Religion und Gesellschaft, Wissenschaft und Forschung

Kopernikus oder Woher der Fortschritt kommt (1)

Ich weiss nicht, wer “wir” ist, von dem der “Welt”-Autor da redet und kenne auch nicht den Anlass für seinen Artikel, aber dieser ist es wert, sich ein wenig näher mit ihm zu beschäftigen. Das ganze hat nämlich eine Pointe, die uns auch zum Thema Islam führt.

Es geht um Kopernikus und die Kopernikanische Wende, sowie die populären Missverständnisse, wenn es um ein so komplexes Thema wie die Wissenschaftsgeschichte geht. Dazu gehört, dass Kopernikus das heliozentrische Weltbild eigentlich hatte retten wollen.

Wissenschaftsgeschichte ist nicht unbedingt eine trockene Angelegenheit und hält für uns Heutige noch einige Lektiuonen bereit. Gehen wir also ein wenig zurück in der Geschichte und vergegenwärtigen uns die epochemachenden Entdeckungen, ohne die unsere heutige westliche Gesellschaft nicht das wäre, was sie ist.

Platon und Aristoteles hatten die antike Weltsicht geprägt, von der abzurücken kein leichtes Unterfangen war. Für Aristoteles und später die Scholastik war die Erde gerade kein Gestirn gewesen, sondern ein unbeweglicher Ort, der aus christlicher Sicht ein Abbild des verlorenen Paradieses war – ein düsterer Ort der Erwartung auf eine kommende Welt.

Die Astronomen der damaligen Zeit versuchten zudem, an der Kugel- bzw. Kreisform der Himmelskörper und ihrer Bewegungsbahnen festzuhalten, weil der Kreis als geometrisch perfekte Form galt und damit als Metapher für den göttlichen Ursprung des Universums.

In Plotins Abhandlung über die Himmelsbewegung taucht die Kreismetaphorik durchgängig auf. Bis zum Mittelalter glauben die Menschen, dass die Betrachtung des Himmels einen das göttliche Wirken in der kosmischen Ordnung erkennen lässt.

Das Problem freilich war, dass die Himmelsbeobachtungen das Ptolemäische Weltbild schon längst nicht mehr stützten. Schon Ptolemaios hatte die Existenz von Epizyklen (Hilfskreise) annehmen müssen, um die Annahme von einer Kreisförmigkeit der Planetenbahnen aufrechterhalten zu können.

Das war auch Kopernikus‛ Absicht, der jedoch erkannte, dass die Kugel-/Kreisform als Grundprinzip der Himmelsmechanik nur um den Preis zu retten war, dass die Erde nicht länger in der Mitte des Universums verbleiben konnte. Diese Einsicht war revolutionär und nicht umsonst spricht man der „Kopernikanischen Wende‟.

(Forts. folgt morgen, Donnerstag, den 17. März)

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