Italien zu dessen Sicherheit einige Stützpunkte auf griechischem Territorium zu überlassen. Metaxas’ Nein (”Ochi”) geht in die Geschichte ein.

Wenn man Grossbritannien etwas vorwerfen kann (rückblickend lässt sich das natürlich immer leicht sagen), dann die Tatsache, dass es nicht entschlossen genug Griechenland unterstützt hat: Das italienische Vordringen bildete nämlich nur den Auftakt zur Besetzungdes Landes durch Nazideutschland (das Metaxas nicht mehr miterlebte, da er kurz zuvor verstarb). Dessen Herrschaft kostete 86% der griechischen Juden das Leben, davon 54.000 Juden aus Thessaloniki. Die Bevölkerungszahl vor der Nazizeit betrug 77.377, danach 10.226.

Weiter wird gefragt:

Was ist der Unterschied zwischen der Unterstützung für Metaxas und der Unterstützung (zumindest Duldung, Billigung) der griechischen Junta durch die Amerikaner zwischen 1967 und 1974, für die Bill Clinton später um Entschuldigung bat?

Man könnte argumentieren, dass zur Zeit der griechischen Junta Griechenlands Souveränität nicht bedroht war. Dass der Junta-Chef Papadopoulos mit dem CIA in Verbindung stand, dürfte allerdings nur die halbe Wahrheit für die Toleranzpolitik der USA gegenüber dem Regime sein. Auch das Nachwirken der Truman-Doktrin hat sicherlich eine Rolle gespielt.

Die Unterstützung für die Junta lässt sich jedoch weitaus geringer rechtfertigen als die für Metaxas. Eine kommunistische Übernahme hätte jedenfalls kaum einen neuen Holocaust zur Folge gehabt. Hinzu kommt, dass die griechische Junta mit ihrer Zypernpolitik eine türkische Invasion geradezu provoziert hatte: So liess sie durch die EOKA-B, eine faschistische Miliz, einen Anschlag auf den griechisch-zypriotischen Ministerpräsidenten Makarios verüben und versuchte dann, den Kopf der EOKA-B, Nikos Sampson, an dessen Stelle zu setzen. Auch Anschläge auf türkisch-zypriotische Zivilisten konnte die Türkei nicht hinnehmen. Es kam zur Invasion.

Wie gross die Unterstützung der USA für die Junta war, lässt sich schwer sagen. Der ehemalige, durchaus graecophile US-Botschafter in Athen, John Brady Kiesling, der wegen der Kritik an der Irakpolitik seines Landes zurücktrat, hielt die Unterstützung, soweit ich mich erinnere (Quelle gerade nicht zur Hand), wohl für eher gering. Es scheint sich im wesentlichen um einen Austausch geheimdienstlicher Informationen gehandelt zu haben. Der heutige griechische Antiamerikanismus ist jedenfalls älteren Ursprungs.

Welche Lehren lassen sich daraus für Afghanistan ziehen? Wenn die Wahl zwischen einer Militärdiktatur und einem Taliban-Staat besteht, dann spielt man beide gegeneinander aus und setzt sich in die Position des lachenden Dritten. So ähnlich hat ein anderer grosser Grieche schon einmal einen verwickelten Knoten gelöst.

Das Bild zeigt die Truman-Statue in Athen. Foto: Michael Kreutz.

 

  1. Sic! Auch das britische Foreign Office sah das so, vgl. Dan Diner, Zweierlei Osten. Europa zwischen Westen, Byzanz und Islam, in: Otto Kallscheuer, Hg., Das Europa der Religionen. Ein Kontinent zwischen Säkularisierung und Fundamentalismus, Frankfurt a.M. 1996, S. 97–113.
  2. Rafailidis in seinem Buch Ιστορία (κωμικοτραγική) του νεοελληνικού κράτους, Athen 1993, S. 138, spricht davon, dass Metaxas Mussolini und Hitler nachgeahmt habe. Konzentrationslager jedenfalls gab es unter Metaxas keine.

