Murks

Einen Flughafen mit neun Jahren Verspätung zu bauen, um ihn dann nicht gescheit betreiben zu können, ist Murks. Aber Murks ist in der Hauptstadt eben normal und deswegen ist es um die öffentlichen Verkehrsmittel ebenso schlecht bestellt wie um die innere Sicherheit oder den sozialen Wohnungsbau. Immerhin wurde die Ansiedlung des “Google-Campus” und damit die Schaffung von dreihundert Arbeitsplätzen erfolgreich vereitelt – Grund genug, ganz Deutschland wie Berlin werden zu lassen, wenn es nach den “Grünen”, der Linkspartei oder der SPD ginge.

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Bullerbü

Eine neue Chiffre erobert den politischen Diskurs: Bullerbü. Denn Berlin brauche mehr Bullerbü, findet die “Grünen”-Politikerin Bettina Jarasch. Wer von Bullerbü spricht, evoziert die Kinderbücher der schwedischen Autorin Astrid Lindgren und damit die Idylle einer postindustriellen Welt mit Baumhäusern und Erdbeeren, mit Wiesen und Pferden und Blumen. So also soll Berlin werden und so soll Deutschland werden. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

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Feindbild Kapitalismus

Vielleicht kennen Sie den Film „Toni Erdmann‟. Der Streifen hat fraglos seine Qualitäten was die schauspielerische Leistung der Darsteller angeht. Das Drehbuch aber ist ein Desaster, eine antikapitalistische Schmonzette, was freilich erklärt, warum dieser Film so hoch gepriesen wurde. Selbst der fehlende Soundtrack und die teils öden Dialoge taten dem keinen Abbruch.

Worum geht es? Eine junge Unternehmensberaterin aus Deutschland macht Karriere in Bukarest, wenn da nicht ihr peinlicher Vater wäre, dem sie sich schon längst entfremdet hat. In Rumänien herrscht nun eine Art Raubtierkapitalismus, doch hat unsere Unternehmensberaterin dafür keinen Blick. Am Ende ist es ihr Vater, der gute Geist, der seiner Tochter die Maske der harten Geschäftsfrau herunterreisst und sie auf den Pfad der Menschlichkeit führt.

Finde den Fehler! In der Tat müssen aus deutscher Sicher die rumänischen Verhältnisse wenig anziehend wirken. Sie mit Deutschland vergleichen zu wollen, ist jedoch absurd. Ein sinnvoller Vergleich wäre der zwischen dem Rumänien von heute und dem Rumänien unter Ceaușescu. Und da kann kein Zweifel bestehen, dass sich die Situation massiv gebessert hat, wobei es eine etatistische, keine neoliberale Politik ist, die jetzt wieder Probleme verursacht.

Ein anderes Beispiel: Vor einiger Zeit hat ein amerikanischer Journalist namens Brian Merchant die Produtionsstätte von Apples iPhone under cover unter die Lupe genommen. Produziert wird das iPhone nicht etwa in den USA, sondern in China, genauer: in der sog. Foxconn-City von Shenzhen. Was Merchant dort vorfand, ist wenig überraschend: Es herrscht ein hoher Arbeitsdruck unter einem Management, das als unbarmherzig und autoritär beschrieben wird. Hinzu kommt die hässliche (offenbar für chinesische Firmen übliche) Praxis, Mitarbeiter, die nicht die geforderte Leistung erbringen, vor der versammelten Mannschaft zu demütigen.

Keine Frage, dass ein Deutscher oder Amerikaner unter solchen Bedingungen nicht arbeiten möchte. Westlicher Druck, um die Produktionsbedingungen menschlicher zu machen, ist darum auch nicht verkehrt, ganz im Gegenteil. Firmen wie Apple, die in China produzieren lassen, haben eine klare moralische Verpflichtung dazu. Bei all dem muss man jedoch die Relationen im Auge behalten.

