Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (4)

(Forts.) Hinzu kommt ein seit der Renaissance sich abzeichnender Individualismus, der vor allem in der Kunst sichtbar wird. Dieser Prozess spielte sich aber vor allem im westlichen, lateinischen Europa ab, weniger im östlichen, orthodoxe Europa oder in der arabisch-islamischen Welt. Ein weiterer Graeco-Arabist, Gotthard Strohmaier, kritisiert, dass der Diskurs über die Bedeutung der arabischen Wissenschaften für Europa ideologisch stark aufgeladen ist.

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Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (3)

(Forts.) Hier zeichnet sich etwas ab, was man in den historischen Wissenschaften als „Pfadabhängigkeit‟ bezeichnet, denn die Arabische Welt schlug eine andere Welt ein, was zunächst einmnal verwundern muss, hatte sie doch hervorraagende Mathematiker und Naturwissenschaftler hervorgebracht.

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Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (2)

(Forts.) Denn mit ihr änderte sich auch die Stellung des Menschen im Universum, was später einen Nachhall in der Relativierung konfessioneller Dogmen und der Entstehung des Deismus finden sollte. Kopernikus selbst stellte sein Werk in die Tradition des Humanismus, seine Theorie wurde zum „Seinsmodell der Neuzeit‟ (Hans Blumenberg).

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Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (1)

Ich weiss nicht, wer “wir” ist, von dem der “Welt”-Autor da redet und kenne auch nicht den Anlass für seinen Artikel, aber dieser ist es wert, sich ein wenig näher mit ihm zu beschäftigen. Das ganze hat nämlich eine Pointe, die uns auch zum Thema Islam führt.

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Was wollen die Muslime?

Was wollen die Muslime? Mehrheitlich jedenfalls Demokratie und individuelle Freiheit, hat das amerikanische PEW-Meinungsforschungsinstitut herausgefunden:

A substantial number in key Muslim countries want a large role for Islam in political life. However, there are significant differences over the degree to which the legal system should be based on Islam.

Kein Zweifel, das sind erfreuliche Nachrichten. Doch Anlass zu ein wenig Kritik gibt es auch:

Moreover, while many support the general principle of gender equality, there is less enthusiasm for gender parity in politics, economics, and family life. For instance, many believe men make better political leaders, that men should have more of a right to a job than women when jobs are scarce, and that families should help choose a woman’s husband.

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal äusserte sich kürzlich im Interview mit der “Zeit” wie folgt darüber[1]:

Wenn ich meine Freunde frage: Akzeptiert ihr, dass eure Frauen und Töchter in einer demokratischen Gesellschaft unabhängig sind? Dann sagen sie mir: Grundsätzlich sollen die Frauen natürlich frei sein, nur meine eigene Frau gehört mir. Und Töchter sollen ein freies Leben führen, nur meine Tochter nicht, sie bleibt ja bis zu meinem Tod meine Tochter.

Es ist paradox: Individuelle Freiheit kann zugleich gewollt und doch nicht gewollt sein. Was aus dieser Haltung praktisch erwächst, wird die Zukunft erweisen.


Siehe auch:

  1. ”Arabellion” am Abgrund, 4.5.2012.