Judenhass in Europa

Der erste Eindruck war nicht der beste. Elsässer, Jebsen, Hadsch Amin al-Husseini, das kennen wir doch alles schon. Aber dann wurde der Film richtig gut, als er die BDS-Bewegung ins Visier nahm. Diese ist verlogen und heuchlerisch und wird von Menschen getragen, denen jegliche intellektuelle Redlichkeit in Bezug auf die eigene Geschichte oder die Realitäten des Nahen Osten zutiefst fremd ist. Daher nützt die BDS-Kampagne auch den Palästinensern nicht, wie der Film dankenswerterweise gezeigt hat.

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Zwischen Religion und Politik VIII – Die Geburt des Antisemitismus aus dem Geist der Gnosis

In Abgrenzung von der ahistorischen Kosmologie der Antike hat sich in der Moderne die Auffassung durchgesetzt, dass der Kosmos einem evolutionären Schema unterliegt, das die Existenz des Göttlichen zwar noch erlaubt, dieses aber nicht mehr als unabdingbar erscheinen lässt. Der Kosmos und mit ihm die gesamte materielle Existenz folgen nur noch Gesetzmässigkeiten, die der Erforschung durch den Menschen zugänglich sind. Für Hans Blumenberg besteht die wesentliche Leistung der Moderne darin, mit der Gnosis die Welt zwar für ungerecht zu halten, im Gegensatz zu ihr jedoch eine radikal andere Schlussfolgerung daraus gezogen zu haben, nämlich eine Rechtfertigung des Menschen.

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Dschihadistischer Antisemitismus

In seinem Buch “My Promised Land” beschreibt der israelische Journalist Ari Shavit gleich auf der ersten Seite, wie zerrissen seine Gefühle in Bezug auf seine Heimat Israel sind. Das Israel, in dem er aufwuchs, sei dynamisch. überschäumend und hoffnungsfroh. Doch fühlte er, schreibt Shavit, dass zwischen all dem bürgerlichen Wohlstand, den das Land hervorgebracht hat, eine dunkle See liegt. Eines Tages, so fürchtete er, würde die dunkle See sich erheben und alle ertränken. Ein mythischer Tsunami würde die Strände heimsuchen und sein Israel hinfortspülen.

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Fatales Signal

Man kann nicht glauben, was sich gestern in Frankfurt abgespielt hat. Darauf muss man erst einmal kommen: Die Polizei gibt Anti-Israel-Hetzern Zugang zum Lautsprecherwagen, damit die ihre Parolen lautstark verbreiten können.

Möglich wurde das, weil die angemeldete “Free Palestine”-Kundgebung sehr viel mehr Unterstützer als die fünfzig, mit denen die Organisatoren angeblich gerechnet hatten, auf sich zog. Was dann geschah ist schier unvorstellbar, aber durch Filmmaterial belegt: “Allahu Akbar”- und “Kindrmörder Israel”-Rufe aus dem Megaphon eines deutschen Polizeiwagens!

Offenbar bedarf es nur einer genügend grossen Unterstützerzahl auf seiten der Demonstranten, schon ist staatlicherseits Deeskalation angesagt. Das hat man bei dem Hamburger “Flora”-Besetzern gesehen, und das sieht man bei den Verkündern eines “free Palestine”, womit ein Naher Osten ohne Israel gemeint ist.

Welch fatales Signal ausgesandt wird, wenn die Polizei ihren Lautsprecherwagen einem solchen Mob zur Verfügung stellt, scheint den Verantwortlichen gar nicht klar zu sein.

Was nützt eine Armada von Terrorismus- und Salafismusforschern, die sich um Syrien-Heimkehrer und Dschihadisten aller Art kümmert, wenn die Abwehrkräfte der Demokratie gleich beim nächsten Anti-Israel-Flashmob in sich zusammensinken wie Salzburger Nockerl an der kühlen Luft?

Natürlich hat die Polizei sich die Parolen nicht zu eigen gemacht – es ging ihr nur um die Beruhigung der Lage. Die Beruhigung der Lage ist nämlich das wichtigste in Deutschland. Aber um welchen Preis!

Aufgegangen ist die Strategie auch nur halb, denn die getroffene Absprache, den Polizeilautsprecher nur für Parolen in deutscher Sprache zu benutzen, wurde nicht eingehalten.

Aber das ist nur noch ein Detail dieser abstrusen und fatalen Geschichte, die sich gestern in Frankfurt zugetragen hat.

 

Der “ewige Aggressor”

Es ist durchaus erstaunlich zu sehen, wieviele Intellektuelle nicht nur in Deutschland sich partout nicht dazu durchringen können, dem jüdischen Staat eine andere Rolle als die des Aggressors zuzuweisen. Zwar hatte die israelische Regierung sich monatelang mit Raketen aus Gaza beschiessen lassen, bevor sie zurückschlug, doch in den Augen vieler Kritiker ist das bedeutungslos.

