Noch ist es nicht zu spät!

Hier also unsere Buchempfehlungen für Weihnachten oder auch für danach. Vorläufig sollen hier (mit einer Ausnahme) nur Fach-/Sachbücher genannt werden. Wer über die eine oder andere Buchanschaffung vor Weihnachten nachdenkt (für sich selbst oder andere), dem sei auch dieses Jahr zugerufen: Noch ist es nicht zu spät!

Shadi Hamid: Temptations of Power: Islamists and Illiberal Democracy in a New Middle East (2014, ca. € 19,00)

Der amerikanische Nahostanalyst Shadi Hamid erzählt vom Aufstieg und Niedergang der Muslimbrüder in Ägypten und macht deutlich, warum Islamisten nicht zu Demokraten mutieren, nur weil man sie in politische Strukturen einbindet – im Gegenteil: Erst unter Druck schwenken sie auf einen nicht-konfrontativen Kurs um und beginnen, ihre Strukturen zu demokratisieren. (Vgl. hier) (Link)

Michael Cook: Ancient Religions, Modern Politics (2014, ca. € 28,00)

Der amerikanische Islamwissenschaftler Michael Cook fragt nach den Ursachen politisierter Religion und religiöser Fanatismen. Dazu hat er einige Tiefenbohrungen an Islam, Christentum und Hinduismus (!) vorgenommen, die ihn zu bemerkenswerten Ergebnissen führten. Ein ambitiöses Buch und ein intellektueller Genuss! (Vgl. hier.) (Link)

Bernard Lewis: Notes on a Century: Reflections of a Middle East Historian (2012, ca. € 20,00)

Der hochbetagte britische Nahosthistoriker Bernard Lewis blickt zurück auf ein bewegtes Leben, seine Begegnungen mit den Menschen im Nahen Osten und die Höhen und Tiefen des akademischen Betriebs. Streckenweise eine sehr amüsante Lektüre. (Link)

David Crist: The Twilight War: The Secret History of America’s Thirty-Year Conflict with Iran (2012, ca. € 27,00)

Der amerikanische Militärfachmann und Historiker David Crist zeigt die verschiedenen Dimensionen eines unerklärten Krieges zwischen Iran und den USA auf, der, zum grossen Teil von der Öffentlichkeit unbemerkt, seit dreissig Jahren im Gange ist. Wesentlichen Gebrauch macht Crist von bislang unveröffentlichten, nunmehr freigegebenen Quellen aus amerikanischen Archiven. (Link)

Abbas Milani: The Shah (2012, ca. € 14,00)

Die Lebensgeschichte eines autoritären Modernisierers zeichnet der amerikanisch-iranische Iranfachmann Abbas Milani anhand von zum Teil noch unveröffentlichen Quellen aus westlichen Archiven nach. Besonders lesenswert ist die Episode, in der es zum Konflikt mit Mossadegh kam, der den Schah demütigte und letzten Endes selbst soweit an Popularität verlor, dass er stürzen musste – CIA hin oder her. (Link)

Martin Tamcke: Im Geist des Ostens leben: Orthodoxe Spiritualität und ihre Aufnahme im Westen (2008, ca. € 20,00)

Vielen im Westen ist das orthodoxe Christentum weniger bekannt als der Islam. Dabei verdiente gerade die Orthodoxie mit ihrer ausgeprägt mystischen Seite erhöhte Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, weil sie manche politische Erscheinung osteuropäischer Länder mit einer orthodoxen Mehrheit erklären hilft. (Link)

Jerry Toner: Homer’s Turk: How Classics Shaped Ideas of the East (2013, ca. € 38,00)

Der britische Altphilologe Jerry Toner zeichnet nach, wie westliche Entdeckungsreisende seit dem 17. Jahrhundert die Welt des Islam anhand der antiken Literatur erkundeten. Die Muslime erschienen ihnen dabei nicht durchweg als Zerstörer der antiken Kultur, sondern auch als legitime Erben und Nachfolger. Toner grenzt sich dabei von Erklärungsmustern eines Edward Said angenehm ab. (Link)

Uwe Rada, Die Adria: Wiederentdeckung eines Sehnsuchtsortes (2014, ca. € 15,00)

Kein Fachbuch, umso mehr eine Lektüre für Liebhaber: Vor allem die östliche Hälfte der Adria wird in ihrem historischen Reichtum und ihrer architektonischen und landschaftlichen Schönheit noch immer unterschätzt. Und so gibt es ungeheuer viel zu entdecken. (Link)

… etwas für Augenmenschen:

Francesco Francavilla, The Black Beetle, Vol. 1 (2013, ca. € 15,00)

Wer diesem Rausch der Schatten und Farben nicht bedingungslos erliegt, ist selber schuld! (Link)

Wer mag, kann sich auch von meinen Vorjahresempfehlungen inspieren lassen, die noch immer aktuell sind.