 

[Aus dem Archiv.]

Last Exit Hellas

Wenn es um Statistiken innerhalb der EU geht, steht Griechenland im Ländervergleich bei den unterschiedlichsten Themen häufig ganz oben oder ganz unten auf der Liste, geht es um Alkoholkonsum oder Frendenfeindlichkeit.

Auch das Thema Asyl ist so ein Fall. Nicht mehr als einem Prozent der Asylgesuche wird in Griechenland stattgegeben. Im ganzen vergangenen Jahr waren das gerade einmal 210 Anträge. Das Land bildet damit das Schlusslicht in Europa. (Soviel zur hellenischen Solidarität mit den Unterdrückten und Verfolgten.)

Zugleich kehren infolge der Finanzkrise und dem Verlust von Arbeitsplätzen immer mehr Gastarbeiter Griechenland den Rücken. Betroffen sind hier vor allem Albaner und Bulgaren, und zwar aus allen Berufen, Männer ebenso wie Frauen. Aber das ist noch nicht alles.

Denn auch immer mehr Griechen verlassen ihr Land oder spielen mit dem Gedanken, es zu tun. Grund ist auch hier die Sorge um den Arbeitsplatz und verbesserte Möglichkeiten im europäischen Ausland oder den USA. Man höre und staune: Mittlerweile geben neun von zehn Griechen an, bereit zur Auswanderung zu sein!

Der letzte macht das Licht aus – wenn es Griechenland nicht gelingt, einen drastischen Kurswechsel hin zu Marktwirtschaft, Wohlstand und Einwanderung zu vollziehen.

Volksaufstand im Iran (2)

Frische Links zu den aktuellen Ereignissen, Folge 2.

Das Imperium prügelt zurück. Die Büttel des Regimes werden aggressiver (New York Times). Damit hat die Welt nicht gerechnet, so Omid Memarian auf Rooz Online (Pers.).

Was tun? ”Obama may want to engage Iran’s current leadership, but he should throw them no lifeline. It is the Iranian people who matter most”, sagt Michael Rubin from Middle East Forum.

Expertenrunde. Iran’s ‘Election’: What Happened? What Does It Mean? Mehdi Khalaji, Mohsen Sazegara, Patrick Clawson, and Michael Singh at Washington Institute.

Geburtsfehler des Gottesstaates. “This is a crisis over a deep-seated ideological structure inherited from the Iranian Revolution” schreibt Ramin Jahanbegloo im Indian Express.

Hilferuf aus dem Iran. “Die Iranerinnen und Iraner, die 30 Jahre lang unterdrückt wurden, sind am Ende ihrer Geduld angelangt. Sie füllen die Straßen und zeigen der ganzen Welt, was sie wirklich von ihrem Regime denken. Die Menschen wollen es nicht mehr” (EMMA).

Die Grüne Revolution. Bilder auf Flickr.

Unbelehrbar. Eine deutsch-persische Islamwissenschaftlerin findet, dass der Iran keine Diktatur sei (DeutschlandRadio). Khamenei sieht in seiner Freitagspredigt die Theokratie siegen (was sonst?) (BBC auf Persisch, Press TV mit engl. Übersetzung, engl. Transkript bei PasteBay).

Menschenrechte. Ayatollah Khameneis Rede dient nur dazu, Polizeigewalt gegen Demonstranten zu rechtfertigen, warnen Amnesty und der Journalist Nourizadeh.

http://www.youtube.com/v/5z6iGvsjRWw&color1=0xb1b1b1&color2=0xcfcfcf&hl=en&feature=player_embedded&fs=1 Eigenes Fenster

Iran Election Word Cloud. Schmankerl des Tages (Neoformix).

Volksaufstand im Iran

Aktuelle Nachrichten aus dem Iran.

Ebrahim Yazdi. Angehörige Yazdis, der vom Krankenbett hinweg verschleppt wurde, berichten auf CNN.

Musavi in Gefahr. Bassidj drohen mit Rache: IranPressNews (Pers.).

