“Auf die Wissenschaft hören!”

Auf die Wissenschaft zu hören ist ein wohlfeiler Rat, den Zeitgenossen gerne im Zusammenhang mit den Corona-Massnahmen erteilen, wie sie Mediziner empfehlen, wobei ich hier gar nicht in Abrede stellen will, dass gegen Corona etwas getan werden muss und jedem, der es noch nicht getan hat, nur eindringlich dazu aufrufen kann, sich impfen zu lassen, was freilich – dies nur am Rande – bei manchen Bevölkerungsschichten aussichtslos zu sein scheint, schaut man sich einmal an, was dieser Tage an Infantilitäten durch das Netz geistert, dass man sich nur an den Kopf fassen kann. Immerhin wissen wir jetzt, dass die Bewegung der selbsternannten “Querdenker” und damit der Totalverweigerer politischer Massnahmen gegen die Pandemie zum Schutze einer Überlastung des Gesundheitssystems, “teilweise eher von links kommt, sich aber nach rechts bewegt”, womit sich einmal mehr zeigt, dass die Hufeisentheorie, derzufolge die politischen Extreme auf ein gemeinsames Ziel hin konvergieren, durchaus plausibel ist.

Jedenfalls möchte man dem vernünftigen Teil der deutschen Bevölkerung, also den zwei Dritteln, die noch der Medizin vertrauen und nicht in Esoterik abgedriftet sind, zurufen, dass sie doch bitteschön genauso auf die Wissenschaft hören mögen, wenn es um ökonomische Fragestellungen geht, wenngleich hier der Konsens ungleich geringer sein mag. Wenn jedoch Deutschlands wohl bekanntester Ökonom Hans-Werner Sinn Alarm schlägt und vor einer “sich selbst verstärkenden Inflationsspirale” warnt, dann sollte man zumindest zuhören und hinlesen. Immerhin steht nicht weniger auf dem Spiel als die Stabilität des Euro-Raumes und die Frage, wozu man Verträge wie den Maastrichter Vertrag überhaupt schliesst, wenn Staaten missachten, wozu sie sich verpflichtet haben. Denn eine neue EU dämmert am Horizont herauf, die mit der alten nur noch den Namen gemein hat, indem sie Umverteilung und Enteignung anstelle von Wettbewerb und Wohlstand setzt. Gegen das Virus des Etatismus aber gibt es keinen Wirkstoff, sondern hilft nur die Vernunft.

Kohle für nichts

Von der “Süddeutschen” (SZ) wird Annalena Baerbock mit Zähnen und Klauen gegen Kritik verteidigt, ein Promotionsstipendium erhalten, aber nie eine Promotion abgeliefert zu haben. “Na und?”, fragt die Süddeutsche, das sei eben Wissenschaft, da wisse man nie, was am Ende herauskommt. Wer etwas anderes behauptet, so SZ-Autor Ronen Steinke, habe “schlicht keine Ahnung, wie Wissenschaft funktioniert.” Tatsächlich?

Es gibt triftige und nicht-triftige Gründe, eine Promotion abzubrechen. Dass sich das Promotionsvorhaben nicht in der gedachten Form durchführen lässt, ist, anders als Steinke glaubt, jedenfalls kein triftiger Grund. In solch einem Fall ändert man das Forschungsdesign einfach ab! Nach meiner Erfahrung hat kein Geldgeber ein Problem damit, denn nichts hasst eine Institution mehr, als Geld für jahrelange Forschung in den Sand gesetzt haben.

Was den speziellen Fall eines Promotionsvorhabens angeht, so ist es schwierig, ein Thema zu ändern, sobald es einmal im Dekanat angemeldet worden ist. Aber auch hier gibt es Mittel und Wege, zumal man sich zunächst vergewissert, ob das Thema in der gewünschten Form zu bearbeiten ist, bevor man es anmeldet. Auch sollte man nach spätestens einem Jahr in der Lage sein einzuschätzen, ob sich das Vorhaben durchführen lässt. Baerbock hingegen hat mehr als drei Jahre lang ein Stipendium bezogen, ohne dass etwas dabei herausgekommen wäre.

Zwar ist daran nichts illegal. Konsequenzen hat so etwas gleichwohl, nämlich für die Karriere. So etwas hinterlässt keinen guten Eindruck. Wer nicht wenigstens den Versuch unternimmt, sein Forschungsvorhaben zu retten, der gilt im Wissenschaftsbetrieb danach üblicherweise als verbrannte Figur. Davon hat Ronen Steinke aber keinen Schimmer. Er glaubt, einfach Kohle einzuheimsen, ohne eine vereinbarte Leistung zu liefern, sei irgendwie das Normalste der Welt.

Das freilich entspricht ganz dem Weltbild der “Grünen”.

Nachtrag 8. Juli 2021

Beitrag überarbeitet.