Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit Ihrem Handy oder Smartphone niemanden erreichen, wirklich niemanden, weder im In- noch im Ausland. Stellen Sie sich vor, auch Ihre Telefonleitung wäre tot und überhaupt alle Telefonleitungen. Nichts ginge mehr, das ganze Land wäre abgeschottet. Das ist Realität in Iran. Seit vier Tagen in Folge.
Eine Totalabschaltung ist keine Kleinigkeit.Vor allem, wenn Menschen massenhaft auf der Strasse sind, um das Regime abzuschütteln, von dem sie seit bald fünfzig Jahren geknechtet werden, während dessen Schläger und Killer mit aller Gewalt versuchen, die Proteste niederzuschlagen. Landen Sie im Krankenhaus, können Sie niemanden anrufen. Vermissen Sie jemanden, können Sie ebenfalls niemanden anrufen, um sich nach ihm zu erkundigen.
Was die von den Regimeschlägern Getöteten angeht, so kursieren Zahlen zwischen fünfhundert und mehr als dreitausend. Man muss das schlimmste befürchten. Aus Iran selbst kommen kaum noch Viideoaufnahmen und wenn, dann nur über Starlink und sind mehrere Tage alt. Derweil steigen und steigen die Opferzahlen, während ein Ende der Internetblockade nicht abzusehen ist und das Regime zivile Übertragungsgeräte, Kameras, Bildmaterial und Satellitenschüsseln vernichtet.
Doch was an Informationen aus dem abgeschotteten Land nach aussen dringt, deutet auf einen ungebrochenen Willen der Bevölkerung hin, sich endlich von der Diktatur namens Islamische Republik zu befreien. «Dies ist die letzte Schlacht», lautet einer ihrer Slogans, und: «Bis Ende der Woche wird Seyyed Ali (Khamenei) verschwunden sein.» Ihre Hoffnung ruht auf einer konstitutionellen Monarchie unter Reza Pahlavi.
Wer Kontakte in die iranische Community hat, der weiss, dass die Menschen auch hierzulande nachts kaum schlafen können, weil die Ereignisse in Iran sie aufwühlen. Überall in der Welt stürmen Iraner Konsulate und Botschaften der Islamischen Republik und ersetzen die verhasste Mullah-Flagge durch die iranische Nationalflagge mit Löwe und Sonne (shir-o khorshid). Die Tage der Islamischen Republik könnten bald gezählt sein.