Denn auch hier gilt: Ein Vergleich mit Arbeitsbedingungen in den USA oder Europa macht wenig Sinn, umso mehr ein Vergleich mit denjenigen Chinas von vor zwanzig, dreissig oder fünfzig Jahren. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass seit 1980 etwa 700 Millionen Chinesen der Armut entkommen sind.  Chinas Pro-Kopf-Einkommen hat sich zwischen 1980 und 2000 um 400% erhöht, wie Martin Wolf, Autor von Why Globalization Works, schon 2004 schrieb. Das sagt freilich noch nichts darüber aus, ob sich die Arbeitsbedingungen verbessert haben. [pullquote]Armut und Repression wurden erst ein Thema, als die marktwirtschaftliche Öffnung des Landes beides reduzierte.[/pullquote]

Hier gibt es sicherlich noch viel zu tun. Der Leistungsdruck scheint sich aber, wie ein Studie des IZA von 2015 nahelegt, nicht negativ auf die Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung auszuwirken. Vor allem aber gilt es zu beachten, dass China noch unter Mao Arbeitsbedingungen erlebt hat, die absolut menschenverachtend waren und zu Hungersnöten und millionenfachem Sterben geführt haben. Die westliche Linke hat das seinerzeit nicht interessiert, im Gegenteil waren Poster mit dem Porträt Maos gang und gäbe in deutschen Studentenbuden der 1960er.

Dabei hätten die Mao-Fans wissen können, wie es um China bestellt war. Wie sich der Historiker Götz Aly in seinem Buch Unser Kampf erinnert, hat es seinerzeit an der FU Berlin mit Jürgen Domes einen Wissenschaftler gegeben, der alle verfügbaren Informationen aus China nicht nur fortlaufend sammelte und publizierte, sondern auch im Seminar unterrichtete. Aber die radikale Linke wollte lieber der maoistischen Propaganda glauben. Armut und Repression wurden erst ein Thema, als die marktwirtschaftliche Öffnung des Landes beides reduzierte.

Ein letztes Beispiel: Die Grossbaustelle in Katar anlässlich der Fussballweltmeisterschaft 2022. Westlichen Berichten zufolge sind die Arbeitsbedingungen in hohem Masse unmenschlich, manche nennen sie „schockierend‟. Bei den Betroffenen handelt es sich ausschliesslich um Arbeitsmigranten aus Südasien.

Seit 2012 soll es 520 Todesfälle unter den Arbeitern gegeben haben, die auf den Baustellen für die Fussball-WM tätig sind, offenbar bedingt durch die Hitze, bzw. einen Mangel an Hitzeschutz seitens der katarischen Behörden. Auch hier gibt es eine moralische Verantwortung des Westens, für eine Verbesserung der Zustände zu sorgen.

Diese Verantwortung wird auch wahrgenommen. Eine Neuvergabe der WM an ein anderes Land sollte aber nur die allerletzte Massnahme sein, denn in Indien, woher die meisten Arbeitsmigranten kommen, sind die Arbeitsbedingungen offenbar nicht besser. Unterbringung und soziale Absicherung sind ziemlich mies, die Angst vor einen Jobverlust hindert die Arbeiter daran, zur Gewerkschaft zu gehen. Warum also gehen sie nach Katar?

Ein Grund kann sein, dass sie sich dort eine bessere Bezahlung erhoffen. Würde die WM neu vergeben und alle Arbeiten auf den WM-Baustellen des Landes eingestellt werden, müssten die Arbeitsmigranten zurück in ihre Heimatländer gehen, wo sie keine besseren Arbeitsbedingungen vorfänden, aber möglicherweise schlechter bezahlt würden. Übrigens hat Indien seit der Liberalisierungspolitik der 1980er ebenfalls eine erhebliche Zunahme des Wohlstands zu verzeichnen.

Solche Erwägungen spielen aber keine Rolle im hypermoralischen Universum linker Sozialklempner, die sich immer erst dann für Armut interessieren, wenn sie glauben, diese dem Kapitalismus anlasten zu können. Absurderweise sind sie damit auch noch erfolgreich und lassen Sozialismus und Etatismus wieder als erwägenswerte Alternative zur liberalen Wirtschaftsordnung erscheinen. Falsche Vergleiche sind eines ihrer bevorzugten Propagandamittel. Wir sollten uns nicht davon irritieren lassen.

