Alle Spuren führen nach Teheran

Die Explosionen in Beirut gehen auf das Konto der vom iranischen Regime abhängigen Terrororganisation Hisbollah – Unfall hin oder her. Die Hisbollah hat schon in der Vergangenheit verschiedentlich grosse Mengen an Ammoniumnitrat gehortet und selbst wenn ihr dieses noch nicht einmal gehören sollte, so wusste sie um die Gefahr und tat nichts dagegen, obwohl sie den Hafen von Beirut wesentlich kontrolliert.

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Hisbollah und die Umkehrung der Fakten

Stellen Sie sich vor, eine Gruppe von Neonazis in Deutschland würde von einer ausländischen Macht mit einer stetigen und umfangreichen Waffenlieferung bedacht, infolgedessen sie zu einem so gewaltigen Machtfaktor würden, dass der Staat damit überfordert wäre, ihre Strukturen zu zerschlagen. Stattdessen bliebe dem deutschen Staat nichts übrig, als sich mit den Neonazis zu arrangieren und es zu tolerieren, wenn diese im Land Strassensperren errichten und Menschen nach Belieben festnehmen.

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Assad am Gängelband

Aus Syrien war zuletzt mehrfach zu hören gewesen, dass das Assad-Regime stark in Bedrängnis geraten sei. Manche haben deshalb schon den baldigen Fall des Regimes vorhergesagt, andere fanden das verfrüht. Die libanesische Zeitung “Annahar” wiederum weiss unter Berufung auf gut unterrichte Kreise zu berichten, dass das Assad-Regime zwar nicht am Ende ist, aber dennoch in Sorge. Und der Grund sind nicht allein die Rebellen.

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Khamenei ruft zur Vernichtung Israels auf

Khaled Mashal, Chef des Politbüros der Hamas, mag in der Arabischen Welt einen schweren Stand haben, weil seine Organisation – wie überhaupt die Muslimbrüder – nicht eben wohlgelitten ist. Gleichwohl hat er noch einige Verbündete, auf die er zählen kann. Dazu gehört die Hisbollah. Unter hinter der Hisbollah steht natürlich der Iran.

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Mitteilungen aus Kilis (14)

Die schiitischen Geistlichen erklären den Dschihad in Syrien gegen syrische Bürger, die Freiheit, soziale Gerechtigkeit und eine Dezentralisierung der Macht fordern.

Die sunnitischen Gelehrten antworten mit einer Fatwa, die den Dschihad gegen die Hisbollah, Iran und Assad in Syrien verkündet. Und tausende von arabischen Kämpfern bereiten sich für den Dschihad in Syrien vor.

Russland beliefert die Milizen weiterhin mit schlagkräftigen Waffen. Plötzlich beschliesst auch Amerika die Revolutionäre mit hochwertigen Waffen auszurüsten.

Der ägyptische Präsident Mursi bricht die Verbindungen mit dem Rest der Assad-Milizen ab und ruft zum Dschihad gegen Hisbollah und Assad aus.

Hisbollah-Chef Nasrallah beharrt darauf, die Assad-Milizen weiter zu unterstützen.

Ein neuer iranischer Präsident setzt Ahmadinejads begonnene Unterstützung der Assad-Milizen fort.

Es wird über eine zweite Genfer Konferenz gesprochen, ohne dass es Hoffnung auf eine friedliche Lösung gibt.

Soviel ist passiert, doch die Frage ist, wohin sind verschwunden:

– 175.000 Getötete

– 200.000 Vermisste

– 6.000.000 Vertriebene in Syrien

– 4.000.000 syrische Flüchtlinge

Angesichts dieser Zahlen, die jeden Tag zunehmen, frage ich die Welt: Wohin?

Muss man von den muslimischen Gelehrten ernsthaft eine Stellungnahme zu Syrien verlangen, wobei ich Schiiten und Sunniten gleichermassen meine?

Sollte es nicht die Priorität dieser Gelehrten sein, sich zu versammeln, um einem tyrannischen, mörderischen Regime unter Zuhilfenahme von Augenzeugen und dem UN-Menschenrechtsrat die Legitimation zu entziehen?

Ist das der Islam?

Müssen wir Syrer den Schiiten und Sunniten den Weg freimachen, damit sie sich auf unseren Häusern, unseren Feldern, unseren Fabriken und historischen Stätten gegenseitig bekämpfen?

Die Zahlen aus Syrien sind extrem beängstigend. Die Währung bricht zusammen. Die historischen Stätten werden zerstört und geplündert. Die Vernichtung der Ackerflächen ist gewaltig. Dazu Kidnapping, Vergewaltigung, Töten, Abschlachten und Töten im Namen Gottes.

An alle, die meine Worte vernehmen: Wenn Sie Syrien nicht helfen können, dann retten Sie wenigstens Syriens Kinder, die von den Schulen fernbleiben und anfällig sind für gefährliche Übergriffe wie Mord, Vergewaltigung und Kinderarbeit.

