Was darf Satire?

Was darf Satire? Alles, folgt man Tucholsky. Fast alles, folgt man dem Grundgesetz. Wen aber sollte Satire aufs Korn nehmen? Argumentiert man mit dem Goethe-Institut, dann “darf und soll” Satire “die Mächtigen kritisieren und durch den Kakao ziehen, nicht den Einzelnen und nicht den Schwachen.”

Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist das Verständnis von Satire mitunter ein anderes: Satire, so liesse sich formulieren, soll Ressentiments bedienen, die ein pogressiv gestimtes Publikum gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen hegt, also gegen Deutsche ohne Migrationshintergrund und im Rentenalter.

Menschen verächtlich zu machen, die einen Migrationshintergrund haben und im arbeitsfähigen Alter sind, bleibt den Rechten überlassen, die freilich insofern einen Wettbewerbsnachteil in der öffentlichen Meinungsbildung haben, als sie ihren Menschenhass nicht glaubhaft als Satire ausgeben können. Dieses Privileg bleibt den Linken vorbehalten.

Kommt es dann zu einem Sturm der Entrüstung, springt man in den Opfermodus. Dabei ist der Hohn und Spott, mit denen alte “weisse”, übergewichtige und kranke Menschen übergossen werden, ungefähr so originell und herzerfrischend wie die Zwiebelsauce, in der man in der WDR-Kantine die Putenleber badet.

Was darf Satire? Alles. Aber vielleicht sollte jemand den Öffentlich-Rechtlichen stecken, dass sie zur Abwechslung auch einmal witzig sein darf – und die Mächtigen treffen, nicht den Einzelnen und nicht den Schwachen.

Dementi

Es ist verblüffend, mit welcher Hartnäckigkeit selbst unversöhnliche Islamisten im Westen häufig zu moderaten Dialogpartnern verklärt werden. Ein kurzer Blick zurück: Als vor fünf Jahren der damalige iranische Präsident Ahmadinejad seinen Vertrauten Esfandiar Rahim Mashaie zu seinem Stellvertreter machen wollte, wurde das im Westen von nicht wenigen Analysten mit Verzückung aufgenommen.

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Nahosterklärer wider die “Medienmeute”

Vielleicht die FAZ? Nein, dort werden die syrischen Anti-Assad-Kräfte als “Rebellen” oder “Aufständische” bezeichnet. Als “Freiheitskämpfer” jedenfalls nicht oder nur in Anführungszeichen. Oder der amerikanische Sender CNN? Nein, dort spricht man von “freedom fighters” meist in Anführungsstrichen. Grundsätzlich bevorzugt man auch hier die Ausdrücke “rebels” oder “insurgents“.

Was ist mit der britischen BBC? Fehlanzeige, dort wird “freedom fighters” gelegentlich als Eigenbezeichnung erwähnt, sie selbst gibt aber den Begriffen “rebels” und “insurgents” den Vorzug. Dann aber bei der ARD? Auch falsch, dort scheint man von “Freiheitskämpfern” im Zusammenhang mit Syrien überhaupt nur zwei Mal gesprochen zu haben. Ansonsten ist auch hier von “Aufständischen” oder “Rebellen” die Rede. Und das ZDF? Auch das ZDF meidet die Bezeichnung “Freiheitskämpfer” im Zusammenhang mit syrischen Rebellen.

Bleibt noch das Internet. Sucht man allgemein nach Seiten, in denen “Syrien” und Freiheitskämpfer” in einem Atemzug genannt werden, stösst man ebenfalls auf nur wenige Resultate. Meist steht “Freiheitskämpfer” in Anführungszeichen, praktisch keine seriöse Nachrichtenseite will sich den Begriff zu eigen machen. Auch Aljazeera bedient sich offenbar eher Begriffen wie “syrische Opposition” (muʿāraḍa sūriyya) oder (auf der englischen Seite:) “rebels“.

Soweit die Faktenlage. Das kann einige Nahosterklärer jedoch nicht daran hindern, die alte Parole “Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit” ungeniert wie eine Monstranz vor sich herzutragen und “Medienlügen über Syrien” zu beklagen. Angeblich würden die syrischen Rebellen vn einer in- und ausländischen “Medienmeute” bar jeglicher kritischen Distanz immer wieder zu “Freiheitskämpfern” hochgejubelt – von Aljazeera bis CNN, BBC, ARD und ZDF. Tatsächlich, so steht es da.

