Göttliches Versprechen

Ahmadinejad’s neue Tiraden gegen Israel: Alles richtig übersetzt? Ein Schlüsselsatz aus der Rede Ahmadinejads während seines Besuchs in Damaskus handelt wieder einmal von der Auslöschung Israels. Bei der Jerusalem Post liest sich das so:

He said that “if the Zionist regime wants to repeat its past mistakes, this will constitute its demise and annihilation.”

In der Formulierung von YNET lautet der Satz ähnlich:

“If the Zionists want to repeat their mistake again, they must be uprooted from the source”

Letztere ist die bessere Übersetzung, aber beide treffen den Sinn. Im Original[1] lautet der inkriminierte Satz:

اگر رژيم صهيونيستي اشتباهات گذشته خود را تكرار كند و دست به ماجراجويي هاي جديد بزند بايد به كلي ريشه كن شود

agar rejime-e sehyunisti eshtebahat-e gozashte-ye khod ra tekrar konad ve-dast be majarajuiha-ye jadid bezanad bayad be kolli rishe-kan shavad.

Wörtlich: “Wenn das zionistische Regime seine vergangenen Fehler wiederholen und sich an neue Abenteuer machen sollte, dann muss es mit Stumpf und Stiel ausgerottet (be kolli rishe-kan) werden.”

Das ist eine bedingte Vernichtungsdrohung, aber immerhin. Der messianische Charakter von Ahmadinejads Weltbild zeigt sich deutlich in einer weiteren Äusserung:

وعده الهي نابودي رژيم جعلي و جنايتكار صهيونيستي است و پيروزي بزرگ نزديك است

wa’de-ye elahi nabudi-ye rejime-e ja’li ve-jenayatkar-e sehyunisti ast ve-piruzi-ye bozorg nazdik ast.

Wörtlich: “Die Vernichtung (nabudi) des verbrecherischen zionistischen Pseudo-Regimes ist ein göttliches Versprechen und der grosse Sieg (piruzi-ye bozorg) ist nah.”

Das persische nabudi kann “Nicht-Existenz” ebenso wie “Vernichtung” bedeuten. Hier ist allerdings nicht von einem nicht-existierenden Israel die Rede, sondern von einem, das vom Zustand der Existenz in den der Nicht-Existenz befördert, mit anderen Worten: vernichtet werden soll, sodass nabudi mit Vernichtung übersetzt werden muss.

Und noch eine von Ahmadinejad in Damaskus getätigte Äusserung[2]:

البته خاورميانه جديدي در راه است خاورميانه‌اي که در آن صهيونيست‌ها و مستکبران جايي ندارند

albatte khawaremiyane-ye jadidi dar rah ast, khawaremiyane-i ke dar an sehyunistha ve-mostakberan jai nadarand.

Wörtlich: “Natürlich ist ein neuer Naher Osten auf dem Weg, ein Naher Osten, in dem Zionisten und Hochmütige keinen Platz haben (jai nadarand).”

Es wird einige sebsternannte Nahostxperten wieder erhebliche Mühen, Spitzfindigkeiten und jede Menge pseudophilologischer Luftnummern kosten, um diese Äusserungen wegzuanalysieren.

  1. http://president.ir/fa/?ArtID=20464
  2. http://president.ir/fa/?ArtID=20457

Volksaufstand im Iran (2)

Frische Links zu den aktuellen Ereignissen, Folge 2.

Das Imperium prügelt zurück. Die Büttel des Regimes werden aggressiver (New York Times). Damit hat die Welt nicht gerechnet, so Omid Memarian auf Rooz Online (Pers.).

Was tun? ”Obama may want to engage Iran’s current leadership, but he should throw them no lifeline. It is the Iranian people who matter most”, sagt Michael Rubin from Middle East Forum.

Expertenrunde. Iran’s ‘Election’: What Happened? What Does It Mean? Mehdi Khalaji, Mohsen Sazegara, Patrick Clawson, and Michael Singh at Washington Institute.

