Europas Freiheit

Das Phänomen der sozialen Kontrolle in muslimischen Gesellschaften ist vielfach beschrieben worden, vor allem von Fatima Mernissi, aber auch von Ahmet Toprak, Lamya Kaddor, Ahmad Mansour und anderen. Soziale Kontrolle gibt es zwar überall, in muslimischen Gesellschaften ist sie aber besonders hoch.

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Integration im Endstadium

DER EINE: Bilder von der Loreley, Schloss Benrath, dem Kölner Dom, der Semperoper – wie sieht denn deine Timeline auf Facebook aus? Bist du als Tourist in Deutschland auf der Suche nach Fotomotiven?

DER ANDERE: Ich finde, Deutschland ist ein tolles Land. Ich bin doch Deutscher. Eingewandert aus …, aber Deutscher. Schon seit mehr als zehn Jahren!

DER EINE: Das machst du ganz falsch. Einen wirklichen Deutschen erkennt man daran, dass er mindestens einmal am Tag auf seine Landsleute schimpft und sein Land verwünscht.

DER ANDERE: Warum das?

DER EINE: Na, ist doch ganz klar. Man ärgert sich immer über die eigene Familie, weniger über die Familie der anderen. Genauso ärgert man sich immer über sein eigenes Land, nicht über andere Länder. Jedenfalls nicht offen.

DER ANDERE: Das stimmt. Mir fällt es leichter, etwas Böses über meine Familie zu sagen, wenn ich mich ärgere, als über die Familien von anderen. Umgekehrt, denke ich, steht es anderen nicht zu, so über meine Familie zu schimpfen, wie ich es manchmal tue.

DER EINE: Siehst du. So geht es mir jeden Tag mit Deutschland. Wenn ich mir den Ökofimmel der Deutschen ansehe, wie sie mit Umweltzonen, Windrädern und Solartechnik die Umwelt retten wollen, bete ich [faltet die Hände], möge der Herr dieses Land auf die dunkle Seite des Mondes schiessen! Wenn ich den Rassismus und Fremdenhass der Deutschen sehe, dann flehe ich das Schicksal an [reckt die Hände gen Himmel], es möge eine Bombe auf dieses Land werfen! Wenn ich höre, die Deutschen wollen der Welt eine Lektion in Demokratie erteilen und meinen, Angela Merkel sei die Führerin der freien Welt, dann [schüttelt die Faust] wünsche ich mir, jemand möge die Deutschen in einen Sack stecken und den Knüppel drauf für ihre Hybris!

DER ANDERE: Wirklich?

DER EINE: Klar doch, versuch es mal! Sag “Möge der Herr dieses Land auf die dunkle Seite des Mondes schiessen!”

DER ANDERE [die Hände faltend]: Möge der Herr dieses Land auf die dunkle Seite des Mondes schiessen!

DER EINE: Jetzt flehe das Schicksal an, es möge eine Bombe auf dieses Land werfen!

DER ANDERE [die Hände gen Himmel reckend|: Möge das Schicksal eine Bombe auf dieses Land werfen!

DER EINE: Und jetzt sag “Jemand möge die Deutschen in einen Sack stecken und mit dem Knüppel verhauen!”

DER ANDERE [die Faust schüttelnd]: Jemand möge die Deutschen in einen Sack stecken und mit dem Knüppel verhauen!

DER EINE: Na bravo! Es geht doch. Willkommen im Club. [Sie umarmen einander.] Wie fühlt es sich an?

DER ANDERE: Beschissen.

Proaktive Teilhabeförderung

Dass wir jemals einen Zustand erreichen, in der niemand mehr Ressentiments gegen Menschen anderer Herkunft oder Religion hegt, bleibt auf ewig eine Utopie. Es wird wohl immer einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung geben, der rechtspopulistischen Ansichten zuneigt. Realistisch ist einzig, eine Gesellschaft zu erschaffen, in der xenophobe und rassistische Einstellungen nicht mehrheitsfähig, sondern allgemein missbilligt werden.

