Die Schlange, die zum Menschsein verführte

Von Gilgamesch bis Carl Schmitt: Der Judaist Peter Schäfer beleuchtet das abendländisch-jüdische Verhältnis anhand der Schöpfungsgeschichte.

Die Vertreibung aus dem Paradies, wie die Bibel sie erzählt, hat Kunst und Literatur bis in die Gegenwart hinein inspiriert, ist aber in ihrer vorherrschenden Deutung vom Sündenfall eine rein abendländisch-christliche, die der jüdisch-rabbinischen Intention vollkommen zuwiderläuft und als solche bis in das politische Denken der Gegenwart hinein nachwirkt, wie der Judaist Peter Schäfer in seinem neuen Buch „Die Schlange war klug“ zeigt.

„Die Schlange, die zum Menschsein verführte“ weiterlesen

Was darunter liegt

Während der Spätantike war es der persische Kult um Mithras, der in direkter Konkurrenz zum jungen Christentum stand und wie dieses den Gläubigen ewiges Leben verhiess. Das Weihnachtsfest könnte hier seine vorchristlichen Wurzeln haben. Denn der 25. Dezember wurde mit der Sonne identifiziert und Mithras’ Geburt am selben Tag gefeiert, dem Zeitpunkt der Wintersonnenwende, mit dem die Tage wieder länger werden.

„Was darunter liegt“ weiterlesen

Zwischen Religion und Politik X – Schluss

Das moderne, diesseits- und lebensbejahende Gemeinwesen bedarf eines entsprechenden Ethos, das sich aus der Religion speisen kann, aber nicht muss. Nicht nur Institutionen erhalten es lebendig, sondern auch qua Sozialisation vermittelte Werte und Denkmuster, deren religiöser Ursprung dem einzelnen freilich nicht immer bewusst ist. Natürlich sind Menschen nicht in ihrer Religion gefangen, sodass es ihnen unmöglich wäre, anders als nach den Vorgaben jener zu handeln. Dass es keinen solchen Determinismus gibt, heisst aber noch nicht, dass Menschen sich in ihrem Handeln deshalb nicht von sakralen Schriften inspirieren oder von religiösen Idealen leiten lassen können.

„Zwischen Religion und Politik X – Schluss“ weiterlesen

Zwischen Religion und Politik VII – Dimensionen der Säkularität

Die in der Forschung vertretene Vermutung, dass Modernisierung mit einem Bedeutungsverlust von Religion in der Gesellschaft einhergehe (Säkularisierungsthese), ist in jüngerer Zeit infrage gestellt worden und seitdem Gegenstand einer interdisziplinären Kontroverse. Die Schwierigkeit liegt darin, dass religiöse Handlung als solche nicht immer leicht zu identifizieren ist, weil schon das Wesen von Religion umstritten ist.

„Zwischen Religion und Politik VII – Dimensionen der Säkularität“ weiterlesen

Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz

Die Moderne nicht vollständig realisiert zu haben, ist vor allem der Islamischen Welt nachgesagt worden. Einspruch kommt von dem Arabisten Thomas Bauer, der jene zumindest in historischer Perspektive für weitaus fortschrittlicher hält, als der heutige Zustand vermuten lässt. Sein zentrales Kriterium für dieses Urteil ist die „Ambiguitätstoleranz‟, die in der Islamischen Welt über Jahrhunderte in ungleich höherem Masse gepflegt worden sein soll als im Westen.

„Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz“ weiterlesen

Zwischen Religion und Politik V – Im Spiegelsaal der Moderne

Mag der Fortschrittsgedanke auch weithin akzeptiert sein, so wird er doch herausgefordert durch das Postulat von einer „multiplen Moderne‟, das beinahe selbst mythische Qualitäten besitzt, indem es sich der Frage verweigert, was die Moderne von anderen Epochen unterscheidet und was sich mit ihr geändert haben soll. Es ist vielmehr ein Apotropaion, ein Abwehrzauber, der in der Beschwörung unterschiedlicher „styles of modernism‟ (Stephen Toulmin) einer vermeintlichen Gleichmacherei der Kulturen durch den Weltmarkt Einhalt gebieten soll.

„Zwischen Religion und Politik V – Im Spiegelsaal der Moderne“ weiterlesen

Zwischen Religion und Politik IV – Die Philosophie der Aufklärung

Der früheste bekannte Beleg des Begriffes modernus findet sich in den Epistolae pontificum des Gelasius (gest. 496), der damit die Dekrete des Konzils von Chalkedon gegenüber älteren Regularien abgrenzt. Wie Hans Ulrich Gumbrecht gezeigt hat, war dem Substantiv modernitas im 11. Jahrhundert zunächst eine abwertende Konnotation zu eigen, insofern als es mit der Abkehr von den überlieferten Werten in Verbindung gebracht wurde.

„Zwischen Religion und Politik IV – Die Philosophie der Aufklärung“ weiterlesen

Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (4)

(Forts.) 

Hinzu kommt ein seit der Renaissance sich abzeichnender Individualismus, der vor allem in der Kunst sichtbar wird. Dieser Prozess spielte sich aber vor allem im westlichen, lateinischen Europa ab, weniger im östlichen, orthodoxe Europa oder in der arabisch-islamischen Welt. Ein weiterer Graeco-Arabist, Gotthard Strohmaier, kritisiert, dass der Diskurs über die Bedeutung der arabischen Wissenschaften für Europa ideologisch stark aufgeladen ist.

„Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (4)“ weiterlesen

Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (3)

(Forts.)

Hier zeichnet sich etwas ab, was man in den historischen Wissenschaften als „Pfadabhängigkeit‟ bezeichnet, denn die Arabische Welt schlug eine andere Welt ein, was zunächst einmnal verwundern muss, hatte sie doch hervorraagende Mathematiker und Naturwissenschaftler hervorgebracht.

„Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (3)“ weiterlesen
Translate