Bassidj. Khameneis Prügler verhüllen mittlerweile ihre Gesichter aus Angst vor Rache: niacINsight. Eine Webseite versucht, einzelne Bassidji zu identifizieren.

Solidarität. Professoren der Fakultät für Chemie an der Sharif-Universität in Teheran treten zurück: IranPressNews (Pers.).

Brutalität. Bilder eines gefolterten Demonstranten bei Demotix.

Ahmadi-Nejads Vergangenheit. Österreichische Behörden haben Indizien, dass Ahmadi-Nejad an der Ermordung von drei Kurden in Wien beteiligt gewesen sein könnte. Der Sicherheitssprecher der österreichischen Grünen, Peter Pilz, fordert, dass Ermittlungen nun dringend aufgenommen werden müssten: Kurier.

Irans weibliche Revolution. Dana Goldstein berichtet über die Rolle der Frauen bei den Ereignissen im Iran: The Daily Beast.

Google-Logo. Vorschlag zu den Ereignissen im Iran bei IranPressNews.

Proteste in Isfahan. Deutlich zu hören ist, wie die Menge am Ende des Films laut marg bar diktator skandiert – “Tod dem Diktator”!

http://www.youtube.com/v/YXNhl3Z3a8M&hl=de&fs=1& Eigenes Fenster

Ein islamisch programmierter UN-Menschenrechtsrat?

[Aus dem Archiv.]

By Nasrin Amirsedghi (Gastautorin) · August 22, 2008

Warum die Durban-Folgekonferenz der UN boykottiert werden muss.

1990 legte die „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“, verabschiedet durch die Organisation der Islamischen Konferenz, die Scharia als alleinige Grundlage von „Menschenrechten“ fest. Die dritte Antirassismus-Weltkonferenz der UN, die im September 2001 im südafrikanischen Durban stattfand, verstärkte den Trend: Aus diesen Konferenzen resultierte ein fataler Tribunal-Effekt gegen jede Demokratie, uneingeschränkte persönliche Freiheit, Meinungsfreiheit, Freiheit der Presse, der Künste und allgemein gegen die Menschenrechte. Alle bisherigen Menschenrechtskonventionen wurden in Kairo und Durban völlig auf den Kopf gestellt und Rassismus neu definiert. Auf der Durban-Konferenz sind wir auch noch belehrt worden, dass Israel nicht nur ein Apartheidstaat, sondern sogar die Reinkarnation des Nationalsozialismus sei, obwohl auf dem Konferenzgelände Adolf Hitlers Machwerk „Mein Kampf“ verkauft wurde: Ironie des Schicksals – und ein Alptraum.

Seitdem versammeln sich vielerlei Diktatoren, Rassisten, Fundamentalisten und Fanatiker der Welt in Genf und geben tüchtig Erklärungen für die Heilung der Welt und deren Untertanen ab. Die Deklarationen folgen dem Menschenrechtsverständnis der Ratsmitglieder aus kommunistischen und islamischen Staaten, der Doktrin des islamischen Rechts und der Scharia, wonach es keine Gleichberechtigung von Männern und Frauen, kein Recht auf freie Wahl der Religion oder des Ehepartners gibt. Unglaublich, aber wahr. Viele NGO-Mitglieder stimmten dem jubelnd zu! – so wird die Menschenrechtserklärung im Namen der Menschenrechte entstellt und pervertiert.

Im Verlauf „einer diplomatischen Initiative zur Schaffung eines adäquaten UNO-Menschenrechtsrats“in Genf unter Federführung der Schweizer Bundesrätin Micheline Calmy-Rey sind seit März 2003 noch mehr verwirrende und paradoxe Entwicklungen weg vom ursprünglichen Sinn der Menschenrechte in der UN-Charta von 1948 zu beobachten. Micheline Calmy-Rey beauftragte vor fünf Jahren Wissenschaftler, nach Reformmöglichkeiten für die bisherige UN-Menschenrechtskommission zu suchen. Eine scheinbar gute Absicht, dennoch ist zu befürchten, dass die Menschenrechte bei der Nachfolgekonferenz im April 2009 ins tiefe Mittelalter zurücksinken werden.