Gnostische Zauberin

Einmal eben so die Umgestaltung der ganzen Welt fordert die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein. Im Gespräch mit der FAS macht sie deutlich, wie teifgreifend sie die Menschheit nach ihrem Willen umzugestalten gedenkt: Die Weltwirtschaft soll an die Kandare des Staates genommen, der Wohlstand zurückgefahren, die Kultur der neuen Ordnung angepasst werden.

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Absolution

Warum laden Abgeordnete der Linkspartei zwei Möchtegern-Journalisten aus Übersee ein, um über die “Krise in Israel-Palästina” zu informieren? Dass die beiden Eingeladenen dafür bekannt sind, Israel über alle Massen zu schmähen, kann nicht der Grund sein, denn Typen wie Blumenthal und Sheen gibt es in Deutschland massenhaft.

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Die Lust am Tabubruch

Unter dem Titel “Das Undenkbare denken” will ein Werner Sonne in der FAS von heute mit dem abgedroschensten aller Argumente – “weil Deutschland durch den Holocaust untrennbar mit dem Staat der Juden verbunden ist” – den Druck auf Israel erhöhen, um Frieden im Nahen Osten zu verwirklichen und “deutsche Soldaten an der Grenze Israels” zu stationieren – natürlich allein “zum Schutz des Staates der Juden.”

Woher kommt eigentlich diese Obsession so vieler Deutscher für Israel und den Nahostkonflikt? Syrien brennt, Ägypten ist im Aufruhr, Iran entwickelt Nukleartechnik mit möglicherweise zerstörerischen Zielen – egal! Erde an Sonne (Wortspiel nicht beabsichtigt): Friedensgespräche finden bereits statt. Trotzdem soll Druck auf Israel ausgeübt werden – und nur auf Israel. Wozu? Für Palästinenser ist die Missachtung der Menschenrechte eine Gefahr, die eher von der Hamas ausgeht als vom jüdischen Staat.

Falls es die Siedlungen im Westjordanland sein sollten, die Sonne Kopfzerbrechen bereiten: diese werden ohnehin überwiegend in Arealen gebaut (s. auch hier), die im Falle eines Friedensfahrplans zu Israel gehören werden. Die verbleibenden Siedlungen östlich des Sicherheitswalls werden später wahrscheinlich aufgelöst. Sie sollten also kein Hindernis für den Frieden sein. Unterdessen vertritt mit Mahmoud Abbas ein Präsident die Palästinenser, dessen Amtszeit vor fünf Jahren abgelaufen ist.

Ich fürchte, diese Lust am Tabubruch (“das Undenkbare denken”) in Verbindung mit dem Wunsch, Deutschland als Ordnungsmacht im Nahen Osten zu installieren, ist noch nicht einmal als Satire gemeint.

Was man alles nicht braucht

In den Medien tummeln sich vermehrt Zeitgenossen, die uns erklären wollen, warum die Konsungesellschaft, wie wir sie kennen, abgeschafft gehört. Denn vieles brauchen wir doch gar nicht, obwohl uns die Werbung etwas anderes einreden will. Diese manipuliert uns und das wollen wir nicht.

Man könnte nun sagen, dass es schlimmeres gibt, als Dinge zu kaufen, die man nicht unbedingt braucht. Wer derzeit in Syrien lebt, hat ganz andere Probleme und würde vielleicht nur zu gern sein Leben in einer Ecke der Weltgeschichte fristen, in der man von Wachstumskritik leben kann. Welch ein Luxus.

In Wahrheit ist unter den Dingen, mit denen wir uns im Alltag umgeben, so gut wie nichts, was wir wirklich brauchen – zumindest, wenn wir unser physisches Überleben zum Massstab machen. Wenn es nur darum geht, den Tag zu überstehen, brauchen wir eigentlich nur sauberes Trinkwasser, Nahrung, Kleidung und einen Unterstand für die Nacht. Wenn überhaupt so viel.

