Handlanger

Dass Handlanger des iranischen Mullahregimes auch in Syrien ihr Unwesen treiben, dafür hatte es schon manche Anzeichen gegeben. Nun wurde bekannt, dass offenbar einige hundert Mitglieder der iranischen Pasdaran ergriffen wurden, die das Regime zur Niederschlagung des Aufstands eingesetzt hat.

Nach Augenzeugenangaben handelt es sich um Mitglieder der berüchtigten Quds-Brigaden, wie an ihrer Kleidung zu erkennen ist. Andere sollen als Scharfschützen auf den Dächern Demonstranten erschossen haben – und zwar allein in Daraa mindestens hundert an der Zahl. Dieselben Quellen wollen wissen, dass sich das Asad-Regime auch der Dienste von Paramilitärs der libanesischen Hisbollah bedient.

Bitte eine militärische Drohkulisse (ohne Gewalt)!

Wenn die Welt wieder einmal im Chaos versinkt, ist man für jeden Vordenker dankbar, der dem Medusenblick des Unwägbaren standzuhalten und mit einer Moral hart wie Beton den Weg zu zeigen weiss.

Darum hat jetzt der Jürgen Todenhöfer, Fachmann für militärische Konflikte, interkulturellen Dialog und menschliche Herzenswärme, aufgedeckt: Die meisten Libyer sind gar keine extremistischen Islamisten, “sondern liebenswerte, aufgeschlossene und großzügige Frauen und Männer.” Weil das im Westen noch keiner wusste, läuft wieder einmal alles aus dem Ruder.

Todenhöfer, der in Libyen “über zweieinhalb Stunden […] flächendeckend mit Raketen und Granaten bombardiert” worden war, bevor er mit letzter Kraft seine Erlebnisse für die FAZ zu Papier bringen konnte, weiss genau, was die internationale Gemeinschaft, die sich überall einmischen muss, zu tun hat: Sich einmischen, und zwar am besten so:

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen muss sich sofort nach Benghasi begeben, um Gespräche mit der Führung des Volksaufstandes zu führen. Er sollte anschließend auch nach Tripolis reisen. Ziel müssen eine strikte Durchsetzung des Waffenstillstands und die Einleitung eines demokratischen Prozesses ähnlich dem in Ägypten und Tunesien sein.

Ein Szenario, so knackig wie ein Radieschen. Auch an den Fall, dass Gaddafi keine Lust haben könnte mitzuspielen, hat Jürgen gedacht:

Zum Schutz der Zivilbevölkerung sollte die UN unverzüglich Blauhelme als Friedenstruppen nach Benghasi und Tobruk schicken. Wenn die UN nicht genügend Freiwillige findet, könnten sich all jene als menschliche Schutzschilder melden, die sich schon für mutig halten, nur weil sie die Bombardierung Libyens gefordert haben. Parallel dazu sollte eine effektive militärische Drohkulisse aufgebaut werden. Im Auftrag der UN könnten Kriegsschiffe in die Häfen von Benghasi und Tobruk einlaufen. Sie sollten operativ unter arabisch-muslimischer Führung stehen.

“Militärische Drohkulisse” ist dabei ganz wörtlich zu nehmen: Mehr als eine Pappkulisse darf es nicht sein, die Todenhöfer da von “arabisch-muslimischen” Strohmännern herankarren lassen will, sonst ist wieder ein öliges Buch wider die menschliche Grausamkeit fällig. Soweit muss es aber gar nicht erst kommen: Alles wird gut, solange die Akteure nur nach Jürgens Pfeife tanzen.

Bleibt zu hoffen, dass alle auch mitlesen. Sonst wird es wieder nichts mit dem Weltfrieden.

Islamophobie und Antisemitismus

Die bizarre Gleichsetzung von Islamophobie und Antisemitismus scheint immer mehr Anhänger zu finden. Doch vergleichbar sind sie allenfalls äusserlich, so der Historiker Dan Diner. Strukturell sind beide sehr verschieden:

Der klassische Antisemitismus sucht den “unsichtbaren” Juden, nicht den “sichtbaren”, nicht den Kaftan-Juden, nicht denjenigen, den man als Jude identifiziert. (…) Der Antisemitismus hat sich an Rathenau entzündet, oder an dem französischen Offizier Dreyfus, mit dem kein Mensch irgendetwas Jüdisches assoziierte, denn er war Franzose.

Je integrierter, desto verhasster: Nicht “das Andere” ist dem Antisemitismus Gegenstand der Feindseligkeit, sondern das Unsichtbare.

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