In Deutschland herrsche eine «repressive Atmosphäre» in Bezug auf die Ereignisse von 1915, liest man in einer Stellungnahme der türkischen Botschaft anlässlich der Entschliessung des deutschen Parlaments, in diesem Zusammenhang von einem Völkermord an den Armeniern zu sprechen.
Kategorie: Politik und Geschichte
Das Trauma der Kreuzzüge
Mitte des 19. Jahrhunderts machte sich in Syrien ein Mann an die Aufgabe, ein Buch des Franzosen Joseph-François Michaud ins Arabische zu übersetzen. Das Buch handelt von den Kreuzzügen und zwar auf eine sehr apologetische Weise. Der Übersetzer aber hatte ein Problem: Im 19. Jahrhundert gab es noch kein arabisches Wort für «Kreuzzüge» und so musste er eines erfinden. Also prägte er den Begriff «ḥarb aṣ-ṣalīb», wörtlich «Kreuzeskrieg».
Dschihad für den Kaiser
Ein Artikel in der «Welt» widmet sich den historischen Hintergründen des Romans «Grünmantel», dessen Protagonist im Mittelpunkt auch der «39 Stufen», eines Filmes von Alfred Hitchcock steht. Der Film wurde von Hitchcock unter dem Titel «Der unsichtbare Dritte» noch einmal neu verfilmt, jedenfalls sind der Stoff und selbst einige Szenen identisch, man denke hier nur an diejenige im Auktionssaal, wohin der Held sich zwischenzeitlich flüchtet, oder die Schlussszene, die in den «39 Stufen» auf einem Gebirgsplateau spielt, im «Unsichtbaren Dritten» auf dem Mt. Rushmore. Doch das nur am Rande.
Im Westen wundern sich wieder einige, wie es möglich sein kann, dass eine ultralinke mit einer rechtskonservativen Partei koaliert – als ob man nichtwestliche Länder mit den Wertvorstellungen des Westens begreifen könnte! Dabei ist Griechenland nicht nur kein Teil des Westens, sondern ein ausgesprochen anti-westliches Land, auch wenn es geographisch in Europa liegen und Mitglied von EU und NATO sein mag. ((Vasilios N. Makrides urteilt über Griechenland: «Its political and economical elites are pro-Western, but its history, culture, religion and tradition are essentially non-Western.” Aus: Encyclopedia of Greece and the Hellenic tradition / Ed. Graham Speake (2000), Lemma “Anti-westernism”.))
Noch ist es nicht zu spät!
Hier also unsere Buchempfehlungen für Weihnachten oder auch für danach. Vorläufig sollen hier (mit einer Ausnahme) nur Fach-/Sachbücher genannt werden. Wer über die eine oder andere Buchanschaffung vor Weihnachten nachdenkt (für sich selbst oder andere), dem sei auch dieses Jahr zugerufen: Noch ist es nicht zu spät!
Störrische Schotten
Der englische König Edward I. (1277-1307) war ein fortschrittlicher Staatsmann, der die Staatsbürokratie auf Vordermann brachte und unter dessen Herrschaft die Wirtschaft aufblühte. Den Engländern ist er vor allem als Eroberer von Wales 1284 ein Begriff, dem Beginn des späteren Königreichs Grossbritannien, und als Reformer des englischen Parlamentarismus hin zu mehr Repräsentation.
Anders bei den Schotten. Diese haben nicht vergessen, dass Edward ihr Land seiner Herrschaft mit allen Mitteln einverleiben wollte. Als jener mit seinem Vorhaben gescheitert war, eine Marionette auf dem schottischen Thron zu installieren, überzog er Schottland 1295 mit Krieg und verwüstete Edinburgh. Ein Mann – zwei Wahrnehmungen.
Jetzt stimmen die Schotten über ihr Ausscheiden aus Grossbritannien ab und einmal mehr zeigt sich, wie langlebig das kulturelle Gedächtnis sein kann. Mehr als 700 Jahre nach Edwards Expansionspolitik ist ein geeintes Grossbritannien – als Monarchie bilden Schottland und England erst seit 1707 eine Einheit – noch immer alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Mein Plädoyer zum Referendum? Sorry, not my cup of tea.
Aber soviel darf ich sagen: Ich würde es bedauern, wenn Grossbritannien zerfiele.
(Abb. Teil einer Skulptur vor dem Buckingham-Palast, 2010. Foto (c) Michael Kreutz.)
Dass die Hagia Sophia in Istanbul wieder zu einer Moschee gemacht werden soll, ist ein Gedanke, der in der türkischen Politik und Öffentlichkeit immer wieder einmal aufkommt. Die Frage nach ihrer Bestimmung geht im wesentlichen bis auf das Jahr 1919 zurück, als in Paris die Friedenskonferenz tagte. Ein Artikel des Turkologen Klaus Kreiser in der «SZ» bietet eine gute Gelegenheit, sich einmal anzuschauen, welche Debatte damals ihrer Umwandlung in ein Museum vorausging.
Dass diese Zustände kein Alleinstellungsmerkmal der arabischsprachigen Welt sind, zeigen die Memoiren des iranischen Klerikers Scheich Ebrahim Zanjani, der von ganz ähnlichen Missständen im Iran zu Beginn des 20. Jahrhunderts berichtet. In jedem Falle gilt: Angesichts einer Staatsmacht, die für nichts als Repression und Korruption steht, während der einzelne Bürger eine Gegenleistung bekäme, wird niemals auf Loyalität der Bevölkerung zählen können.
Häufig macht sich eine gewisse Hilflosigkeit breit, wenn es um die Ursachen von Gewalt geht, wie derzeit in Syrien zu beobachten. Viele Kommentatoren wissen sich dann keinen anderen Rat, als die Misere auf ein verunglücktes nation building, verschuldet durch koloniale Willkür, zurückzuführen. Eine ethnisch wie konfessionell heterogene Menschenmasse, so das gängige Narrativ (hier eines von vielen Beispielen), sei in einem von fremden Mächten und aus eigennütizgen Gründen zusammengezimmerten Staatsgebilde zusammengepfercht worden, dessen Fliehkräfte nur durch die eiserne Faust eines Diktators in Schach gehalten werden.
Man kann Friedrich Naumann sicherlich vieles vorwerfen (vor allem, dass er mehr Sozialdemokrat als Liberaler war), aber dass er eine antisemitische Schlagseite gehabt haben soll, dürfte eine kaum haltbare These sein.
