Ein Krisenherd und seine Experten

Meine Erwartungen an die Öffentlich-Rechtlichen sind ja gering, wenn es um Beiträge zum Thema Nahost geht. Vor allem beim Thema Iran versagen die Sender grundsätzlich. Immer treten dort vermeintliche Experten auf, die so reden, als seien sie vom Aussenministerium des iranischen Regimes noch morgens beim Frühstück instruiert worden.

Zwar lehnt eine überwältigende Mehrheit der Iraner das klerikal-faschistische Regime ab (was haben wir auf diesem Blog zig Mal thematisiert haben). So hat schon vor elf Jahren eine Studie des BAMF ergeben, dass von den in Deutschland lebenden Iranern “sich weniger als die Hälfte zum Islam” bekennen, “so dass unter den iranischstämmigen Migranten die Muslime eine Minderheit sind.”

Ähnliches haben Umfragen ergeben, die der Verein PAAIA unter Irano-Amerikanern hat durchführen lassen: Nur 42 Prozent der Befragten identifizierten sich 2019 mit dem Islam und gab über die Jahre hinweg eine absolute Mehrheit an, die Stärkung von Menschenrechten und Demokratie in Iran habe für sie oberste Priorität, was die US-Aussenpolitik in Bezug auf ihr Herkunftsland betrifft. In Iran selbst ist die Situation nicht anders, gilt es doch als „Land der leeren Moscheen‟

Man kann sich kaum vorstellen, dass Menschen, die sich massenhaft vom Islam abgewandt haben, in irgendeiner Weise hinter einem klerikal-faschistischen Regime stehen sollen. Der deutsche Fussballtrainer Winfried Schäfer, der zwei Jahre lang den Teheraner Club Esteghlal trainiert hat, erklärte vergangenes Jahr im Interview mit “t-online”: “Niemand, den ich kennen lernte (…) unterstützt das Regime. Aber jeder hat Angst. (…) In zwei Jahren habe ich nicht einen Menschen getroffen, der dem Regime positiv gegenübersteht – und ich spreche von Menschen sehr unterschiedlicher Hintergründe. Industrielle, Akademiker, Fußballspieler, Taxifahrer und sogar Minister.

Umso erfreuter war ich also, als auf ZDFinfo eine Dokumentation lief (“Krisenherd Iran”), die endlich einmal keine Regime-Propaganda enthielt, endlich einmal die Unterdrückung der Iraner thematisierte und Exilanten zu Wort kommen liess, die deutlich machten, wie sehr sich gerade die junge iranische Bevölkerung nach Freiheit sehnt und danach, ein ganz normales Leben führen zu können wie ihre Altersgenossen in Berlin, Los Angeles oder Shanghai auch.

Doch die Freude währte nur eine halbe Stunde lang.

Dann kamen gleich wieder meine lieben “Freunde” zu Wort – Adnan Tabatabai, Katajun Amirpur, Ervand Abrahamian – und dann auch noch Hossein Mousavian und Trita Parsi. Mousavian ist ehemaliger Botschafter des iranischen Henkerstaates in Deutschland und heute eifriger Propagandist desselben in Princeton. Der Mann hat eine dunkle Vergangenheit, was ihn offenbar so interessant macht, dass er gern gesehener Gesprächspartner in politischen Gesprächsrunden ist.

Trita Parsi wiederum war lange Zeit Vorsitzender eines Vereins namens NIAC (National Iranian American Council), das einer amerikanischen Öffentlichkeit weiszumachen versucht, die Menschen in Iran stünden in der einen oder anderen Weise hinter dem Regime. Wie auch Moussavian pflegte Parsi gute Kontakte ins Weisse Haus. Dass Parsi vor Jahren eine Verleumdungsklage gegen einen Verein verlor, der ihn bezichtigte, Sprachrohr des Teheraner Regimes zu sein und die Mitgliederzahlen geschönt zu haben, war unter Obama kein Problem.

Und nun dürfen all diese wunderbaren Menschen auf ZDFinfo den Experten zum Thema “Krisenherd Iran” mimen. Ja, das sind die Öffentlich-Rechtlichen, wie man sie kennt: Immer furchtbar ausgewogen, immer voller Verständnis für die andere Seite. Kein Grund zur Aufregung also, hier ist alles beim alten geblieben. In Mainz bleibt man sich treu.