Der amerikanische Physiologe Jared Diamond beschreibt in seinem Buch “Kollaps”, dass selbst auf einer so unwirtlichen Insel Südostpolynesiens wie Henderson, eigentlich ein nur dürr bewachsenes Korallenriff, Generationen von Menschen gelebt haben. Und das, obwohl es dort weder Gestein für die Herstellung von Werkzeugen gab noch grössere Bäume, um Häuser zu bauen. Allein die üppige Meeresfauna sorgte für die notwendige Nahrung und sicherte das Überleben.

Nicht entscheidend für unsere physische Existenz sind ganz sicherlich Wecker, Rotweine, Lampen, Romane, Elektroherde, Radiergummis, Duschköpfe, Fussbodenheizungen, Lederschuhe, Wasserpfeifen, Opern, Zeitungsabonnements, Telefone, goldene Füllfederhalter, Sonnenbrillen, elektrische Zahnbürsten oder sämtliche Folgen von “King of Queens” im Kühlschrank.

Trotzdem umgeben sich Menschen überall auf der Welt mit Dingen wie diesen und noch viel mehr. Warum? Vielleicht, weil wir keine Eichhörnchen, Hühner oder Fische sind. Weil es in der Natur des Menschen liegt, sich fortlaufend materiell zu verbessern. Weil wir nicht leben wollen, wie die Bevölkerung auf Henderson es getan hat, bevor ihre Welt unterging, auf der nur verzehrt, aber nichts produziert wurde.

Den Sozialpsychologen Harald Welzer ficht das nicht an. “Man ist in gewisser Hinsicht nicht mehr autonom zu entscheiden, brauche ich das oder brauche ich das nicht”, beklagt er sich und meint damit die Werbemaschine, der wir nicht entkommen können. Noch schlimmer trifft es nur noch diejenigen, die ihren Fernseher anschalten oder ihre Regionalzeitung aufblättern und mit der Ungewissheit leben müssen, vielleicht wieder auf einen Wachstumskritiker zu stossen.

Welzer ist nämlich nicht nur Sozialpsychologe, er weiss offenbar auch genau, worauf wir verzichten können und worauf nicht. Das unterscheidet ihn von der Masse derer, die unbedingt ein Produkt von Apple besitzen wollen, ohne seine Bedenklichkeitserklärung auch nur wahrnehmen zu wollen. “Warum ist es so attraktiv, zu kaufen und zu besitzen, auch Dinge, die man “eigentlich” gar nicht braucht?” ist die Frage, die ihn umtreibt.

Welzers Antworten mögen ausfallen wie auch immer: Lesen wird seine Gefolgschaft sie am Rechner, auf dem E-Reader oder als Buch, bestellt bei Amazon. Dinge, die man eigentlich gar nicht braucht – typische Aporie der Fortschrittsfeinde. Mögen diese sich den Kopf darüber zerbrechen. Die Welt wird nicht daran zugrundegehen, dass Menschen Dinge erwerben, die sie eigentlich nicht brauchen. An einer Tugenddiktatur schon eher.

 

Wir, wir, wir!

ICH will weniger Egoismus, ICH will mehr Gemeinwohl – so denkt es im hippen Neokollektivisten von heute. Heraus kommen dabei Schrullen wie die geplante Frauen-Zwangsquote, die Roland Tichy (“WirtschaftsWoche) kurz und bündig wie folgt abbürstet:

Mit rund 102 Aufsichtsrätinnen in Dax-Konzernen ist jede fünfte Position schon heute mit Damen besetzt; die Quote fast schon erfüllt. Putzig, wie sich die neue Frauenbewegung um die Einkommensmaximierung einiger Millionärinnen bemüht; Gehaltspegel also, die man in der nächsten Rede dann als gierig geißelt.

Denn Bevormundung, Sozialklempnerei und Menschenoptimierung schaffen immer neue Probleme, die sodann, als Auswüchse des “Neoliberalismus” etikettiert, weiterer Gegenmassnahmen bedürfen.

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