An alle freien Gewissen der Welt.

SOS aus Syrien.

Türkische Republik, 20.06.2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz. Der Text gibt die Meinung des Autors wieder.)

Mitteilungen aus Kilis (13)

Nachdem der Iran und die Hisbollah sich zu ihrer Intervention in Syrien bekannt haben, haben wir lange gewartet und immer mehr Getötete gezählt, bis gestern das folgende passierte: Muslimische Gelehrte riefen den Dschihad gegen Assad, Iran und die Hisbollah in Syrien aus!

Gut so. Aber es bedurfte des internationalen Druckes, um die Opposition zu bewaffnen, weil es nicht an Kämpfern, dafür aber an schlagkräftigen Waffen fehlt. Stunden nach der Ausrufung des Dschihad erklärte der amerikanische Kongress den bewaffneten Dschihad. Das stimmt uns glücklich.

Derweil gibt es in Indonesien eine Kampagne zur Anwerbung von einer Million Selbstmordattentäter für Syrien und in Kuwait eine ähnliche Kampagne, die 1500 aufbringen will. Vielleicht schon in der kommenden Woche wird es in Syrien tausende Selbstmordattentäter geben. Die Muslime kämpfen mit dem Einsatz ihres Lebens und Amerika mit Waffen.

Diejenigen, die in Syrien verlieren werden, sind die Zentristen und Liberalen. Die Welt hat lange gezögert. Doch besser spät als nie. Notwendig ist nicht nur, die Opposition zu bewaffnen, sondern sicherzustellen, dass die Waffen an den Generalstab der FSA und ihre Angehörigen geliefert werden und an niemanden sonst.

Denn die Situation in Syrien ist nicht gut. Sie ähnelt einem Dschungel. Der Starke verspeist den Schwachen und über allem stehen die Schiiten, die alles und jeden verspeisen.

Wer in Syrien auf Seiten des Regimes steht, dessen Hab und Gut wird geplündert und er wird von den Rebellen getötet. Wer für die Revolution ist, der wird von den Schergen des Regimes verfolgt und getötet und seine Habe beschlagnahmt. Und wer neutral bleibt, der zieht sich den Zorn von beiden Seiten zu.

Darum bevorzugen viele Syrer wie ich, im Ausland zu bleiben, denn in Syrien ist man entweder Mörder oder Ermordeter. Was wird passieren, wenn uns tausende von Dschihadisten erreichen? Vielleicht benötigen wir gerade jetzt wirklich gute Waffen zur Abschreckung.

Wir brauchen die Liga der arabischen Staaten und die arabischen Abschreckungskräfte, um das Blutvergiessen und die Beschlagnahmungsaktionen von Eigentum zu stoppen und um das Recht – oder was davon übrig ist – für ihre Eigentümer wiederherzustellen.

Die Politik der Zurückhaltung und des Überlassens der Dinge an Russland, Iran und die Hisbollah ist das Schlimmste, was der Westen und Amerika tun konnten – und wir sind es, die den Preis zahlen.

Denn Assad ist am Ende und auch die Hisbollah hat in Syrien ausgespielt. Dies ist eine Tatsache. Selbst wenn Millionen schiitischer Kämpfer kämem und die Kontrolle über ganz Syrien übernähmen, so gibt es doch mindestens zwanzig Millionen Syrer, die keine Schiiten mögen und keinen Assad. Darum ist es beiden unmöglich, Syrien zu kontrollieren.

Das Spiel der Hisbollah ist ein törichtes Spiel.

Türkische Republik, 14.06.2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz. Der Text gibt die Meinung des Autors wieder.)

Die Geister, die ich rief

Russischer Waffenlieferungen zum Trotz ist das Überleben des syrischen Regimes alles andere als gesichert. Eine Ironie der Geschichte dabei ist, dass die Jihadisten, derer sich das Regime zu erwehren hat und die zum Teil aus dem Irak kommen, dorthin zuvor über Syrien eingereist waren, worauf Ghassan Karam auf “Ya Libnan” hinweist:

This same Syrian government was proud to encourage and facilitate the crossing of Jihadists from all across the Moslem world into Iraq but now that some of these jihadists want to cross the border in the opposite direction this activity has become abominable.

Und nicht nur das. Die Jihadisten haben ihr Handwerk ausgerechnet bei einem Verbündeten von Assad gelernt. So zitiert Mirella Hodeib im libanesischen “Daily Star” einen Kämpfer der Regierungsarmee:

“There’s a kind of irritating familiarity,” Jawad noted. “Hezbollah taught Hamas all those tactics to fight the Israelis. Hamas apparently decided to transfer their experience to takfiri groups.

… “We transferred our experience to a Sunni group – Hamas – and they used it train groups that are now fighting us,” he said.

Wie gesagt, blanke Ironie.

