Über welchen Kommentar in welchem Medium man dieser Tage auch immer stolpert, so wird durchweg Unmut darüber geäussert, dass Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schah, mithilfe einer US-Intervention die Monarchie in Iran wiederherstellen könnte. Doch der Unmut ist fehl am Platze und nur Wasser auf die Mühlen der gegenwärtigen Machthaber.

Soviel Unsinn wie dieser Tage liest man selten in den Medien. Ob von dem Historiker Jürgen Zimmerer, dem Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, ob von Journalisten wie Karim El-Gawhary oder Daniel Bax oder Charlotte Wiedemann, einer Apologetin der Islamischen Revolution – man kann sie gar nicht mehr zählen: Alle Kommentare insinuieren, dass eine Monarchie im Gegensatz zur Demokratie stehe.
Tatsächlich wäre Reza Pahlavi nicht der unangefochtete Oppositionsführer der iranischen Bevölkerung, träte er für eine Königdiktatur ein, wie dies unter seinem Vater und Grossvater (s. Bild oben) der Fall war. Denn eine Königsdiktatur, auch wenn sie immer noch tausendfach besser wäre als die jetzige Diktatur des Ajatollah, wollen tatsächlich die wenigsten.
Nein, Reza Pahlavi ist deswegen so populär, weil er für sich jede Machtposition ausgeschlosssen hat und nach einem Referendum, in dem sich die Iraner zwischen Monarchie und Republik entscheiden können, allenfalls als Schah (König) einer konstitutionellen Monarchie zur Verfügung stehen will. Doch die Kommentatoren in unseren Medien scheinen nicht zu wissen, was das ist.
In einer konstitutionellen Monarchie hat der Monarch eine weitgehend oder ausschliesslich repräsentative Funktion. Beispiele dafür finden sich im Vereinigten Königreich, in Spanien, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Schweden. All diese Länder sind Monarchien und zugleich säkulare Demokratien – darin besteht kein Gegensatz und dies sollte, da Schulstoff, auch allgemein bekannt sein.
Alleine schaffen es die Iranerinnen und Iraner nicht
Dann ist da die Sorge vor einer US-Intervention in Iran, die zahlreiche Kommentatoren umtreibt, als ob zu befürchten wäre, die Bevölkerung in Iran könnte Ziel eines Angriffs werden. So behauptet eine auf Phoenix als «Expertin» gehandelte Azadeh Zamirirad, im Zwölf-Tage-Krieg mit Israel sei die iranische Bevölkerung aus der Luft bombardiert worden, was freilich nur in ihrer Phantasie stattgefunden hat.
In der Realität hat die israelische Luftwaffe in Iran ausschliesslich militärische Einrichtungen und solche der Revolutionsgarden angegriffen. Letztere unterdrücken jeden Widerstand in der Bevölkerung und schiessen Demonstranten auf der Strasse gezielt in die Augen. Allein in die Teheraner Noor-Klinik sollen in den letzten Tagen mehr als sechstausend Menschen wegen Augenverletzungen eingeliefert worden sein.
Dennoch wünscht sich Frau Zamirirad, dass der Wandel in Iran allein von innen heraus erfolgt. Das sagt sich leicht, wenn man komfortabel in Berlin lebt, wo man keine staatlich gelenkten Killerhorden auf der Strasse befürchten muss. Den Iranerinnen und Iranern hingegen würden gezielte Luftschläge des US-Militärs gegen die Revolutionsgarden helfen, das verhasste Regime endlich abzuschütteln.
Bleibt zu hoffen, dass US-Präsident Trump seinem Versprechen treu bleibt, den Menschen zu Hilfe zu eilen, sprich: zu intervenieren. Den Iranern dürfte egal sein, was man in Berlin oder sonstwo davon hält. Sollte das Regime noch in diesem Jahr fallen, werden dann hoffentlich all die Schwätzer verstummen, die so viel Raum in unseren Medien einnehmen und unwillig scheinen, ihrem Publikum auch nur die elementarsten Fakten zum Thema Iran zu vermitteln.
Es waren linke iranische Politiker, die Khomeini zur Macht verholfen und ihm im Westen das Image eines bloss spirituellen Führers verschafft haben, der keine weltliche Macht bensprucht. Heute sind es vor allem linke Geisteswissenschaftler, Aktivisten und Journalisten, die vorgeblich auf Seiten der iranischen Bevölkerung stehen, mit ihren Äusserungen aber nur der herrschenden Diktatur das Wort reden.