Es ist interessant zu beobachten, daß gerade die Staaten, die das Durban-Event im Jahr 2001 veranstalteten, sich auch am 26. Juni 1945 bei der Abstimmung der allgemeinen Menschenrechtserklärung der Stimme enthalten haben. Es waren auch damals die Staaten des Ostblocks, die Sowjetunion, Saudi-Arabien und Südafrika. Und dank der „Islamischen Revolution“ im Jahr 1979 sind zu diesen Herrschaften auch noch iranische Mullahs hinzugekommen, die seit dreißig Jahren aus dem Iran ein Volksgefängnis machen und die feierlich den Holocaust leugnen und Israel von der Landkarte tilgen wollen.

Im Juni 2006 hat der Menschenrechtsrat mit 47 Mitgliedern, darunter die Schweiz, die UNO-Menschenrechtskommission ersetzt. Es sollte „eine bedeutende Etappe in der Geschichte der UNO und auch ein außenpolitischer Erfolg der Schweiz“ werden. Dort sollen „Menschenrechte gefördert und geschützt“ werden. 1 Der Rat soll „die Menschenrechtssituation aller Mitgliedsstaaten überprüfen und sie zur Einhaltung der Menschenrechte verpflichten“. „Wenn ein Mitglied schwerer und systematischer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt wird“2, soll es „suspendiert“ werden. Wie denn?

Mit großen Worten und unter der Obhut der ignoranten Schweizer Initiatoren sitzen und dominieren nun im Menschenrechtsrat Mitgliedsstaaten wie der Iran, Libyen, China, Saudi-Arabien, Russland etc. Länder, in denen es gar keine Freiheit gibt, geschweige denn demokratische Verhältnisse. Offensichtlich instrumentalisieren diese Despotenstaaten die westlichen Errungenschaften für ihre Intoleranz und Judenfeindschaft und gegen die Prinzipien von Demokratie und Freiheit.

Es ist die Aufgabe jedes Demokraten, sich dagegen zu wehren und sich für die Abschaffung des „UN-Menschenrechtsrates“ einzusetzen. Außerdem müssen wir konsequent eine alternative Konferenz gegen Rassismus im Allgemeinen und insbesondere gegen Antisemitismus fordern. Es müssen alle wesentlichen ethischen Fragen und die Etablierung von Konventionen zur Regelung der Grundrechte der universalistischen Gültigkeit der Menschenrechte unterworfen werden. Dort muss der Mensch als absolut freies Wesen und nicht aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einem bestimmten Glauben oder zu einer bestimmten Staatsideologie definiert sein.

Wir sollten viel aktiver daran arbeiten, uns Verbündete zu suchen und uns zu vernetzen. Denn nur auf Taten der Politikern/innen zu warten, ist Energie- und Zeitverschwendung. Die Uhr tickt und die Gefahren lauern überall: Nicht nur im Nahen Osten, sondern auch im Westen mit linkem und islamischem Fundamentalismus-Wahn gegen Freiheit und Menschlichkeit und andererseits mit wahnhaftem Ressentiment gegen Israel und Andersgläubige. Es wäre ein größter Wunsch, eine UN-Einrichtung etabliert zu sehen, die sich im Ernst mit der weltweiten Durchsetzung der Menschenrechte befasst und konsequent danach handelt.

Was zur Zeit im UNO-Menschenrechtsrat von blinden Westlern unterstützt wird, ist eine heimliche Identifikation mit den Aggressoren und bedeutet eine Gefahr für die Opfer, die in solchen aggressiven Ländern täglich wegen ihrer Freiheitsbestrebungen eliminiert werden: Jugendliche, Frauen, Intellektuelle, Journalisten/innen, Künstler/innen, Homo-Paare, Minderheiten und Andersgläubige. Es ist eine moralische Frage, die sich uns in all diesen ernsten Fällen stellt. Es ist unsere Pflicht gegenüber diesen Opfern, dagegen etwas tun.

