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Schlagwort: Religion

This entry is part of 8 in the series Zwischen Religion und Politik

Das moderne, diesseits- und lebensbejahende Gemeinwesen bedarf eines entsprechenden Ethos, das sich aus der Religion speisen kann, aber nicht muss. Nicht nur Institutionen erhalten es lebendig, sondern auch qua Sozialisation vermittelte Werte und Denk-muster, deren religiöser Ursprung dem einzelnen freilich nicht immer bewusst ist. Natürlich sind Menschen nicht in ihrer Religion gefangen, sodass es ihnen unmöglich wäre, anders als nach den Vorgaben jener zu handeln. Dass es keinen solchen Determinismus gibt, heisst aber noch nicht, dass Menschen sich in ihrem Handeln deshalb nicht von sakralen Schriften inspirieren oder von religiösen Idealen leiten lassen können. (mehr …)

Die Moderne nicht vollständig realisiert zu haben, ist vor allem der Islamischen Welt nachgesagt worden. Einspruch kommt von dem Arabisten Thomas Bauer, der jene zumindest in historischer Perspektive für weitaus fortschrittlicher hält, als der heutige Zustand vermuten lässt. Sein zentrales Kriterium für dieses Urteil ist die „Ambiguitätstoleranz‟, die in der Islamischen Welt über Jahrhunderte in ungleich höherem Masse gepflegt worden sein soll als im Westen. Der aus der Psychologie stammende Begriff lässt sich mit Hans Blumenberg als „die Spannweite von Unvereinbarkeiten im Hinblick auf ein und dieselbe Sache‟ definieren, „die ausgehalten wird und dazu noch den Anreiz bietet, Gewinn aus der Beirrung zu ziehen.‟ Nach Bauer soll eine solche islamische „Kultur der Ambiguität‟ erst in der Neuzeit ihren Niedergang erlebt haben, als einheimische Eliten die Wertvorstellungen westlicher Kulturen übernahmen. (mehr …)

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Mag der Fortschrittsgedanke auch weithin akzeptiert sein, so wird er doch herausgefordert durch das Postulat von einer „multiplen Moderne‟, das beinahe selbst mythische Qualitäten besitzt, indem es sich der Frage verweigert, was die Moderne von anderen Epochen unterscheidet und was sich mit ihr geändert haben soll. Es ist vielmehr ein Apotropaion, ein Abwehrzauber, der in der Beschwörung unterschiedlicher „styles of modernism‟ (Stephen Toulmin) einer vermeintlichen Gleichmacherei der Kulturen durch den Weltmarkt Einhalt gebieten soll. (mehr …)

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Der früheste bekannte Beleg des Begriffes modernus findet sich in den Epistolae pontificum des Gelasius (gest. 496), der damit die Dekrete des Konzils von Chalkedon gegenüber älteren Regularien abgrenzt. Wie Hans Ulrich Gumbrecht gezeigt hat, war dem Substantiv modernitas im 11. Jahrhundert zunächst eine abwertende Konnotation zu eigen, insofern als es mit der Abkehr von den überlieferten Werten in Verbindung gebracht wurde. Der englische Kirchenschriftsteller Walter Map (1140-1209) schrieb seinerzeit, dass jedes Jahrhundert seine Moderne verachte („omnibus seculis sua displicuit modernitas‟). Eine positive Konnotation nimmt das Adjektiv „modern‟ erst in der Renaissance an, als Petrarca damit die christliche Epoche bezeichnet. Das Adjektiv „modern‟ beinhaltet seitdem eine Verheissung: Es bezeichnet die Epoche, der die Zukunft gehört.

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(Forts.) Hinzu kommt ein seit der Renaissance sich abzeichnender Individualismus, der vor allem in der Kunst sichtbar wird. Dieser Prozess spielte sich aber vor allem im westlichen, lateinischen Europa ab, weniger im östlichen, orthodoxe Europa oder in der arabisch-islamischen Welt. Ein weiterer Graeco-Arabist, Gotthard Strohmaier, kritisiert, dass der Diskurs über die Bedeutung der arabischen Wissenschaften für Europa ideologisch stark aufgeladen ist.

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(Forts.) Denn mit ihr änderte sich auch die Stellung des Menschen im Universum, was später einen Nachhall in der Relativierung konfessioneller Dogmen und der Entstehung des Deismus finden sollte. Kopernikus selbst stellte sein Werk in die Tradition des Humanismus, seine Theorie wurde zum „Seinsmodell der Neuzeit‟ (Hans Blumenberg).

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