Mitteilungen aus Kilis (11)

Amerika schickt eine Ladung mit diversen Schusswaffen an die Freie Syrische Armee (FSA), währed Assads Milizen und die Hisbollah mehr als 300 Bewohner der Ortschaft Bayda in Banias massakrieren.

Die internationale Gemeinschaft ist auf einem Auge blind. Denn diejenigen, die mit Messern massakrieren, sind keine Israelis; Israel führt Manöver auf dem Golan durch.

Unterdessen ist die syrische Währung weiterhin im Sinkenflug, der Exodus des Landes schreitet voran und ebenso der Beschuss mit Scud-Raketen. Worauf wartet die Welt?

Ich bin des Schreibens müde. Die Menschen in der freien Welt lassen sich nicht durch grausame Bilder von dem, was in Syrien vor sich geht, zum Handeln bewegen – ist es denkbar, dass sie sich durch Worte motivieren lassen? Meine Worte sind wertlos, es sind leere Worte. Aber die Welt möge sich erinnern, was ich gesagt habe:

Ich habe schon vorher davor gewarnt, dass ich eine Revolution kommen sehe und heute sehe ich einen Krieg, der sich über die Nachbarländer und Israel erstreckt, die bald nicht mehr abseits, sondern im Zentrum des Krieges stehen werden. Assad zu unterstützen funktioniert nicht, Israel! Es funktioniert nicht!

Ich persönlich bin kein Kriegsenthusiast. Ich wünschte, die Araber erreichten eine wahrhafte Friedensregelung mit Israel, denn die Araber haben genug vom Krieg. Aber ich stehe nicht für alle Syrer. Diese werden sich aufgrund der systematischen Morde gegen Sunniten leider bald in Radikale verwandeln.

Vielleicht dringen Sunniten jetzt gerade in ein alawitisches Dorf ein und massakrieren dessen Bewohner mit Messern? Sicherlich würde dann die internationale Öffentlichkeit die Dinge anders sehen. Dann handelte es sich um ein unverzeihliches Verbrechen und nichts, was man so oder so sehen kann.

Die Syrer radikalisieren sich mit jedem Tag der unermesslichen Verwüstung. Sie verkünden die Parole „Entweder Assad oder wir verbrennen das Land“. Also verbrennen sie das Land, sein archäologisches Erbe und seine Kultur.

Israel und Amerika sind über die Zerstörung Syriens erfreut. Was Israel oder die Hisbollah hinsichtlich des Tötens und des Massakrierens jedoch nicht einkalkuliert haben, ist die Partei des Satans.

Sie alle wollen nicht begreifen, dass Syrien einen Zustand der Zerstörung erreicht hat, der mindestens zehn Millionen Radikale in der Bevölkerung erzeugt, die Selbstmordattentate begehen wollen, um Israel auszuradieren.

Was wird Amerika mit den Millionen tun, die die sich dem Tod hingeben, well ihr Leben zur Hölle geworden ist? So viele haben ihre Arbeitsplätze, ihre Häuser und ihre Familien verloren. Ein gemässigter Muslim wird gewünscht? Gut, ich werde es mir notieren!

Amerika sagt, dass es ernsthaft über eine Bewaffnung der Opposition nachdenken werde – doch wann und wie? Eine einzige Waffenladung Sprengstoff erreicht die Opposition, während Flugzeuge und Schiffe unablässig Raketen aus dem Iran und Russland durch den Suezkanal zu Assad befördern.

Die Welt wird bald vor den Toren einer grossen Tragödie stehen. Assad sprengt eine historische Brücke in Deir Ezzor, die von den Franzosen erbaut wurde. Das einzige was er will ist, das Land zu verbrannter Erde zu machen.

Ich verstehe den amerikanischen Standpunkt, für den die Sicherheit Israels Priorität hat, weswegen ich mich an die Amerikaner und Israelis wende: Ihr seid im Irrtum.

Sicherheit wird es für Israel erst geben, wenn Syrien intakt ist, gedeiht, seine Bürger arbeiten und ihren Lebensunterhalt verdienen. Wenn es hingegen seine Zukunft am Ende sieht, dann werden radikale Ideen ihren Weg in die Gehirne finden und nichts wird die Menschen davon abhalten, ihr Ziel im Erreichen des Paradieses zu suchen – indem sie sich in Israel in die Luft sprengen.

Israel wird nur sicher sein, wenn seine Nachbarländer kulturell und wirtschaftlich aufblühen, denn dann wird der einzelne Bürger tausendmal nachdenken, bevor er einen Krieg in Erwägung zieht. Und er wird genügend Gründe zum Nachdenken haben, bevor sich daranmacht, Selbstmord zu verüben.

Wenn Ihr die Radikalen fürchtet, so lasst Euch gesagt sein, dass Ihr es seid, die die Radikalen produzieren.

Türkische Republik, 3. Mai 2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz. Der Text gibt die Meinung des Autors wieder.)