Sind Hamas und Hisbollah antisemitisch?

Sind Hamas und Hisbollah antisemitisch? Die Gender-Expertin Judith Butler weiss es nicht so genau. Dafür ist sie sich sicher: Bei beiden handelt es sich um progressive Bewegungen. Zumindest aus einer sehr verqueeren Perspektive.

Ich verstehe, dass es in Deutschland schwer ist, zwischen einer Kritik beispielsweise der israelischen Besatzung und Antisemitismus zu unterscheiden. Wenn Hamas und Hizbollah antisemitische Positionen vertreten, dann sind sie unbedingt abzulehnen. Doch man muss genau analysieren, ob in der Kritik Israels Antisemitismus im Spiel ist oder nicht. (…) Der einzige Grund, warum ich glaube, dass, deskriptiv gesehen, diese Gruppen unter die Kategorie »links« gehören, ist, weil sie gegen Kolonialismus und Imperialismus kämpfen.

Deskriptiv gesehen handelt es sich bei diesem verschwurbelten Käse um völkisches Denken in progressiver Uniform: Die Freiheit der Völker geht über die Freiheit des Individuums. Auch fragt sich, welchen Planeten Frau Butler eigentlich ihr Zuhause nennt, wenn sie den Traum der Hamas und Hisbollah von einer Welt ohne Israel als Kritik am jüdischen Staat deutet.

Aber weil das natürlich wieder alles aus dem Kontext gerissen ist, legt Frau Butler nach:

Ich habe mich auch gefragt, ob die Verwendung meiner gekürzten Bemerkungen über Hamas und Hizbollah nicht selbst eine Art antisemitischer Angriff war. Ich spüre in der Tat wieder meine Verletzbarkeit als Jüdin in Deutschland, wenn ich auf diese Art und Weise in den Medien diskreditiert werde. Es wäre mindestens paradox, wenn ich als queere Jüdin mich für Hizbollah und Hamas aussprechen würde, wie das in der Taz nahegelegt worden ist. Ihre Taktik, in der meine Aussagen verzerrt worden sind, hat mein Jüdin-Sein negiert und mich als eine selbsthassende Jüdin dargestellt, und in diesem Sinne wurde mir Gewalt angetan.

So findet die intellektuelle Zerrüttung ihre letzte Bestimmung in der Weinerlichkeit.

Göttliches Versprechen

Ahmadinejad’s neue Tiraden gegen Israel: Alles richtig übersetzt? Ein Schlüsselsatz aus der Rede Ahmadinejads während seines Besuchs in Damaskus handelt wieder einmal von der Auslöschung Israels. Bei der Jerusalem Post liest sich das so:

He said that “if the Zionist regime wants to repeat its past mistakes, this will constitute its demise and annihilation.”

In der Formulierung von YNET lautet der Satz ähnlich:

“If the Zionists want to repeat their mistake again, they must be uprooted from the source”

Letztere ist die bessere Übersetzung, aber beide treffen den Sinn. Im Original[1] lautet der inkriminierte Satz:

اگر رژيم صهيونيستي اشتباهات گذشته خود را تكرار كند و دست به ماجراجويي هاي جديد بزند بايد به كلي ريشه كن شود

agar rejime-e sehyunisti eshtebahat-e gozashte-ye khod ra tekrar konad ve-dast be majarajuiha-ye jadid bezanad bayad be kolli rishe-kan shavad.

Wörtlich: “Wenn das zionistische Regime seine vergangenen Fehler wiederholen und sich an neue Abenteuer machen sollte, dann muss es mit Stumpf und Stiel ausgerottet (be kolli rishe-kan) werden.”

Das ist eine bedingte Vernichtungsdrohung, aber immerhin. Der messianische Charakter von Ahmadinejads Weltbild zeigt sich deutlich in einer weiteren Äusserung:

وعده الهي نابودي رژيم جعلي و جنايتكار صهيونيستي است و پيروزي بزرگ نزديك است

wa’de-ye elahi nabudi-ye rejime-e ja’li ve-jenayatkar-e sehyunisti ast ve-piruzi-ye bozorg nazdik ast.

Wörtlich: “Die Vernichtung (nabudi) des verbrecherischen zionistischen Pseudo-Regimes ist ein göttliches Versprechen und der grosse Sieg (piruzi-ye bozorg) ist nah.”

Das persische nabudi kann “Nicht-Existenz” ebenso wie “Vernichtung” bedeuten. Hier ist allerdings nicht von einem nicht-existierenden Israel die Rede, sondern von einem, das vom Zustand der Existenz in den der Nicht-Existenz befördert, mit anderen Worten: vernichtet werden soll, sodass nabudi mit Vernichtung übersetzt werden muss.

Und noch eine von Ahmadinejad in Damaskus getätigte Äusserung[2]:

البته خاورميانه جديدي در راه است خاورميانه‌اي که در آن صهيونيست‌ها و مستکبران جايي ندارند

albatte khawaremiyane-ye jadidi dar rah ast, khawaremiyane-i ke dar an sehyunistha ve-mostakberan jai nadarand.

Wörtlich: “Natürlich ist ein neuer Naher Osten auf dem Weg, ein Naher Osten, in dem Zionisten und Hochmütige keinen Platz haben (jai nadarand).”

Es wird einige sebsternannte Nahostxperten wieder erhebliche Mühen, Spitzfindigkeiten und jede Menge pseudophilologischer Luftnummern kosten, um diese Äusserungen wegzuanalysieren.

  1. http://president.ir/fa/?ArtID=20464
  2. http://president.ir/fa/?ArtID=20457
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