Bullerbü

Eine neue Chiffre erobert den politischen Diskurs: Bullerbü. Denn Berlin brauche mehr Bullerbü, findet die “Grünen”-Politikerin Bettina Jarasch. Wer von Bullerbü spricht, evoziert die Kinderbücher der schwedischen Autorin Astrid Lindgren und damit die Idylle einer postindustriellen Welt mit Baumhäusern und Erdbeeren, mit Wiesen und Pferden und Blumen. So also soll Berlin werden und so soll Deutschland werden. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Wer “Bullerbü” sagt, meint auch: Ein Leben auf Kosten anderer. Tatsächlich ist Berlin führendes Empfängerland innerhalb des Bund-Länder-Finanzpakts (vormalig: Länderfinanzausgleich). Träume einer postindustriellen Welt lassen sich leicht verwirklichen, wenn reiche Länder wie Baden-Württemberg, Hessen oder Bayern zur Kasse gebeten werden.

Deswegen begeistert man sich auch beim WDR über ein deutsches Bullerbü, denn für die öffentlich-rechtlichen Sender, die sich durch Gebühren finanzieren, die nicht von Markt bestimmt werden, ist Bullerbü schon längst Realität. Da ist FDP-Chef Lindner, der es gewagt hat, sich über ein deutsches Bullerbü zu echauffieren, ein leichtes Ziel.

Passend dazu wartete “Grünen”-Chefin Baerbock mit der Behauptung auf, “dem Markt sind die Menschen herzlich egal.” Nun, der Markt, das SIND die Menschen: Menschen, die kaufen und Menschen, die verkaufen. Die Alternative zum Markt ist der allmächtige Staat.

Aber echte Bullerbü-Fans sind unerschütterlich im Glauben, dass dieser besser weiss, was für die Menschen gut ist, und bestimmt wird er ihnen ein Idyll mit Wiesen und Blumen und Solarenergie bescheren, wenn man ihn nur möglichst stark macht.


Nachtrag 10. September 2021

In einem Kommentar der “WirtschaftsWoche” zur besagten Äusserung von Annalena Baerbock heisst es: “Herzlos ist nur die staatliche Planwirtschaft: Ihr sind Menschen egal, weil sie individuelle Bedürfnisse negiert, zugunsten des großen Ganzen, das von der herrschenden Kaste definiert wird. (…).”

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