Handlanger

Dass Handlanger des iranischen Mullahregimes auch in Syrien ihr Unwesen treiben, dafür hatte es schon manche Anzeichen gegeben. Nun wurde bekannt, dass offenbar einige hundert Mitglieder der iranischen Pasdaran ergriffen wurden, die das Regime zur Niederschlagung des Aufstands eingesetzt hat.

Nach Augenzeugenangaben handelt es sich um Mitglieder der berüchtigten Quds-Brigaden, wie an ihrer Kleidung zu erkennen ist. Andere sollen als Scharfschützen auf den Dächern Demonstranten erschossen haben – und zwar allein in Daraa mindestens hundert an der Zahl. Dieselben Quellen wollen wissen, dass sich das Asad-Regime auch der Dienste von Paramilitärs der libanesischen Hisbollah bedient.

Ahmadinejad und der Feminismus

Wenn Ahmadinejad sich zum Thema Feminismus äussert, ahnt man schon, was kommt. Auch dieses Mal ist das Ergebnis mindestens pythonesk. Feminismus ist nämlich nicht etwa unislamisch, ganz im Gegenteil. Der Feminismus ist nur leider korrumpiert. Und zwar durch die Zionisten.

Denn, so Ahmadinejad weiter, der Feminismus sollte doch eigentlich der Aufschrei der vom Kapitalismus unterdrückten Frau sein. Deren Aufgabe wiederum ist es, die Werte des Islam in der Gesellschaft zu verbreiten, wozu gehört, dass die Wirtschaft dem Menschen und der Gesellschaft zu Diensten zu sein hat. Zu dumm, dass die Zionisten dieser schönen Idee wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. (Wie das? – Fragen Sie besser nicht.)

Ahmadinejads eigene Frau zeigt schon einmal wacker Haltung im ideologischen Kampf gegen eine von Zionisten beherrschte Welt. Der letzte Schrei der theokratischen Revolutionsmode ist der schwarzgewandete Aufschrei gegen den Kapitalismus, sozusagen.

Die Christianisierung der Arabischen Welt

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Viele Muslime, kritisiert Nivin, laden Andersgläubige gerne dazu ein, sich über den Islam zu informieren, ohne selbst jemals auf den Gedanken zu kommen, sich mit dem Christentum oder anderen Religionen vertraut zu machen. Nivin weiss, wovon sie spricht. Sie selbst ist vor drei Jahren vom Islam zum Christentum konvertiert.

Nachdem sie zuerst mit dem Judentum angebändelt hatte, gehört sie jetzt als Mitglied der Unitarischen Kirche zu einer Minderheit in der Minderheit. In Jordanien, wo sie übergetreten ist, kenne sie viele Muslime, die zum Christentum konvertiert seien. Man trifft sich dort in vertrauter Runde, um zu beraten, wie man sein „Coming Out“ am besten durchführt. Wie in schwulen Selbsthilfegruppen, scherzt Nivin.

Die jordanischen Behörden raten den Konvertiten zu entsprechender Diskretion – aus eigenem Interesse. Deshalb, so Nivin, hört man in arabischen Ländern so häufig von Konversionen zum Islam, nicht aber vom Islam zu anderen Religionen. Ihrer eigenen Einschätzung nach gibt es jedoch mindestens ebensoviele, die vom Islam zum Christentum wechseln wie umgekehrt.

Abbildung (c) 2010 Michael Kreutz

Aufpoliert

Was den Internetdienst Mideastwire.com von MEMRI unterscheidet, ist vor allem die Wahl der Quellen. Zentrales Kriterium ist der Publikationsort, nicht die Sprache. Im Klartext: Eine so wichtige iranische Exilantenzeitung wie die Londoner Kayhan findet in der Presseschau von Mideastwire.com keine Berücksichtigung.

Gerade im Falle nahöstlicher Diktaturen sind die inländischen Medien jedoch alle mehr oder weniger regimetreu, die wichtigsten Informationsquellen stammen von ausserhalb des Landes. Wes Geistes Kind Mideastwire.com ist, sollte damit schon hinreichend deutlich geworden sein. Jetzt hat der in Beirut ansässige Dienst noch eins draufgesetzt:

Few Arabic-language study programmes include visits with Hamas and Hizbollah officials as part of their curriculum. But at Damascus Exchange, a two-week course, access to such people is what students sign up for.

“Getting a chance to talk with Hamas was an amazing opportunity,” said Mert Karakus, a 22-year-old student from Turkey and one of 11 participants in this summer’s programme in Damascus, which is run by Mideastwire.com, a Beirut news translation service. (…)

Candid discussions with political figures were also important to Mr Karakus, who studies political economy in the US at Bates College in Maine.

“Hamas is a radical organisation that I hear about in the news,” he said. “But in the news you have a very negative image; the human element is lost. Hearing their stories, their concerns, seeing how they think, how they analyse, how they approach the situation, was what was important for me.”

Eine neue Generation von Nahostexperten begibt sich in die Startlöcher.

