Ajatollah Movahedi-Kermani: Wir werden Israel vernichten

Neues aus dem Iran? Eigentlich ist es nichts neues, wenn ein Ajatollah wie Mohammad Ali Movahedi-Kermani in seiner Freitagspredigt öffentlich die Vernichtung Israels herbeisehnt. Bemerkenswert ist das ganze aber insofern, als hierzulande noch immer viele glauben, das Regime sei seit dem Amtsantritt Rouhanis moderater geworden und das Atomabkommen (JCPOA) habe zu dieser Entwicklung beigetragen, indem es den Spielraum für solche Kräfte befördert habe, die den Iran zu einem konstruktiven Akteur im Nahen Osten machen wollen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. “Ajatollah Movahedi-Kermani: Wir werden Israel vernichten” weiterlesen

Proaktive Teilhabeförderung

Dass wir jemals einen Zustand erreichen, in der niemand mehr Ressentiments gegen Menschen anderer Herkunft oder Religion hegt, bleibt auf ewig eine Utopie. Es wird wohl immer einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung geben, der rechtspopulistischen Ansichten zuneigt. Realistisch ist einzig, eine Gesellschaft zu erschaffen, in der xenophobe und rassistische Einstellungen nicht mehrheitsfähig, sondern allgemein missbilligt werden.

Als nach dem Weltkrieg der aus Deutschland vertriebene Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel war aus dem amerikanischen Exil zurückkehrte, ging er mit den Deutschen hart ins Gericht. Den Deutschen attestierte er seinerzeit, eine Aversion schon gegen das Wort „Pluralismus‟ zu hegen “Proaktive Teilhabeförderung” weiterlesen

Zwischen Religion und Politik VIII – Die Geburt des Antisemitismus aus dem Geist der Gnosis

In Abgrenzung von der ahistorischen Kosmologie der Antike hat sich in der Moderne die Auffassung durchgesetzt, dass der Kosmos einem evolutionären Schema unterliegt, das die Existenz des Göttlichen zwar noch erlaubt, dieses aber nicht mehr als unabdingbar erscheinen lässt. Der Kosmos und mit ihm die gesamte materielle Existenz folgen nur noch Gesetzmässigkeiten, die der Erforschung durch den Menschen zugänglich sind. Für Hans Blumenberg besteht die wesentliche Leistung der Moderne darin, mit der Gnosis die Welt zwar für ungerecht zu halten, im Gegensatz zu ihr jedoch eine radikal andere Schlussfolgerung daraus gezogen zu haben, nämlich eine Rechtfertigung des Menschen. “Zwischen Religion und Politik VIII – Die Geburt des Antisemitismus aus dem Geist der Gnosis” weiterlesen

Mehr Frauenpower!

Die islamische Welt schäumt nicht gerade über vor guten Nachrichten. Aber manchmal gibt es doch Anzeichen von Verbesserung – ausgerechnet, was den Status von Frauen betrifft.

Natürlich muss man sich vor Scheinevidenzen hüten. Dass der Anteil weiblicher Studenten an vielen Universitäten in der islamischen Welt so hoch ist, hängt eben auch damit zusammen, dass viele Familien ihren Nachwuchs am liebsten auf westliche Universitäten schicken, die zu zahlenden Gebühren jedoch zu hoch sind, um alle Kinder studieren zu lassen, sodass den Mädchen meist nur die heimische Hochschule bleibt. “Mehr Frauenpower!” weiterlesen

Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz

Die Moderne nicht vollständig realisiert zu haben, ist vor allem der Islamischen Welt nachgesagt worden. Einspruch kommt von dem Arabisten Thomas Bauer, der jene zumindest in historischer Perspektive für weitaus fortschrittlicher hält, als der heutige Zustand vermuten lässt. Sein zentrales Kriterium für dieses Urteil ist die „Ambiguitätstoleranz‟, die in der Islamischen Welt über Jahrhunderte in ungleich höherem Masse gepflegt worden sein soll als im Westen. Der aus der Psychologie stammende Begriff lässt sich mit Hans Blumenberg als „die Spannweite von Unvereinbarkeiten im Hinblick auf ein und dieselbe Sache‟ definieren, „die ausgehalten wird und dazu noch den Anreiz bietet, Gewinn aus der Beirrung zu ziehen.‟ Nach Bauer soll eine solche islamische „Kultur der Ambiguität‟ erst in der Neuzeit ihren Niedergang erlebt haben, als einheimische Eliten die Wertvorstellungen westlicher Kulturen übernahmen. “Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz” weiterlesen

Zwischen Religion und Politik V – Im Spiegelsaal der Moderne

Mag der Fortschrittsgedanke auch weithin akzeptiert sein, so wird er doch herausgefordert durch das Postulat von einer „multiplen Moderne‟, das beinahe selbst mythische Qualitäten besitzt, indem es sich der Frage verweigert, was die Moderne von anderen Epochen unterscheidet und was sich mit ihr geändert haben soll. Es ist vielmehr ein Apotropaion, ein Abwehrzauber, der in der Beschwörung unterschiedlicher „styles of modernism‟ (Stephen Toulmin) einer vermeintlichen Gleichmacherei der Kulturen durch den Weltmarkt Einhalt gebieten soll. “Zwischen Religion und Politik V – Im Spiegelsaal der Moderne” weiterlesen