Aus dem Leben eines Anarchisten

Mittlerweile hat Theatermann Claus Peymann sein Weltkriegstrauma soweit überwunden, dass er der “Frankfurter Rundschau” ein Interview geben konnte. Weiser ist er freilich nicht geworden, aber das hat auch niemand erwartet. Dafür traf er auf einen Interviewer, der es ihm überraschend schwer machte.

Peymann, warf jener ihm enttäuscht vor, habe sich mit der Annahme der Ehrenmitgliedschaft des Burgtheaters, “in eine Reihe mit Antisemiten und Faschisten gestellt, die noch immer Ehrenmitglieder dieses Theaters sind.” Dreizehn Jahre habe er als Intendant gegen den faschistischen Muff gekämpft, doch bei der Übergabe kein Wort gesagt. – Worauf Peymann entgegnete, innerlich nie etwas anderes als ein Anarchist gewesen zu sein.

Claus Peymann, selbsternannter “Stachel im Arsch der Mächtigen” (O-Ton Peymann) ist nämlich ein Anarchist der besonderen Sorte. Mit einem Jahresgehalt von über 200.000 Euro brutto wird sein Anarchismus zu einem echten Turbo. Dass es sich dabei um Steuergelder handelt, ist für Peymann kein Widerspruch: Staatliche Gelder garantieren die Freiheit, von der andere nur träumen können.

Dafür weiss man sich dann auch zu benehmen, wenn man eine Ehrenmitgliedschaft überreicht bekommt. Die Zuschauer danken es ihm – und wenn diese wegbleiben, springt der Staat ein. So wird aus dem Stachel ein Vibrator, der im Takt des Konformismus summt.