Belarus

Putins Coup: Ein fiktives Gespräch

– Ein Telefonat zwischen Minsk und Moskau. –

LUKASCHENKO: Hey Vova, kak djela?

PUTIN: Hey Sascha, charascho. Spasiba. Was geht ab in Minsk?

LUKASCHENKO: Die Hütte ist mächtig am Brennen. Nicht mehr lange und uns fliegt hier alles um die Ohren. Ich ersuche schon einmal um Exil in Moskau.

PUTIN: Reiss dich zusammen! Es läuft doch alles wunderbar.

LUKASCHENKO: Was denn?

PUTIN: Demnächst fliegt eine Maschine der Ryanair von Griechenland nach Litauen. Darin wird dein Widersacher Roman Protasewitsch sitzen.

LUKASCHENKO: Ja, und?

PUTIN: Die Maschine wird euren Luftraum durchqueren. Dort könnt ihr sie abfangen und euch den Burschen greifen. Ihr sagt einfach, ihr hättet eine Bombendrohung erhalten. Von der Hamas oder irgendeiner anderen durchgeknallten Truppe.

LUKASCHENKO: (Denkt nach.) Hmmm. Aber stinkt die Geschichte denn nicht zum Himmel? Die USA und die EU werden uns diesen Blödsinn doch nie und nimmer abkaufen!

PUTIN: Ach, was. Wenn die USA oder die EU es wagen sollten, von Luftpiraterie zu sprechen, weisen wir sie genüsslich auf ihre eigenen krummen Touren in der Vergangenheit hin.

LUKASCHENKO: Verstehe. Ihr werdet so tun, als seid ihr schockiert darüber, dass USA und EU schockiert sind.

PUTIN: Du hast’s erfasst! Die werden dein Land wahrscheinlich eine zeitlang im Luftverkehr isolieren. Aber das kann dir nur recht sein: Dann können weitere Dissidenten Belarus nicht mehr so leicht gen Westen verlassen.

LUKASCHENKO: Sicher wird die EU ihr Sanktionsregime verschärfen!

PUTIN: Keine Sorge, Sascha, Russland steht dir bei.

LUKASCHENKO: (Schöpft Hoffnung.) Atlitschna! Das könnte klappen!

PUTIN: Es wird klappen!

– Ende des Telefonats. Beide legen auf. –

PUTIN: Ein herrlich nützlicher Idiot, dieser Aljaksandr! Ich liebe ihn. Er treibt sein Land immer weiter in unsere Arme.

MISCHUSTIN (Regierungschef): Aber was machen wir, wenn er eines Tages von seinem Volk gestürzt wird? Die hassen ihn ja wirklich.

PUTIN: Njet probljem, Mischa! Dann annektieren wir einfach denjenigen Teil von Belarus, der irgendwie schon immer zu Russland gehört hat, und schaffen einen Dauerkonflikt. So bleibt das Land auf ewig von unserem Wohlwollen abhängig. Oder wir trennen einen Streifen vom belarussischen Territorium ab und gründen darauf einen Ministaat, der uns treu ergeben ist. Das hat im Falle von Georgien, Moldawien und der Ukraine hervorragend funktioniert. Wir sorgen schon dafür, dass Belarus sich dem Westen nicht allzu sehr annähert.

MISCHUSTIN: So schaffen wir Frieden auf unsere Art. Ohne Demokratie oder Menschenrechte.

PUTIN: Nicht zu vergessen: Wir haben auch Freunde im Westen!

MISCHUSTIN: (Runzelt die Stirn.) Nimmt denn irgendjemand in Europa Gestalten wie Andrej Hunko von der Linkspartei oder den AfD-Frohnmaier ernst?

PUTIN: Sieh es einmal von folgender Seite: Allein die Deutschen haben schon zwei Parteien in ihr Parlament gewählt, die russische Verhältnisse in ihrem eigenen Land gar nicht so übel fänden. Ich denke, da geht noch mehr. Ich sehe eine grosse Zukunft für Europa!