Mitteilungen aus Kilis

Mitteilungen aus Kilis (18)

Einige der türkischen Anhänger von Assad machen in der Türkei Propaganda für eine extrem gefährliche Sache. Sie behaupten, dass die Opposition den chemischen Angriff vorgenommen habe, nachdem die Türkei sie mit den entsprechenden Waffen ausgerüstet hat. Erdogan selbst soll die syrische Opposition mit Waffen versorgen.

Natürlich sehe ich die Gefahr eines nichtkonventionellen Angriffs in der Türkei von innen durch diejenigen, die Anhänger von Assad in der Türkei sind. Mit Reyhanlı gibt es einen Präzedenzfall. Trotz militärischer Bewegungen vor seiner Küste und der Identifizierung von 35 Zielen, die anvisiert werden könnten, bedroht Syrien die Welt. Es ist widerwärtig.

Assad hat bis jetzt mehr als 200.000 Menschen getötet und es gibt mehr als 200.000 Vermisste und sechs Millionen Flüchtlinge, aber die Welt setzt nicht eine einzige Flotte in Bewegung. Erst jetzt, nachdem 1500 Menschen durch Chemiewaffen umgekommen sind, bewegt sie sich. Sind diejenigen, die man zuvor abgeschlachtet hat, etwa mit dem Segen der Scharia getötet worden? Sie sind genauso tot wie die anderen. Ich verspüre Ekel angesichts dieser Dinge.

Denjenigen, die sich vor einem Gegenschlag Assads fürchten, sei gesagt, dass Assad nichts hat, womit er zurückschlagen könnte, ausser einigen konventionellen Attacken durch seine Truppen in der Türkei, im Libanon und vielleicht in Jordanien. Die Welt muss jetzt ernsthaft darangehen, die syrische Krise zu lösen und sie muss die jungen Führungskräfte unterstützen anstatt die traditionellen Kommandoeinheiten in der Koalition, deren Kompetenzen zu Ende gehen.

Manche Menschen wollen nicht glauben, dass Assad jemand ist, der Menschen mit Chemiewaffen getötet hat. Besonders unter den Alawiten ist das der Fall. Ich sage mit Bedauern, dass viele Alawiten den Preis dafür zahlen werden. Assad hat ein teuflisches Spiel gespielt, wobei neunzig Prozent seiner Generäle alawitischer Herkunft sind, infolgedessen er einen Bedarf an durchtriebener Propaganda hat. Sollte er von seinem Amt zurücktreten, so wird kein einziger Alawit mehr in Syrien bleiben.

Ich sage: Hätten die Alawiten um Assad von Beginn an eine patriotische Haltung eingenommen, hätten sich die Dinge nicht so weit in Richtung Mord und Verwüstung entwickelt. Zu den übrigen Alawiten sage ich – natürlich gibt es auch Nicht-Alawiten an Assads Seite – dass Assad in diesem Krieg mehr als 60.000 alawitische Soldaten und Freischärler, die an seiner Seite gekämpft haben, auf dem Gewissen hat. Dementsprechend gibt es jetzt mehr als 60.000 Familien mit Waisen oder Müttern, die ihre Kinder verloren haben. Ist es das, was die Alawiten wollten, als sie sich von Anfang an auf die Seite Assads stellten?

Was wäre, wenn die Alawiten gleich zu Beginn der Revolution innegehalten und Bashar al-Assad gesagt hätten, er solle verschwinden? Dann wären die Dinge heute viel einfacher und sehr viel weniger tragisch. Uns allen obliegt die Pflicht, über eine Rache an den Alawiten nicht einmal nachzudenken, während diese den Fehler korrigieren müssen, den sie so frühzeitig begangen haben, damit sie ihn in der Türkei nicht wiederholen.

Türkische Republik, 29. August 2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz. Der Text gibt die Meinung des Autors wieder und nicht notwendigerweise die des Blogs.)

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