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Wo sich Libanons Chavisten treffen

Dass im Libanon Mein Kampf und Die Protokolle der Weisen von Zion in fast jedem kleineren Buchladen zu kaufen sind, dass in vielen Stadt- und Landesteilen Porträts von Khomeini und Khamenei oder Slogans wie „Die Waffe ist der Schmuck des Mannes“, „Die Waffen sind unser aller Entscheidung“ und „Israel ist ein Krebsgeschwür“ auf zahlreichen grossen Plakaten hängen und dass selbst in der als prowestlich verschrieenen Presse antiwestliche und antiisraelische Klischees Legion sind, ist bekannt. Dennoch trifft man hier immer wieder sehr klarsichtige Menschen. Es dauert nur oft lange, bis man soweit miteinander warm geworden ist, dass man über bestimmte Themen sprechen kann.

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Menschen und Mächte Naher und Mittler Osten Politik und Geschichte

Syrien nach Assad (3)

Dass diese Zustände kein Alleinstellungsmerkmal der arabischsprachigen Welt sind, zeigen die Memoiren des iranischen Klerikers Scheich Ebrahim Zanjani, der von ganz ähnlichen Missständen im Iran zu Beginn des 20. Jahrhunderts berichtet. In jedem Falle gilt: Angesichts einer Staatsmacht, die für nichts als Repression und Korruption steht, während der einzelne Bürger eine Gegenleistung bekäme, wird niemals auf Loyalität der Bevölkerung zählen können.

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Menschen und Mächte Naher und Mittler Osten

Nahosterklärer wider die «Medienmeute»

Vielleicht die FAZ? Nein, dort werden die syrischen Anti-Assad-Kräfte als «Rebellen» oder «Aufständische» bezeichnet. Als «Freiheitskämpfer» jedenfalls nicht oder nur in Anführungszeichen. Oder der amerikanische Sender CNN? Nein, dort spricht man von «freedom fighters» meist in Anführungsstrichen. Grundsätzlich bevorzugt man auch hier die Ausdrücke «rebels» oder «insurgents«.

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Kritik des Paternalismus Menschen und Mächte Naher und Mittler Osten Politik und Geschichte Religion und Gesellschaft

Syrien nach Assad (2)

Häufig macht sich eine gewisse Hilflosigkeit breit, wenn es um die Ursachen von Gewalt geht, wie derzeit in Syrien zu beobachten. Viele Kommentatoren wissen sich dann keinen anderen Rat, als die Misere auf ein verunglücktes nation building, verschuldet durch koloniale Willkür, zurückzuführen. Eine ethnisch wie konfessionell heterogene Menschenmasse, so das gängige Narrativ (hier eines von vielen Beispielen), sei in einem von fremden Mächten und aus eigennütizgen Gründen zusammengezimmerten Staatsgebilde zusammengepfercht worden, dessen Fliehkräfte nur durch die eiserne Faust eines Diktators in Schach gehalten werden.

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Menschen und Mächte Naher und Mittler Osten

Syrien nach Assad (1)

Was sind die Aussichten für ein prosperierendes syrisches Gemeinwesen nach Assad? Dazu  ist es wichtig, einige grundlegende historische und kulturelle Spezifika Syriens zu beleuchten, um zu einer vorsichtigen Schlussfolgerung zu gelangen. Das ist freilich schon der zweite Schritt.

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Ein Volk von Apostaten

Eine Welle des Atheismus überflutet den Iran – diese Behauptung mag übertrieben sein, denn nicht jeder, der sich von der Schia abwendet, ist gleich Atheist. Viele bekehren sich einfach zu anderen Kulten und Religionen, auch zum Christentum. Doch gibt es wenig Zweifel, dass die Schia in Iran an Rückhalt verliert. Eigentlich ist das auch gar nichts neues. Neu ist, dass selbst das herrschende Regime diese Entwicklung nicht mehr ignorieren kann.

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Die Achse Beirut-Damaskus

Als letzte Unterstützer des Assad-Regimes gelten gemeinhin Russland und Iran. Ein wichtiger Akteur wurde bislang aber übersehen: die libanesische Regierung. Wie der Webdienst «Middle East Transparent» exklusiv berichtet, sollen mit Billigung Beiruts jeden Tag an die 30 bis 35 Tanklastzüge mit Benzin und Heizöl die Grenze nach Syrien überqueren.

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Kriegstagebuch Aleppo (8)

Warum Aleppo? Seit zwei Tagen ist der Strom in ganz Aleppo unterbrochen, hinzu kommt ein Engpass bei Brot, Gas und Brennstoffen. Ausserdem gelangt nichts nach Aleppo hinein. Trotz der Blockaden kommt es zum Diebstahl von LKWs, seien es Barrikaden der Regierungsarmee oder der Rebellen.

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Kriegstagebuch Aleppo (7)

Am Mittwoch schlugen Mörserraketen in der Nilstrasse ein. Natürlich kam das Bombardement von Seiten des Militärs und führte dazu, dass neun Personen auf der Stelle getötet wurden.

Gegen Donnerstag Abend wurden Gerüchte laut, dass das Regime Brot in einem Restaurant verkaufen wolle, sodass sich die Menschen dort über Stunden versammelten. Ich habe keine Ahnung, ob einer von ihnen Brot bekommen hat, jedenfalls hat bis neun Uhr keiner etwas erhalten.

Die Diphtherie hat etwas nachgelassen. Das Internet funktioniert im Stadtzentrum, aber die Kommunikation ist generell in vielen Stadtteilen nicht möglich. Was das Zentrum angeht, so sind hier die Landverbindungen wieder verfügbar.

Insgesamt ist die Atmosphäre nicht wie früher und die Waagschale neigt sich mehr zum Unbekannten. Viele desertieren vor dem Wehrdienst der Regierungstruppen. Es gibt nur noch Söldner im Land und wenige Rekruten. Viele erwarten deshalb seit Tagen Überraschungen.

Heute sind die Preise für … um zehn bis zwanzig Prozent gestiegen.

Die Situation ist eine absolute Tragödie. Hinzu kommt die bittere Not und Arbeitslosigkeit der Menschen, während die Kälte heranstürmt und die Brotversorgung unterbrochen ist. Die Lage ist sehr düster. Gestern gab es [viel] Bombenlärm, heute weniger. Heute ist die Lage weitgehend ruhig. Das schlimme aber ist, dass man in der Stille das schreckliche Geräusch eines Raketenabschusses hört.

In einer Woche wird Aleppo vielleicht vollständig ausser Kontrolle sein.

Aleppo, 14.12.2012

(Aus dem Arabischen von M. Kreutz)

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Kriegstagebuch Aleppo (6)

Niemand ist an der Marokko-Konferenz interessiert, weil der Strom ausgefallen ist. Aber die Situation lässt nichts Gutes hoffen. Viele Menschen sind ohne Brot und Brennstoff.

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