Mitteilungen aus Kilis (13)

Nachdem der Iran und die Hisbollah sich zu ihrer Intervention in Syrien bekannt haben, haben wir lange gewartet und immer mehr Getötete gezählt, bis gestern das folgende passierte: Muslimische Gelehrte riefen den Dschihad gegen Assad, Iran und die Hisbollah in Syrien aus!

Gut so. Aber es bedurfte des internationalen Druckes, um die Opposition zu bewaffnen, weil es nicht an Kämpfern, dafür aber an schlagkräftigen Waffen fehlt. Stunden nach der Ausrufung des Dschihad erklärte der amerikanische Kongress den bewaffneten Dschihad. Das stimmt uns glücklich.

Derweil gibt es in Indonesien eine Kampagne zur Anwerbung von einer Million Selbstmordattentäter für Syrien und in Kuwait eine ähnliche Kampagne, die 1500 aufbringen will. Vielleicht schon in der kommenden Woche wird es in Syrien tausende Selbstmordattentäter geben. Die Muslime kämpfen mit dem Einsatz ihres Lebens und Amerika mit Waffen.

Diejenigen, die in Syrien verlieren werden, sind die Zentristen und Liberalen. Die Welt hat lange gezögert. Doch besser spät als nie. Notwendig ist nicht nur, die Opposition zu bewaffnen, sondern sicherzustellen, dass die Waffen an den Generalstab der FSA und ihre Angehörigen geliefert werden und an niemanden sonst.

Denn die Situation in Syrien ist nicht gut. Sie ähnelt einem Dschungel. Der Starke verspeist den Schwachen und über allem stehen die Schiiten, die alles und jeden verspeisen.

Wer in Syrien auf Seiten des Regimes steht, dessen Hab und Gut wird geplündert und er wird von den Rebellen getötet. Wer für die Revolution ist, der wird von den Schergen des Regimes verfolgt und getötet und seine Habe beschlagnahmt. Und wer neutral bleibt, der zieht sich den Zorn von beiden Seiten zu.

Darum bevorzugen viele Syrer wie ich, im Ausland zu bleiben, denn in Syrien ist man entweder Mörder oder Ermordeter. Was wird passieren, wenn uns tausende von Dschihadisten erreichen? Vielleicht benötigen wir gerade jetzt wirklich gute Waffen zur Abschreckung.

Wir brauchen die Liga der arabischen Staaten und die arabischen Abschreckungskräfte, um das Blutvergiessen und die Beschlagnahmungsaktionen von Eigentum zu stoppen und um das Recht – oder was davon übrig ist – für ihre Eigentümer wiederherzustellen.

Die Politik der Zurückhaltung und des Überlassens der Dinge an Russland, Iran und die Hisbollah ist das Schlimmste, was der Westen und Amerika tun konnten – und wir sind es, die den Preis zahlen.

Denn Assad ist am Ende und auch die Hisbollah hat in Syrien ausgespielt. Dies ist eine Tatsache. Selbst wenn Millionen schiitischer Kämpfer kämem und die Kontrolle über ganz Syrien übernähmen, so gibt es doch mindestens zwanzig Millionen Syrer, die keine Schiiten mögen und keinen Assad. Darum ist es beiden unmöglich, Syrien zu kontrollieren.

Das Spiel der Hisbollah ist ein törichtes Spiel.

Türkische Republik, 14.06.2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz. Der Text gibt die Meinung des Autors wieder.)

Autor: Muhammad H. (Gastautor)

Muhammad H. ist ein syrischer Exilant, der vor dem Krieg aus seiner syrischen Heimat in die Türkei geflüchtet ist. Er arbeitet heute in einer Künstlerkolonie im südtürkischen Kilis, von wo aus er die Ereignisse in Syrien ebenso wie die Stimmung in der syrischen Exilgemeinde verfolgt. Vor seinen "Mitteilungen aus Kilis" schrieb er für die transatlantic annotations das "Kriegstagebuch Aleppo".

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