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Iran

Dem Regime gehen die Optionen aus

Noch ist es zu früh, Bilanz zu ziehen, zumal Israels Generalstabschef Eyyal Zamir vor einer Woche sagte, es sei gerade die Halbzeit des Krieges gegen das iranische Regime erreicht worden, weswegen damit zu rechnen ist, dass dieser mindestens bis Mitte April dauern wird. Doch lassen sich schon jetzt zwei Dinge feststellen.

Die erste Nachricht ist schlecht: Möglicherweise haben die USA sehr viel weniger iranische Rakeren zerstört als angenommen. Jedenfalls lässt sich nicht mehr als dreissig Prozent Zerstörung beweisen. Allerdings ist da immer noch Israel, das ebenfalls seinen Teil dazu beiträgt, die militärischen Fähigkeiten des iranischen Regimes zu beschneiden.

Doch die Dinge brauchen ihre Zeit und Zeit ist knapp. Denn die USA und Israel stehen unter Erfolgsdruck, ist doch die eigene Bevölkerung kriegsmüde, wenngleich eine Mehrheit der Israelis noch hinter dem Kurs ihrer Regierung steht. Auch wachsender internationaler Druck könnte dazu führen, dass die USA und Israel eher früher als später nach einer Exit-Strategie suchen.

Wenn die Pfründen ausbleiben

Solange das Regime freilich nicht gestürzt ist, wird es seine militärischen Ressourcen wiederherzustellen versuchen; somit ist die Gefahr für die Region nicht gebannt. Im Moment aber kann es nicht länger die Gehälter seiner Streitkräfte zahlen, während es Verluste ausgleichen und die laufenden Ausgaben steigern muss, wie die Londoner «Kayhan» meldet.

Deswegen erhöht das Regime die Geldmenge, womit es jedoch die Inflation anheizt. Das ist die zweite Nachricht des Tages: Die Lebensbedingungen der Bevölkerung werden noch fürchterlicher sein, die Unruhe wird wachsen und das Regime seine Repression verstärken. Doch all das zusammengenommen bedeutet auch, dass dem Regime die Optionen ausgehen.

Denn der engste Machtzirkel hofft auf seine Pfründen und die werden immer schwieriger zu beschaffen sein. Die Macht verschiebt sich und neue Optionen gewinnen an Attraktivität. Auch wenn es an der Oberfläche noch nicht so aussehen mag, könnte das Regime schneller kollabieren als es im Augenblick den Anschein hat.

Von Michael Kreutz, Dr. phil.

Orientalist (Dr. phil.), Politologe & Kulturjournalist. Website: www.michaelkreutz.net

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