Ist der Islam grundgesetzwidrig?

Von Michael Kreutz

Dass der Islam mit dem Grundgesetz unvereinbar sei, gehört zum Glaubenbestand von Rechtskonservativen. Dies zeugt von einem merkwürdigen Verständnis des liberal-demokratischen Rechtsstaates.

In der Argumentation von Rechtskonservativen und Rechtspopulisten hat sich der Rechtsstaat gleichsam als eine Art TÜV für Religionen zu verhalten. Jede einzelne Religion müsse demnach im Labor der Tester auf seine Grundgesetztauglichkeit untersucht und entsprechend bewertet werden. Besteht eine Religion den Test nicht, soll sie aus dem Verkehr gezogen werden.

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Kulturkampf in der Türkei

Von Michael Kreutz
Als Mehmet II. 1453 Konstantinopel, das heutige Istanbul, eroberte, machte er den Weg frei für ein weiteres osmanisches Vordringen in Europa. Als Integrationsfigur taugt er also nicht unbedingt, was auch Ministerpäsident Erdoğan weiss, der nach dem in seinem Sinne abgelaufenen Referendum als erstes das Grab Mehmets II, des “Eroberers” (Fatih), besuchte.

Die Botschaft ist klar und deutlich: Nicht Atatürk ist Stammvater der modernen Türkei, sondern Mehmet II., und damit schlägt die Türkei unter Erdoğan einen offen islamistischen und antiwestlichen Kurs ein.

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Das lange Scheitern des Westens im Nahen Osten

Von Michael Kreutz

Dass das westliche Eingreifen in islamischen Ländern ein generelles Debakel ist, lässt sich kaum noch bestreiten. Weder der Sturz von Diktatoren noch der Krieg gegen den Terror haben rechtsstaatliche Strukturen begünstigt oder Feindseligkeiten gegenüber dem Westen gedämpft. Viele sagen, dass das ernsthaft auch nicht zu erwarten gewesen sei, aber zumindest im Falle des Irak hat 2003 die Chance bestanden, zumindest so etwas wie „good governance‟ auf den Weg zu bringen, denn gerade die ethnische wie konfessionelle Spaltung des Irak hatte Anlass zur Hoffnung gegeben, dass es keiner der ethnischen oder konfessionellen Gruppen gelingen würde, die Vorherrschaft zu übernehmen, sodass man sich am Ende auf zivile Regeln des Zusammenlebens zu einigen gezwungen sehen würde.

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Mehr Frauenpower!

Von Michael Kreutz
Die islamische Welt schäumt nicht gerade über vor guten Nachrichten. Aber manchmal gibt es doch Anzeichen von Verbesserung – ausgerechnet, was den Status von Frauen betrifft.

Natürlich muss man sich vor Scheinevidenzen hüten. Dass der Anteil weiblicher Studenten an vielen Universitäten in der islamischen Welt so hoch ist, hängt eben auch damit zusammen, dass viele Familien ihren Nachwuchs am liebsten auf westliche Universitäten schicken, die zu zahlenden Gebühren jedoch zu hoch sind, um alle Kinder studieren zu lassen, sodass den Mädchen meist nur die heimische Hochschule bleibt. “Mehr Frauenpower!” weiterlesen

Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz

Von Michael Kreutz
Die Moderne nicht vollständig realisiert zu haben, ist vor allem der Islamischen Welt nachgesagt worden. Einspruch kommt von dem Arabisten Thomas Bauer, der jene zumindest in historischer Perspektive für weitaus fortschrittlicher hält, als der heutige Zustand vermuten lässt. Sein zentrales Kriterium für dieses Urteil ist die „Ambiguitätstoleranz‟, die in der Islamischen Welt über Jahrhunderte in ungleich höherem Masse gepflegt worden sein soll als im Westen. Der aus der Psychologie stammende Begriff lässt sich mit Hans Blumenberg als „die Spannweite von Unvereinbarkeiten im Hinblick auf ein und dieselbe Sache‟ definieren, „die ausgehalten wird und dazu noch den Anreiz bietet, Gewinn aus der Beirrung zu ziehen.‟ Nach Bauer soll eine solche islamische „Kultur der Ambiguität‟ erst in der Neuzeit ihren Niedergang erlebt haben, als einheimische Eliten die Wertvorstellungen westlicher Kulturen übernahmen. “Zwischen Religion und Politik VI – Zur Theorie der Ambiguitätstoleranz” weiterlesen

Zwischen Religion und Politik II – Religion und Imperium

Von Michael Kreutz
Religionen tragen ein imperiales Erbe in sich, denn mit oder gegen ein Imperium sind sie grossgeworden. Die Herausbildung einer jüdischen, christlichen und muslimischen Zivilisation fand auf dem historischen Spielfeld von Imperien statt. Religionen haben haben dazu beigetragen, Imperien zu begründen und diese, jene zu verbreiten. In der Diskussion um das Spannungsverhältnis von Politik und Religion muss die Erkenntnis einen Platz haben, dass die Politik auf Glaubensfundamenten ruht, auf einem „religiösen Mutterboden‟ den es sichtbar zu machen gelte, wie Jacob Taubes formulierte, und der, wie wir hinzufügen möchten, von imperialen Bedingungen geprägt ist. Diese haben vielfältige Spuren an den Religionen hinterlassen.

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Warum ein Burkini-Verbot falsch wäre

Von Michael Kreutz
Grosse Aufregung um einen Badeanzug: Der Burkini soll verboten werden, fordern manche auch in Deutschland. Wozu eigentlich?

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Pseudo-Feminismus

Von Michael Kreutz
Nach dem einfachen Schleier steht jetzt also die Ganzkörperverhüllung im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Allerdings wird selten nach dem Bedeutungskontext gefragt und so kommt es einmal mehr zu Fehlinterpretationen pseudo-feministischer Natur.

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