Denn ob die israelische Armee sich zurückzieht (so aus dem Gazastreifen und dem Südlibanon) oder nicht, ob die israelische Regierung Kontrollposten im Westjordanland abbaut oder nicht, ob Israel Güter nach Gaza liefert oder nicht – es spielt alles keine Rolle. Immer ist der jüdische Staat der Agrressor, der Unterdrücker, der nie versiegende Quell der Zwietracht.

Und wenn das aggressive Potential einer Organisation wie der Hamas doch einmal wahrgenommen wird, dann nur im Rahmen einer Äquidistanz: Gewiss, die Hamas sei schlimm – aber die Haredim sind es auch. Als ob die Haredim, also Israels Ultraorthodoxe, eine politische Organisation darstellten und Raketen auf Gaza feuerten.

Gerade deshalb verdienen es die Äusserungen des Journalisten Jakob Augstein als antisemitische Entgleisung benannt und gescholten zu werden. Weil Sie in ihrer Einseitigkeit so symptomatisch sind. Weil die Regierung Netanjahu oft nur vorgebliches Ziel der Kritik ist, die die Ablehnung des jüdischen Staates als solchen kaschieren soll. (Eine “Hitliste der grössten Antisemiten der Welt” gibt es übrigens nicht, wie oft behauptet wird, jedenfalls nicht seitens des Simon-Wiesenthal-Centers.)

Ist Augstein also ein Antisemit? Ich weiss es nicht, zumal nicht jeder Unsinn, der über Israel verzapft wird, Antisemitismus genannt zu werden verdient. Aber wahrscheinlich ist es schon. Die Fixierung auf den Konflikt mit Israel und die augenscheinliche Weigerung, Israel auch nur einmal vorbehaltlos ein Selbstverteidungsrecht zuzubilligen, deuten darauf hin.

Manchmal jedenfalls wünscht man sich, dass, wer schon ein grundsätzliches Problem mit dem jüdischen Staat hat, sich wenigstens nicht hinter den Palästinensern versteckt und seine Ressentiments als moralischen Appell tarnt. Kein Wunder, dass Tuvia Tenenbom nach seinen zahlreichen Begegnungen mit den Menschen in diesem Land ihre “Maskeraden, ihre endlosen Diskussionen, ihre andauernden Predigten” irgendwann nicht mehr ertragen konnte.

Friedrich Naumann ein Antisemit?

Man kann Friedrich Naumann sicherlich vieles vorwerfen (vor allem, dass er mehr Sozialdemokrat als Liberaler war), aber dass er eine antisemitische Schlagseite gehabt haben soll, dürfte eine kaum haltbare These sein.

Tatsächlich hatte Naumann für den Antisemitismus seiner Zeit nur Verachtung übrig: “Der Jude soll der Typus der Geldwirtschaft sein und mit seinem kapitalistischen Geiste das brave und biedere Deutschland durchsetzt und zerstört haben”,[1] konstatierte er (man beachte die ironische Sprache!), um dann zu einem klaren Urteil zu gelangen:

“Es gibt keine bequemere, aber auch keine unfruchtbare[re] politische Grundformel als den Antisemitismus.”[2]

Naumann war gewiss kein Antisemit. Aussagen wie die, dass die Juden im Falle eines Entzugs ihrer Staatsbürgerrechte “staatsfeindlich” würden, sind offenbar an die Adresse der Antisemiten seiner Zeit gerichtet, die für Appelle an Menschenwürde und die Existenz unveräusserlicher Rechte taub waren und die man nur so argumentativ “packen” konnte.

  1. Friedrich Naumann: Werke. Köln 1964, Bd. 2, 168, Abschnitt a.
  2. Ebd., 169.

Islamophobie und Antisemitismus

Die bizarre Gleichsetzung von Islamophobie und Antisemitismus scheint immer mehr Anhänger zu finden. Doch vergleichbar sind sie allenfalls äusserlich, so der Historiker Dan Diner. Strukturell sind beide sehr verschieden:

Der klassische Antisemitismus sucht den “unsichtbaren” Juden, nicht den “sichtbaren”, nicht den Kaftan-Juden, nicht denjenigen, den man als Jude identifiziert. (…) Der Antisemitismus hat sich an Rathenau entzündet, oder an dem französischen Offizier Dreyfus, mit dem kein Mensch irgendetwas Jüdisches assoziierte, denn er war Franzose.

Je integrierter, desto verhasster: Nicht “das Andere” ist dem Antisemitismus Gegenstand der Feindseligkeit, sondern das Unsichtbare.

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