Mitteilungen aus Kilis

Mitteilungen aus Kilis (5)

Hier in der Türkei ist heute die Abschiebung von syrischen Flüchtlingen das Tagesgespräch. Gestern sind 600 syrische Flüchtlinge – die genaue Zahl weiss ich nicht – abgeschoben, aus dem Land geworfen worden.

Darunter mögen einige Missetäter sein, doch wohin schicken wir sie? Schicken wir sie in den Tod? Das ist äusserst gefährlich und verantwortungslos.

Heute sind wir alle syrische Flüchtlinge. Wir überlegen uns, in einem anderen Land Zuflucht zu nehmen. Dort wird man vielleicht gnädiger mit uns sein, wenn wir etwas falsch gemacht haben sollten.

Die zweite Sache, mit der viele Syrer hier in der Türkei sich auskennen, ist äusserst gefährlich. Es handelt sich um das Wasser.

Hier in Kilis ist das Wasser nämlich nicht trinkbar. Die Türken wissen das und sind in den Verkauf von Trinkwasser eingestiegen – von kalkhaltigem Wasser. Dieses Wasser zerstört nach und nach die Nieren. Was würden Sie sagen, wenn Sie hören, dass mehr als fünfzig Prozent der Syrer hier in Kilis kalkhaltiges Wasser trinken? Manche sind sich der Gefahr gar nicht bewusst und kümmern sich aus ihrer Armut und ihrem Elend heraus gar nicht darum.

Es ist schrecklich. Seitdem ich hier in der Türkei, nahe der Grenze bin, habe ich begonnen, alles zu hassen.

Die Freunde, die ich hier um mich herum habe, benehmen sich wie Falken, die nur auf eine Gelegenheit warten, um sich auch auf mich zu stürzen und zu verschlingen. Leider wandeln sich die Syrer hier im Asyl in reissende Tiere, die sich gegenseitig zerfleischen.

Geld ist unabdinglich, wie man an es herankommt unwichtig. Viele Syrer lassen ihre Menschlichkeit hinter sich. Gier und Unmenschlichkeit haben sie überwältigt, viele von ihnen müssen zum Psychiater. Wären nicht die türkischen Sicherheitskräfte, so begingen die Syrer hier die abscheulichsten Vergehen und die schrecklichsten Verbrechen.

Ich gebe der türkischen Regierung nicht die Schuld für die Abschiebung der Flüchtlinge nach Syrien. Aber Syrien ist heute nichts als ein Kriegsgebiet. Die Kinder dieser Übeltäter werden Opfer dessen, was ihre Eltern getan haben. Und hier Opfer der Verantwortungslosigkeit.

Immer wieder gibt es Nachrichten, dass Assad verschwunden sein soll. Oder getötet. Aber die Frage ist, was nach Assad kommt. Werden sich die Syrer auf das stürzen, was vom Land übriggeblieben sein wird, um es zu stehlen und zu besetzen?

Vielleicht besteht hierin die Rolle der Syrischen Nationalen Allianz und die Bedeutung der internationalen Unterstützung, sich von einer blossen Allianz zum Kern eines echten Staates zu wandeln. Diejenigen, die von Bewaffnung reden, müssen zuerst einen Generalstab wollen, bevor dieser mit bestimmten Waffen ausgerüstet wird.

Ich war sehr froh darüber, dass die Allianz in Qatar die syrische Botschaft erhalten hat, und ich hoffe, dass es Botschaften in allen Ländern der Welt geben wird, weil dies ein richtiger Schritt ist. Es würde viel dazu beitragen, dass das Leiden der Syrer im Ausland und der Länder, die sie beherbergen, gelindert wird.

Was viele Leute nicht wissen: Es kann sein, dass jetzt in Syrien alle Behörden aus Gründen der Korruption zerfallen sind. Gegen Geld kann jeder Mensch auf der Welt einen echten syrischen Reisepass bekommen.

Türkisch-syrische Grenze, 29.3.2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz)

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