Wer die Täter waren

Es ist ja nicht so, dass die Deutschen sich zu ihrer Vergangenheit nicht bekennen würden. Es gibt ein Holocaust-Mahnmal, überall Stolpersteine und eine gewachsene Gedenkkultur an das unfassbarste aller Verbrechen.

Bei all dem darf freilich nicht vergessen werden, dass es vornehmlich Deutsche waren, die den Holocaust zu verantworten haben. Gewiss, nicht “die” Deutschen, nicht alle Deutschen – aber Deutsche.

Das wird gerne unter den Tisch gekehrt und so getan, als wäre Judenhass im Dritten Reich die Eigenschaft einer SS-Elite gewesen und sonst kaum der Rede wert. Man denke hier nur an den Fernsehdreiteiler “Unsere Mütter, unsere Väter” von 2013.

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Politikwissenschaftler und Orientalist (Dr. phil.), forscht, schreibt und referiert über die Geschichte des Nahen Ostens, den Islam und Europa, Religion und Politik.

Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz

Die Moderne nicht vollständig realisiert zu haben, ist vor allem der Islamischen Welt nachgesagt worden. Einspruch kommt von dem Arabisten Thomas Bauer, der jene zumindest in historischer Perspektive für weitaus fortschrittlicher hält, als der heutige Zustand vermuten lässt. Sein zentrales Kriterium für dieses Urteil ist die „Ambiguitätstoleranz‟, die in der Islamischen Welt über Jahrhunderte in ungleich höherem Masse gepflegt worden sein soll als im Westen. Der aus der Psychologie stammende Begriff lässt sich mit Hans Blumenberg als „die Spannweite von Unvereinbarkeiten im Hinblick auf ein und dieselbe Sache‟ definieren, „die ausgehalten wird und dazu noch den Anreiz bietet, Gewinn aus der Beirrung zu ziehen.‟ Nach Bauer soll eine solche islamische „Kultur der Ambiguität‟ erst in der Neuzeit ihren Niedergang erlebt haben, als einheimische Eliten die Wertvorstellungen westlicher Kulturen übernahmen. “Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz” weiterlesen

Politikwissenschaftler und Orientalist (Dr. phil.), forscht, schreibt und referiert über die Geschichte des Nahen Ostens, den Islam und Europa, Religion und Politik.

Zwischen Religion und Politik II – Religion und Imperium

Religionen tragen ein imperiales Erbe in sich, denn mit oder gegen ein Imperium sind sie grossgeworden. Die Herausbildung einer jüdischen, christlichen und muslimischen Zivilisation fand auf dem historischen Spielfeld von Imperien statt. Religionen haben haben dazu beigetragen, Imperien zu begründen und diese, jene zu verbreiten. In der Diskussion um das Spannungsverhältnis von Politik und Religion muss die Erkenntnis einen Platz haben, dass die Politik auf Glaubensfundamenten ruht, auf einem „religiösen Mutterboden‟ den es sichtbar zu machen gelte, wie Jacob Taubes formulierte, und der, wie wir hinzufügen möchten, von imperialen Bedingungen geprägt ist. Diese haben vielfältige Spuren an den Religionen hinterlassen.

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Politikwissenschaftler und Orientalist (Dr. phil.), forscht, schreibt und referiert über die Geschichte des Nahen Ostens, den Islam und Europa, Religion und Politik.

Nomaden und Grossmächte

An dieser Stelle ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Ab und an machen Wissenschaftsverlage ältere Inhalte gratis online verfügbar. Das betrifft auch den aus meiner Feder stammenden Artikel “Der politische Nomade: Die Wahhābiten des 19. Jahrhunderts im Spiegel französischer Diplomatie.”

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Politikwissenschaftler und Orientalist (Dr. phil.), forscht, schreibt und referiert über die Geschichte des Nahen Ostens, den Islam und Europa, Religion und Politik.

Genozid und Staatsräson

In Deutschland herrsche eine “repressive Atmosphäre” in Bezug auf die Ereignisse von 1915, liest man in einer Stellungnahme der türkischen Botschaft anlässlich der Entschliessung des deutschen Parlaments, in diesem Zusammenhang von einem Völkermord an den Armeniern zu sprechen.

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Politikwissenschaftler und Orientalist (Dr. phil.), forscht, schreibt und referiert über die Geschichte des Nahen Ostens, den Islam und Europa, Religion und Politik.

Die Erfindung eines Versprechens

In der der Redaktion der “Zeit” interessiert man sich derzeit für die Kolonialgeschichte des Irak und hat sich ein bisschen in die ältere Literatur zum Thema eingelesen. Herausgekommen ist ein Artikel, der seiner Leserschaft vermittelt, dass “die Araber”, die von einem unabhängigen Grossreich träumten, von den Briten schmählich hintergangen wurden.

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Politikwissenschaftler und Orientalist (Dr. phil.), forscht, schreibt und referiert über die Geschichte des Nahen Ostens, den Islam und Europa, Religion und Politik.

Schwarz. Rot. Gold.

Deutschland ist Fussball-Weltmeister, die Deutschen jubeln, und wieder stellt sich die Frage nach der Zulässigkeit von soviel Schwarz-Rot-Gold auf den Strassen. Tobt da etwa die neue deutsche Volksgemeinschaft? Persönlich stehe ich dieser ganzen Fahnenschwenkerei reserviert gegenüber, halte es eher mit dem argentinischen Individualismus eines Jorge Luis Borges und überhaupt hat Daniel Fallenstein das so ziemlich Gescheiteste zu diesem Thema … Schwarz. Rot. Gold. weiterlesen

Erinnerungen an die Habsburgermonarchie

In der NZZ widmet sich der Historiker Timothy Snyder der Frage, was ein Reich wie die Habsburgermonarchie, die sechshundert Jahre Bestand haben konnte, zu Fall gebracht hat und welche Lehre ihr Ende für die heutige EU parat hält. Snyder bezweifelt, dass es innere Schwächen waren, die zum Zerfall des Staatsgebildes geführt haben, obwohl, wie er einräumt, im 19. Jahrhundert … Erinnerungen an die Habsburgermonarchie weiterlesen