Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (4)

(Forts.) Hinzu kommt ein seit der Renaissance sich abzeichnender Individualismus, der vor allem in der Kunst sichtbar wird. Dieser Prozess spielte sich aber vor allem im westlichen, lateinischen Europa ab, weniger im östlichen, orthodoxe Europa oder in der arabisch-islamischen Welt. Ein weiterer Graeco-Arabist, Gotthard Strohmaier, kritisiert, dass der Diskurs über die Bedeutung der arabischen Wissenschaften für Europa ideologisch stark aufgeladen ist.

Auf muslimischer Seite, so Strohmaier, sei der Wunsch sehr stark, zur Vermittlung des griechischen Erbes nach Europa beigetragen zu haben, wobei sie „von wohlmeinenden Europäern‟ sekundiert wäre, „welche die Wirkung der mittelalterlichen Rezeption aus dem Arabischen übertreiben.‟

Zu fragen sei vielmehr, ob die europäische Rezeption etwa der Aristoteleskommentare des Averroes wirklich so massgeblich für die kulturelle Entwicklung war, oder ob nicht gesellschaftliche und politische Kosntellationen, an denen der Islam unbeteiligt war, eine massgeblichere Rolle spielten.

Dass die Glorifizierung arabischer Naturforscher die Schaffung gesellschaftlicher Voraussetzungen nicht ersetzen kann, ohne die die international wettbeewerbsfähige wissenschaftliche Forschung keine Heimat in der Islamischen Welt finden wird, sollte eigentlich klar sein. Doch noch beherrscht Nostalgie das Feld.

(Ende)