Dass das westliche Eingreifen in islamischen Ländern ein generelles Debakel ist, lässt sich kaum noch bestreiten. Weder der Sturz von Diktatoren noch der Krieg gegen den Terror haben rechtsstaatliche Strukturen begünstigt oder Feindseligkeiten gegenüber dem Westen gedämpft. Viele sagen, dass das ernsthaft auch nicht zu erwarten gewesen sei.
Kategorie: Rezension
Realität und Spiel
Wenn die Kamera dem Protagonisten folgt, führt sie zugleich den Zuschauer aufs Glatteis, der immer mit Verzögerung mitbekommt, dass abermals die Ebene gewechselt hat und aus Spiel Realität wurde. Oder aus Realität Spiel. Die Musik kommt dann nicht länger aus dem Off, sondern es ist ein Schlagzeuger, der an unerwarteter Stelle sitzt – in den Katakomben des Backstage oder in einem Hauseingang an der Strasse –, wie auch die Dialoge sich oft erst im Nachhinein als echt oder gespielt entschlüsseln lassen.
Vom rechten Umgang mit Islamisten
Eine gängige Annahme besagt, dass die Gefahr, die von Islamisten ausgeht, am besten dadurch gebannt werden könne, dass man diese in politische Strukturen einbindet (s.a. hier); dann nämlich müssten sie sich in der Tagespolitik bewähren und würden von ihrem Radikalismus ablassen. Genau das bestreitet der amerikanische Nahostfachmann Shadi Hamid, der selbst jahrelang dieser Auffassung anhing.
Gibt es einen islamischen Faschismus?
Vor mehr als zwanzig Jahren sorgte ein Buch unter dem Titel «Die unerbittlichen Erlöser» zunächst in Frankreich, dann auch in Deutschland, für erhebliche Furore. Sein Verfasser, der Theologe und Politikberater Jean-Claude Barreau, ging darin den Ursachen des gewalttätigen Islamismus auf den Grund, die er – und das war der Skandal – direkt auf den Koran («ein archaisches Buch») zurückführte. Den Islam zeichnete er als eine zerstörerische (wenngleich reformierbare) Kraft, die den Werten der Moderne entgegensteht.
Starkes Pferd statt lahmer Gaul
Von Journalisten verfasste Bücher über den Nahen Osten basieren üblicherweise auf persönlichen Begegnungen und Eindrücken, die dann mit historischem Hintergrundwissen angereichert werden. Nicht so das Buch „The Strong Horse“ des amerikanischen Journalisten Lee Smith, der sich das ehrgeizige Ziel vorgenommen hat, den kulturellen Ursachen der eruptiven Gewalt, von der die Arabische Welt geprägt ist, auf den Grund zu gehen, um so weit mehr als eine Momentaufnahme der Arabischen Welt zu geben.