[Aus dem Archiv,]

Sind Hamas und Hisbollah antisemitisch?

Sind Hamas und Hisbollah antisemitisch? Die Gender-Expertin Judith Butler weiss es nicht so genau. Dafür ist sie sich sicher: Bei beiden handelt es sich um progressive Bewegungen. Zumindest aus einer sehr verqueeren Perspektive.

Ich verstehe, dass es in Deutschland schwer ist, zwischen einer Kritik beispielsweise der israelischen Besatzung und Antisemitismus zu unterscheiden. Wenn Hamas und Hizbollah antisemitische Positionen vertreten, dann sind sie unbedingt abzulehnen. Doch man muss genau analysieren, ob in der Kritik Israels Antisemitismus im Spiel ist oder nicht. (…) Der einzige Grund, warum ich glaube, dass, deskriptiv gesehen, diese Gruppen unter die Kategorie »links« gehören, ist, weil sie gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfen.

Deskriptiv gesehen handelt es sich bei diesem verschwurbelten Käse um völkisches Denken in progressiver Uniform: Die Freiheit der Völker geht über die Freiheit des Individuums. Auch fragt sich, welchen Planeten Frau Butler eigentlich ihr Zuhause nennt, wenn sie den Traum der Hamas und Hisbollah von einer Welt ohne Israel als Kritik am jüdischen Staat deutet.

Aber weil das natürlich wieder alles aus dem Kontext gerissen ist, legt Frau Butler nach:

Ich habe mich auch gefragt, ob die Verwendung meiner gekürzten Bemerkungen über Hamas und Hizbollah nicht selbst eine Art antisemitischer Angriff war. Ich spüre in der Tat wieder meine Verletzbarkeit als Jüdin in Deutschland, wenn ich auf diese Art und Weise in den Medien diskreditiert werde. Es wäre mindestens paradox, wenn ich als queere Jüdin mich für Hizbollah und Hamas aussprechen würde, wie das in der Taz nahegelegt worden ist. Ihre Taktik, in der meine Aussagen verzerrt worden sind, hat mein Jüdin-Sein negiert und mich als eine selbsthassende Jüdin dargestellt, und in diesem Sinne wurde mir Gewalt angetan.

So findet die intellektuelle Zerrüttung ihre letzte Bestimmung in der Weinerlichkeit.

Göttliches Versprechen

Ahmadinejad’s neue Tiraden gegen Israel: Alles richtig übersetzt? Ein Schlüsselsatz aus der Rede Ahmadinejads während seines Besuchs in Damaskus handelt wieder einmal von der Auslöschung Israels. Bei der Jerusalem Post liest sich das so:

He said that “if the Zionist regime wants to repeat its past mistakes, this will constitute its demise and annihilation.”

In der Formulierung von YNET lautet der Satz ähnlich:

“If the Zionists want to repeat their mistake again, they must be uprooted from the source”

Letztere ist die bessere Übersetzung, aber beide treffen den Sinn. Im Original[1] lautet der inkriminierte Satz:

اگر رژيم صهيونيستي اشتباهات گذشته خود را تكرار كند و دست به ماجراجويي هاي جديد بزند بايد به كلي ريشه كن شود

agar rejime-e sehyunisti eshtebahat-e gozashte-ye khod ra tekrar konad ve-dast be majarajuiha-ye jadid bezanad bayad be kolli rishe-kan shavad.

Wörtlich: “Wenn das zionistische Regime seine vergangenen Fehler wiederholen und sich an neue Abenteuer machen sollte, dann muss es mit Stumpf und Stiel ausgerottet (be kolli rishe-kan) werden.”

Das ist eine bedingte Vernichtungsdrohung, aber immerhin. Der messianische Charakter von Ahmadinejads Weltbild zeigt sich deutlich in einer weiteren Äusserung:

وعده الهي نابودي رژيم جعلي و جنايتكار صهيونيستي است و پيروزي بزرگ نزديك است

wa’de-ye elahi nabudi-ye rejime-e ja’li ve-jenayatkar-e sehyunisti ast ve-piruzi-ye bozorg nazdik ast.

Wörtlich: “Die Vernichtung (nabudi) des verbrecherischen zionistischen Pseudo-Regimes ist ein göttliches Versprechen und der grosse Sieg (piruzi-ye bozorg) ist nah.”

Das persische nabudi kann “Nicht-Existenz” ebenso wie “Vernichtung” bedeuten. Hier ist allerdings nicht von einem nicht-existierenden Israel die Rede, sondern von einem, das vom Zustand der Existenz in den der Nicht-Existenz befördert, mit anderen Worten: vernichtet werden soll, sodass nabudi mit Vernichtung übersetzt werden muss.

Und noch eine von Ahmadinejad in Damaskus getätigte Äusserung[2]:

البته خاورميانه جديدي در راه است خاورميانه‌اي که در آن صهيونيست‌ها و مستکبران جايي ندارند

albatte khawaremiyane-ye jadidi dar rah ast, khawaremiyane-i ke dar an sehyunistha ve-mostakberan jai nadarand.