Als nach dem Weltkrieg der aus Deutschland vertriebene Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel war aus dem amerikanischen Exil zurückkehrte, ging er mit den Deutschen hart ins Gericht. Den Deutschen attestierte er seinerzeit, eine Aversion schon gegen das Wort „Pluralismus‟ zu hegen „Proaktive Teilhabeförderung“ weiterlesen

Neulich, in Aubervilliers

La Courneuve

Wer in Paris vom Gare du Nord in nördlicher Richtung nach Aubervilliers und La Courneuve fährt, passiert unzählige Halal-Imbisse und -metzgereien, die dort das Strassenbild dominieren – allenfalls unterbrochen von ostasiatischen Geschäften. Daran ist nichts schlimmes oder beunruhigendes, aber es zeigt, wie drastisch sich in den letzten Jahrzehnten in Frankreich die Herkunftsverhältnisse verschoben haben.

Von daher ist es auch keine Überraschung zu erfahren, dass in Frankreich die Zahl der praktizierenden Muslime die der praktizierenden Katholiken mittlerweile übertroffen hat.

Natürlich kochen einige Leute daraus wieder ihr Süppchen. Während der Nationalist Le Pen in der zunehmenden Präsenz des französischen Islam eine Form der Besatzung sieht, will Frankreichs Obermufti Bubakeur jede neue Moschee als Beitrag zur Integration verkaufen.

Das eine ist so absurd wie das andere. Entscheidend ist vielmehr, welche Werte vertreten werden. Und es lässt sich empirisch zeigen, dass es unter europäischen Muslimen eine Tendenz zu den Wertevorstellungen der Bevölkerungsmehrheit gibt.

(Foto: Strasse in La Courneuve / M. Kreutz 2011.)

Integrierte Beliebigkeit

Weisen die einen auf die Beispiele gelungener Integration hin, ohne zugleich die Gegenbeispiele zu leugnen, prangern andere lieber ebendiese Gegenbeispiele an – natürlich ohne ihrerseits die Beispiele gelungener Integration zu leugnen. Wen das nicht vom Hocker haut.

Dabei sollte eigentlich niemanden wundern, warum das Schnarchthema Integration auch nach der tausendsten in den Talkshows und Feuilletons geführten Debatte nicht aus den Puschen kommt: Weil der Begriff der Integration selbst nur eine Gummiente auf dem lauwarmen Badewasser der Geschwätzigkeit ist.

Die “Taz” entdeckt die schwarze Pädagogik

Neues aus der Serie “Unerträglicher als Sarrazin sind nur seine Gegner“. Am Wochenende las man in der “Taz”:

Zu dieser “kulturell bedingten” Mentalität gehöre, dass muslimische Jungen am liebsten unter sich blieben, Frauen jeden Respekt verweigerten und ihre Lehrer gern als “Hurensöhne” titulierten.

Als Beweis zitiert Sarrazin den arabischstämmigen Berlin-Neuköllner Sozialarbeiter Fadi Saad: “Mit Kuschelpädagogik kommt man bei diesen abgebrühten Jungs nicht weiter”, sagt Saad, selbst ehemaliges Gang-Mitglied. Gleichzeitig berichtet dieser noch, dass es in Schulen im Libanon üblich sei, saubere Fingernägel vorzuzeigen – und völlig undenkbar, den Lehrer als “Hurensohn” zu begrüßen.

Offenbar gibt es doch keine Mentalität, die aus der Herkunftskultur importiert wird – sonst wäre das Verhalten der muslimischen Jugendlichen in Berlin und im Libanon ja nicht so unterschiedlich.

Einmal abgesehen davon, dass die Darstellung Sarrazins nicht eben widerlegt wird, ist bemerkenswert, dass die Generation Kinderladen autoritäre Erziehungsmethoden wie zu Kaisers Zeiten bewundert, wenn es darum geht, die Existenz probematischer Sozialisationsmuster zu verdrängen.

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