Mitteilungen aus Kilis

Mitteilungen aus Kilis (19)

Mittlerweile hat sich die bewaffnete Opposition darauf geeinigt, die Nationale Koalition nicht anzuerkennen – unter dem Vorwand, diese repräsentiere nicht den Willen und die Bestrebungen des syrischen Volkes. Prima.

Wann wird diese Opposition sich darauf einigen, die bewaffneten Gruppierungen zu vertreiben, die nicht wissen, wer ihre Führer und was ihre Ziele sind? Werden die Bestrebungen des syrischen Volkes denn durch sämtliche militanten Fraktionen repräsentiert?

Dass alle bewaffneten Oppositionsfraktionen aus Islamisten bestehen, ist bekannt. Aber die Frage ist, warum sie sich nicht zusammenschliessen? Haben wir es etwa mit katholischen und orthodoxen Muslimen zu tun, die einander spinnefeind sind?

Die Nachrichten aus dem Herzen der Stadt Aleppo erzählen eine tragische Geschichte. Das Internet ist seit über einem Monat ausser Betrieb. Diebstahl und Handel sind die Aktivitäten, die in der belagerten Stadt auf dem Höhepunkt sind, seitdem man die Stadt auf dem Landweg nur noch über die Durchgangsstation Bustan al-Qasr verlassen kann. Währenddessen sind die Preise innerhalb der Stadt im Durchschnitt um einen halben Dollar höher als in den von der FSA kontrollierten Gebieten.

Viele Syrer haben Europa erreicht und manche warten noch. Viele haben das Vertrauen in Syrien verloren und denken nicht mehr daran zurückzukehren. Assad wird von Israel und den USA gestützt, während der Iran weiterhin Menschen tötet, ohne den Gebrauch von Chemikalien freilich, sondern auf gnädige Art – durch Munition.

Viele Syrer, darunter auch ich, sind von der Welt masslos enttäuscht. Ich habe kein Interesse mehr, mich noch irgendwie über die Situation Syriens zu auszulassen. Der Westen hat menschlich und moralisch versagt.

Dass Assad sich an der Macht halten kann, hat er seiner Kleptokratie und der verdeckten Plünderung der Ressourcen seines Landes zu verdanken. Leider sind die bewaffneten Fraktionen, die die Koalition abgelehnt haben, nicht besser als er. In den kommenden Tagen werden sie beweisen müssen, dass es nicht besser war, sie zu einer Gruppe zu vereinigen. Es liegt an ihnen, ihren Patriotismus und ihre guten Absichten deutlich zu machen.

Türkische Republik, 4. Oktober 2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz. Der Text gibt die Meinung des Autors wieder und nicht notwendigerweise die des Blogs.)

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