Libyer gegen Gewalt

Bei aller Enttäuschung über den Verlauf des “Arabischen Frühlings” wollen wir doch auch ein paar positive Dinge nicht verschweigen. Zum einen gab es offenbar mehrere Libyer, die dem ums Leben gekommenen amerikanischen Botschafter in Libyen, Chris Stevens, zu Hilfe geeilt waren. Die “Washington Post” hat recherchiert:

Ahmed Shams, a 22-year-old arts student who works with the two, said the group cried out “God is great” in celebration after discovering he wasn’t dead. “We were happy to see him alive. The youth tried to rescue him. But there was no security, no ambulances, nothing to help,” he said.

Dazu passt, dass viele Libyer im Anschluss an den Tod Stevens öffentlich ihren Abscheu über die Mordtat zum Ausdruck brachten. Und schliesslich zeigt eine Umfrage, dass eine satte Mehrheit  von 95% der Libyer einer Entwaffnung der Milizen im eigenen Land zustimmt. Bei allen Negativ-Schlagzeilen: Auch das gibt es.

[Aus dem Archiv.]

Intellektuellenland

… ist abgebrannt. Klagen, dass in gesellschaftlichen Fragen der Spezialist an die Stelle des Intellektuellen getreten sei (oder zu treten drohe), wirken merkwürdig aus der Zeit gefallen. Der hohe Grad an Alphabetisierung und die heute leichter als vor ein- oder zweihundert Jahren zu erwerbende Bildung sind der Grund dafür, dass dem Intellektuellen die Kontrastfolie massenhaften Unwissens abhandengekommen ist. Auch ist seit Leibniz die Zeit des Universalgelehrtentums nun einmal vorbei. Schlechte Nachrichten sind das nicht.

Das zu akzeptieren fällt vielen Intellektuellen freilich schwer. Bescheidenheit nämlich ist ihre Stärke nicht. Da war Karl Popper noch aus anderem Holz geschnitzt. Feststellen zu müssen, dass Xenophanes seine Erkenntnistheorie um 2500 Jahre vorweggenommen hatte, lehrte Popper, wie er selbst sagte, bescheiden zu sein – nur um anschliessend zu erfahren, dass auch auch die Idee der intellektuellen Bescheidenheit vor fast ebenso langer Zeit vorweggenommen wurde.[1] Bleiben wir also auf dem Teppich.

  1. Karl Popper, Die Welt des Parmenides. Der Ursprung des europäischen Denkens, hrsg. von Arne F. Petersen, München 2001, 100.

Im Land der Lüge

Ausländische Diplomaten in Teheran, schreibt der Orientalist Volker Perthes in seinem Buch “Iran”, haben wiederholt die Erfahrung gemacht, dass ihre iranischen Gesprächspartner offenbar wenige Hemmungen haben sie anzulügen. Eine Studie über den iranischen Verhandlungsstil bestätigt das.[1] Ohne das Buch hier weiter empfehlen zu wollen: das sollte man wissen, wenn man sich auf das iranische Regime einlässt.

So gesehen ist die Dreistigkeit, mit der die vom ägyptischen Präsidenten Mursi in Teheran gehaltene Rede verfälscht wurde, gar nicht so verwunderlich. Der Dolmetscher hatte in Mursis Sympathiebekundung gegenüber dem Widerstand in Syrien einfach das Wort Syrien durch Bahrein ersetzt und aus einer Kritik am Assad-Regime eine Solidaritätsadresse gemacht! Bahrein hat mittlerweile offiziell Protest eingelegt.

Allein schon von daher kann man sich ausmalen, wie die iranische Kooperation mit der internationalen Atomenergiebehärde IAEA einzuschätzen ist. Aber lassen wir deren aktuellen Bericht doch einfach selbst zu Wort kommen:

While the Agency continues to verify the non-diversion of declared nuclear material at the nuclear facilities and LOFs declared by Iran under its Safeguards Agreement, as Iran is not providing the necessary cooperation, including by not implementing its Additional Protocol, the Agency is unable to provide credible assurance about the absence of undeclared nuclear material and activities inIran, and therefore to conclude that all nuclear material in Iran is in peaceful activities

While the Agency continues to verify the non-diversion of declared nuclear material at the nuclear facilities and LOFs declared by Iran under its Safeguards Agreement, as Iran is not providing the necessary cooperation, including by not implementing its Additional Protocol, the Agency is unable to provide credible assurance about the absence of undeclared nuclear material and activities in Iran, and therefore to conclude that all nuclear material in Iran is in peaceful activities.

Das sollte auch die letzten Illusionen beseitigen, was den Charakter des Regimes betrifft. Freilich sind Illusionen häufig von hartnäckiger Natur.

  1. Volker Perthes, Iran. Eine politische Herausforderung, Bonn 2008, 61 Fn. 4.
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