Deshalb appellieren wir die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union – insbesondere Deutschland, die „Durban 2“-Konferenz zu boykottieren. Unterschreiben Sie den Aufruf, der sich in deutscher und englischer Sprache im Internet findet unter http://boycottdurban2.wordpress.com.

+++Nachtrag, 25.08.2008+++

Der Beitrag ist bei Telos Press jetzt auch auf Englisch erschienen.

  1. ibd. Webseite des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten [back]
  2. ibd. [back]

Diktator wider Willen

Michael Kreutz · October 21, 2007

Was ich immer so herzig an der ganzen linken Denke finde, ist die Eigenart ihrer Verfechter, dass der ganze Murks, den sie hervorbringen, sie so selten zum Umdenken bewegt. Um das eigene verkorkste Weltbild aufrechterhalten und die Angst vor der Freiheit weiterhin vor sich selbst rechtfertigen zu können, werden die Ausgeburten von Sozialismus und Kollektivismus dann gerne der Marktwirtschaft oder stellvertretend den USA angehängt, die, solchermassen stigmatisiert, dann wieder als Argument benutzt werden, um den Sozialismus umso entschiedener fordern zu können.

Eine, die diese Agitation besonders gut beherrscht, ist die Globalisierungsgegnerin Naomi Klein, die im Interview mit der FAS den Nonsens zum besten geben darf, dass Privatisierung selbst dann schlecht ist, wenn es den Menschen hinterher besser geht (”Darum geht es mir gar nicht. Ich will nur zeigen, dass beispielsweise die Bevölkerung in Sri Lanka überhaupt nicht nach ihrer Meinung gefragt wurde.”) Frau Klein, die auch an ein Oxymoron namens “demokratischer Sozialismus” glaubt, möchte den Menschen weismachen, dass der Markt nicht sie selber sind, sondern etwas ihnen fremdes und bedrohliches ist, vor dem der Staat sie schützen muss. So wie das in Venezuela und Bolivien der Fall ist.

Friedrich August von Hayek schrieb vor mehr als fünfzig Jahren “Der Wunsch der Menschen, daß ihnen die bittere Wahl, vor welche die rauhe Wirklichkeit sie oft stellt, erspart bleiben möge, ist durchaus nicht erstaunlich. Aber wenige wollen auf die Weise von ihr befreit werden, daß andere ihnen die Wahl abnehmen.” Soll heissen: Zwangswirtschaft bedeutet immer Diktatur und niemals Demokratie. Frau Klein aber streitet den zunehmend diktatorischen Charakter eines Hugo Chávez gar nicht ab, sondern hat auch dafür eine Erklärung parat, die zu ihrem Weltbild passt: Schuld sind die USA.

Ich sehe Chávez durchaus mit gemischten Gefühlen, und wäre mein Buch früher erschienen, hätte ich sicher mehr Kritik geübt. Aber man sollte schon auch erwähnen, dass Chávez seine heutige Machtfülle in erster Linie dem von den Vereinigten Staaten unterstützten Putschversuch gegen ihn im Jahr 2000 verdankt. Seine diktatorischen Ambitionen hängen zweifelsohne mit diesen Ereignissen zusammen.

Ein Diktator wider Willen also, der nichts dafür kann, dass er so ist. Ungeachtet dessen hält Frau Klein Venezuela für dennoch freier als die USA, deren Demokratie sie “in höchstem Masse gefährdet” glaubt. Und das, obwohl sie den von ihr so gescholtenen Neokonservatismus bereits am Ende sieht und schon darüber spekuliert, was wohl danach kommen mag. Selten habe ich ein Interview gelesen, dass so voller Widersprüche ist.
Ihr neues Buch wird bestimmt ein Renner. “

Je grösser der Stiefel, desto höher der Absatz” – diese Erfahrung hatte schon Karl Kraus gemacht.

[Aus dem Archiv.]

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