Doppeltes Spiel

Die Annäherung von Hamas-Führer Mashaal an Präsident Abbas auf Grundlage einer gewaltfreien Politik ist Wasser auf die Mühlen mancher Versöhnungsschwärmer. Die Rolle des Störenfrieds wird daher wieder einmal der israelischen Regierung zugewiesen:

Die Regierung in Jerusalem sieht die Hamas weiterhin als Terrororganisation und verstärkte in den vergangenen Tagen die Luftangriffe auf militante Palästinenser im Gazasstreifen. Mehrere Vertreter der israelischen Armee kündigten in dieser Woche eine groß angelegte Militäroperation gegen den Gazastreifen an.

Bei der Tagesschau mag das der eine oder andere töricht und verblüffend finden, aber die Einschätzung der israelischen Streitkräfte, dass die Hamas an einem grösseren Konflikt derzeit wohl nicht interessiert ist, gibt noch längst nicht Anlass zur Hoffnung, dass hier eine islamistische Regierung “eine legitime politische Partei” werden könnte. Vielmehr droht der Gazastreifen zu einem Aufmarschgebiet für Terroristen zu werden, die über den Sinai kommen, so eine Analyse der Jerusalem Post (JPost):

Hamas’s main concern is the stability of its rule in Gaza, challenged today by Islamic Jihad, which receives more Iranian support and funding than Hamas, as well as from the direction of Mahmoud Abbas whose unilateral moves at the UN caused Hamas to feel left behind. That is why it is moving forward with the efforts to reach a reconciliation agreement with Fatah, even though it will likely not last for long.

Where Hamas does operate or turn a blind eye to others is in Egypt, which is turning into one the IDF’s greatest concerns for 2012. A visit to the Israeli-Egyptian border on Wednesday clarified just how concerned Israel is. Bulldozers work there 24 hours a day, seven days a week, clearing mounds of sand to be able to lay cement and erect a six-meter fence.

Die israelischen Streitkräfte schätzen, dass der Waffenschmuggel in den Gazastreifen allein in diesem Jahr um 15 bis 20 Prozent zugenommen hat. Kaum vorstellbar, dass dies ohne Billigung der Hamas vonstatten geht. Naheliegend ist, dass die Hamas ein doppeltes Spiel treibt: Sie duldet Aggressionen gegen Israel, bekennt sich aber nicht zu deren Urheberschaft, um keine grössere Militäraktion von israelischer Seite zu provozieren.

Die Analyse zur Situation in Gaza wurde von der JPost entsprechend übertitelt: “A boiling pot waiting to explode.”