Die Wahrheit jedoch ist eine andere, wie man oben sieht. Klar und deutlich: Die Medien meiden den Begriff “Freiheitskämpfer” im Zusammenhang mit den Aufständischen, weil er als tendenziös gilt.

(N.B. Der Beitrag wurde am 7.4.13 sprachlich überarbeitet.)

 

 

 

 

 

Leistungsschutzrecht

Habemus papam. Und jetzt zu etwas ganz anderem: Deutsche Presseverleger möchten von Google & Co. doppelt profitieren, indem diese dafür zahlen sollen, ihnen eine kostenlose Dienstleistung, nämlich Leser zuzuführen, anbieten zu dürfen.

Klingt irre, aber wie vieles, was irre klingt, durfte dieses Vorhaben erfolgreich auf den Zuspruch der Politik hoffen, die nun ein Gesetz zusammengefrickelt hat, das dazu geeignet ist, Verwirrung und Unklarheit zu schaffen.

Für dieses Blog bedeutet das: Eine Verlinkung auf die Webpräsenzen deutscher Zeitungen wie FAZ, Welt, Zeit etc. wird auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Eine reine Vorsichtsmassnahme, sicher ist sicher.

Ebenfalls auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wird damit das Vorhaben, die Datenbank mit den Beiträgen von 2005-2012 zugänglich zu machen. Man kann nie wissen.

Und nun weiter im Text.

Der Kritiker als Retter (2)

David Cameron ist der letzte Europäer unter den Staatsmännern Europas, denn er hat erkannt, dass es kein europäisches Demos gibt und die Union nur eine Chance als Netzwerk hat, nicht als Block. Und die Reaktion der deutschen Medien? Nichts als Häme, selbst von seiten der FAZ.

Schlagzeile der FAZ von heute unter einem Bild des Ärmelkanals im Nebel spielt auf den Inselcharakter Grossbritanniens und zugleich auf den offenbar als weltfremd betrachteten Wunsch Camerons an, ein Referendum über den Verbleib seines Landes in der Europäischen Union abzuhalten. Über “Inselbewohner” wird dort gewitzelt, die ihre geographische Lage nicht als das “Stigma” begriffen, als das man es in Frankfurt erkannt hat.

Wenn selbst die bürgerliche Presse mit solch einer Häme und Niedertracht reagiert, dann sagt das viel über den geistigen Zustand der Europäischen Union aus. Bezeichnend, dass in den Medien jetzt auch von Erpressung gesprochen wird – so also ob ein griechischer Politiker namens Alexis Tsipras nicht noch vor einem Jahr ganz offen die Union damit erpresst hätte, dass ein Ende der Dauersubventionierung Griechenlands die Union noch viel teurer werde zu stehen kommen. Damals hat sich die Aufregung des europäischen Auslands in Grenzen gehalten.

Gebühren versenkt

Unser Lieblingssender Arte hat etwas ganz Unerhörtes im Programm. Aus einer Ankündigung:

Der Neo-Liberalismus in der Wirtschaftspolitik hat im Verlauf der letzten 30 Jahre die Banken immer mächtiger werden lassen. Profit hat oberste Priorität, statt Investitionen bestimmen Spekulationen die Geschäfte. Dabei gerät die Politik immer mehr unter den Einfluss omnipräsenter Finanzmanager. Wird die gegenwärtige Finanzkrise daran etwas ändern?

Zumindest an der Wahrnehmung von Wirtschaft wird sich nichts ändern. Denn der Neo-Etatismus in der Rundfunkpolitik hat im Verlauf der letzten 30 Jahre die öffentlich-rechtlichen Sender immer einseitiger werden lassen. Staatliche Alimentierung hat oberste Priorität, statt Vielfalt bestimmt Ideologie die Geschäfte. Dabei geraten die Inhalte immer mehr unter den Einfluss omnipräsenter Wichtigtuer – weswegen sich auch die gegenwärtige Bildungskrise nur verschärfen wird.

[Aus dem Archiv.]

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