Iran

Extremismus als Normalzustand

Wer ist schuld, wenn die Flüsse austrocknen? – Die Frauen, sagt der Freitagsprediger von Isfahan, Sayyed Yusuf Tabatabai-Nezhad. Und zwar solche, die sich in der Öffentlichkeit fotografieren.

Hintergrund dieser Hetze ist wieder einmal der sog. „bad-hedschab“, der schlechte Hedschab, wie das herrschende Regime jedes Anzeichen einer weiblichen Haarsträhne in der Öffentlichkeit nennt und der ein kulturelles Anti-Symbol für eine Moralauffassung darstellt, die selbst minimale Freiheiten unter Strafe stellt. Für Tabatabai-Nezhad ist die kulturelle Revolution der Anfangszeit des Regimes noch längst nicht abgeschlossen, ganz grundsätzliche Dinge, ermahnte er, seien nicht erreicht worden.

Das Regime ändert sich nicht. Es handelt sich bei dieser Predigt denn auch keinesfalls um eine blosse Posse oder Schrulle. Denn Isfahan, daran gilt es sich zu erinnern, hat vor zwei Jahren eine Welle von Säureanschlägen auf Frauen erlebt, nachdem es ebenfalls der damalige Imam der Freitagsmoschee war, der gegen Frauen hetzte.

Wer genau hinter den Säureattentaten steckte, wird die Welt wohl nie erfahren. Die Täter zu ermitteln liegt nicht im Interesse eines Regimes, das keine Individuen, nur Gläubige und Ungläubige kennt und alles Weibliche in der Öffentlichkeit ächtet und aus ihr verbannt. Dabei sind Säureattentate schlimmer als Morde. Die Opfer bleiben ihr Leben lang gezeichnet, sind völlig traumatisiert, trauen sich kaum aus dem Haus, haben Seh- und Atembeschwerden, sind ihr Leben lang depressiv.

Das ist das iranische Regime, mit dem der Westen Dialog führen will und es sind keineswegs die Hardliner, die immer dann von sich reden machen, wenn sie die Annäherung sog. Reformer an den Westen verhindern wollen. Es ist die theokratische Konstruktion des Regimes, das eine Mässigung ausschliesst. Iran ist nicht moderat, es ist schlimmer als Saudi-Arabien und der ISIS. Zugleich ist Iran das Element, das wie kein anderes die Stabilität des Nahen Ostens unterläuft.

Daran muss immer wieder aufs Neue erinnert werden.


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Author: Dr. phil. Michael Kreutz

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