Wörtlich: “Natürlich ist ein neuer Naher Osten auf dem Weg, ein Naher Osten, in dem Zionisten und Hochmütige keinen Platz haben (jai nadarand).”

Es wird einige sebsternannte Nahostxperten wieder erhebliche Mühen, Spitzfindigkeiten und jede Menge pseudophilologischer Luftnummern kosten, um diese Äusserungen wegzuanalysieren.

  1. http://president.ir/fa/?ArtID=20464
  2. http://president.ir/fa/?ArtID=20457

Volksaufstand im Iran (2)

Frische Links zu den aktuellen Ereignissen, Folge 2.

Das Imperium prügelt zurück. Die Büttel des Regimes werden aggressiver (New York Times). Damit hat die Welt nicht gerechnet, so Omid Memarian auf Rooz Online (Pers.).

Was tun? ”Obama may want to engage Iran’s current leadership, but he should throw them no lifeline. It is the Iranian people who matter most”, sagt Michael Rubin from Middle East Forum.

Expertenrunde. Iran’s ‘Election’: What Happened? What Does It Mean? Mehdi Khalaji, Mohsen Sazegara, Patrick Clawson, and Michael Singh at Washington Institute.

Geburtsfehler des Gottesstaates. “This is a crisis over a deep-seated ideological structure inherited from the Iranian Revolution” schreibt Ramin Jahanbegloo im Indian Express.

Hilferuf aus dem Iran. “Die Iranerinnen und Iraner, die 30 Jahre lang unterdrückt wurden, sind am Ende ihrer Geduld angelangt. Sie füllen die Straßen und zeigen der ganzen Welt, was sie wirklich von ihrem Regime denken. Die Menschen wollen es nicht mehr” (EMMA).

Die Grüne Revolution. Bilder auf Flickr.

Unbelehrbar. Eine deutsch-persische Islamwissenschaftlerin findet, dass der Iran keine Diktatur sei (DeutschlandRadio). Khamenei sieht in seiner Freitagspredigt die Theokratie siegen (was sonst?) (BBC auf Persisch, Press TV mit engl. Übersetzung, engl. Transkript bei PasteBay).

Menschenrechte. Ayatollah Khameneis Rede dient nur dazu, Polizeigewalt gegen Demonstranten zu rechtfertigen, warnen Amnesty und der Journalist Nourizadeh.

http://www.youtube.com/v/5z6iGvsjRWw&color1=0xb1b1b1&color2=0xcfcfcf&hl=en&feature=player_embedded&fs=1 Eigenes Fenster

Iran Election Word Cloud. Schmankerl des Tages (Neoformix).

Volksaufstand im Iran

Aktuelle Nachrichten aus dem Iran.

Ebrahim Yazdi. Angehörige Yazdis, der vom Krankenbett hinweg verschleppt wurde, berichten auf CNN.

Musavi in Gefahr. Bassidj drohen mit Rache: IranPressNews (Pers.).

Bassidj. Khameneis Prügler verhüllen mittlerweile ihre Gesichter aus Angst vor Rache: niacINsight. Eine Webseite versucht, einzelne Bassidji zu identifizieren.

Solidarität. Professoren der Fakultät für Chemie an der Sharif-Universität in Teheran treten zurück: IranPressNews (Pers.).

Brutalität. Bilder eines gefolterten Demonstranten bei Demotix.

Ahmadi-Nejads Vergangenheit. Österreichische Behörden haben Indizien, dass Ahmadi-Nejad an der Ermordung von drei Kurden in Wien beteiligt gewesen sein könnte. Der Sicherheitssprecher der österreichischen Grünen, Peter Pilz, fordert, dass Ermittlungen nun dringend aufgenommen werden müssten: Kurier.

Irans weibliche Revolution. Dana Goldstein berichtet über die Rolle der Frauen bei den Ereignissen im Iran: The Daily Beast.

Google-Logo. Vorschlag zu den Ereignissen im Iran bei IranPressNews.

Proteste in Isfahan. Deutlich zu hören ist, wie die Menge am Ende des Films laut marg bar diktator skandiert – “Tod dem Diktator”!

http://www.youtube.com/v/YXNhl3Z3a8M&hl=de&fs=1& Eigenes Fenster

Informant auf offener Strasse erschossen

Mittlerweile ist die Quelle bekannt, aus der die geheimgehaltenen tatsächlichen Wahlergebnisse stammen. Sein Name wird mit Mohmmad Askari angegeben und er soll im Innenministerium tätig gewesen sein.

Wie es heisst, wurde er jetzt auf offener Strasse von Pasdaran erschossen. Dazu demnächst mehr.

Mittlerweile greifen die Proteste im Iran auch auf andere Städte über. Hier Bilder aus Shiraz:

https://youtube.com/watch?v=XTLmTDH4RIM%26hl%3Dde%26fs%3D1

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