Geburtsfehler des Gottesstaates. “This is a crisis over a deep-seated ideological structure inherited from the Iranian Revolution” schreibt Ramin Jahanbegloo im Indian Express.

Hilferuf aus dem Iran. “Die Iranerinnen und Iraner, die 30 Jahre lang unterdrückt wurden, sind am Ende ihrer Geduld angelangt. Sie füllen die Straßen und zeigen der ganzen Welt, was sie wirklich von ihrem Regime denken. Die Menschen wollen es nicht mehr” (EMMA).

Die Grüne Revolution. Bilder auf Flickr.

Unbelehrbar. Eine deutsch-persische Islamwissenschaftlerin findet, dass der Iran keine Diktatur sei (DeutschlandRadio). Khamenei sieht in seiner Freitagspredigt die Theokratie siegen (was sonst?) (BBC auf Persisch, Press TV mit engl. Übersetzung, engl. Transkript bei PasteBay).

Menschenrechte. Ayatollah Khameneis Rede dient nur dazu, Polizeigewalt gegen Demonstranten zu rechtfertigen, warnen Amnesty und der Journalist Nourizadeh.

http://www.youtube.com/v/5z6iGvsjRWw&color1=0xb1b1b1&color2=0xcfcfcf&hl=en&feature=player_embedded&fs=1 Eigenes Fenster

Iran Election Word Cloud. Schmankerl des Tages (Neoformix).

Volksaufstand im Iran

Aktuelle Nachrichten aus dem Iran.

Ebrahim Yazdi. Angehörige Yazdis, der vom Krankenbett hinweg verschleppt wurde, berichten auf CNN.

Musavi in Gefahr. Bassidj drohen mit Rache: IranPressNews (Pers.).

Bassidj. Khameneis Prügler verhüllen mittlerweile ihre Gesichter aus Angst vor Rache: niacINsight. Eine Webseite versucht, einzelne Bassidji zu identifizieren.

Solidarität. Professoren der Fakultät für Chemie an der Sharif-Universität in Teheran treten zurück: IranPressNews (Pers.).

Brutalität. Bilder eines gefolterten Demonstranten bei Demotix.

Ahmadi-Nejads Vergangenheit. Österreichische Behörden haben Indizien, dass Ahmadi-Nejad an der Ermordung von drei Kurden in Wien beteiligt gewesen sein könnte. Der Sicherheitssprecher der österreichischen Grünen, Peter Pilz, fordert, dass Ermittlungen nun dringend aufgenommen werden müssten: Kurier.

Irans weibliche Revolution. Dana Goldstein berichtet über die Rolle der Frauen bei den Ereignissen im Iran: The Daily Beast.

Google-Logo. Vorschlag zu den Ereignissen im Iran bei IranPressNews.

Proteste in Isfahan. Deutlich zu hören ist, wie die Menge am Ende des Films laut marg bar diktator skandiert – “Tod dem Diktator”!

http://www.youtube.com/v/YXNhl3Z3a8M&hl=de&fs=1& Eigenes Fenster

Informant auf offener Strasse erschossen

Mittlerweile ist die Quelle bekannt, aus der die geheimgehaltenen tatsächlichen Wahlergebnisse stammen. Sein Name wird mit Mohmmad Askari angegeben und er soll im Innenministerium tätig gewesen sein.

Wie es heisst, wurde er jetzt auf offener Strasse von Pasdaran erschossen. Dazu demnächst mehr.

Mittlerweile greifen die Proteste im Iran auch auf andere Städte über. Hier Bilder aus Shiraz:

https://youtube.com/watch?v=XTLmTDH4RIM%26hl%3Dde%26fs%3D1

Katzbuckeleien

Die ewige Leier vom “Dialog” will nicht verstummen. Wenn die CDU die jüngsten Äusserungen des iranischen Präsidenten Ahmadi-Nejad dazu nutzt, sich in Gestalt von Gert Pöttering lächerlich zu machen, dann wacht auch die Konkurrenz von der SPD auf und schickt Gernot Erler ins Rennen um den schönsten Tritt ins Fettnäpfchen. Im Interview mit dem Deutschlandfunk sagt der aussenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag auf die Frage, was er von der israelischen Forderung halte, den Iran aus den UN auszuschliessen:

Ich habe Verständnis für diese Reaktion, praktisch im Schock nach diesen Äußerungen, aber ich glaube eben, dass es im Augenblick die nicht angemessene Reaktion wäre, weil ja gerade die Vereinten Nationen eine Plattform sind, auf der man den Iran stellen kann, wo man auch deutlich machen kann, dass die ganze Weltgemeinschaft, übrigens einschließlich vieler arabischer Staaten, diesen Verstoß gegen das Völkerrecht nicht bereit ist hinzunehmen. Deswegen sollte man eher die Vereinten Nationen nutzen, als sie jetzt als Plattform für eine solche Auseinandersetzung mit dem Iran auszuschließen.

(…) Der Iran muss beweisen, dass er keine terroristischen Akte gegen Israel unterstützt. Das ist die Mindestvoraussetzung, um überhaupt mit dieser Politik einer fairen Auseinandersetzung, einer Verhandlungsauseinandersetzung mit dem Iran weiterzumachen.

Gernot Erler

Sicherlich, es mag gute Gründe geben, den Iran nicht aus den UN auszuschliessen. Dass ein Politiker hier weniger radikal sein kann als ein Kommentarschreiber oder Weblogger, ist klar. Es gibt aber auch denkbar schlechte Argumente, und dazu gehört die Behauptung, jetzt gelte es erst recht, die “Auseinandersetzung” mit dem Mullahregime zu suchen, eine faire zumal, so, als ab man mit einer Diktatur wie dem Iran, die Intellektuelle ermorden lässt und wiederholt ein falsches Spiel mit der Weltöffentlichkeit treibt, wenn es um die Beschaffung von Nukleartechnik geht, einfach so in gegenseitigem Vertrauen “verhandeln” könnte. Der dauernde Ruf nach noch mehr Dialog und noch mehr Gesprächen und Verhandlungen und Runden Tischen muss doch irgendwann einfach nur noch peinlich wirken. Möchte man meinen.

Vollends in der Realität verrannt hat sich wieder einmal Udo Steinbach, der omnipräsente Direktor des Hamburger Orient-Instituts (via “Achse des Guten“). Natürlich findet er gar nicht gut, was Ahmadi-Nejad zum besten gibt, aber Steinbach glaubt unerschütterlich an das Gute im Regime und daran, dass die Präsidentschaft Ahmadi-Nejads nur eine Art Betriebsunfall in einem System darstellt, das eigentlich gar nicht so übel ist und von dem auch bald wieder versöhnlichere Töne zu vernehmen sein werden:

Ahmadinedschad wird getragen von den Resten der ideologischen Gefolgschaft Chomeinis, das wird eine kurze Episode in der weiteren Öffnung Irans bleiben.

Udo Steinbach

“Eine kurze Episode” werden hoffentlich auch Steinbachs Expertisen bleiben. Über die Machtverhältnisse im Iran schreibt Ahmad Taheri in der FAZ:

Die „Barfüßigen” wiederum, durch deren Stimmen Ahmadineschad die Wahlen gewann, erwarten von ihm nicht die „Vernichtung des zionistischen Regimes”, sie wünschen sich von dem neuen Präsidenten Brot und Arbeit. Viele von ihnen wissen nicht einmal, wo „Quds” liegt. Doch seine Hintermänner, die Ahmadineschad zum Sieg verholfen haben, verlangen nun von ihm ihren Tribut. Das sind die extrem fundamentalistischen Mullahs, wie etwa Ajatollah Mesba Yazdi. „Mullah Omar von Qom”, wie der Geistliche von Spöttern mit Anspielung auf den Taliban-Führer von Kandahar genannt wird, hat zum Sieg Ahmadineschads beträchtlich beigetragen.

Ahmad Taheri

Aber wahrscheinlich glaubt Steinbach auch, dass der Mond aus grünem Käse besteht.

[Aus dem Archiv.]

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